Tschüs Sex!

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In der ZEIT tobt wieder die unendliche Debatte. Ich kenne sie noch aus meiner Jugend, als Alice Schwarzer damals verbreitete, Sex sei die Unterwerfung der Frau, Sex sei für Frauen eigentlich etwas Schlimmes.

Nicht nur, wenn sie vergewaltigt werden, sondern auch wenn sie „Ja“ sagen, wenn sie mitmachen, wenn vielleicht gar der Impuls von ihnen ausging.

Nachher finden sie es dann manchmal doch nicht so gut, das geht Männern gelegentlich auch so. Sie bereuen. In der ZEIT wird das beschrieben als Grauzone zwischen Vergewaltigung und einvernehmlichem Sex.

Da steht der Mann dann da wie Nappel. Er wollte es, sie wollte es, nachher hatte sie es aber doch nicht gewollt. Jetzt ist er ein Täter, einer der in der Grauzone zwischen Einvernehmlichkeit und Vergewaltigung agierte. Nicht in Ordnung, aber auch noch kein Verbrechen.

Der Kern dieses immer verfahreneren Problems liegt in der männlichen Triebhaftigkeit und im Rollenklischee des Verführungsgestus. Also heißt es: Abschalten!

Es ist eine ganz neue Unabhängigkeit, eine Sicherheit und Unanfechtbarkeit, nicht auf weibliche Reize anzusprechen, erotische Ausstrahlung ignorieren zu können, sich mit der Onanie zu begnügen, wenn die eigene Physis es gelegentlich einfordert. Das geht nur mit klarem Verstand und ohne enthemmenden Alkohol. Und es hilft dabei, über solche Grauzonen zu lesen, es hilft, Kachelmann vor Gericht sitzen zu sehen. Es macht so stark, nicht mehr teilzunehmen. Garantiert kein uneheliches Kind, garantiert keine Seuche, garantiert keine Risiko einer Beschuldigung. Garantiert kein Fremdgehen. Endlich frei.

Wie grausam war es, als in der Pubertät die Sexualität mit voller Wucht erwachte, primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale der Frauen mein Hirn dominierten. Damals undenkbar, das in Zaum zu halten. Jahrzehnte später wird das Undenkbare aber möglich.

Was für ein Glück ich eigentlich hatte, dass sich die Kraft meiner aufkeimenden Sexualität ganz „normal“ auf Frauen richtete. Wie schlimm muss es sein, wenn sich sexuelle Begierde mit solcher pubertären Wucht auf Kinder richtet wie offensichtlich bei dem 18-Jährigen Triebtäter in Emden? Er tut mir leid, und er muss Jahrzehnte lang weggesperrt werden - bis auch er seine Sexualität vielleicht irgendwann beherrschen kann.

13:28 05.04.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Auge

Manchmal sind sich alle einig, scheinbar ist es richtig, was einhellig für gut befunden wird. Aber vielleicht es es doch ein Irrweg...
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Auge

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