Kinder unter Arrest

Bahrainblog Bahrains Regime klagt Protestler gerne wegen Verstoß gegen das Versammlungsverbot an und hält sie so im Gefängnis fest. Auch ein Elfjähriger wurde festgenommen
Kinder unter Arrest

In Bahrain trieb die Protestwelle vom 14. Februar über 60% der Bürger auf die Straßen, um von dem autoritären Regime Freiheit und Demokratie einzufordern. Noch heute, nach dem schärfsten Vorgehen gegen die Demonstranten, landen viele Protestler wegen „illegalen Protesten“ im Gefängnis. Ein Vorwurf, mit dem die Rufe nach Demokratie schnell erstickt werden können.

 

Video einer friedlichen Demonstration am 6. Juni 2012, die von der Polizei niedergeschlagen wurde, weil es sich um eine „illegale Versammlung“ handelte, wie das Innenministerium später bekannt gab (Quelle: Youtube)

Nach Artikel 178 und 179 des Bahrainischen Strafgesetzbuches wird „eine Gruppe von fünf Personen“, die protestieren, als „illegale Versammlung“ angesehen. Auf Grundlage von diesem Gesetz wurden in Bahrain Tausende ins Gefängnis geworfen. Nabeel Rajab, der Präsident des Bahrainer Zentrums für Menschenrechte, erhielt am 28.02.2012 einen Brief, in dem er aufgefordert wurde, vor Gericht zu erscheinen und sich vor der Staatsanwaltschaft wegen „Anstiftung zu illegalen Protesten“ zu verantworten. Herr Rajab wurde im Mai 2012 verhaftet und verbrachte drei Wochen im Gefängnis, war dann neun Tage auf freiem Fuß, wurde wieder verhaftet und sitzt nun bis heute im Gefängnis.
(Foto 3: Bei einer Demonstration hält eine Frau ein Plakat mit Nabeel Rajabs Foto hoch und fordert seine Freilassung)

Unter den Verhafteten waren Kinder, die beim Spielen auf der Straße verhaftet wurden. Ali Hassan, 11 Jahre alt, wurde im Mai 2012 verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, an illegalen Protesten teilgenommen zu haben. Am 11. Juni beginnt der Prozess gegen Hassan. Das Gesetz über „illegale Versammlungen“ wurde nicht angewendet, wenn es um eine Demonstration für die Regierung ging. Im Gegenteil, die Teilnehmer wurden gefeiert und die Organisatoren stattlich belohnt.

Der Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission Bahrains (BICI Report), der von dem Regime selbst beauftragt wurde, stellte Folgendes fest:
“292. Obwohl Versammlungen nicht erlaubt waren, gibt es keine Hinweise darauf, dass die Polizei oder die Sicherheitskräfte der Regierung versucht hätten, die Menschenmenge zu zerstreuen, die sich um die Moschee Al-Fateh gebildet haben.“
Trotz des einseitig gegen sie angewendeten Gesetzes und der Gefahr, angegriffen, verhaftet oder sogar von der Polizei ermordet zu werden, harren die Verfechter der Demokratie tagtäglich auf ihren Plätzen aus und die Stimmen, die nach Demokratie verlangen, sind noch immer sehr laut.

Ahlam Oun ist eine bahrainische Jugendaktivistin und Bloggerin. Sie engagiert sich für Projekte zur Jugendförderung in den Bereichen ehrenamtliche Arbeit, öffentliche Meinungsäußerung und Führungsveranwortung. Sie ist die Begründerin von "Mumaya, Inspiring Youth" und war für "Search for Common Ground - Partners in Humanity" tätig.

Nach der Revolution vom 14. Februar in Bahrain startete Ahlam einen Blog unter ihrem richtigen Namen, nachdem sie seit 2008 anonym veröffentlicht hatte. Sie schreibt vorwiegend in Englisch, ihre Themenschwerpunkte sind Jugendrecht und Berichte über Ungerechtigkeit und Menschenrechtsverletzungen."

Ahlams Blog Making Noise

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Dieser Blog-Eintrag stammt aus der Reihe

Enthüllungen aus Bahrain - Ahlam's Blog,

die Teil der Plattform Arabische Welt in Aufruhr von Arte ist.

ARTE in Kooperation mit Der Freitag

11:00 20.06.2012
Geschrieben von

Ahlam Oun | Arabien von unten

Blogs aus der arabischen Region im Umbruch. Eine Kooperation mit Arte
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Arabien von unten

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