Your Careless Spark

Interview / CD Im Anschluss an das Live Konzert belagern Janto und Silvi YOUR CARELESS SPARK Frontman Claus Friedrich. Wie tickt die musikalische Entdeckung der Freitags-Community?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

// Claus Friedrich, YOUR CARELESS SPARK //

Nach der YOUR CARELESS SPARK Release Show des ersten, gleichnamigen Albums (Starpost Records), vor dem Nürnberger MuZ Club, sprechen wir mit Claus Friedrich – aka Community-Mitglied Ernstchen – Leadsänger, Songwriter, Gitarrist, Keyboarder der phänomenalen Band aus dem deutschen Süden. In unseren Ohren klingen die sphärischen Sounds des Konzerts noch nach während wir unsere Fragen stellen.

»Die Ruhe und der Sturm, federleicht und schwer wie der Stein, der uns vom Herzen fällt.«

Silvi: Es war toll zu sehen, wie die Leute mit der Musik mitgegangen sind. Der ganze Raum voller vibrierender, glücklicher Menschen. Das war Wahnsinn. Ihr habt da eine tolle Performance abgeliefert.

Janto: Es war vor allem sehr tanzbar.

Claus Friedrich: Es ist live immer wuchtiger als auf dem Album. Das Album ist mehr zum hören gemacht. Live geht mehr.

Silvi: Du hast ja mal gesagt, dass es dir wichtig ist, dass Musik einen gewissen Unterhaltungswert hat. Dass es nicht so sehr um Kunst und etwas Abgehobenes geht, sondern darum Leute mitzunehmen. Das konnte man heute hier gut beobachten. Jetzt würde mich interessieren: Ist es heute Abend so gelaufen, wie Du es dir vorgestellt hattest? Als wir reinkamen, da sagtest Du, wie nervös du bist. Fühlst Du dich jetzt besser? Oder wäre noch eine Steigerung möglich; und wie würde die dann aussehen?

Claus Friedrich: Steigerung ist immer, wenn's noch größer ist, beispielsweise Open-Air im Sommer. Sowas ist toll. Aber, ich kann mir alles vorstellen. Also, dieses Intime mit 200 Leuten finde ich total schön. Abgesehen davon, dass ich beim singen eigentlich meistens die Augen zu habe und sowieso niemanden sehe – Was kann ich mir vorstellen? … Ich kann mir alles vorstellen.

Silvi: Ich stelle mir jetzt vor, das Album wird ein Hit. Überall gespielt, …

Claus Friedrich: Hihi, das stellst du dir vor, ja?

Silvi: … alle Radiosender in ganz Deutschland spielen es rauf und runter, am Ende kommt ihr groß raus. Ihr füllt Stadien..

Claus Friedrich: Da wäre ich okay mit. Wobei Stadien mir eigentlich einen Tick zu groß sind. Da wird es dann irgendwann beliebig. Aber ein Open-Air Festival finde ich toll.

Silvi: Deine musikalischen Einflüße würden mich interessieren. Der Song "Under Water" vom neuen Album wurde vor ein paar Wochen auf der Coldplay-Hypnofeed Seite als Empfehlung freigeschaltet. Coldplay?

Claus Friedrich: Ja, Coldplay mochte ich am Anfang sehr. Mittlerweile finde ich sie ein bisschen langweilig, ein bisschen arg auf Stadionmitgegröle… Das langweilt mich. Ich mochte sie, wo sie trauriger, wo sie düsterer waren. Jetzt ist alles so happy-juhu-rumhüpfmäßig. Einflüsse. Als die ursprüngliche Band, die damals "Fred Newman" hieß, das war mein Künstlername, also, neben ERNST. ... Ich habe viele Künstlernamen …

Silvi: Du hast viele Bandprojekte, bist in den unterschiedlichsten Formationen unterwegs. Welche Musikprojekte gibt es genau?

Claus Friedrich: Ja, es gibt »ERNST«, es gibt »YOUR CARELESS SPARK«, es gibt »Wrongkong«, es gibt »Prisma Allstars«, die sind heute fast alle da. Ein Coverkollektiv, 15 Leute, immer in wechselnden Besetzungen, 6 verschiedene Sänger, die sich abwechseln. Das ist sehr lustig, aber eher für unseren Spaß. Und dann gibt es noch die »Chicolores«, das ist eine Tanzcoverband. Die gibt es schon seit 14 Jahren. Sie haben sich mittlerweile ein bisschen auf die 90er Jahre spezialisiert, was sehr lustig ist. Und dann gibt es noch eine Kneipen-Akustikgitarren-Trio Band, die »Two Thumbs Up« heißt.

Silvi: Du spielst intensiv in unterschiedlichen Bands und Formationen, bist als Band-Frontman, Singer-Songwriter, Backend Guitarrist und Keyborder unterwegs. Wenn es darum ginge dieses breite Spektrum deiner musikalischen Arbeit noch irgendwie zu vertiefen, wie könnte das aussehen?

