Der Hanoi-Gipfel und Venezuela

Venezuela/USA/Nordkorea. Zufälle geschehen im wirklichen Leben, jedoch kaum in der Politik und Timing ist alles.
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DER PLAN

Teil 1 – Schauplatz Venezuela/Kolumbien:

Es findet auf kolumbianischer Seite in Cúcuta ein sogenanntes „Venezuela-Aid-Konzert“ der Gegner Maduros mit etwa 200.000 Besuchern statt. Ein Konvoi getarnt als „humanitäre Hilfe“ setzt sich in Richtung venezolanischer Grenze in Bewegung, begleitet von Guaidó und den 200.000 Konzertbesuchern, sprich Anhänger Guaidós. Hundertschaften rechtsradikaler Barrikadenkämpfer eskortieren die Lkws und greifen venezolanischen Grenzposten mit Molotov-Cocktails und Steinhagel auf den Grenzbrücken an. Das venezolanische Militär lässt den Konvoi nicht über die Grenze. Es kommt zum Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Plötzlich wird auch scharf geschossen. Es gibt auf beiden Seiten Tote. Die Gewalt eskaliert. Wer geschossen hat, bleibt für immer ungeklärt. Teile des venezolanischen Militärs laufen über. Die Lkws mit den „Hilfslieferungen“ gehen in Flammen auf.

Ex-CIA-Chef und amtierender Außenminister Mike Pompeo und US-Senator Marco Rubio agitierten unentwegt per Twitter. Sie werfen Venezuela Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Die USA beschließen, „aus humanitären Gründen“ in Venezuela militärisch zu intervenieren, eine humanitäre Intervention auf der Grundlage der Responsibility to Protect (R2P) der UN-Charta. Sonderheiten der US-Armee wurden zu diesem Zweck bereits u.a. nach Puerto Rico verlegt.

Guaidó gelangt nach Venezuela und stilisiert sich als „Befreier“ Venezuelas.

In Venezuela kommt es zum Bürgerkrieg.

Teil 2 – Schauplatz Hanoi

Donald Trump trifft sich mit dem nordkoreanischen Präsidenten Kim Jong Un medienwirksam zu einem Friedensgipfel in der vietnamesischen Hauptstadt Vietnam.

Donald Trump erklärt den Koreakrieg nach mehr als sechs Jahrzehnten für formell beendet. Beide Staaten wollen im jeweils anderen Land Verbindungsbüros einrichten. Die Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea werden gelockert, Nordkorea rüstet atomar ab.

Die ganze Welt spricht nur noch über Nordkorea. Kein Mensch interessiert sich für Venezuela und den dort über die Bühne gegangenen US-Putsch.

Donald Trump wird für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

DAS SCHEITERN DES PLANS

Teil 1 – Schauplatz Venezuela/Kolumbien

Die Zahl der Festivalbesucher in Cúcuta wird nur auf maximal 10.000 geschätzt. Das Rote Kreuz distanziert sich ausdrücklich von der sogenannten „humanitären Aktion“, da es auf seine Neutralität pocht. Die jüngste OEA-Vollversammlung (Organisation Amerikanischer Staaten) erkennt weder Guaidó als neuen Präsidenten Venezuelas an, noch befürwortet sie eine militärische Intervention.

Weltweit starten Solidaritätskundgebungen für Venezuela und seinem Präsidenten Maduro unter dem Motto „Hände weg von Venezuela“, unterstützt von Prominenten wie Roger Waters (Pink Floyd). Sogar der Deutsche Bundestag muss in einem Rechtsgutachten bestätigen, dass die Anerkennung Guaidós nicht rechtens ist.

Das venezolanische Militär lässt sich nicht provozieren und ist auf Gewaltverzicht eingeschworen. Es kommt zwar zu kleineren gewalttätigen Auseinandersetzungen auf Grenzbrücken, allerdings in recht begrenztem Umfang. Das venezolanische Militär bleibt der Maduro- Regierung treu und steht zur Landesverfassung.

Videos zeigen, wie gewalttätig die Guaidó-Anhänger agieren und wie sie es sind, die die Lkws in Brand setzen, die anschließend von Jugendgangs zerlegt werden.

Guaidó kann nicht nach Venezuela einreisen. Die noch übriggebliebenen Lkws werden nach Bogotá zurückbeordert.

Der Staatsstreich ist gescheitert, wird aber nicht aufgegeben.

Teil 2 – Schauplatz Hanoi

Großangekündigtes Gipfeltreffen zwischen Donald Trump/USA und Kim Jong Un/Nordkorea in Vietnam. Trump lässt den Gipfel medienwirksam platzen.

Die USA weigern sich, die Strafmaßnahmen gegen Nordkorea komplett aufzuheben. Nordkorea behauptet, dies niemals gefordert zu haben.

Donald Trump bekommt keinen Friedensnobelpreis.

Und Venezuela bleibt weiterhin Thema.

11:40 01.03.2019
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Geschrieben von

augenstern

Interessiert an Politik und Kultur.
augenstern

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