In meiner Schule nennen wir die Lehrer Nazis

Migranten- Schüler Schulreport
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Schülerreport ist wichtig, denn er verweist auf die unterschiedlichen Zustände an den deutschen Schulen. Deshalb werde ich bis Ende dieses Monats mit Schülern unterschiedlicher Schulen sprechen; Was macht ihnen an ihren Schulen Angst, wo läuft was falsch und so weiter.

Köln — Auf der Hauptschule geht *Abdullah zur Schule, er besucht die neunte Klassen, er fast 18 Jahre alt, und hat den Wunsch, später nach seinem Hauptschulabschluss, also nach der 10. Klasse, Jura zu studieren. Dass das Abitur die Voraussetzung für eine Zulassung an deutschen Universitäten, und Fachhochschulen FH ist, das weiß der *Hakan nicht.

Die Hauptschule ist bisher seine einzige Schule, gewechselt hat er nicht, allerdings ist er zwei Mal beinahe sitzen geblieben.

„ Die Hauptschule macht mir Spaß, hier sind alle meinesgleichen - es gibt niemanden, der uns aufhalten kann. Später will ich nach meinem Hauptschulabschluss Jura studieren, wie einst mein Vater in der Türkei.“

In seiner Schule gibt es keine deutschen Schüler

„ Warum ich auf die Hauptschule kam? Ich denke, dass ist das Schicksal, was mir Gott vorgeschrieben hat, um mit meinesgleichen zusammenzubleiben. Zum Glück gibt es hier keine deutsche Schüler, sonst hätten wir Probleme gehabt. Deutsche Schüler werden unter uns gemobbt, geschlagen und wie Sklaven behandelt - sozusagen als Opfer!“

Sein Verhalten gegenüber Lehrern und Mitschülern bereut er – aber sich ändern? Das will er nicht.

„ Die Lehrer, wie auch meine Mitschüler/innen tun mir wegen meines Verhaltens, und des Benehmens meiner Kameraden leid, aber so sind wir erzogen, und so steht es in der Heiligen Schrift. Christen und Juden werden nie unsere Freunde sein. Ich kann nichts dafür, so steht es in der Schrift.“

Wenn sie schlecht benotet werden, nennen sie die Lehrer Nazis.

„ Letztens wollte mir die Lehrerin eine Fünf in Deutsch geben. Warum? Ich hatte nur eine Frage von 30 beantwortet. Dann beschimpfte ich sie als Nazi, Rassistin, und Islam-Hasserin — seitdem hat sie Angst vor mir und sie gibt mir statt Fünfen und Vieren einfach eine Drei oder Zwei.“

Es kommt vor, dass Eltern auf Lehrer gehetzt werden, die sich und ihre Familien bedroht fühlen.

„ Unsere Lehrer unternehmen nichts. Die Mobbing-Opfer besuchen dann eben eine andere Schule, aber niemand hier kritisiert uns dafür, das ist normal auf der Schule. Die Schulleitung steht unter Druck!“

In der Klasse spielt man mit den Handys, es wird Türkisch gesprochen und man prügelt sich.

„ Es passiert schon das zehnte Mal, dass die Lehrer wegen unseres Verhaltens die Schule wechseln — denn wir prügeln uns gegenseitig und sprechen kein Deutsch, oder spielen mit den Handys. Deutsch sprechen? Lieber Türkisch. Die Lehrer sollen doch tun, was sie wollen.“

*Name wurde vom Autor verändert..

Autor: Aras Bacho, Bündnis 90/Die Grünen Twitter: @ArasBacho

22:33 27.04.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Aras Bacho

Aras Bacho, 19, Flüchtling aus Syrien. Kolumnist bei HuffPost Deutschland und Oe24.at.
Aras Bacho

Kommentarfunktion deaktiviert

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert. Deshalb können Sie das Eingabefeld für Kommentare nicht sehen.

Kommentare