asansörpress35
20.02.2012 | 14:50 10

Gauck gut, alles gut?

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied asansörpress35

Das Erstaunen hielt nur kurz an. Nach dem unrühmlichen Abgang von Christian Wulff hatte die Union – und ihr voran Bundeskanzlerin Angela Merkel – bei der Kandidatensuche für das Bundespräsidentenamt die Benennung von Joachim Gauck noch ausgeschlossen. Nur zu verständlich: Denn bei der letzten Bundespräsidentenwahl hatte Schwarz-Gelb noch Stein und Bein auf Wulff gesetzt.




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Löst ein Bundespräsident Gauck den von Roman Herzog geforderten Ruck durch unser Land aus? (Foto: Sebastian Hillig/flickr)

Doch als es nun offenbar pressierte, infrage kommende Kandidaten abwinkten und andere aus welchen Gründen auch immer nicht ins Auge gefasst wurden, fiel Angela Merkel einmal mehr um und hob Joachim Gauck aufs Kandidatenschild. Wir erinnern uns: Erst voll Pro-Atom, dann nach Fukushima die Wende zum Atomausstieg. Wird der “Umfaller” Merkel schaden? Wohl kaum. Auf der Gauck-Sympathie-Welle surfend dürfte die Bundeskanzlerin nun abermals punkten. Aber ist der Joachim Gauck auch der richtige Mann für das Amt?

Löst ein Bundespräsident Gauck den von Roman Herzog geforderten Ruck durch unser Land aus?

Nach dem Abtritt des peinlichen “Schnäppchenjägers” Wulff hätte es auf dem Stuhl des Bundespräsidenten nun dringend einer Frau (warum eigentlich nicht endlich mal!) oder eines Mannes bedurft, die/der charakterlich dafür bestens geeignet ist und durch deren/dessen Amtsführung bewirkt, das Vertrauen in Demokratie und Politik insgesamt wieder zu stärken. Ob Joachim Gauck als Bundespräsident nun derjenige sein wird, dem es gelingt den von einem seiner Vorgänger (Roman Herzog geforderten aber nicht eingelösten Ruck durch Deutschland (der heute nötiger ist als damals!) auszulösen, muss sich zeigen.

Joachim Gauck: Vom Rostocker Stadtpfarrer zum “Großinquisitor”

Zumindest geniesst der evangelische Theologe Joachim Gauck, der frühere Stadtpfarrer von Rostock, ein hohes Ansehen in der deutschen Politik und durchaus bei grossen Teilen der deutschen Bevölkerung. Schließlich war Joachim Gauck ehemals Bürgerrechtler in der ehemaligen DDR (!). Unter deren Diktatur Gauck, wie er sagt, Zeit ihres Bestehens litt. Nach dem Ende der DDR wurde der Pfarrer und einstige Bürgerrechtler Leiter der Behörde für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS). Der Theologe verkörperte das Amt schon bald so sehr, dass man eigentlich von ihm nur noch als “Gauck-Behörde” schrieb und sprach.

Der stramme Kommunistenhasser Gauck nahm die Aufarbeitung von DDR-Unrechts, begangen durch das MfS, seiner offiziellen und inoffiziellen Mitarbeiter (IM’s) sehr ernst. Aus purer Rache ? Nun ja: Gauck erfüllte das betreffs seines Verantwortungsbereiches, was der damalige Justizminister Klaus Kinkel (FDP) auf viele Bereiche in Sachen DDR verlangte, nämlich deren Delegitimierug. In der Zeit der Amtsführung durch Joachim Gauck tauchten immer wieder – scheinbar wie aus dem Nichts – IM-Vorwürfe gegenüber bestimmten Personen auf, denen die herrschende Kohl-Regierung damals meinte etwas am Zeuge flicken zu müssen. Nicht immer stimmte diese. Wie gelangten sie aus der Gauck-Behörde ans Licht der Öffentlichkeit – ausgerechnet dann, wenn sie gebraucht wurden?

