Das Schwarze Loch in Brandenburg

Desperate Despoten: Heute macht Wow I. einen Betriebsausflug mit Spacemaster Blähsporn – wann wird der Fluchhafen Schönerflieg zu einer „Blühenden Landschaft“?
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Mit öhrchenzerfetzendem Jaulen und Dröhnen schraubt sich einHelikopter aus dem frühen Morgennebel über die idyllischen Ufersäume der Spree und landet zielgenau auf der Dachterrasse des Roten Rathauses, auf dem Flugmobil blinkt rot das große S für SUPERMAN… nein, nein wir sind doch in Berlin, hier steht S für SPACEMASTER, jawohl der schnellste Fluchhafenchef der Welt ist im Anfluch: Spacemaster Blähsporn!

Der fröhliche Berliner Despot Wow I. ist gleich aus dem Himmelbett gefallen, weil er dachte, die Drohnen der amerikanischen Freunde wollten ihm ein fröhliches Morgenständchen singen, er hat ja so komische Träume in letzter Zeit….. „Wo sind unsere Millionen, Partykönig Wow?“ rufen sie böse vom Platz vor dem Rathaus und rasseln dazu mit Eimern und Brandstiftern, aber es ist ja nur ein Traum, denkt Wow noch ganz zerzaust, die olle Grünanlage vor meinem Rathaus muss ich endlich an die amerikanische Finanzinvestoren verscheuern, damit da kein Berliner mehr demonstrieren kann, wir sind ja nicht mehr im Osten… Ich brauche doch dringend Geld für mein Schloss!

„Spacemaster Blähsporn ist da, ein Überraschungsbesuch!“ klopft Jan, der Kammerdiener vorsichtig an die Tür des Schlafgemachs, sodass jetzt auch die bislang noch leise schnarchende Herzensfreundin Marie Antoinette hochschreckt: „Was, was ist los… hast Du den verrückten Alten etwa so früh eingeladen, mein lieber Mann und Herrscher über Berlins Schuldentürme?“

Aber Wow brummt nur sein Bärenbrummen, mit dem er die absolute Gedankenleere überdeckt, die gelegentlich seine despotierlichen Gehirnkammern heimsucht…… er kann sich an nichts erinnern. Aber Spacemaster Blähsporn ist immer für eine Überraschung gut: ist zwar einer der teuersten Hofnarren hier in Berlin, aber es lohnt sich allemal, ein Schenkelklopfer ist immer drin.

„Überraschung, Chef, wir machen einen Ausfluch!“ trompetet Blähsporn jetzt schon fröhlich, als er die fein mit Leder bezogene Tür am Ende des Schlafsaals aufschlägt: „Heute bin ich mit dem Roten Feuerstuhl gekommen, Deine Sänfte bleibt im Stall!“

„Warum hat der Alte eigentlich keine Angst vor mir,“ denkt der Berliner Despot jedes Mal, wenn er den quirligen Blähsporn trifft, denn der Spacemaster lässt sich durch keine Drohung beeindrucken, Wow I. hat schon einiges probiert….die Androhung der blutigen Zungenentfernung war da nur der erste Versuch, den Blähsporn im letzten Jahr mit einem jovialen Gelächter quittierte; „Und wer baut dann Deinen Fluchhafen fertig, großer Meisterbürger Wow!“

Kaum zehn Minuten später hat der Spacemaster sein Ziel erreicht: Der Helikopter mit dem rot blinkenden S hebt ab vom Dach des Roten Rathauses, zwei entschlossene Männer an Bord,die einander so dringend brauchen wie Pech und Schwefel.

„Willst Du mir heute zeigen, wie Deine Entrauchungsanlage funktioniert?“ stichelt der freundliche Despot zu seinem Chauffeur im Roten Feuerstuhl hinüber, aber der lächelt nur vielsagend und richtet seinen Pilotenblick zwischen schmalen Lidern auf den fernen Horizont.

Sie wissen beide gut genug, dass diese sagenhafte Anlage in hundert Jahren noch nicht funktionieren wird, in der Inselhauptstadt nennt man die legendäre Maschine schon „das Monster“. Sie ahnen beide, dass keine Macht der Welt genug Geld auftreiben kann, diese Anlage in Betrieb zu setzen. Selbst die Berliner Mauer hat ein Ende gefunden wie alles, was Menschen bauen.

Für den Berliner Despoten ist das Problem anders zu lösen, er hat dazu schon mit Freund Plätzchen gesprochen: Schuld am Desaster ist schließlich ein nichtsnutziger Brandenburger Stempeldreher, der die Baupläne nicht richtig lesen kann und alberne Prüfungen angeordnet hat…. Irgendwo im Bauamt hinter dem Spreewald sitzt ein bösartiger Saboteur, der zu ängstlich ist, die Betriebserlaubnis zu unterschreiben… trotz Anweisung!

