Abo gekündigt - leider

Kündigung Heute nach fast 15 Jahren das Abo gekündigt - schweren Herzens. Aber beim Freitag läuft seit einiger Zeit etwas schief...
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Dame am Telefon war sehr nett, die Kündigung des Abos wirklich einfach und unkompliziert. Was mich überrascht hat: das Verständnis der netten Frau am Telefon. Offenbar hat sie Erfahrung in der Kündigung von Abos und meine Gründe schienen ihr nicht fremd zu sein.

1. Der Freitag hat einen politischen Kurswechsel vorgenommen, nicht erst gestern. Dass in der Redaktion Linke und Grüne um Positionen kämpfen, ist bekannt. Dass aber die Grüne-Fraktion à la Özdemir und Göring-Eckardt inzwischen das Heft in der Hand hat, wie zu keiner Zeit des Freitags zuvor, ist nun unübersehbar. Und das passt mir nicht, denn das kann ich woanders auch haben - angefangen bei der taz, bis zu sz und faz. Meinem Eindruck nach verschreibt sich der Freitag zunehmend Positionen der Neu-FDPianer um Özdemir und Göring-Eckardt. Die Linke innerhalb der Redaktion hat kapituliert und dient nur noch als Alibi für eine längst untergegangene Haltung und für eine kaum noch wahrnehmbare politische sowie mediale Alternative.

2. Der Freitag war für mich immer anders als die Anderen, als die Tonangebenden. Hier hatte ich lange Jahre eine alternative Berichterstattung sowohl in punkto Themenauswahl, Schwerpunktsetzung und Einordnung. Die vom Freitag demonstrierte Gegenöffentlichkeit anlässlich des Kosovokriegs 1999 war für mich der Auslöser, den Freitag erstmals zu kaufen, zu lesen und schließlich gut 15 Jahre lang zu abonnieren. Nun muss ich als Aufmacher lesen, dass Pazifismus tödlich sein kann. Eine These, über die man sicherlich - vor allem als Linke - streiten kann, aber warum macht sich der Freitag das zum Programm?? Warum macht der Freitag mit dieser provokanten These die aktuelle Ausgabe auf? Warum macht man sich diese Provokation zum Banner? Dieser dumme Titel ist der Tropfen, der für mich das Fass zum Überlaufen bringt. Er ist symptomatisch für den neuen Rechtsdrall hin zu einer "grünen Mitte", er steht leider auch für die neue Angepasstheit des Freitag an den Mainstream, er macht deutlich, dass der Freitag kein alternatives Medium mehr ist.

3. Was ich auch zunehmend wahrnehme, ist eine Abkehr von einer politischen Zeitung hin zu einem Stern-artigen Lifestyle-Blatt. Bunte Wohlfühlthemen sind inzwischen auch beim Freitag en vogue - labbrig, anbiedernd, gehaltlos, überflüssig.

4. Ich kann natürlich verstehen, dass angesichts des allgemeinen Niedergangs des Zeitungswesens auch der Freitag schauen muss, woher das Geld kommt. Eine gewisse Marktanpassung ist sicherlich kaum zu verhindern und meines Erachtens bis zu einem gewissen Grad auch als treuer Leser hinnehmbar. Aber der Freitag hat dabei leider jedes Maß verloren und meine Grenze überschritten. Ich habe keine Lust mehr: weder den Freitag weiter zu lesen, noch diesen Kurswechsel zu finanzieren.

Sollte der Freitag irgendwann wieder sich seiner selbst besinnen und entscheidende Korrekturen vornehmen, möchte ich zu den Ersten gehören, die ein linkes Medienprojekt unterstützen.

10:48 22.08.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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