Vielen – hauptsächlich natürlich den mit unappetitlichen Vorwürfen konfrontieren Menschen – musste der, Ironie der Geschichte: über die Unterlagen des Geheimdienstes des “Unrechts”-Staates DDR, mächtig gewordene Chef der Stasi-Unterlagenbehörde bald als eine Art “Großinquisator” vorkommen. Versöhnen statt Spalten (Johannes Rau) war augenscheinlich nicht die vorrangige Aufgabe der Gauck-Behörde, noch das Ziel ihres Chefs. Waren die Bürgerbespitzelungen, deren fragwürdige Ergebnisse sich in den Unterlagen des MfS niederschlugen, einst ein Instrument der DDR-Diktatur auch um die eigene Bevölkerung in Schach zu halten, wurden sie in der demokratisch verfassten BRD nun zum Werkzeug und im Einzelfall sogar zum Totschlagsargument (mit IM-Vorwürfen bedachte Menschen nahmen sich das Leben, oder verloren ihre Arbeit) abermals gegen unliebsame Mitbürger oder dienten einfach “nur” der Delegitimierung der verhassten DDR.

Schatten auf dem Saubermann-Image des Dr. h.c. Joachim Gauck

Dieser Tage erinnerte die “Gießener Zeitung” daran, dass ihrer Meinung nach “Dr. h.c. Joachim Gauck, ein Saubermann mit Dreck am Stecken” sei. Demnach fallen auf den heute ach so honorig daherkommenden vor Eloquenz sprühenden Joachim Gauck auch ein paar Schatten, wovon der Mann nun natürlich schweigt. Der Autor des o. g. Beitrages, Michael Beltz, greift noch einmal auf, was auch im Spiegel 17/91 zu lesen sei, dass Joachim Gauck im Jahre 1990 “stundenlang allein im Rostocker Bezirksarchiv des MfS” mit seinen persönlichen Stasi-Akten beschäftigt. Der damalige DDR-Innenminister Diestel bezeichnete den Vorgang als “eindeutig illegal und rechtswidrig” bezeichnete.

Dem Beitrag nach verfügte Pfarrer Gauck zu DDR-Zeiten über gute Beziehungen zum MfS. Er verdankte den DDR-Schlapphüten sogar manche Privilegien. Privilegien, von denen “normale” DDR-Bürger allenfalls träumen konnten. So durften Gaucks Söhne in die BRD übersiedeln. Damit nicht genug: Sie konnten jederzeit auch zurück in die DDR kommen! Auch Gauck verschaffte diese Geschichte Reisen in den Westen. Eigens für Gauck soll ein VW-Transporter importiert worden sein. Am 23.4.1991, so heisst es im Beitrag von Beltz, habe auch die “Welt” bestätigt, dass es ein 90-minütiges Gespräch gegeben habe, dass Gauck am 28.7.1988 mit dem MfS-Mitarbeiter Terpe führte. Darin soll Gauck geäußert haben: “Dass es dringend notwendig ist, die Attraktivität des Sozialimus entscheidend zu steigern” und “die Bürger ein eches Heimatgefühl entwickeln”, sowie “das letzten Endes auch er versagt und nicht alles dafür getan habe, dass seine Kinder in der DDR blieben”. Zum Abschluss des Gespräches mit Terpe soll Joachim Gauck noch gefragt haben, ob er, wenn er seinerseits ein Problem habe, sich an das MfS wenden könne.

Ist das nun verwerflich?

Um darüber zu urteilen muss man wohl das Leben in der DDR aus eigner Erfahrung kennen. In der Not und in der Sorge um die eignen Kinder haben Menschen verständlicherweise einiges getan, auf sich genommen, gesagt und auch aufgeschrieben. Da wurden Menschen – wenn ihnen etwa wegen einer kleinen Dummheit Knast drohte oder man schneller wieder da rauskommen konnte – auch zu IM’s. Ich selbst kenne einen solchen Fall. Wie hätte ich wohl in seinem Fall gehandelt? Wer also werfe in einem solchen Falle den ersten Stein? Diese Person hat übrigens niemanden geschadet.

Auch Joachim Gauck hat eben das Wohl seiner Kinder im Auge gehabt. Als DDR-Bürger und erst recht als Pfarrer dürfte er gewusst haben, wenn man in bestimmten Fällen etwas erreichen wollte, musste man mit dem MfS reden. Und wer da auf volle Konfrontation setzte, lief ins Leere oder kam in die Wanne, in den Knast. Niemand wird Gauck heute sein damaliges Handeln pauschal vorwerfen. Dass allerdings einstige DDR-Bürger mit ähnlichen Problemen damals, jedoch bar jener Privilegien wie sie Herrn Gauck zuteil waren, mindestens kritische Fragen an ihn haben, muss sich der heute – nun als Bundespräsidentenkandidat – wieder als reiner “Saubermann” herüber kommende ehemalige Pfarrer dann doch gefallen lassen.

