Fristgerecht zum Quartal

Ostharz: Der weißer Umschlag bringt eine neue Wendung - ein Roman in Fragmenten
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Herr Karski ist für alle Computer und für das Netzwerk zuständig, hatte Kobold erklärt, aber heute hat Karski ein anderes Anliegen:

Der Amtsleiter von Wedderstedt hat angerufen, sie wollen die alte Schule umbauen...

Der neue Geschäftsführer freut sich über die Anfrage und ruft den Amtsleiter zurück.

Ja, wir möchten gerne wissen, ob man die Schule zu einem Wohnhaus umbauen kann, sie steht schon zwei Jahre leer....

Herrn Karski habe ich angesprochen, weil wir ihn aus einem früheren Projekt kennen, das die Bauprojekt hier geplant hat..... Er kennt die alte Schule, ich habe ihm das Haus gestern schon gezeigt....

Nein, wir können Ihnen jetzt nichts bezahlen, aber.... vielleicht wird ein richtiges Projekt daraus, wenn die Kosten stimmen.... dann machen wir einen Vertrag....

Es soll in der Bürgerversammlung vorgestellt werden, gleich mit einer Wirtschaftlichkeitsberechnung, damit wir sehen, wie lange es dauert, bis die Kosten der Sanierung durch die Mieteinnahmen wieder ausgeglichen sind.... die Versammlung ist in drei Tagen, am Donnerstag!

Der Amtleiter zögert etwas... irgendetwas will er noch loswerden.

Ich weiß, dass es bei der Bauprojekt Quedlinburg mehrere Bauplaner gibt.... wir würden es begrüßen, wenn Sie Herrn Karski für diese Aufgabe vorsehen könnten.... er wohnt im Nachbarort....

Karski arbeitet schon an dem Projekt. Als der Geschäftsführer in sein Büro kommt, versucht er gerade eine Zweiraumwohnung in ein Klassenzimmer zu quetschen.....

Aber das Wohnzimmer ist doch viel zu klein, Herr Karski, versucht der Chef einzuwirken, und das Zimmer hat nur acht Quadratmeter, das ist zu klein für ein Schlafzimmer....

So wollen die Leute das haben, sagt Karski, Sie sind nicht von hier, Sie können das nicht wissen! Finster durchbohrt sein Tunnelblick den matt leuchtenden Bildschirm. Außerdem muss ich morgen fertig sein, damit ich die Wirtschaftlichkeitsberechnung noch schaffe!

Herr Karski will allein zur Bürgerversammlung gehen, um sein Projekt vorzustellen. Acht kleine Wohnungen hat er in der alten Dorfschule geplant. Am nächsten Tag ist er wortkarg, er hat das Projekt vorgestellt, aber er weiß nicht, ob ein Auftrag folgt.

Zwei Tage später telefoniert der Geschäftsführer mit dem Amtsleiter und fragt nach, ob die Bürgerversammlung eine Entscheidung getroffen hat.

Der Amtsleiter zögert..... ja, wenn das Projekt sich irgendwann gerechnet hätte..... Herr Karski hätte es vielleicht etwas freundlicher rechnen müssen, mit leisem Bedauern in der Stimme.

Am nächsten Tag übergibt Karski seine Kündigung, schriftlich in einem weißen Umschlag, fristgerecht zum Quartal: Es geht nicht, hier ist kein Platz mehr für mich! sagt er dazu: Sie sind Architekt, ich bin Bauingenieur.... Aber bitte sagen Sie den anderen noch nichts!

Hier endet der 230. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

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23:57 17.12.2011
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Geschrieben von

archinaut

Ein Blick weitet den Horizont: Dieser Blog zieht um die deutschen Häuser
archinaut

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