asansörpress35
16.01.2014 | 12:15 3

Dortmund soll "Inter-tabac ASIA" absagen

Petition Eine Tochter der Stadt Dortmund organisiert eine Tabakmesse in Indonesien. Es wird angeprangert, man fördere damit indirekt die Tabakvermarktung.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied asansörpress35

Rauchen ist ungesund. Rauchen kann töten. Heutzutage bestreiten das wohl nicht einmal schwer nikotinsüchtige Mitmenschen. Gewiss auch die Stadt Dortmund nicht. Es gibt das Nichtraucherschutzgesetz auf deren Einhaltung mehr oder weniger geachtet wird. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamtes kontrollieren im Stadtgebiet. Treffen sie Kinder und Jugendliche beim Rauchen an, konfiszieren sie die Zigaretten und informieren die Eltern.

Yosef aus Indonesien und Max aus Dortmund fordern: Stadt Dortmund muss "Inter-tabac ASIA" absagen

Wie aber ist es zu erklären, dass eine Tochter der Stadt Dortmund mit dem Tabakhandel in Indonesien - vorsichtig ausgedrückt - in Verbindung gebracht werden könnte, während zuhause gegen das Nikotin gekämpft wird? Noch dazu, wo Zigaretten in Indonesien an Kinder legal verkauft werden dürfen!

Es hat vielleicht damit zutun, dass der Kapitalismus vielfach janusköpfig daher zu kommen pflegt. Die Stadt Dortmund hat eine Tochter, die Westfalenhallen Dortmund GmbH. Das Messeunternehmen organisiert am 27. und 29. Februar 2014 erstmalig die Tabakmesse "Inter-tabac ASIA" im fernen Indonesien.

Yosef Rabindanata Nugraha (22) aus Bogor (Indonesien) und der Dortmunder Max Vollmer (27) vom Deutschen Jugendschutzverband meinen, damit fördere die Stadt Dortmund "indirekt die Tabakvermarktung in einem Land, in dem Kinder nicht vor den Gefahren des Rauchens geschützt werden". Die Forderung der jungen Männer lautet deshalb: Die Stadt muss die Tabakmesse "Inter-tabac ASIA" absagen. Zur Information: Die Tabakmesse in Indonesien ist keine Verbrauchermesse.

Verbündeten via Internet gefunden

"Mich", erklärt Yosef Rabindanata Nugraha aus Indonesien, "haben sie gekriegt, als ich 12 Jahre alt war. Ich habe es zum Glück geschafft, mit 19 Jahren wieder mit dem Rauchen aufzuhören, aber viele meiner Freunde nicht. Ich möchte nicht, dass mein Land eine Zielscheibe für die Zigarettenindustrie ist."

Max Vollmer aus Dortmund ist entsetzt darüber, "dass sich meine Heimatstadt so unverantwortlich am Tabakgeschäft beteiligt.Der Oberbürgermeister ", beklagt Vollmer "und die Stadtratsfraktionen sind bisher nicht bereit, etwas an der Situation zu ändern. Sie entziehen sich einfach ihrer Verantwortung. Als ich erfahren habe, dass Dortmund diese Tabakmesse in Indonesien organisiert, wollte ich sofort etwas dagegen tun. Ich habe im Internet nach Verbündeten in Indonesien gesucht und dabei Yosef und seine Organisation Indonesia Bebas Rokok gefunden. Wir haben uns sofort verstanden.

Es ist so schwierig, etwas gegen die globale Tabakindustrie zu tun. Jetzt gibt es eine konkrete Möglichkeit, die eine große Wirkung hat. Wenn viele Menschen unterschreiben, kann die Stadt keine Investitionen gegen den Willen ihrer Bürger tätigen."

Zur Petition geht es hier. Sie wurde über das Portal Change.org gestartet. Darin wird von "Ullrich Sierau, Oberbürgermeister Dortmund, und Friedhelm Sohn, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Westfalenhallen GmbH" gefordert:

"1.) Stoppen Sie die Inter-tabac ASIA 2014.

2.) Weisen Sie die Westfalenhallen Dortmund GmbH an, keine Tabakmessen mehr in Entwicklungs- und Schwellenländern zu organisieren.

3.) Distanzieren Sie sich in einem öffentlichen Statement von der Tabakindustrie."

Tabakindustrie sucht nach neuen Absatzmärkten

Ein Grund für das Engagement der Zigarrettenindustrie könnte der Rückgang der Zahlen von Raucherinnen und Rauchern in den westlichen Industrieländern sein. Nun ist Tabakindustrie offenbar auf der Suche nach neuen Absatzmärkten in Entwicklungs- und Schwellenländern.

In Indonesien kann die Tabakindustrie noch zügellos agieren

"Indonesien", so erfahren wir durch die Petenten, "gilt unter Zigarettenfirmen als tabakfreundlich und rasch wachsender Absatzmarkt. Das Land gehört zu den weltweit ganz wenigen Staaten, in denen die Tabakindustrie noch zügellos agieren kann. Es gibt nahezu keine durchsetzbaren Gesetze, um die Bevölkerung vor dem Einfluss der Tabakindustrie zu schützen." Viele Jungen im Alter von 13 bis 15 Jahren sollen dort rauchen.

Förderung des Tabakverkaufs verstärkt Armut

Tabakkonsum gilt als Armutsproblem. "In Indonesien leben über 40% der 247 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner von weniger als 1,50 Euro am Tag (45 Euro/Monat). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt an, dass Raucherinnen und Raucher in Indonesien im Durchschnitt monatlich 28 Euro für Zigaretten ausgeben. Eine Förderung des Tabakverkaufs verstärkt folglich die Armut.

Dilemma bleibt Dilemma

Rauchen ist ungesund und kann töten. Die Stadt Dortmund und auch deren Oberbürgermeister Ullrich Sierau werden das sicher nicht anders sehen. Dadurch jedoch, dass eine Stadttochter aber nun eine Tabakmesse im fernen Indonesien organisiert, steckt man quasi in einem Dilemma. Die WHO gibt an, dass das Rauchen jährlich weltweit 6 Millionen Menschen den Tod bringt. Die alleinige Gesellschafterin der Westfalenhallen Dortmund GmbH, die Stadt Dortmund, tut unbestritten viel im Kampf gegen die schädliche Nikotinsucht. Andererseits trägt sie Verantwortung dafür, dass in ihrem Namen, sozusagen am andern Ende der Welt ein Produkt beworben wird, das eben diese Nikotinsucht fördert. Die Petenten kritieren das. Ärtze sind erbost. Nun hat man im Dortmunder Rathaus wohl ein schlechtes Gewissen. Weder war man dort bereit von Max Vollmer Unterschriften in Empfang zu nehmen, noch auf eine entprechende Nachfrage einen Vertreter der Stadt ins WDR-Landesstudio Dortmund zu entsenden, wo man sich am gestrigen Abend mit dem Thema beschäftigte. Der Kapitalismus kommt eben anusköpfig daher. Wie wäre der Zwiespalt, in welchen man sich vielleicht unbedacht hineinmanövriert hat, zu überbügeln gewesen?

Dass die Stadt sich nicht äußern möchte und auch alle Stadtratsfraktionen zurückhalten bleiben dürfte, ist bis zu einem gewissen Maße verständlich: Niemand will sich dafür stark machen, dass den Westfalenhallen Einnahmeeinbußen in zweistelliger Millionenhöhe entstehen. Weil klar ist, dass die Millionen eben dann an anderer Stelle wieder weggekürzt werden müssen. Das Dilemma bleibt ein Dilemma. Die Hoffnungen der Petenten, dass die Dortmunder Verantwortlichen die Messe in Indonesien abblasen, dürften sich indes kaum erfüllen. Aber liegen sie mit ihrem Anliegen völlig falsch? Drüber nachdenken sollte erlaubt bleiben.

