Kommentar

Sexualstrafrecht Noch immer existiert hierzulande eine Macho-Ideologie. Die Reform ist geeignet, ihr etwas entgegenzusetzen von Ulrike Baureithel
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Anstelle einer Lobeshymne auf die Verschärfung des Sexualstrafrechts wäre ein Leitartikel zum aktuellen Thema Erbschaftssteuer interessanter gewesen. Oder, wenn schon Sexualität, dann vielleicht zu dem Thema "Sollte man Sexualität nicht ganz verbieten?" Das macht den Kopf frei für die wirklich wichtigen Dinge im Leben ... ! Geschlechterklischees haben sich im normalen Leben längst gewandelt, durch Änderung sozialer Verhältnisse, nicht durch Strafrecht. Ist es nicht auch eine Art Tunnelrealismus, beim Thema Sexualität vor allem Opfer und Täter zu sehen und zu glauben, alles strafrechtlich regeln zu können. Sind Frauen in der Mehrzahl wehrlose, unselbständige Wesen und Männer vor allem potentielle Vergewaltiger? Wollen wir der männlichen Macho-Ideologie nun eine weibliche als Reform entgegenhalten?

Gesetzesverschärfungen ersetzen nicht gesellschaftliches und sozialpolitisches Versagen. In Fragen sexueller Erziehung und Aufklärung war man da schon mal weiter. Und ob diese Verschärfung des Strafrechts wirklich denen hilft, die aus sozialer oder welcher Abhängigkeit auch immer vom Missbrauch betroffen sind, ist zumindest fraglich (da wären wir wieder bei der Erbschaftssteuer oder dem Thema: Arm und Reich, Macht und Ohnmacht, unabhängig vom Geschlecht!), dem Missbrauch mit dem Missbrauch aber werden Tür und Tor noch weiter geöffnet, wie schon vor dieser Gesetzesänderung die Beispiele Kachelmann und Assange gezeigt haben.

14:58 10.07.2016
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Geschrieben von

artour

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