Kampf um Hilfe für syrische Binnenflüchtlinge

Syrienblog Während tausende Syrer aus dem Land geflohen sind, um der Gewalt zu entgehen, sind tausend weitere auf Hilfe angewiesen. Rima Marrouch berichtet aus Syrien
Kampf um Hilfe für syrische Binnenflüchtlinge
Foto : Rima Marrouch, Alexandra Zavi

Der 25-jährige Aous war früher Student in Syrien, was ihm heute wie ein völlig anderes Leben vorkommt. Jetzt hilft er syrischen Binnenflüchtlingen.

Der junge Aktivist aus Dair az-Zur kann viele der 150 bis 200 Familien nicht vergessen, die von Homs in seine Heimatstadt im Nordosten Syriens kamen. “Es waren hauptsächlich Frauen und Kinder, die Männer waren in Homs zurückgeblieben”, sagt er.“ Wir gaben ihnen Unterkunft und Essen. Eine Mutter nahm einen Teil der Lebensmittel mit und reiste zurück nach Homs. Sie sagte, sie sei alt, die Armee würde sie hoffentlich durchlassen, damit sie den Familien ihrer verheirateten Töchter helfen könne, die dort geblieben seien. Nach ein paar Tagen kehrte sie zurück.”

Anders als internationale Organisationen, die syrischen Flüchtlingen in angrenzenden Staaten beistehen, müssen diejenigen, die intern Vertriebenen helfen, verborgen arbeiten, um nicht die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zu ziehen. “Viele der jungen Aktivisten, die mit uns zusammenarbeiten, werden von syrischen Behörden gesucht, so dass sie sich nicht frei bewegen können”, sagt Abed Aidy, der Leiter der syrischen Hilfsorganisation Najda Now. Einer der Aktivisten, die mit Najda Now zusammenarbeiten, wurde kürzlich festgenommen.

Aidy berichtet, dass die Organisation Najda Now trotz der Schwierigkeiten und der verzweifelten Lage kürzlich 80 Mehlsäcke nach Duma geliefert habe. Seit Regierungstruppen die Stadt umstellt haben, ist das Mehl dort knapp. Najda Now verteilt außerdem Körbe mit Reis, Zucker, Öl und Brot an Familien, die ihre Häuser verlassen mussten, oder an Familien, die in den betroffenen Gebieten geblieben sind, aber ihre Einnahmequelle oder ihre Häuser verloren haben.

Aidy zufolge hat Najda Now bereits etwa 2.700 Binnenflüchtlingen geholfen. Er schätzt ihre Zahl auf insgesamt 14.000. Hinzu kommen laut Zählungen des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen UNHCR etwa 25.000 syrische Flüchtlinge in der Türkei, 10.000 weitere im Libanon und 12.500 in Jordanien. Najda Now hat überwiegend den Menschen in Damaskus und Umgebung geholfen, war aber auch rund um Idlib, Homs, Dar’a und Aleppo tätig.

“Wir wissen, dass unsere Arbeit viel Zeit braucht,” räumt Aidy ein.“ Im Moment konzentrieren wir uns darauf, Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen, doch demnächst wollen wir ein größeres Projekt starten, um Menschen psychologischen Beistand zu leisten, die Zeugen von Gewalt wurden oder Inhaftierung oder Vergewaltigung erlebt haben.”

Rima Marrouch ist freie Journalistin mit einem syrischen und einem polnischen Elternteil. Aufgewachsen ist sie im Homs der 90er Jahre, als die Stadt noch ein friedlicher Ort war. Sie berichtete aus Lybien und Syrien für die LA Times und arbeitet für das Committee to Protect Journalists/Middle East and North Africa Program. Heute lebt sie in Beirut, im Libanon.

Dieser Blog-Eintrag stammt aus der Reihe Notizen aus Syrien, der Teil der Plattform Arabische Welt in Aufruhr von Arte ist.

ARTE in Kooperation mit der Freitag

10:00 15.05.2012
Geschrieben von

Rima Marrouch | Arabien von unten

Blogs aus der arabischen Region im Umbruch. Eine Kooperation mit Arte
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Arabien von unten

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