Claus Friedrich: Naja, ich hab vor einiger Zeit viel Theater- und Filmmusik gemacht, ich war bei Theaterproduktionen in Nürnberg, Berlin, Bochum und Graz und hab da die Musik komponiert und produziert zu Stücken wie "Dantons Tod" und "Das Käthchen von Heilbronn". Das war eine sehr intensive Zeit. Dann wurde meine Hauptregisseurin schwanger und fiel eine Zeitlang aus, außerdem hatte ich ein künstlerisches "Zerwürfnis" mit einer Intendantin und damit war meine Theaterkarriere erstmal vorbei, aber soetwas, wie auch Filmmusik würde ich sehr gerne wieder machen. Aber so im großen und ganzen ist was ich tue und das beinhaltet ja das produzieren daheim, v.a. für ERNST, schon ganz schön intensiv. Jetzt kommendes Wochenende präsentieren »Wrongkong« in Nürnberg eine sogenannte "Extended"-Show, Freitag und Samstag, da fahren wir alles auf, Las Vegas Style! Tänzer, Lightshow, Projektionen, Kostüme, eine lebende Discokugel ... wir proben gerade sehr intensiv!

Silvi: Wir kennen uns über die Freitags Community, wo ja durchaus auch politische Themen diskutiert werden. Janto hatte die Frage, inwiefern Politik oder eine gewisse Gesellschaftskritik auch in deine Musik einfließen?

Claus Friedrich: Total. Aber eher bei »ERNST«. "Your Careless Spark" sind die Herzensangelegenheiten. Und »ERNST« sind eher die Kopfangelegenheit.

Janto: Wie politisch dürfen denn Herzensangelegenheiten sein?

Claus Friedrich: Da habe ich mir noch keine Gedanken drüber gemacht. Es gibt schon auch Songs bei »Your Careless Spark« … mal überlegen … was haben wir denn heute so gespielt … , Songs die was Politisches haben ...

Janto: Wahrscheinlich kann man es auch politisch sehen. So mikro/makro-mäßig..

Claus Friedrich: Ja, aber da habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken drüber gemacht.

Silvi: Nochmal zu den musikalischen Einflüssen. Wir sprachen schon von Coldplay. Was gibt's noch? Es waren eben ja beispielsweise auch klassische Musikelemente in euren Songs zu hören.

Claus Friedrich: Ich bin definitiv ein Beatles Fan. Ich bin definitiv ein Radiohead Fan. War auch mal ein Sting und Police Fan. Die aktuellen Sachen, die ich sehr geil finde, sind »Arcade Fire«, »The National«, »Elbow«, solche Sachen. »Bon Iver«, tolle Sachen. Aber woher ich komm'; meine musikalische Initiation war über meinen Bruder. Er hat Ende der 80er, Anfang der 90er Kommerz-Zeug in Diskos aufgelegt. Was damals im Radio lief, was wir jetzt mit »Chicolores« spielen, das war früher so meine Musik. Dann kam irgendwann Peter Gabriel dazu. Und Sting kam. Das waren die alten... die älteren Rockmenschen …

Janto: … die Dinosaurier ...

Claus Friedrich: … und dann kamen irgendwann diese anderen Sachen dazu. Ich bin nicht auf Grunge eingestiegen, nicht auf Punk, nicht auf Metal. Ich bin Anfang der 90er ein bisschen auf Hip-Hop eingestiegen. Das hat sich dann ziemlich stark gewandelt. In Richtung … ja, Jeff Buckly kam dann raus. Das war Wahnsinn. Dann kamen die ersten Radiohead Sachen. Und Björk, auch groß: Björk. Und David Bowie, das war dann so meins.

Janto: Was Du jetzt aufgezählt hast, das sind ja sehr unterschiedliche Sachen. Du hast gesagt, du brauchst Abwechslung, sonst wird's langweilig. Auf einem Album kann man das ja im Prinzip auch machen. Oder ist eine Band immer für eine Stilrichtung?

Claus Friedrich: Naja, es kommt halt auch immer darauf an, mit welchen Leuten man Musik macht. Dieser Vierer-Haufen, der wir sind zum Beispiel. Wir machen halt Musik. Das kommt dabei heraus, wenn wir gemeinsam Musik machen. Wir stehen nicht auf und sagen, »kommt, jetzt lass uns mal was ganz anderes probieren. Wir schmeissen jetzt die Instrumente weg und nehmen Trompeten und Synthies in die Hand«, oder so in der Art.

Silvi: Das heißt für jede Personenkonstellation gibt es einen eigenen Sound in der Band?

Claus Friedrich: Mh ja, das kann man schon so sagen.

Janto: Also, es lebt. Ist ein kreativer Prozess und der geht auch nur mit diesen Leuten?

Claus Friedrich: Das würde ich so sagen. Ja.

Janto: Aber man überlegt sich doch schon, macht man eine schnellere Nummer oder eine Ballade. Ich meine, ihr habt innerhalb von einem Song … es waren ja teilweise …

Claus Friedrich: … Stimmt. Du meinst der letzte vor der Zugabe zum Beispiel.

Janto: Einmal hatte ich das Gefühl, es wird ein Walzer, aber es war kein Walzer. So etwas überlegt man sich aber doch?