Eloquenter Opportunist

Nein, Versöhnen statt Spalten, war nicht eben die Devise des Großinquisators Gauck an den Schalthebeln der Stasi-Unterlagenbehörde. Stets eloquent auftretend gab Gauck den Gnadenlosen, bzw. ließ zu, dass “seine” Behörde für Einzelne so wirkte. Michael Beltz hat Recht, wenn er schreibt: “Oft reichte ein Furz der Gauck-Behörde für eine Hexenjagd bis zur Vernichtung von Existenzen.”

Neben der großen Bewunderung in der deutschen Öffentlichkeit gibt es Stimmen hierzulande, die Joachim Gauck als Opportunist bezeichnen. Was stimmte wenn es zutrifft, dass Gauck sich damals dem MfS andiente, um seinen Söhnen die Ausreise zu ermöglichen und selbst ein “gemütliches Leben” in der DDR führen zu können, wie die “Gießener Zeitung” schreibt.

Und mit Verlaub: Spurt der ehemalige DDR-Bürgerrechtler, in der BRD zum Doktor honoris causa (ehrenhalber) gemacht wurde, Joachim Gauck auch als BRD-Bürger (das Anhängsel -rechtler ist nicht nur optisch verschwunden) nicht längst wieder wie ein perfektes Rädchen im Getriebe der inzwischen wie geschmiert in der politischen Maschine der laufenden Freiheitlich demokratischen Grundordnung der längst in die Postdemokratie abgerutschten Demokratie der Berliner Republik mit? Einmal Opportunist, immer Opportunist?

“Freiheit als Verantwortung”

Gauck schreibt und redet von “Freiheit als Verantwortung” (eines von Gaucks Referatsthemen). In der Tat: Von Solidarität, wie gestern Heiner Geißler bei Günter Jauch zu Recht einwendete, hat man von Gauck noch nichts verlauten hören. Was hat ein Hartz-IVler, ein Prekarisierter von dieser “Freiheit”? Welche Verantwortung kann er innerhalb der Gesellschaft übernehmen? Dazu schweigt der nunmehrige Bundespräsidentenkandidat. Wie er über seine von der MfS zugestandenen Privilegien in DDR-Zeiten schweigt.

Gauck findet Occupy “unsäglich albern” und Gutes an Afghanistankrieg und Sarrazin

Joachim Gauck scheint am neoliberalen Treiben wenig Kritik zu haben. Ist der Bürgerrechtler in ihm völlig abgestorben? Die auf die verbrecherischen Machenschaften der Diktatur des Finanzkapitalismus zurückzuführende Finanz- und allgemeine Vertrauens- und Demokratiekrise reagierende “Occupy-Bewegung” nannte Joachim Gauck im vergangenem Jahr “unsäglich albern”. Die Vorratsdatenspeicherung begrüßte er. Gegen den Afghanistan-Krieg hat der künftige Bundespräsident nichts. An Sarrazins wirren sozialdarwinistischen und rassistischen Thesen will Herr Gauck auch Gutes entdeckt haben, zumindest fand er das Buch des Hobbygenetikers “mutig”. Dem “Steuersparmodell” der Bertelsmann AG, der betreffs ihres Tuns oft fragwürdigen Bertelsmannstiftung steht Joachim Gauck nahe.

Gauck zeigte sich verwirrt. Merkel eine mürrische Siegerin

Dieser Mann soll also unser nächster Bundespräsident werden? Eine Mehrheit des Volkes kennt ihn nur als mutigen DDR-Bürgerrechtler und Kämpfer gegen MfS- und DDR-Unrecht. Ein honoriger Mann also. Und ein prächtiger Rhetoriker ist der zudem ebenfalls. Auch ist Gauck parteilos. Sowie Pfarrer. Obwohl Gauck diese Berufung seit Jahrzehnten nicht mehr ausübt, zählt eben gerade auch dieser theologische Stallgeruch in Zeiten, in denen uns wichtiger Werte abhanden gekommen sind. Gauck, ein Mann also wie geschaffen für das Amt des Bundespräsidenten? Nun das mag ein jeder für sich selbst bedenken. Nur: einen Einfluss auf seine Wahl oder Nicht-Wahl haben wir als Volks ja ohnehin nicht.