Über die weitläufigen brandenburgischen Steppen und Tundren schaukelt der kleine rote Heli mit dem rot blinkenden Spacemaster-S, verirrte Schafherden und verträumte Schwarzbrenner erschrecken kurz und suchen das Weite, und allmählich füllt sich der Sichtkreis der Pilotenkanzel mit den endlosen Betonflächen der Schönerflieger Pisten.

Aber warum stehen überall Wagen auf den Asphaltflächen, warum werden so viele Löcher in die Rollbahn gebohrt….? Fragend blickt der Despot herüber zu seinem Fluchhafenchef: „Das sind doch nur Testbohrungen, keine Bange“ lacht Blähdorn fröhlich, „wir starten erst durch, wenn wir fündig werden!“ Das scheint eine sinnvolle Äußerung, aber dieses Glitzern in den Augen des Alten stört den verschaukelten Despoten irgendwie…: „Aber was sucht Ihr denn da, Spacemaster?“

„Wir fracken! Ist das nicht eine tolle Osterüberraschung, Chef?“ mit der rechten Hand schlägt Blähsporn dem Berliner Landeshaupt kumpelhaft auf die Schulter, sodass die linke den kleinen Heli kaum noch kontrollieren kann, der alsbald ein langsames Trudeltänzchen beginnt „Finger an den Knüppel!“ stöhnt der schwankende Despot, „was ist hier los?“

Spacemaster Blähsporn setzt zu einem übermütigen Looping an und beginnt lauthals zu singen: „Fracking for freedom, we’re fracking for freedom…“ und das rote S blinkt und tanzt wie verrückt über den Brandenburger Weiten: „Wir werden autark, wir produzieren unsere Kerosin selbst und wir brauchen kein frisches Geld mehr, ist das nicht genial!?"

Wir bohren nach Gas, damit bezahlen wir den Laden bis zur Eröffnung der Shopping Mall, und dann rappelt die Kohle so richtig! Vergiss das Monster, f*** Entrauchungsanlage! Rauchen ist nur vor der Tür erlaubt!!“


.... Einblicke in das Paralleluniversum:

http://www.tagesspiegel.de/berlin/entrauchungsanlage-am-ber-das-monster-des-flughafens/9735726.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/ber-eroeffnungstermin-und-technik-flughafen-schreibt-jetzt-planung-neu-aus/9775322.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/ber/brandbrief-an-den-ber-aufsichtsrat-ein-protokoll-des-scheiterns/9722508.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/ber/das-milliardengrab-ber-neuer-flughafen-koennte-sogar-acht-milliarden-kosten/9703588.html

http://www.berliner-zeitung.de/alexanderplatz/stadtbild-stoess--vorstoesse,22289878,22555580.html

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/alexanderplatz-umfeld-ideen-fuer-den-platz-am-roten-rathaus-gesucht--,10809148,26602978.html

http://www.klimaretter.info/energie/hintergrund/13339-fossile-brennstoffe-frueher-am-limit

http://www.tagesspiegel.de/berlin/spd-machtkampf-um-den-vorsitz-jan-stoess-und-raed-saleh-schaden-der-partei/9768068.html

http://www.neues-deutschland.de/m/artikel/930493.wer-wenn-nicht-ich.html

http://www.think-berlin.de/2014/03/703/#_ftn1

Nachtrag zum 310. Eintrag vom 10.05.2012: Im Blog archinaut: treibt seit Monaten ein regierungsmüder Despot sein listenreiches Unwesen: Wow I. sehnt sich nach dem neuen Schloss, um mit seiner Herzdame endlich das Haus PreußischWow! in das güldene Buch der Geschichte Berlins einzuschreiben, aber der Schlossbau bleibt von Folge zu Folge chronisch unterfinanziert....

Hier die Chronik der Peinlichkeiten:

Prolog: Kannibal Sarrazin

Hetär der Hedonisten Teil 1

Hetär der Hedonisten Teil 2

Hetär der Hedonisten Teil 3

Hetär der Hedonisten Teil 4

Hetär der Hedonisten Teil 5

Christlicher Wolff sucht neues Rudel

Die Graue Frau kehrt zurück

Der schwäbische Saubermann Fluch der weißen FrauDer neue Schlossprediger

Tresor ohne Schlüssel

Die Graue Frau und das Eis

Pompa übt Fluchhafen

Delicious Martin stellt den Despot zur Rede

Wo ist der Neue Schlossprediger?

Zeit für den Rücktritt?

Takeoff Wow I.

Wow I. sehnt sich nach dem neuen Schloss, um mit seiner Herzdame endlich das Haus PreußischWow! in das güldene Buch der Geschichte Berlins einzuschreiben, aber der Schlossbau bleibt von Folge zu Folge chronisch unterfinanziert....

03:30 19.04.2014
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Geschrieben von

archinaut

Ein Blick weitet den Horizont: Dieser Blog zieht um die deutschen Häuser
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