arne grahm

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RE: Strenges Regiment | 13.03.2020 | 01:00

danke für den sachlichen und vor allem kompetenten kommentar! wenn man sich an die diskussion über den chinesischen umgang mit der beginnenden epidemie erinnert, hätte man glauben können, der corona-erreger entspräche so einer art 'schützenwerter ethnischer minderheit', der von den dortigen 'totalitären systembütteln' in seiner natürlichen freiheit eingeschränkt werden würde… und nun haben wir hier auch den salat und sind darauf vorbereitet, wie ein land aus der 'dritten welt'. wie immer scheint das problem darin zu bestehen, dass expertenmeinungen von kurzfristig populären politischen entscheidungen ausgestochen werden. es sei denn, man hielte alternativ dieses wiederholte politische versagen, welches nun aber auch menschenleben beträfe, eben doch für eine folge der geballten inkompetenz unserer momentanen staatsführung… der cicero fragte übrigens diesbezüglich in einer aktuellen headline: "was macht die bundesregierung eigentlich so beruflich?" - ja, das wüsste ich auch gern… jedenfalls nochmals dank an den autoren dieses artikels!

RE: „Volk ist unnötig“ | 27.11.2019 | 02:48

doof, dass sich leserkommentare nicht im nachhinein grammatikalisch oder orthographisch korrigieren lassen… hahahaha! aber nun, wenigstens fühle ich mich gleich etwas jünger, so als internetverkorkster spätpubertärer… inhaltlich habe ich aber meinen worten nichts hinzuzufügen. gute nacht! ;)

RE: „Volk ist unnötig“ | 27.11.2019 | 02:42

ja, magda - dieser bezug fehlte mir ebenfalls in den ausführungen des interviewten…'das Volk' stand in der geschichte linker ideologie und weltanschauung ja eben nicht nur im namen der von dir erwähnten institutionen, die ja heute auch eher unangenehme erinnerungen erzeugen, sondern auch bereits in einer sehr lebendig praktizierten 'Völkerfreundschaft' und in einer damals schon sehr zentralen 'internationalen Solidarität', die sowohl zwischen- als zu völkern, sehr bürgernah vermittelt wurde. insofern sehe ich persönlich auch heute sehr konkrete alternativen, diesen begriff wieder positiv aufzuladen, ohne ihn den rechten spektrum zu überlassen oder ihn sogar gleich im LTI-stil, insgesamt aus der sprache verbannen zu müssen! (irre, dass ausgerechnet ein NS-experte über solche instrumenarien öffentlich nachdenkt!) der erfolg der totalitären ideen heutzutage und die soziale spaltung, bezieht ihre energie zum großen teil aus einem gefühlten oder tatsächlichen verlust von identität. da auch der in den neunzigern von links propagierten segen der globisisrung, sich überwiegend für wirtschaftsunternehmen und konzerne relevant zu sein scheint und die seinerzeit naiven kompensationen der bereits erwarteten kollateraleffekte eines 'globalen dorfes', sich offenbar doch nicht nur mit den damals omnipräsenten phrasen ("glokal = global denken - lokal handeln!") ausbalancieren ließen, spricht heute soziologisch und politisch also immer noch vieles für eine notwendigkeit identitätsstiftender begrifflichkeiten (wie 'nation' und 'volk')! die debatte sollte auf jeden fall weitergeführt werden und das nicht ständig mit 'erzieherischen' intentionen verbunden, die stets eine gewisse entmündigung bezüglich der zu erziehenden implizieren und sie sollte ebenfalls nicht etwa nur als aktionistische reaktion auf irgendeinen rechtslastigen furz stattfinden… just saying!

RE: Das Patriarchat kocht | 05.10.2019 | 00:53

mir ist bei dem lesen der kommentare - entweder hier oder in der taz - kürzlich eine art thesenpapier untergekommen, was ich dieser diskussion mal beisteuern möchte: https://kommunistische.org/wp-content/uploads/2019/09/Kurzthesen-Klima.pdf

davon abgesehen, dass der verfasser ein ganz buchtreuer marxist zu sein scheint und einige seiner schlussfolgerungen im hier nicht geteilten ersten dokument, geradezu 'süß' sind, kann ich dessen genuin linker kritik der umweltbewegung, sogar teilweise etwas abgewinnen. einige der aussagen scheinen ja auch hier im forum ihren wahrheitsgehalt bestätigt zu haben:

"Der Mensch steht als konsumierendes Individuum dem eigentlichen Subjekt „Erde“ gegenüber, Produktions- und Eigentumsverhältnisse bleiben außen vor.

Das Hinterfragen des Narrativs der Bewegung löst Hysterie aus. Zweifel werden in die rechte Ecke gestellt, um sie zu neutralisieren.

Die Verzichts-Appelle und Sozialchauvinismus richten sich gegen die Arbeiterklasse und ihre Forderungen nach höheren Löhnen, Mobilität, Urlaub, etc.

Hintergrund sind permanente Überproduktion und Überakkumulation, chaotischer und destruktiver Form der gesellschaftlichen Verhältnisse. Irrationalismus, Verzichts-Predigt, Rückzug auf das Individuum, Natur-Romantisierung... sind Ausdrücke der Krisenhaftigkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse und zugleich nützliche Instrumente in den Händen der Herrschenden."