Die Petenten werden unterstützt von der Kampagne Dortmund Kills und wird organisiert von Forum Rauchfrei, Deutscher Jugendschutzverband, Indonesia Bebas Rokok, Unfairtobacco.org und Stiftung rauchfrei leben.

WDR-Lokalzeit Dortmund vom 15.1.2014 mit einem Beitrag zum Thema.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (3)

poor on ruhr 16.01.2014 | 17:14

Stimme Dir zu. Du bist wirklich ein Bürgerjournalist via Internet.

Ich staune immer welche interessanten und intelligententen Informationsnischen Du mit Deinen cleveren Texten besetzt! Toll!

Mich überzeugt vor allem das mit dem Tabakkonsum als Armutsproblem( was zum Teil auch mittlerwiele mit dem Übergwicht vergleichbar ist.)

Sowas zu kritisieren ist immer gut und richtig.

Man möchte Indonesien da doch lieber für die Bevölkerung Wirtschatszweige wünschen, die nachhaltiger sind.

Viele Grüße

poor on ruhr

poor on ruhr 16.01.2014 | 17:15

Stimme Dir zu. Du bist wirklich ein Bürgerjournalist via Internet.

Ich staune immer welche interessanten und intelligententen Informationsnischen Du mit Deinen cleveren Texten besetzt! Toll!

Mich überzeugt vor allem das mit dem Tabakkonsum als Armutsproblem( was zum Teil auch mittlerwiele mit dem Übergwicht vergleichbar ist.)

Sowas zu kritisieren ist immer gut und richtig.

Man möchte Indonesien da doch lieber für die Bevölkerung Wirtschatszweige wünschen, die nachhaltiger sind.

Viele Grüße

poor on ruhr

asansörpress35 22.01.2014 | 16:01

Folgende Information teilten die Petenten heute per E-Mail mit:

"mehr als 10.000 Menschen fordern den Stopp der Tabakmesse Inter-tabac ASIA in Indonesien und Sie sind einer davon! Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Heute machen wir eine Aktion: Wir starten eine Fotopetition an den Gouverneur von Bali, wo die Messe am 27./28. Februar stattfinden soll. Wir fordern ihn auf, die Messe in letzter Minute zu verbieten.

http://change-production.s3.amazonaws.com/cms_uploads/1863_original.png

Machen Sie mit?

So geht’s:

Schritt 1: Schild malen mit der Aufschrift: „Governor of Bali: Stop the Inter-tabac ASIA 2014!“ ODER hier herunterladen und ausdrucken.

Schritt 2: In Pose werfen und Auslöser drücken.

Schritt 3. An @mangku_pastika twittern oder hier posten: www.facebook.com/imademangkupastika

Sie haben kein Facebook oder Twitter? Kein Problem: Foto an fotopetition@dortmundkills.de mailen, wir leiten das für Sie an den Gouverneur weiter.

Was passiert in den nächsten Wochen? Anfang Februar übergeben wir die Petition an den Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Dafür machen wir eine Überraschungsaktion – denn der OB verweigert die Annahme.

Vor der Petitionsübergabe gibt es noch zwei Veranstaltungen in Berlin und Dortmund, bei denen Sie uns persönlich kennenlernen können: am 31.1. im tazcafé in Berlin und am 3.2. im Taranta Babu in Dortmund. Auch Yosef wird dabei sein! Mehr Infos dazu hier.

Bitte machen Sie heute bei der Fotopetition mit. Wenn der Gouverneur von Bali Aufforderungen aus aller Welt bekommt, wird er sich dazu äußern. Er hat schon einmal eine Tabakmesse auf Bali verhindert.

Viele Grüße aus Dortmund und Indonesien

Max Vollmer und Yosef Nugraha

P.S.: Ihre bisherige Unterstützung war wirklich großartig, vielen Dank! Bitte fragen Sie auch weiterhin Freunde und Verwandte, ob sie die Petition unterzeichnen: www.change.org/dortmundkills. Unter www.dortmundkills.de und www.facebook.de/dortmundkills halten wir Sie auf dem Laufenden."