Alle, eingeschlossen Angela Merkel samt Union und Politbübchen Rösler von der Zweiprozentpartei FDP, sind nun voll des Lobes über die gestrige Einigung auf den Kandidaten Joachim Gauck. Alle liebten und lieben ihn. Ein Großteil des Volkes sowieso. FDP-Rösler tönte gestern mit rollenden Augen und aufgeplusterten Wangen, als sei seine Partei geradezu der Erfinder des Kandidaten Gauck gewesen. Ach: Und SPD-Chef Gabriel gab gestern Abend süffisant der Kanzlerin noch ein’s mit. Schließlich war die SPD immer schon für Gauck und ätschbätsch “Mutti” Merkel nicht. Die nahm’s mit mürrischer Miene hin ließ kurz die Lefzen hängen. Naja: Ihr wird’s nützen, wetten?

Und der Kandidat, Joachim Gauck, saß dann plötzlich auch noch auf dem Podien neben den Präsidentenkandidatenmachern. Ziemlich “verwirrt”, wie er selbst bekannte und noch dazu “ungeschwaschen” sei er herbeigeholt worden. Er war in Wien gewesen und erst vor Kurzem in Berlin gelandet. Hatte er in der Donaumetropole über “Freiheit und Verantwortung” referiert? Tatsächlich wirkte Gauck ziemlich mitgenommen, mit faltig-verknautschtem Gesicht und verwirrt. Ungewaschen? Na soweit ist die Fernsehtechnik noch nicht. Die Verwirrung wie die Falten werden sich legen, wenn er erstmal unser Bundespräsident sein wird. Wetten? Und Reden wird der halten, dass wir die Ohren anlegen werden!

Was nun? Gauck gut, alles gut? Merkel ist wieder einmal umgefallen. Was sie – witzig, witzig – abermals stärken wird. Ach eine Frage noch: Wird es einem Bundespräsidenten Joachim Gauck, der gewiss nicht als Lehrling ins Amt kommt wie Vorgänger Wulff – da walte Hugo! – gelingen, uns von der Postdemokratie wieder auf den Weg der Demokratie zurückzuführen, um unsere Gesellschaft – das klingt nur wie ein Widerspruch – damit wieder nach vorn zu bringen und gerechter zu machen? Wenigstens mit dem Mittel der Rede!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Readers Edition

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (10)

Achtermann 20.02.2012 | 16:27

@ asansörpress35

Da tun sich Gräben in der Einschätzung auf. Du schreibst:

Was nun? Gauck gut, alles gut? Merkel ist wieder einmal umgefallen. Was sie – witzig, witzig – abermals stärken wird.

Der Spiegel schreibt:

Sie [die Parteien, die Gauck zum Kandidaten ausriefen] haben Angela Merkel ins Leere laufen lassen. Die Kanzlerparteichefin ist einsamer geworden an diesem Wochenende. Und schwächer.

Quelle: www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,816392,00.html#ref=rss

So ist das eben, wenn man in die Glaskugel guckt.

asansörpress35 20.02.2012 | 17:38

DerSpiegel schreibt so einiges.
Angela Merkel wird auf lange Sicht gestärkt werden. Oder hat ihr etwa der Schwenk in der Atompolitik geschadet?
Alle werden sie für "kluge" Entscheidung für Gauck loben.
Joachim Gauck ist und war der Kandidat der Springerpresse, wie Wolfgang Lieb heute auf den NachDenkSeiten bemerkt (und schon bei der ersten Kandidatur Gaucks bemerkte).
Gauck ist eine Stütze für den Neoliberalimus.
Sigmar Gabriel freut sich für die von Schröder arg ramponierte (S)PD wie ein Schneekönig.
Wie naiv ist diese Truppe? Reicht es denen wirklich bei der nächsten Wahl wieder mit der CDU und Merkel ins große Koalitionsbett zu steigen.
Wie armselig.

Achtermann 20.02.2012 | 18:29

Reicht es denen wirklich bei der nächsten Wahl wieder mit der CDU und Merkel ins große Koalitionsbett zu steigen.

