RE: Raus aus der Kloake | 26.04.2021 | 12:40

Danke, Frau Körting, für Ihre klaren Worte und mutigen Beiträge. Ich teile Ihre Angst und Ihr Unbehagen. Ich stelle bei mir selber fest, wie schwer es in dieser Pandemie ist, offen zu seiner abweichlerischen Meinung zu stehen (und auch mit den hin und wieder sich einstellenden Selbstzweifeln klarzukommen, ob man nicht vielleicht doch irgendwie ein böser Mensch ist, weil man Zweifel an dem offiziellen Kurs der SOLIDARITÄT hat). Man macht das eher unter vier Augen, mit Freunden, die einen kennen und nicht gleich als rechts, menschenverachtend, wohlstandsverwahrlost oder verrückt denunzieren (wie es jetzt den Schauspielern passiert). Zum Glück gibt es ein paar Aufrechte, wie z.B. Sie und einige dieser Schauspieler, die sich ins Feuer stellen und dafür Ihre Karrieren riskieren. Ich hatte gestern Abend schon einen längeren Kommentar geschrieben - irgendwie ist der nicht aufgetaucht. Vielleicht muß man auf "Kommentieren" klicken, nicht auf "Beantworten"? Anyway, hier der 2. Versuch...

RE: Raus aus der Kloake | 26.04.2021 | 00:12

Liebe Frau Körting, vielen Dank für Ihren gelungenen Beitrag und Ihre klaren Worte. Ich, die ich üblicherweise "Tagesspiegel" lese, war erschüttert über die dortige "Berichterstattung" (man kann es kaum so nennen, war es doch ein einziger hysterischer Verriss, gemischt mit so absurden Anmerkungen, wie: die Künstler hätten ja gar keine Alternativvorschläge zur derzeitigen Regierungspolitik gemacht??? - was für ein Quatsch!) über die Video-Aktion der Schauspieler. Ich habe dies dort auch im Forum kritisch kommentiert, bin jedoch gar nicht damit durch die "Moderation" gekommen (vielleicht auch ein Technik-Problem, who knows...?). Ich habe mir die Videos angeschaut, habe mich amüsiert und war dankbar für diese Möglichkeit, einmal einfach über den ganzen Irrsinn lachen und mich dadurch einen Moment entlasten und distanzieren zu können. Dafür ist Satire u.a. da, dachte ich! Das bedeutet NICHT, daß einem überlastetes Pflegepersonal oder sterbende Menschen deswegen egal wären! Trozdem kann man die kopflose, autoritäre Regierungspolitik kritisch sehen. Und noch viel kritischer, die derzeit gängige, relativ unkritische dafür umso moralisierendere und bürgerbelehrendere Berichterstattung zum Thema. Es ist unglaublich, was für völlig überzogene Reaktionen diese Video-Aktion nach sich gezogen hat, die Beteiligten fühlen sich genötigt, sich wegzuducken, zu widerrufen, zu bereuen - so enorm ist der mediale Druck! Das ist natürlich der sicherste Weg, kritische Stimmen tatsächlich in die rechte Ecke zu drängen - denn in der Nicht-rechten-Ecke ist offenbar nur noch eine sehr schmale Bandbreite an Meinung und Meinungsäußerung möglich. Wie der Philosoph R. Pfaller in einem Spiegel-Interview (gefragt, warum die Corona/Maßnahmen-Diskussion so polarisiert sei) m.E. zutreffend sagte: "Das schmale Band der akzeptablen Meinungen bestimmen derzeit offenbar die Angehörigen jener Klassen, die nur gesundheitlich, aber nicht ökonomisch bedroht sind -..." Ich bin wirklich sehr befremdet. Zum Glück ist immerhin die Reaktion aus der Politik überwiegend angemessen/besonnen, zumindest im Vergleich mit dem Mob der Presse und der "solidarischen" Kollegen, die meinen, sich öffentlich fremdschämen zu müssen (und völlig am Thema vorbei zu kritisieren, daß die Video-Macher in ihren lofts und Landhäusern sitzen würden. Was hat das damit zu tun?! - Wenn man im loft wohnt, braucht man keine Grundrechte mehr, oder wie?) Ich hoffe wirklich, das alles liegt v.a. an Corona, an der Angst, die das alles den Leuten macht, und wird sich wieder liberaler und einer Demokratie würdiger gestalten, wenn die Krise denn mal vorüber sein sollte.