Jacob Jung

Außenpolitik, Atompolitik, Arbeitspolitik und Sozialpolitik: Beiträge zur Zeitgeschichte.
Schreiber 0 Leser 8
Avatar
RE: Kony 2012 - Eine globale Chance. | 12.03.2012 | 00:22

Das ist leider alles ein wenig komplexer:

Die Kampagne setzt sich für ein militärisches Eingreifen in Uganda ein. Es ist richtig, dass hier auf das Leiden betroffener Kinder in der Region aufmerksam gemacht wird. Allerdings liegen die schrecklichen Ereignisse, die im Film beschrieben werden, sechs Jahre zurück. Zum damaligen Zeitpunkt hat es niemanden interessiert, dass Joseph Kony, gegen den es seit 2005 einen Haftbefehl des Internernationalen Strafgerichtshofs gibt, in Uganda bis zu 60.000 Kinder entführte und rund zwei Millionen Menschen vertrieb.

Kony hält sich nachweislich seit 2006 nicht einmal mehr in Uganda auf. Viele Beobachter vor Ort gehen sogar davon aus, dass er bereits lange tot ist. Die Kampagne unterstützt die ugandische Regierung und das dortige Militär. Das System in Uganda trägt diktatorische Züge. Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung. Den Menschen fehlt es an dem Nötigsten. Die Regierung versorgt die Bevölkerung weder angemessen mit sozialen noch mit medizinischen Leistungen.

Die heutige Lebenssituation der Menschen in Uganda kommt in dem Kurzfilm "KONY 2012" nicht vor. Stattdessen reflektiert die Kampagne auf Ereignisse, die viele Jahre zurückliegen, während es ihre Initiatoren als Erfolg feiern, dass die US-Regierung im Oktober letzten Jahres 100 bewaffnete Militärberater nach Uganda entsendet hat.

Es hat nichts mit Zynismus zu tun, wenn man eine solche Kampagne kritisch beleuchtet und hierbei insbesondere hinterfragt, wem sie nutzt, wer sie von prominenter politischer Seite unterstützt und was die Organisatoren konkret mit den derzeitigen Spenden und Einnahmen in Millionenhöhe anfangen.

jacobjung.wordpress.com/2012/03/11/kony-2012-das-netz-jagt-einen-morder/

Viele Grüße, JJ

RE: Der Morgen danach: Was die Causa Wulff uns lehrt | 09.03.2012 | 19:13

Im amerikanischen Wahlampf geht es wohl in erster Linie um die vordergründige Sexualmoral der Kandidaten. Mein im Artikel vertretener Moralbegriff hat eine völlig andere Dimension.

Es geht auch nicht um die Frage, ob ein Politiker ein "besserer Mensch" sein muss, als "wir". Ich spreche von Machtmissbrauch und von der Diskrepanz zwischen öffentlicher Darstellung und interner Realität.

Christian Wulff ist nicht infolge eines demokratischen Drucks zurückgetreten. Es spielte in diesem Zusammenhang zu keinem Zeitpunkt eine Rolle, was die Öffentlichkeit über den Präsidenten dachte. Sein Rücktritt ist die Folge von seinem Verhalten, der Reaktion der Medien und der rückläufigen Unterstützung von bisherigen Partei- und Politikfreunden. In diesem Zusammenhang davon zu sprechen, dass die Affäre zeigt, unsere Demokratie würde funktionieren, heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass Sie auf die Show der Regierenden hereingefallen sind.

RE: "Gauck ist die falsche Person" | 22.02.2012 | 22:32

Hierzu vielleicht ein Zitat von Gerhard Rein aus der gestrigen Ausgabe des WDR5 Politikum:

„Nun, was man im heutigen Sprachgebrauch Bürgerrechtler nennt, hat man früher als DDR-Opposition bezeichnet. Zur DDR-Opposition hat Gauck niemals gehört. Er trat auch nicht in den system-kritischen Friedens- und Umweltgruppen im Umfeld der Evangelischen Kirchen je in Erscheinung. In den Publikationen, die in der DDR von kritischen Gruppen illegal herausgegeben wurden, taucht der Name Gauck als Verfasser nicht auf.