So wird es wohl sein. Wulff ist doch nicht die Ausnahme. Der Blick hinter die Fassade brachte doch eher Durchschnittliches und Peinliches an den Tag. Minister sein hat schon was. Man steht einer großen Behörde vor, verfügt über unzählige zuarbeitende Experten, hat Renommee, wahrscheinlich mehr Kohle, bessere Pension etc. Ist doch alles ziemlich banal.

akunos 23.02.2012 | 13:28

Es wäre aus meiner Sicht nur fair und redlich gewesen, die Einlassung, des von Ihnen offenbar hoch geschätzten Michael Beltz - dessen Beitrag über Gauck in der "Giessener Zeitung" Sie streckenweise zitiert haben - über die Stasi in demselben Artikel Ihren Lesern nicht vorzuenthalten.
Da heisst es:
"Dabei haben „Stasi“ und „IM“ nichts anderes getan als andere Geheimdienste auch, die einen im Dienste des Kapitals, die anderen für den Sozialismus. Im Gegenteil: verglichen mit Verfassungsschutz und BND waren sie Waisenknaben; und Nazi-Mörderbanden wurden von ihnen auch nicht gedeckt. Die Überwachung und Bespitzelung, die hier und heute praktiziert wird, ist um ein Vielfaches totaler, ausgeklügelter und teilweise kriminell."
Diese Einschätzung passt genau zu der Gedankenwelt von Herrn Beltz - immerhin ist er einer der wenigen aktiven Funktionäre der DKP. (die es mit knapp 4000 Mitgliedern bundesweit immer noch gibt).
Ob man aber diese Meinung gelten lassen kann, ob man wirklich ausblenden sollte, welches Elend die Stasi bei tausenden von Menschen der früheren DDR verursacht hat - oder ob man aufgrund dieser Umstände die Beiträge von Herrn Beltz UND von Ihnen nicht als eine primitive Agitation gegen Joachim Gauck einordnen sollte - nun das bleibt jedem selbst überlassen.
Zu unser aller Glück gibt es bei uns im Gegensatz zur früheren DDR Meinungs- und Pressefreiheit. Das sollten auch Sie nie vergessen.

asansörpress35 23.02.2012 | 13:57

@akunos: Ich habe nicht behauptet, Michael Beltz hoch zu schätzen. Seinen Vergleich BRD-Geheimdienst und MfS finde teile ich nicht.
Wobei allerdings einige Kritik auch an BND und Verfassungsschutz - die ja eine braune Vergangenheit haben - vorzubringen wäre.
Doch es ging ja um Herrn Gauck. Der war ja eben nicht der große Bürgerrechtler zu dem er von den Medien und Teilen der Politik gemacht wurde. Vielmehr ist Gauck auf den Bürgerrechtszug in letzter Minute aufgesprungen. Er kann sich gut verkaufen und wird gut verkauft. Gepushed durch Spiegel und Springerpresse.

Er ist ein Fürsprecher der herrschenden Klasse. Und wenig glaubwürdig als jemand, der auch für Gerechtigkeit eintritt. Freiheit ist sicherlich die Voraussetzung für die Schaffung von Gerechtigkeit. Doch Freiheit allein hilft den Schwachen in der Gesellschaft nicht.

Sicherlich haben wir im Gegensatz zur DDR Meinungs- und Pressefreiheit. Aber wir haben es auch mit Meinungsmache (Nachzulesen in "Meinungsmache" von Albrecht Müller) zu tun. Und die Presse als sogenannte Vierte Gewalt hat in den letzten Jahrzehnten ihre diesbezügliche Aufgabe unzureichend wahrgenommen. Überdies ist mit der Pressefreiheit so eine Sache, wenn sich Verlage unter finanziellen Druck befinden oder Politikereinflüsterungen (zu große Nähe zu den Regierenden) unterliegt.

Mag sein, dass Gauck im Amte des Präsidenten andere Akzente setzen wird, die verbinden statt spalten. Ich habe da so meine Befürchtungen.

Hans-Jochen Tschiche (auch Pfarrer in der DDR gewesen) äußerte ebenfalls sein Unbehagen. Sein Artikel ist mit "Gauck ist die falsche Person" überschrieben,

Gauck scheint mehr zu sein, als er in Wirklichkeit ist. Und seine Tätigkeit als Leiter der Stasiunterlagenbehörde hinterläßt viele kritische Fragen.

