Relevanz statt Popularität: DNND.de als Alternative zu Google News

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http://jacobjung.files.wordpress.com/2011/07/jung-google-news-dnnd.jpg?w=320&h=23912.07.2011 – Google News ist ein praktischer Dienst. Übersichtlich nach Rubriken geordnet werden hier Nachrichten verschiedener Zeitungen, Zeitschriften und Infodienste angezeigt. Für den Nutzer entsteht ein schneller Überblick in Echtzeit. Ein Klick auf die dargestellte Headline führt zum Originalartikel des jeweiligen Mediums.

Streng genommen erfährt man bei Google News allerdings nicht, was aktuell auf der Welt geschieht sondern erhält stattdessen eine Zusammenfassung derjenigen Nachrichten, die von besonders vielen Internetnutzern angeklickt werden. Die Darstellung der News-Ergebnisse beruht nämlich, ebenso wie bei der Google Websuche, auf einem Ranking Algorithmus.

Die Bereitschaft zur Suche nach einer Alternative, in der es um die Aktualität von Nachrichten und nicht um deren Popularität geht, scheitert, wie so oft, an dem großen Komfort der Google News, an der gewohnten und vertrauten Optik und nicht zuletzt auch daran, dass man Google ohnehin ständig benutzt. Dennoch lohnt es sich, einen Blick auf den kostenlosen Nachrichtendienst DNND.de zu werfen.

Eine Empfehlung aus dem Jacob Jung Blog

Google News: Immer mehr Menschen lesen immer weniger Artikel

Die Darstellung von Nachrichten bei Google News basiert auf einem Ranking Algorithmus, wie man ihn auch von der Websuche, der Bildersuche oder der Blogsuche bei Google kennt. Im Ergebnis führt dieser Effekt dazu, dass sich immer mehr Menschen für immer weniger Nachrichten interessieren. Je größer das Nutzerinteresse an einem Beitrag, desto besser seine Platzierung bei Google News. Und je weiter oben sich ein Ergebnis hier wiederum präsentiert, desto mehr Folgeklicks entfallen auf den jeweiligen Artikel.

So ist es zu erklären, dass unter den Google Schlagzeilen besonders häufig Artikel aus der populären Springerpresse und anderen Verlagsgruppen mit großem Leserkreis erscheinen. Nicht selten setzt sich hier die Nachricht über einen Mafia-Mord im Ruhrgebiet, den Skandal eines „Deutschland sucht den Superstar“ Kandidaten oder die Meldung über ein neues Wundermittel gegen Krebs durch und verdrängt so die wirklich wichtigen Themen mit politischer oder gesellschaftlicher Brisanz.

Hinzu kommt, dass Google das Klickverhalten natürlich protokolliert. Aus den gesammelten Daten leitet sich ein individuelles Nutzerprofil ab, das unter anderem darüber bestimmt, welche Suchergebnisse Google dem Anwender künftig bevorzugt anbietet. Wer also einmal damit begonnen hat, eher belanglose Boulevardmeldungen anzuklicken, der erhält künftig noch mehr davon und verpasst dafür relevante Meldungen über wichtige politische Ereignisse.

Bei der Verwendung von Google News muss man sich bei allem Komfort also immer darüber im Klaren sein: Die Auswahl und Platzierung von Nachrichten basiert hauptsächlich auf ihrer Popularität im Netz und sagt wenig über Aktualität und gar nichts über inhaltliche Relevanz aus.

DNND.de: Individuell, aktuell, sparsam mit Daten und komfortabel

Wer sich stattdessen einen Nachrichtenüberblick wünscht, in dem die neuesten Meldungen unabhängig von ihrer Popularität angezeigt werden und wer zudem selber entscheiden will, welche Zeitungen, Zeitschriften, Magazine und Pressedienste in der Übersicht auftauchen sollen, der sollte sich den Nachrichtendienst von DNND.de anschauen.

http://jacobjung.files.wordpress.com/2011/07/jung-dnnd.jpg?w=300&h=274Der kostenlose Service wird bereits seit 1999 von Thies Lindenthal und Sam Renkema angeboten und besteht nur aus einer einzigen Seite. Aktuell sind hier insgesamt 45 Zeitungen, Zeitschriften und andere Publikationen mit ihren jeweils drei neuesten Meldungen aufgeführt. Kleine Symbole vor jeder Meldung zeigt die neuesten sechs Meldungen aller vertretenen Publikationen und diejenigen Nachrichten, die seit dem letzten Besuch auf der Seite hinzugekommen sind.

Mit wenigen Klicks kann der Nutzer einzelne Publikationen von der Übersicht ausschließen und deren Anzeigereihenfolge ändern. Innerhalb weniger Minuten erstellt man sich auf diese Weise eine individuelle Nachrichtenseite. Nach der Konfiguration kann man entweder einfach ein Bookmark anlegen (In der URL werden die gewünschten Publikationen in der selber festgelegten Reihenfolge angezeigt) oder die persönlichen Einstellungen auf dem Server von dnnd.de speichern, um sie auch von anderen Rechnern aus aufrufen zu können.

DNND.de speichert nach eigenen Angaben lediglich die Uhrzeit und eine technische Kennung im Browser des Users. Darüber hinaus wird der Webanalysedienst Google Analytics verwendet. Einen inhaltlichen Einfluss auf die Darstellung der angezeigten Artikel nimmt weder dnnd.de selber noch hat das Klickverhalten der Nutzer einen Einfluss auf die Reihenfolge der dargestellten Meldungen.

45 Publikationen mit den aktuellsten Meldungen im Überblick

Mit insgesamt 29 Diensten bilden die deutschen Publikationen den Löwenanteil bei DNND.de. Aufgeführt sind jeweils die drei neuesten Meldungen von Basler Zeitung online, Berliner Morgenpost, Bild.de, de.indymedia.org, Der Tagesspiegel, Der Westen, DIE ZEIT, diepresse.com, FAZ.NET, Financial Times, FOCUS ONLINE, Frankfurter Rundschau, golem.de, Hamburger Abendblatt, Handelsblatt.com, heise online, junge Welt, Legal Tribune, n-tv, Neue Zürcher Zeitung, RP-Online.de, SPIEGEL ONLINE, Sport, stern.de, sueddeutsche.de, taz, Technology Review, TELEPOLIS und WELT ONLINE.

Weitere zehn ausgewählte Dienste bieten ihre Meldungen in englischer Sprache: Al Jazeera, BBC, CNN.com, DW-WORLD.de, guardian.co.uk, Haaretz.com, The Japan Times, The New York Times, The Washington Post und WIRED. Ergänzt wird die Auswahl von Le Monde, Le Figaro und Liberation.fr (französisch), De Standaard (niederländisch), El Pais (spanisch) und HOBAR (russisch).

DNND.de finanziert sich über eingeblendete Werbung. Wer sich hiervon gestört fühlt, der kann die Anzeigen in seinem Browser mit einem Ad Blocker ausschalten.

Leider fehlt in der Übersicht von DNND.de derzeit noch „der Freitag“. Es wäre wünschenswert, dass die Redakteure Kontakt mit DNND.de aufnehmen, um dort ebenfalls zu erscheinen.

17:55 12.07.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Jacob Jung

Außenpolitik, Atompolitik, Arbeitspolitik und Sozialpolitik: Beiträge zur Zeitgeschichte.
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