Drittmittelstärke

Drittmittel Kennt ihr das? Drittmittelstärke als Kriterium für die Vergabe von Professoren- und Dozentenstellen an den Universitäten?
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https://c1.staticflickr.com/1/499/19297555131_a46a202922.jpgFoto: Stapelverarbeitung, 2015


Eine*r mit den besten Aussichten auf private Finanzierungsmitel bekommt die Stelle. Der Universitätsbetrieb als Inkubationszelle wirtschaftlicher Leistungsstrukturen.

Drittmittel auch in der Kultur: Drittmittelangaben zu privaten Kooperationspartnern in Förderanträgen öffentlicher, von Steuergeldern subventionierter Kunst- und Kulturprojekte.
Drittmittelgeldgeber, da staatliche Finanzierungsquellen weder für die universitäre Forschung und Lehre ausreichen. Noch für den Kulturbetrieb.

Gerade bereite ich Anträge vor: Seitenweise Formulare wo noch vor wenigen Jahren einfach ein formloses Schreiben genügte. Heute, ersetzt durch unzählige Excelsheet-Finanzierungs- und Kostenplanmasken, Tabellen und Worddoc-Formulare, für nur einen Bruchteil der Summe, die man vor fünf Jahren für das gleiche Projekt erhielt.

Der Verwaltungs- und Administrationsaufwand steigt ins unermessliche während die Summen, für die man arbeitet zu homöopathischen Beträgen schrumpfen.

Ich habe mir jetzt überlegt: Es reicht. Ich mache das nicht mehr. Ich schreibe keine Anträge mehr. Nie wieder! Es hat sich zuendebeantragt. Ich gentrifiziere auch keine städtische Infrstruktur mehr. Es hat sich zuendegewertschöpft. Ich ziehe um. Ich wandere aus. Ich habe es satt. Ich ziehe nach Griechenland.

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»Man kann guten Gewissens sagen, dass man sich selbst innerhalb der letzten zehn, fünfzehn Jahre nicht mehr wiedererkennt. Nicht nur die Universität hat sich verändert, sondern auch die Charakterprofile, die sie produziert, haben sich radikal geändert. Das hat ganz elementar mit dem CHE-Programm der Bertelsmann Stiftung zu tun, das so gut wie vollständig durchgesetzt wurde: ein Zehn-Punkte-Programm, das von der Modularisierung der Studiengänge über die leistungsbezogenen Bezahlungen der W-Professuren bis hin zur Digitalisierung der Lehre Vorschläge gemacht hat, die im Konsortium von Wissenschaftsrat, Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG) und Kultusministerien umgesetzt wurden. Und zwar mit dem zentralen Ziel, auf allen möglichen Ebenen der Universität Wettbewerbskonstellationen zu forcieren. Das hat die Universität radikaler verändert als beispielweise die Bildungsreformen nach ’68. Was jetzt bei den Reformen der jüngsten Zeit, vom Bologna-Prozess über diese Bertelsmann-Punkte bis hin zur Exzellenzinitiative, ins Gewicht fällt, ist der Versuch, Wirtschaftlichkeit durch Konkurrenz in die Forschung zu bringen: zwischen den Universitäten, zwischen den Instituten, zwischen den Professuren, auch auf der Ebene beispielsweise der Einkommen.« (aus Joseph Vogl im Gespräch mit Armen Avanessian, Merkur aktuelles Heft zur Universität und Lehre)

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Geschrieben von

silvio spottiswoode

»Ohne Griechenland kann man Europa umbenennen, etwa in Horst.« (Nils Minkmar)
silvio spottiswoode

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