Projekt Donauwellen

Vom Bauen: Ein Projekt ist ein einmaliges Vorhaben, das in abgestimmter, gesteuerter Tätigkeiten durchgeführt wird, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Dem Ingeniör ist nix zu schwör, sagt der Volxmund im Jahr ??33 Im elektronischen Archiv des archinaut: haben die Kaninchen ein gigantisches Projekt gefunden. Die Entstehungszeit kann infolge der Übertragung in ironische Dateien nicht mehr rekonstruiert werden, es könnte im Jahr neunzehnhundertdreiunddreißig (1933?) aufgezeichnet worden sein - oder hundert Jahre später (2033?). Möglicherweise handelt es sich um ein Projekt, das zusammen mit seinen Erfindern untergegangen ist.

Ist die Donau ein deutscher Fluss?

So fragt ein Ingenieurkollektiv aus dem Stuttgarter Raum in der Expertise. Sie analysieren den Verlauf der Donau: der Flusslauf nähere sich nicht der nächstgelegenen Nordsee, sondern suche sein Ziel weit fort im Osten.

Sie kritisieren die österreichische Regierung, weil sie die Donau in einer konzertierten Aktion der Kulturschaffenden annektiert habe. Das sei übergriffig, so stellt die Stimme des Stuttgarter Kollektivs fest, die Donau entspringe schließlich bei Donaueschingen:

Brigach und Breg bringen die Donau zuweg, wie der Volksmund weiß.

Die Ingenieure loben den Rhein, der geradezu vorbildlich von Süden nach Norden fließe, als korrigierbaren Schönheitsfehler registrieren sie aber auch, dass er in ein Nachbarland verleitet werde.

Die Ingenieure möchten die Effizienz der Donau steigern, zu diesem Zweck beschreiben sie einen Plan den Flusslauf neu zu führen:

Projekt Donauwellen (Deutsche Donau)

Der neue Donaulauf über die Hauptstadt Deutschlands

Nürnberg – Leipzig – Berlin - Rostock

„Hirnverbrannt!“ spottet Marlene mit spitzen Lippen. Sie hat gerade vier Portionen Currywurst mit Pommes vom Stehimbiss geholt und an die Gefährten verteilt, ein kärgliches Abendmahl im archinaut:

El Lissitzky denkt an Malewitsch und an die erste futuristische Oper Sieg über die Sonne, mit der ein wildes Künstlerkollektiv das Ende der Vergangenheit postuliert und den Kampf der „futuristischen Kraftmenschen“ preist....“Kommunismus gleich Sowjetmacht plus Elektrifizierung,“ war Lenins Parole......Aber er schweigt, weil Marlene etwas zu essen spendiert hat. Er möchte nicht unhöflich sein.

Mies erinnert sich vage an ein Projekt zur Trockenlegung des Mittelmeers, während er mit Ketchup die Umrisse auf den Pappdeckel skizziert..... „Bitte nicht zeichnen, lieber Mies...... so ist es doch verabredet!“ mahnt Peggy freundlich, mit einem melancholischen Seufzer lässt Mies den zum Skizzieren benutzten Pommfritz sinken und er murmelt: „Es juckt einfach so in den Fingern...“

„Ihr habt es mir versprochen!“ setzt Peggy ernsthaft nach, „Ihr bleibt abstinent.....nur durch Worte werdet Ihr Eure Projekte beschreiben, nicht mit Bildern.“

Peggy hat recht, diese Festlegung haben sie für ihre Expedition getroffen. Viel zu dominant sind die fotorealistischen Visualisierungen aus den Bildermaschinen, verführerisch und armselig zugleich, als ob sie die Zukunft vorweg nehmen und damit die Realität eliminieren wollten..... so wie auch die Bilder vom Stadtschloss auf dem Bauschild. Sie haben die Zeit getötet, denkt El Lissitzky.

Nein, sie werden kein Bild machen vom claim of dreams.

„Zur Donau gibt es auch ein berühmtes literarisches Projekt,“ erinnert sich Jünger jetzt an Danubio, „ich werde das wundervolle Werk den Kaninchen vorsingen.“ Je selbständiger die Zwergkaninchen werden, desto fürsorglicher zeigt sich Ernst Jünger....

Sieg über die Sonne spielt im 35. Jahrhundert, denkt El Lissitzky, in welchem Jahrhundert hat uns der Chrono-Navigator bloß stranden lassen? Ob die Berliner die Sonne inzwischen besiegt haben? War das Schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch die Pforte in die Zukunft? Und aus dem Gedächtnis zitiert er:

„ Allen wurde leicht zu atmen und viele wissen nicht, was sie mit sich tun sollen vor unwahrscheinlicher Leichtigkeit. Einige versuchen sich zu ertränken, die Schwachen haben den Verstand verloren, sie sagten: wir können doch schrecklich und stark werden. Das hat sie beschwert.“

Hier endet der 47. Eintrag: Dieser Blog mischt Fiktion mit Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

Next

Back

Klick zum Gästebuch

Dieser Blog mischt Fiktion mit Realität. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind zufällig und in der historischen Überlieferung nicht verbürgt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich schreibe um unser Leben. Bitte bleib dran.

01:39 01.12.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

archinaut

Ein Blick weitet den Horizont: Dieser Blog zieht um die deutschen Häuser
archinaut

Kommentare 6