Kann ein Blog sterben?

Herbst .... wenn Drachen steigen
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Dieser Blog kommt aus der Zukunft. Sie ist grauenhaft.... mit diesen Worten ist der Blog archinaut: vor drei Jahren vom Stapel gelaufen.... 365 Folgen stehen jetzt in der Vergangenheit wie alles andere, was Dich je in Deinem Leben erreicht hat.

Was auch immer wir schreiben, kann untergehen, bevor es einer empfänglichen Menschenseele begegnet.... was ich in das Netz entlassen habe, hat einige erreicht, worüber ich mich freue, und der Wunsch bleibt, dass es noch andere finden, eines Tages..... in einer Zukunft, die hoffentlich nicht grauenhaft ist.

Denn die Zukunft ist formbar, aber sie wartet nicht auf uns. Der einzige Moment, in dem wir die Zukunft gestalten können, ist doch gerade dieser eine Moment Gegenwart: jetzt.

Wer weiß, vielleicht die richtige Stelle, die Legende vom armen Drachentöter einzuflechten...?

Noch nicht lange her, da bedrohte eine feuerspeiender, jungfrauen- und hartgeldfressender Drachen die Inselstadt.... wohnte versteckt in den Dünen, überfiel arme Fischer und reiche Kaufleute, und alle Insulaner hatten unter seinem unmäßigen Hunger schwer zu leiden.... Ach, wenn der Drachen doch bald sterben wollte, so hofften sie und beteten wohl auch gelegentlich zu ihren Göttern....

Kam schließlich ein armer Seefahrer, der sein Schiff im Sturm verloren hatte, suchte einen Platz zum Leben und bot seine Dienste an, bis er eines Tages das gefräßige Geheimnis der Insel entdeckte.... Was gebt Ihr mir, wenn ich den Drachen für Euch töte? fragte er, aber die Insulaner konnten den Sinn seiner Rede nicht verstehen. Den Drachen hat noch niemand besiegt, beschieden sie ihm, warum also sollte es ausgerechnet Dir gelingen?

Weil ich nichts zu verlieren habe, sagte der schiffbrüchige Seefahrer.

Was uns der Drachen nimmt, lassen wir ihm nicht gern, sagten sie, wir sind arm und haben nicht viel, wie also könnten wir Dir freiwillig irgendetwas geben? Andere sagten sogar: Der hungrige Drache schützt unsere Küsten vor schiffbrüchigen Seefahrern, die auf unsere Jungfrauen scharf sind.... warum sollten wir was gegen den Drachen unternehmen?

Der arme Seefahrer träumte natürlich von der schönen Königstochter, aber eine auskömmliche Ganztags- oder Teilzeitstelle hätte ihm auch schon geholfen, selbst über einen kleinen Garten hätte er sich gefreut, um Kartoffeln und Nudeln anzupflanzen..... (an diesem Wunsch lässt sich erkennen, dass er leider nicht besonders klug war). Aber er musste nun einsehen, dass die Insulaner ihm nicht vertrauten.

So sagte er: Ich verlange nichts von Euch, bevor ich den Drachen erledigt habe..... trotzdem werde ich gehen, ihn zu töten..... und ich möchte Euch darum bitten, jeden Morgen ein Glas frisches Wasser an den trockenen Baum vor den Dünen zu stellen, solange mein Kampf mit dem Untier dauert, als Zeichen dafür, dass Ihr an mich denkt.

Dann ging er in die Dünen vor dem Strand, wo der Drachen lebte.

Am ersten Tag brachte ein altes Mütterlein ein Glas frisches Wasser zum trockenen Baum – als junges Mädchen war sie eine Woche in der Gewalt des Drachens gewesen, und ihre Tränen waren schon in der ersten Nacht erfroren.

Am zweiten Tag brachte ein alter einbeiniger Fischer ein Glas frisches Wasser zum trockenen Baum – als junger Mann hatte er mit dem Drachen gekämpft und sein Weib, seine Kate, sein Schiff und sein Bein verloren in einer Nacht.

Am dritten Tag brachten zwei Kinder ein Glas frisches Wasser zum trockenen Baum – im letzten Winter war ihr liebster Freund verhungert.

Am vierten Tag aber hatten die Insulaner den schiffbrüchigen Seefahrer in den Dünen vergessen.

Und als der Herbst kam, flog der Drachen über die Stadt.... ließ sich nieder mitten auf dem Marktplatz, wühlte ihn mit dem neunfach gepanzerten Drachenschweif auf, dass die Pflastersteine auf die stolzen Bürgerhäuser der ersten Reihe niederprasselten und legte zwölf glänzende Eier in den morastigen Grund......

Drachen sterben selten eines natürlichen Todes, so will es die Fabel. Jeder Drache wartet auf den, der ihn überwindet, wir wissen es spätestens, seit Jim Knopf uns die Augen öffnete.

So wie dieser Blog archinaut: erst sterben kann, wenn darin keiner mehr lesen will......

Hier endet der 365. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

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Dieser Blog mischt Fiktion und Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

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02:22 14.09.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

archinaut

Ein Blick weitet den Horizont: Dieser Blog zieht um die deutschen Häuser
archinaut

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