Claus Friedrich: Oh Gott. Wenn ich überlegen müsste, wie entstehen Songs und Arrangements. Das ist jedesmal komplett anders.

Janto: Also, das interessiert mich ja total.

Silvi: Claus, Du hast so viele unterschiedliche Projekte am laufen, kann man davon leben?

Claus Friedrich: Nee. Nee, nee.

Silvi: Und was müsste passieren, damit man davon leben könnte?

Ernstchen: Ein Hit!

Silvi: Ein Hit. Mmmh. Ich würde sagen, dafür hast Du gutes Material hier.

Claus Friedrich: Gute Songs sind nicht unbedingt Hits. Die Band die am wahrscheinlichsten einen Hit haben kann ist »Wrongkong«, glaube ich. Und »Ernst« könnte wahrscheinlich auch eher noch einen Hit haben als YOUR CARELESS SPARK, denke ich. Denn für einen Hit müssen es ja auch Leute hören, die sich nicht so viele Gedanken über Musik machen.

Silvi: Aber YOUR CARELESS SPARK hat den besseren Namen.

Janto: Du hast gesagt »einen« Hit. Hier standen vorhin Leute, die sagten, man brauche einen Hit - und was sonst auf dem Album ist, sei egal. Das hab' ich so aufgeschnappt.

Claus Friedrich: Das ist wahrscheinlich so. Ich hatte noch keinen Hit, deshalb kann ich das jetzt nicht sagen. Es reicht wahrscheinlich erstmal. Denn wenn man einen Hit hat, dann hören sich die Leute ja auch das andere Zeug an.

Janto: Das Aufmerksamkeitsprinzip also. ... Mir friert die Hand gleich ab.

Claus Friedrich: Aufnahme läuft. Ja, läuft.

Janto: Läuft. Tschüss.

Silvi: Läuft. Claus, wir danken dir für dieses Gespräch.

Songs des Albums YOUR CARELESS SPARK: Featherweight, Trojan Horse, Loose Minds, Majesty, Proximity, Debris, Tension & Release, Under Water, Red Moon, Requiem for a Lie

Wer möchte, dass Ernstchen die Frage, ob er von seiner Musik leben kann, in Zukunft nicht mit einem klaren Nein beantworten muss, kann ja das Album kaufen. Oder ein T-Shirt. Und ein Hit wäre nicht schlecht, sagt er.

Warum nicht dieser ... »Under Water«

HIT. Reihe >> ALBUM DES MONATS #02.14

hier geht's zu HIT. Reihe #01.14 by Janto

Was? YOUR CARELESS SPARKS erstes, gleichnamiges Album. Erschienen bei Starpost Records.

Wer? Community-Mitglied Ernstchen, aka Claus Friedrich, Leadsänger, Songwriter, Gitarrist, Keyboarder von YOUR CARELESS SPARK. (Weitere Bandmitglieder sind Uwe Schlagenhaft, Electric- and Acoustic Guitar; Uwe Mühlhäußer, Electric Bass und Chris Hielscher, Drums, Percussion.)

Anlass? CD Launch und YOUR CARELESS SPARK Release Show, am 31.01.2014.

Wo? MUZ Club, Nürnberg

Songs des Albums YOUR CARELESS SPARK: Featherweight, Trojan Horse, Loose Minds, Majesty, Proximity, Debris, Tension & Release, Under Water, Red Moon, Requiem for a Lie

Your Careless Spark Infoseite bei Fb

webseite YOUR CARELESS SPARK & Shop

Ernstchen & YCS unterstützen, CD holen bei BANDCAMP

listen to tracks & share REVERB NATION

bei LAST.FM

YOUR CARELESS SPARK mit »Under Water« im Coldplay Hypnofeed

das Album zum nachhören auf SOUNDCLOUD:

CD Review: Local Calling

:: Listen to full Interview

TIPP / unbedingt hin: Claus Friedrich und »WRONGKONG« in der Tafelhalle Nürnberg, 14.&15.02.2014

Mehr zum Official Music Video »Under Water«
»Der Song “Under Water” handelt vom Versuch, Menschen die in einem Tief sind, spezifisch in einer Depression, wieder zurück ins Licht zu bringen. Im Video haben wir die Depression oder die Last der Vergangenheit, die man mit sich herumträgt, in den vier Gegenständen und in dem nassen Zustand von uns vieren quasi verbildlicht. Erst in dem Moment wo wir uns entscheiden, die Gegenstände der “nassen Welt” zu überlassen, uns von ihnen zu trennen, werden wir quasi von dem Fluch erlöst. Und kommen trocken aus dem Wasser zurück. Die Idee entstand an einem Nachmittag beim Kaffee. Wir dachten erst dass das kaum umsetzbar ist. Aber mit Hilfe vom großartigen Alexander Bardosch haben wir es hinbekommen! Wir sind ganz schön stolz auf das Ding!« (aus "Im Gespräch mit YCS", fresh4funky, 30.01.14)

17:52 12.02.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

silvio spottiswoode

»Ohne Griechenland kann man Europa umbenennen, etwa in Horst.« (Nils Minkmar)
silvio spottiswoode

Kommentare 55

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Der Kommentar wurde versteckt
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar