Wann kommt der Mandela-Burger?

Mythos wird Marke, aber wie können wir uns dagegen wehren?
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Nein, über Nelson Mandela werde ich nicht schreiben, dazu weiß ich viel zu wenig über seine Mission, seinen Weg, seine Wahrheit, denn was auch immer ich über ihn hören, von ihm sehen konnte, musste ja einen dicken, weißen Filter passieren: kam von der anderen Seite der Welt, aus einer Vergangenheit der großen Ideen, der legendären Kämpfe zwischen Gut und Böse.

Als jetzt von ernstzunehmenden Greisen der Vorschlag kam, den Berliner Schlossplatz in Zukunft nach dem gerade verstorbenen, hochgeehrten Idol Mandela zu benennen, bin ich doch sehr erschrocken: Nichts ist ihnen heilig, selbst die Toten werden missbraucht, bevor sie noch kalt geworden, musste ich denken. Und befürchte zugleich, dass diese zynische, geschichts­vergessene Idee genau so erfolgreich wird wie der trostlose Gedanke, das verlorene alte Preußenschloss wieder aufzubauen.

Jeder Akt des Kannibalismus ist durch das Verlangen motiviert, sich Kraft und Stärke des Opfers einzuverleiben, wie es selbst im Heiligen Abendmahl der christlichen Liturgie symbolisch nachvollzogen wird…. Aber ist es wirklich unvermeidbar, dass uns eines Tages ein international aufgestellter Gastro-Konzern den dunkel gebratenen Mandela-Burger im Berliner Schloss kredenzt?

In einer ersten Reaktion auf den Namensvorschlag für den Schlossplatz fordert das Bündnis No Humboldt 21! den Namen des charismatischen Staatsmanns für die Umbenennung der Berliner Mohrenstraße, deren Name auf den preußischen Zwangsmigranten im späten 17. Jahrhundert verweist.

Später begnügte sich der Berliner Hof nicht mehr mit dem Import von Menschen, die Offiziere der deutschen Kaiserkrone brachen vielmehr zum ersten Völkermord des zwanzigsten Jahrhunderts auf: „Der entbrannte Rassenkampf ist nur durch die Vernichtung einer Partei abzuschließen,“ zitiert Wikipedia den Chef des Generalstabs Alfred Graf von Schlieffen. Nach dem Sieg über die Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika entwickelte er den Plan zur Eroberung Frankreichs… und wir können heute in den Geschichtsbüchern lesen, wie leidvoll und verlustreich die Umsetzung des Plans scheiterte.

Mit miltärischer Gewalt, die von den Deutschen so gerne noch als Niederschlagung des Herero-Aufstands bezeichnet wird, haben die kaiserlichen Truppen in Afrika einen Großteil des Herero-Volks vernichtet: Wäre es nicht an der Zeit, eine Mahnung an diese beschämende Episode der deutschen, wilhelminischen Kolonialisierung in den Grund der alten wie neuen deutschen Hauptstadt zu schreiben?

Benennt den Schlosspatz nach den stolzen, freiheitsliebenden Hereros – Nelson Mandela würde es freuen!

Presse und Links

http://www.tagesspiegel.de/berlin/ein-berliner-platz-fuer-den-freiheitskaempfer-der-platz-vor-dem-schloss-soll-nach-nelson-mandela-benannt-werden/9200170.html

http://www.uni-potsdam.de/u/romanistik/humboldt/hin/hin4/inh_zeuske_4.htm

Nachtrag zum Eintrag vom 02.05.2012: Hinter uns liegen die Chronolysen (in vier Akten)... die Timeline im Blog archinaut: ist inzwischen justiert. Dieser Blog berichtet aus Deiner Welt. Ich bin nur der Navigator, mein Name sei NEMO:

Ich werde Euch nicht schonen. Öffne Deine Augen.

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15:04 14.12.2013
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Geschrieben von

archinaut

Ein Blick weitet den Horizont: Dieser Blog zieht um die deutschen Häuser
archinaut

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