Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

Film. Auf dem Münchner Filmfest lief als Deutschlandpremiere „Il vizio della speranza“ (Die Sünde der Hoffnung) von Edoardo De Angelis, Italien 2018.
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Bildstark wird das Drama junger Frauen in Szene gesetzt, die mit dem Austragen von Babys und deren Verkauf Geld verdienen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Verdammten schwarz oder weiß sind, zu den Einheimischen oder Flüchtlingen gehören. Die bittere Armut und ihr Elend macht sie alle gleich.

Kampanien, nahe Neapel. Trostlose, im Müll erstickende Tristesse. Es ist Dezember und kalt. Meer und Himmel spiegeln sich grau in grau. Die junge Maria ist in der dritten Schwangerschaftswoche und ihre Passion beginnt. Der Zuschauer erfährt: Eine Geburt würde nur das Kind überleben, sie nicht. Sie entscheidet sich für das Kind. Der Vater? Ein Mysterium. Die Stationen von Marias Leidensweg sind an ihren Schwangerschaftswochen festgemacht.

Die Kamera ist immer nahe an Maria, die mit ihrem Hund durch den süditalienischen Dauerregen stapft, um ihren Geschäften nachzugehen. Marias Job ist es, junge, hochschwangere Frauen, egal ob Schwarzafrikanerinnen oder Italienerinnen, an eine Mafia zu übergeben, die den Frauen die Babys abkauft. Maria zieht den Job knallhart und mitleidslos durch.

Trost in dieser Tristesse spenden die allgegenwärtige Muttergottes, Pasta und harte Drogen, denen sowohl Marias Mutter als auch ihre an der Heroinnadel hängende Tante Mari, die das Geschäft mit den Neugeborenen kontrolliert, verfallen sind. Über die Depression des Elends wird der „samtene Mantel“ des Gifts gebreitet.

Ein Problem taucht auf als Fatima, eine junge Schwarzafrikanerin, ihr Baby behalten möchte. Die nun selbst schwangere Maria wird anfällig für Mitgefühl und verhilft der Hochschwangeren zur Flucht. Maria, jetzt von der Mafia gejagt, findet Unterschlupf in einer Community schwarzer Frauen. Hier sind aller Schmerz und alles Leid der Welt zuhause, Kälte und Härte, doch auch Wärme und Sanftheit. Maria soll anschaffen gehen und die Hälfte ihres Verdienstes an die Chefin abgeben.

Maria flieht weiter durch diese Welt des Verfalls. Grenzen zwischen Europa und Afrika sind verwischt, haben sich in der Hoffnungslosigkeit aufgelöst. Maria verliert ihren Hund und findet dafür ihren Josef in Form eines ehemaligen Fischers namens Carlo, der sie schon einmal rettete.

Auch Maria soll ihr Baby verkaufen, eine Wiedergutmachung für den Verlust von Fatimas Baby.

Maria tritt den Weg aller hochschwangeren Frauen zur Entbindung unter Elendsbedingungen an. Ihre Mutter schachert mit Tante Mari um den Preis für das Neugeborene.

Doch Maria gelingt auch diesmal die Flucht und es wird sich eine Krippe finden, in der sie ihren Sohn zur Welt bringt.

13:45 07.07.2019
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Geschrieben von

augenstern

Interessiert an Politik und Kultur.
augenstern

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