Der schwäbische Saubermann

Desperate Despoten: Despotierliches zum Frühstück versaut die schönsten Perspektiven
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Erregt drischt der Berliner Despot Wow I. mit der Schlosspostille auf den reich gedeckten Frühstückstisch und brüllt zornsprühend: „Was – erlauben – sich - GEISSEL!!!“ Zwischen jedem Wort muss er nach Luft schnappen, seine liebreizende Herzensfreundin Marie-Antoinette schüttelt erstaunt die schwarzen Kaviar-Perlchen aus dem freundlichen Morgendekolleté und versucht ihn zu beruhigen. Aber der erregte Despot verliert nun jede Fasson und schlägt wild um sich, sodass selbst die gegrillten Gambas erschrocken das Weite suchen. Er reißt das Blatt auseinander, spuckt dreimal hinein und röhrt: „GEISSEL – GEISSEL – bleib in Stuttgart, GEISSEL!!!“ Neugierig, aber sehr, sehr vorsichtig versucht die huldvolle Marie-Antoinette einen Blick auf den bespuckten Artikel zu erhaschen und kann gerade noch den Rest einer Überschrift lesen. „.... das dümmste Monument der Republik“, bevor der restlos ausgetickte Despot die frische Zeitung mit dem Käsemesser kurz und klein häckselt und mit wütendem Löwengebrüll in sich hineinschlingt... Marie-Antoinette ahnt Fürchterliches.....

„Ich will den Präsident sprechen!“ brüllt Wow in sein Telefon, „aber sofort!“ – angsterfüllt zittert das Gerät in seiner unruhigen Hand, immer wieder ist zu beklagen, dass der Überbringer schlechter Nachrichten für den Inhalt der Botschaft haftbar gemacht wird.... „Pronto, dawwaii, subito!“ kreischt der Despot in den höchsten Tonlagen, „bist Du dran, Wolffi?!“ Er achtet kaum darauf, ob am anderen Ende jemand seine Anwürfe entgegennimmt: „Hömma, das sagt einer von Euch: Rechtskonservatives und deutschnationales Gedankengut ist offensichtlich nicht auf Glatzköpfe und NPD-Funktionäre beschränkt, sondern breitet sich ungestört auch in städtischen Ämtern und Parlamenten aus. Redet man so mit uns, sag mal ehrlich, Wolffi!“ beschwert sich der Despot zutiefst empört, gerade noch rechtzeitig fällt ihm ein, dass er vom Präsidenten keine Ehrlichkeit verlangen kann.

Wer kann so was denn in unsere Schlosspostille schreiben: Die Stadt Berlin findet nichts dabei, dass das dümmste Monument der Republik, nämlich die Siegessäule mit ihren blutrünstigen Reliefs und eingelassenen Kanonenrohren, mit denen die Preußen auf Württemberger, Österreicher, Hessen und Franzosen geschossen hatten, umgeben von Standbildern der preußischen Generalität, mitten in der deutschen Hauptstadt ihren Standort hat. Also Wolffi, wer so was sagt, gehört nicht mehr zu uns! Den müsst ihr exkommunizieren!“

Der Berliner Despot schnappt nach Luft, weil sein Gesicht schon bläulich-rot angelaufen ist: „Und behaupte nicht, dass Du nicht weißt, wer dahinter steckt! Der Name steht ja drunter!! GEISSEL streckt seine Fühler nach Berlin aus! Sucht sich den nächsten Job, wo sie den alten Bahnhof in Stuttgart jetzt wegreißen..... der Schwäbische Saubermann muss sofort aufhören, Wolffi, hörst Du? So darf GEISSEL nicht über uns reden: Sie befürwortet auch die Wiedererrichtung des architektonisch mittelmäßigen Hohenzollernschlosses zu einem Kostenpunkt von einer halben Milliarde Euro, während Opernhäusern, Orchestern und Museen in der ganzen Republik, vor allem in Berlin, Geld und Stellen gestrichen werden. Wozu braucht die Republik Opernhäuser, Orchester und Museen? Berlin wird endlich Hauptstadt!!“

Vom anderen Ende der Leitung antwortet niemand. Aber Wow I. ist felsenfest überzeugt, dass seine Stimme gehört wird. Dafür ist man ja Despot. „Wenn der GEISSEL einen neuen Job braucht, soll er sich doch bei „Wetten, dass“ bewerben! Und wir können wetten, dass mein Schloss gebaut wird!!“

Link zum Original:

: Die Siegessäule ist das dümmste Monument der Republik

Gastkommentar von Heiner Geissler

Berliner Tagesspiegel vom 01.02.2012

Hier endet der 260. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

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03:30 07.02.2012
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Geschrieben von

archinaut

Ein Blick weitet den Horizont: Dieser Blog zieht um die deutschen Häuser
archinaut

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