Joachim Gauck hat sich im Oktober 1989 in Rostock dem „Neuen Forum“ angeschlossen. Vorher ist ein politischen Engagement gegen den repressiven Staat nicht auszumachen.“

RE: Der Gauck, die Netzgemeinde und die anderen | 22.02.2012 | 18:27

Hihi, böse "Erbsenzählerin" :D

Aber jetzt bleibts so, alleine schon wegen Freud und so.

LG, Jacob

RE: IGH: Deutschland muss Nazi-Opfer nicht entschädigen | 03.02.2012 | 21:30

Das halte ich für eine verkürzte Sichtweise. Das Verfahren vor dem IGH basiert auf einer Reihe von Gerichtsverfahren in Italien, bei denen noch lebende NS-Verbrecher angeklagt waren und schuldig gesprochen wurden. Diese leben bei vollem Rentenanspruch unbehelligt in Deutschland, weil sich die Regierung weigert, sie zum Antreten ihrer Haftstrafen nach Italien auszuliefern.

Wären Deine Eltern oder andere Verwandte 1944 im Rahmen von "Vergeltungsaktionen" von Angehörigen der Division "Hermann Göring" zu Tode gefoltert, verbrannt und erschossen worden, dann würde es Dich wahrscheinlich nicht kalt lassen, dass die Täter nie zur Rechenschaft gezogen wurden und, im Gegensatz zu Dir, ein angenehmes Leben genießen könnten.

Dass hat mit Deiner persönlichen Schuld nichts zu tun. Natürlich trägt kein Deutscher, der spät genug geboren wurde, eine individuelle Schuld an den Verbrechen des NS-Regimes. Stattgefunden habe diese aber dennoch und den Opfern mit einem kalten Schulterzucken zu begegnen, ist m.E. nicht genug.

Dein Vergleich mit der Situation auf der Straße zusammengeschlagen zu werden, ist in diesem Zusammenhang absurd. Du kannst doch nicht ernsthaft das allgemeine Lebensrisiko, zu dem nun einmal auch gehört, dass man angegriffen werden kann, mit den systematischen Verbrechen des NS-Regimes gleichsetzen.

Ich halte es für angemessen, Opfer und ihre Angehörigen zumindest finanziell zu entschädigen. Bei dem betreffenden Verfahren ging es insgesamt um Entschädigungszahlungen in Höhe von 800.000 Euro. Wenn Du einmal darüber nachdenkst, für welchen Unsinn und Quatsch die Regierung Millionen- und Milliardenbeträge ausgibt, dann scheint mir dieser Betrag keinesfalls zu hoch, wenn Du damit Menschen unterstützen kannst, die bis heute unter ihren gebrochenen Biografien leiden, die unsere Vorfahren verursacht haben.

RE: Selbstversuch Wikipedia: Löschen was nicht passt | 28.01.2012 | 01:01

@miauxx

Danke!

Das lässt sich halt nicht ausschließen, da der Entscheider seine Gründe nicht darlegen muss und man von daher nicht erkennen kann, ob er die Diskussion gelesen oder berücksichtigt hat. Wie man an "meinem Fall" erkennen kann, hat der Moderator/Administrator wegen fehlender Relevanz gelöscht. Genau hierzu hatte ich allerdings mehrfach Belege und Zahlen angeführt, auf die schon in der Diskussion annähernd nicht reagiert wurde. Und der Entscheider selber hat das auch nicht getan.

RE: Selbstversuch Wikipedia: Löschen was nicht passt | 27.01.2012 | 21:04

Ich glaube, Tobias Fuentes, wer immer das auch sein mag, war von ganz eigenartigen Motiven geleitet :D

RE: Selbstversuch Wikipedia: Löschen was nicht passt | 27.01.2012 | 20:43

:D Der Link sticht nicht so ins Auge und ist wahrscheinlich leicht zu übersehen. Die Diskussion selber fand ich auch gar nicht schlimm. Mich hat nur gewundert, dass am Ende ein einziger Wiki Moderator darüber entschieden hat, den Eintrag zu löschen.

RE: Selbstversuch Wikipedia: Löschen was nicht passt | 27.01.2012 | 20:36

Sorry, cuchulainn, aber mein Artikel handelt doch genau von dieser Diskussion, auf die ich auch selber verlinkt habe :D