Undercover-Journalisten über Bahrain

Bahrainblog Demonstranten und Journalisten riskieren Verhaftung, Folter und ihr Leben. Ahlam Oun berichtet aus Bahrain
Undercover-Journalisten über Bahrain
Von der bahrainischen Regierung gerichtlich verfolgte bahrainische Journalisten, die während der Versammlung oppositioneller Gruppen unter dem Titel “Democracy Unites us” (Die Demokratie eint uns) am 27. April 2012 ein Transparent mit der Aufschrift “Media and Journalists Group” (Medien- und Journalistengruppe) halten
Foto: ZVG

Inspiriert vom Arabischen Frühling, der erst Tunesien, dann Ägypten erfasste, legten die Bahrainer ihre Revolution auf den 14. Februar 2011. Der Ruf nach dieser Revolution ging von einer hoffnungsvollen Jugend aus, die friedlich nach grundlegenden Regierungsreformen verlangte. Ihr Wunsch nach Freiheit wurde mit brutaler Repression beantwortet, viele Demonstranten wurden getötet, inhaftiert, gefoltert, entlassen oder ins Exil verbannt.

Seit dieser Repression war Bahrains Regierung bemüht, ihr Image gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft wieder aufzupolieren. Vielen internationalen Journalisten wurde deshalb die Einreise ins Land verweigert, andere wurden am Flughafen gleich wieder zurückgeschickt. Nick Kristof, Kolumnist der New York Times und zweifacher Pulitzer-Preisträger, darf Bahrain zum Beispiel noch immer nicht besuchen. Vor zwei Wochen twitterte er:

@NickKristof: “Bahrain verweigert mir ein Visum, aber ihr könnt unter @nazihasaeeds Timeline nachlesen, wie dort eine Reporterin gefoltert wurde.

Um unentdeckt zu recherchieren, reisen manche Journalisten undercover nach Bahrain und suchen in den Dörfern den direkten Austausch mit den Demonstranten, um die grausame Seite einer Regierung zu zeigen, die sich hinter hohen Gebäuden, 5-Sterne-Hotels und Privatstränden verschanzt.

Wer als Journalist undercover arbeitet, geht ein hohes Risiko ein, von der Polizei angegriffen, inhaftiert oder nach dem Aufgreifen gleich verschleppt zu werden. Dennoch sind manche Journalisten bereit, dieses Risiko zu tragen. Die Demonstranten brauchen keine offiziell akkreditierten Journalisten, das ist ihnen schlichtweg egal, so lange sie nur die Möglichkeit haben, sich anderswo Gehör zu verschaffen.

Behinderung legal operierender Journalisten

Demonstranten, die inoffiziell arbeitende Journalisten unterstützen, riskieren Übergriffe und Verhaftungen. Jüngstes Beispiel ist die Verschleppung einer Gruppe von Reportern von Channel 4 News sowie von Auslandskorrespondent Jonathan Miller, nachdem sie beim Filmen einer Demonstration am Rande Formel 1-Grand Prix im April 2012 verhaftet wurden. Die Bahrainer, die den Journalisten halfen, der Fahrer Ali Al Aali und der Aktivist Dr. Ala’a Al-Shehabi, wurden festgenommen, inhaftiert und dann wieder freigelassen.

Auch legal operierende Journalisten wurden nicht fair behandelt. Ein europäischer Sender beantragte die Einreise nach Bahrain für drei Tage, um eine Dokumentation über die Revolution vom 14. Februar zu drehen. Das Team bekam ein Visum, aber Kameras und Ausrüstung wurden am Flughafen mit den Worten beschlagnahmt: "Das ist das normale Vorgehen, ihr bekommt sie zurück, wenn der Papierkram erledigt ist." Ein großer Protestmarsch für mehr Demokratie war von der Opposition geplant, die Regierungsbehörden hielten das Team absichtlich so lange auf, bis der Protest vorüber war.

Nach einem Monat wurde die Dokumentation ausgestrahlt, mit Videoclips, die zeigten, wie die Kameras am Flughafen beschlagnahmt wurden und wie sich die Reporter auf Dächern verstecken mussten, um die Proteste heimlich mit iPhones und kleinen Kameras filmen zu können. Bei den Terminen mit regierungstreuen Vertretern dagegen war alles ganz einfach. Der Film legt beredtes Zeugnis davon ab, wie parteiisch das Regime ist.

Ganz unten auf Pressefreiheitsindex

Was internationalen Journalisten bis heute in Bahrain widerfährt, ist aber nicht vergleichbar mit dem, was mit lokalen Journalisten passierte, die für mehr Demokratie demonstrierten. Über 70 bahrainische Journalisten wurden wie Ali-Bazzaz entlassen, schwer gefoltert und inhaftiert wie TV-Moderator und Reporter Faisal Hayat oder gefoltert wie die Journalistin Nazeeha Al-Saeed.

Esmat Al Mosawi, ein altgedienter bahrainischer Journalist, twitterte: “Ich verlor meinen Job, weil ich Demokratie forderte. Ich hätte nie gedacht, dass 140 Zeichen auf Twitter mir so viel mehr Freiheit für meine Meinungsäußerung schenken würden, als es eine ganze Kolumne in einer von der Regierung zensierten Zeitung tut."

Für lokale wie für internationale Journalisten ist es keine Überraschung, dass Bahrain mit Platz 173 des Pressefreiheitsindexes 2011/2012 der "Reporter ohne Grenzen" ganz unten auf der Liste rangiert, gefolgt von China, dem Iran und Syrien.

 

ARTE-Dokumentation: Bahrain – Verbotene Bilder” von Stéphanie Lamorré

 

Ahlam Oun ist eine bahrainische Jugendaktivistin und Bloggerin. Sie engagiert sich für Projekte zur Jugendförderung in den Bereichen ehrenamtliche Arbeit, öffentliche Meinungsäußerung und Führungsveranwortung. Sie ist die Begründerin von "Mumaya, Inspiring Youth" und war für "Search for Common Ground - Partners in Humanity" tätig.

Nach der Revolution vom 14. Februar in Bahrain startete Ahlam einen Blog unter ihrem richtigen Namen, nachdem sie seit 2008 anonym veröffentlicht hatte. Sie schreibt vorwiegend in Englisch, ihre Themenschwerpunkte sind Jugendrecht und Berichte über Ungerechtigkeit und Menschenrechtsverletzungen."

Ahlams Blog Making Noise

Ahlams Twitter-Account

Dieser Blog-Eintrag stammt aus der Reihe

Enthüllungen aus Bahrain - Ahlam's Blog,

die Teil der Plattform Arabische Welt in Aufruhr von Arte ist.

ARTE in Kooperation mit Der Freitag

14:15 12.06.2012
Geschrieben von

Ahlam Oun | Arabien von unten

Blogs aus der arabischen Region im Umbruch. Eine Kooperation mit Arte
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Arabien von unten

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