Zu unser aller Glück gibt es bei uns auch die Demokratie. Nur ist sie längst in Gefahr und bereits schwer beschädigt. Um mit Gauck zu sprechen: Wir sollten uns die Freiheit nehmen und sie wieder stärken. Diese Verantwortung haben wir!

akunos 23.02.2012 | 17:22

Für mich steht die Glaubwürdigkeit, die Seriosität von Fakten in einem Pressebeitrag oder Blog an erster Stelle - völlig unabhängig von der jeweils persönlichen Meinung.
Und da habe ich meine ganz großen Zweifel angesichts Ihrer Informationsquelle "Giessener Zeitung" etc.
Wenn ich als Journalist zweifelhafte Informationen nutze und/oder zitiere mache ich mich selbst unglaubwürdig - in allem.
Natürlich kann und werde ich heute nicht beurteilen, ob Joachim Gauck ein guter Bundespräsident sein wird.
Das wird die Zeit zeigen.
Jedoch - er ist nach meiner Wahrnehmung zur Zeit der beste Kandidat für dieses hohe Amt: Unverkrampft, authentisch, menschlich und charismatisch. Ich hatte Gelegenheit Joachim Gauck persönlich kennenzulernen - weiss also wovon ich spreche. Dazu kommt seine langjährige Erfahrung in und mit dem "Politikbetrieb" bei seiner früheren Funktion.
Daher halte ich absolut nichts von dem Versuch, Gauck vor der Wahl unter Zuhilfenahme zweifelhafter Quellen, verkürzter und aus dem Zusammenhang gerissener Zitate sowie selbst unrecherchierter, einfach blind übernommener Meinungsäusserungen von anderen Protagonisten, die aber irgendwie "in den Kram passen", nieder zu machen.
Natürlich hat Joachim Gauck in der Vergangenheit Fehler gemacht und ebenso wird er auch in Zukunft als Bundespräsident nicht "everybodies Darling" sein.
Joachim Gauck ist ein Mensch mit Ecken und Kanten - und keine Politpuppe.
Das finde ich gut.

asansörpress35 25.02.2012 | 12:20

"Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit an." - meinte Theodor Fontane.

Mir drängt sich mehr und mehr der Gedanke auf, dass Joachim Gauck jemand ist, der klug genug ist, Vielen geschickt nach dem Munde zu reden. Die Missverständnisse die dabei (auch) scheinbar menschlich verständlich, ja zufällig aufscheinen, fallen offenbar nur den Wenigsten auf.

Mit seiner Klugheit könnte Gauck als Bundespräsident viel bewirken. Er könnte so auch denjenigen gehörig in die Suppe spucken, die ihn, dabei grinsend wie ein Honigkuchenpferd (etwa Gabriel), anscheinend für eine Art künftigen Heiland an der Spitze unser Republik halten.

Jedenfalls dann, wenn es der eloquente Gauck als Schlossherr im Bellevue verstehen sollte, den Leuten die soziale Spaltung - den immens steigenden Reichtum da und Abgehängten und immer zahlreicher werdenden Armen dort - als notwendiges Übel zu predigen. Denn: Deutschland geht es doch eigentlich gut. Die Freiheit nehm' ich mir!

Aber vergessen wir nicht: Gauck wäre nicht d i e Lichtgestalt als welcher er uns via Leitmedien verkauft wurde (bei der ersten Kandidatur) und nun abermals wird, hätten nicht wichtige Meinungsmacher (Springer AG und Spiegel) sozusagen gehörig für die dafür nötige energiereiche Stromzufuhr für dessen allseits blitzenden Schein gesorgt.

Dabei dürfte Gauck nur ein Windei sein. Ein Windei, das gut plappern kann. Ein Pfarrersmann der in den letzten Tagen der dahinsiechenden DDR - wie zu sehen ist - noch rechtzeitig den Bürgerrechszug besprang und sich selbst als Widerständler die Chuzpe hatte in die Nähe der Geschwister Scholl zu rücken! Dass geht selbst früheren Weggefährten wie Pfarrer Hans-Jochen Tschiche einen Tacken zu weit.

Allein: es hört niemand. Will niemand hören. Gauck ist das Licht und die Gestalt die in die Zeit zu passen scheint, Amen!
Nun fährt Joachim Gauck ("Wird er nun seine Lebensgefährtin heiraten?" mit der Bildzeitung erst einmal rauschend und über die Maßen via dicker Lettern beglänzt und mit allerlei Ehren bekränzt im Lift nach oben. Gauck wird im Amte sicherlich alles versuchen, um sich nicht zu vermaulen. Aber man hat schon Pferde vor der Apotheke k..... sehen, nicht wahr?

Wenn dann Kai Diekmann den Lift wieder herunterfahren lässt, wird die dünne, mit reichlich Eloquenzsauce bepinselte Windeischale, schnell angreifbar und brüchig. Platzt diese, steigt rasch fauliger Geruch auf. Und Diekmann muss den Lift lüften lassen.