- so, gehe ich aber wieder sowas von 'in deckung' und wünsche aus meiner altmännlich-weißen filterblase aber dennoch ein entspanntes wochenende! ;)

RE: Jury gesucht | 27.09.2019 | 18:31

'gesinnungsprüfung' - ah ja?! das sagt doch eher was über die hier erwähnten intellektuellen aus, als über die entscheidung der jury… dann sollte dieses geforderte 'maß an toleranz' auch für diese klitzkleine npd gelten, die sich ja angeblich auch noch irgendwie auch auf dem boden des grundgesetzes befinden soll. anders ausgedrückt: man wird sich doch wohl in seiner freizeit noch gegen das existenzrecht israels positionieren- und trotzdem noch als friedfertig gelten dürfen. dabei ist es mir auch schnurz, was heute der früher mal sehr geschätzte herr enzensberger und andere meinen. solch einem linken millieu, darf man nun wohl auch von herzen wünschen, dass deren entsprechende partei in zukunft auch an der fünf prozent-hürde scheitert!! das wird man wohl noch sagen dürfen, oder?

- prost mahlzeit!

RE: Werdet wieder schmutzig | 27.08.2019 | 20:17

wer erinnert sich noch an böhme (glaub, das hieß "talk im turm") der haider entzaubern wollte und nicht im mindesten darauf vorbereitet war… oder an "zwei gegen zwei" ein zugegebenermaßen sehr boulevardeskes format, wo mal zwei völlig konfuse 'alt 68er' mit vertretern der damals noch relativ unbekannten 'neuen rechten', einen fairen wettstreit austrugen sollten und dabei mt ihrer rein moralischen argumentation völlig versagten, während der auf 'neutralität und objektivität' bedachte moderator, auch noch im stile eines sportreporters, die position der neurechten legitilierte, weil diese sich einfach mal besser präsentiert hätten… anderseits gab es im öffentlich-rechtlichen zu späten kohl-zeiten, zur besten primetime eine farce von 'interview', bei dem die journalisten wie schüchterne schulbuben wirkten bzw. wie juso-mitglieder, die auf keinen fall anecken wollten… und es gab eine sandra maischberger, die jutta dittfurth derartig unverschämt das rederecht entziehen wollte, dass einem ganz schuckerig beim zuschauen wurde! außerhalb der phönix-runde, finden nach meiner ansicht hierzulande politische talkshows in einem derart amateurhaften und vermeintlich harmoniesüchtigen und klare aussagen verhindernden stil statt, dass wildeste verschwörungsphantasien von 'gleichschaltung', gar nicht mehr so abwegig wirken… hahaha! daher kann man diese debatte zwar begrüßen, aber weder hat der 'rezo-effekt', noch die konkurrenz der online-medien, noch die derzeitige podcast-invasion irgend etwas bewirkt… also mein persönlicher optimismus hält sich sehr in grenzen! grüße in die runde.

RE: Wo ist die Linke? | 19.08.2019 | 04:12

ja nun, es ist völlig legitim dieses manko immer wieder zu benennen und sei es eben, wie hier im artikel geschehen, in dem hier mal ein eindeutges resümee der leistungen unser aller kanzlerin gezogen wird… das verrückte an der augenblicklichen kostellation der linken schwerpunkte im verhältnis zum neoliberalen konsens der 'mitte'-parteien, besteht doch in einer vermeintlichen übereinstimmung bezüglich der abwickelung des sozialstaates und eben auch bei offenen grenzen. natürlich liegen jeweils andere begründungen zugrunde, aber letzten endes stützt die linkspartei eben aus humanitären, idealistischen und sicher 'gut gemeinten' gründen, genau die zentralen ziele wirtschaftsfreundlicher politik! selbst die auswüchse identitätspolitischen irrsinns, die nun wie vorhergesehen zu einer marginalisiserung der linken im politischen spiel geführt haben, gehen zu lasten der inzwischen ungeliebten sozial schwachen und welche - in marx'scher terminolgie gesprochen - nun wohl als 'lumpenproletariat' betrachtet werden. als bizarre konsequenz einer identitätspolitischen aufrechnung von privilegien, wird hier jegliche kritik an den längst laufenden neuen verteilungskämpfen delegimiert. fun fact: inzwischen klingen einige forderungen von kipping übrigens exat nach der agenda sahra wagenknechts. aber in brandenburg stehen ja auch wahlen an… dennoch gibt es sicher keinen grund zur beruhigung! grüße in die runde hier…

RE: Dieser Scherbenhaufen | 15.03.2019 | 00:40

vielen dank für ihre ausführliche antwort… besonders dankbar bin ich ihnen für ihre frage nach der verantwortlichkeit und konkreten politischen ambitionen zu einer internationalen verständigung… selbst wenn ich diese asapekte eher funktional betrachte und mir das wort 'verantwortlichkeit schwer über die lippen geht, komme ich zum gleichen fazit. meiner ansicht nach, ist diese verfehlte außenpolitik der letzten 13 jahre groko, einer der hauptgründe für die heutige europäische instabilität und für die rückkehr zu nationalstaatlich orinetierten positionen der meisten heutigen eu-staaten. jetzt mit etwas abstand, erscheint selbst meinen besonders moralistisch gestrickten freunden in sozialen netzwerken, die bloße merkel-kritik nicht mehr als unwiderlegbarer beweis für die zugehörigkeit zur rechte ecke, sondern inzwischen wird auch durch querschüsse in der koalition, aber vorallem durch den umgang mit venezuala, saudi arabien oder der türkei, vielen der nie abwesende 'extremismus der mitte' bewusst… die vermeintlichen leitmedien agieren immer diffuser, aber es mehren sich auch wieder kritische beiträge… auch wenn die taz kaum mehr von der zeit, der süddeutschen oder der faz zu unterscheiden ist. wenn ich hier mal das momentane desaster der linkspartei ausblende - vielleicht gibt es ja doch noch hoffnung… .viele grüße von arne grahm