Augstein und Blome
14.03.2014 | 17:20 198

Des Kremls neue Kleider

Putin ist nackt Jeden Freitag prallen Welten und Weltanschauungen aufeinander, wenn Jakob Augstein und Nikolaus Blome die Geschehnisse der Woche reflektieren

Jakob Augstein und Nikolaus Blome liefern sich seit Januar 2011 immer Freitags in der Phoenix-Sendung Der Tag einen Schlagabtausch über das Thema der Woche. Wiederholt wird die Diskussion sonntags vor dem Presseclub

Kommentare (198)

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Ehemaliger Nutzer 14.03.2014 | 17:49

Passen dazu:

Nikolaus Blome im Spiegel zur Ukraine - und - na klar, war zu erwarten, es ist mittlerweile völlig egal, wo man liest, ist eh alles aus der gleichen Kiste:

Ukraine-Krise: Putin, der Verlierer

"Der Westen macht in der Ukraine-Krise einen Denkfehler: Er redet sich ein, dass Wladimir Putin die Agenda bestimmt oder gar den Machtpoker gewonnen hat. In Wahrheit hat Russland schon jetzt auf ganzer Linie verloren.

...

Die Europäer müssen nun erkennen, dass sie das Spiel gewonnen haben - egal ob sie es ursprünglich spielen wollten oder nicht. Die sogenannte "Neue deutsche Außenpolitik" sollte nicht länger grübeln, wie Putin zur Umkehr bewegt werden kann. Sondern überlegen, was sich mit diesem Sieg Kluges anfangen lässt."

Sieg Hei...

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Ehemaliger Nutzer 14.03.2014 | 19:25

Hab ich Augstein richtig verstanden, dass er es doch nicht richtig findet, wenn die Krim wieder zu Russland gehört? Tsss. Bis jetzt hatte ich den Eindruck, er sieht das entspannt und vernünftig. Ich will ja Putins Manipulationen und Menschenrechtsverletzungen auch nicht rechtfertigen, aber die Krim als Grund für eine internationale Krise hochzuspielen ist albern.

Dieses ganze Gerede von Siegen halte ich nebenbei für einen diplomatischen Supergau. Wenn man mal bereit wäre soviel Porzellan zu zerschlagen für eine gute Sache, wie Einhaltung der Menschenrechte, okay. Aber bei der Krim... ist das was letztendlich richtig ist, nicht so einfach. Die Welt tut grade so als ginge es um "Deutschland in den Grenzen von 1939", aber da ist die Sachlage ja doch eine andere, die Krim war nie richtig getrennt von Russland. Und dieses platte "Geschenkt ist geschenkt - wiederholen ist gestohlen!", als Leitlinie für internationale Politik ist dann vielleicht doch ein bisschen sehr simplifiziert.

Mir ist auch völlig schleierhaft, wieso die USA zu dem Thema überhaupt ihren Mund aufmachen. Also dass die Ukrainer dazu was zu sagen haben, ja. Die Europäer dürfen in gedämpfter Tonlage auch noch einen Kommentar anbringen. Aber die USA? Die haben doch wirklich nichts mit der Krim zu schaffen. Oder mit Russland. Oder der Ukraine.

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Ehemaliger Nutzer 14.03.2014 | 20:25

Monsieur Augstein konnte ich immer nur abnicken. Eines verzeih ich ihm nicht, ja lieber Jacob, Ihr Vater haette Ihnen eines gepustet den SPON (Spiegel) so verkommen zu lassen.

Nun zum Voelkerrecht. Laut Voelkerecht hat die Krim das recht zur Selbstbestimmung. Laut ukrainischer Verfassung nicht.Im zweifel( des Angeklagten) bin ich fuer das Menschenrecht und stehe den Menschen zu ein Rerendum abhalten zu koennen. Die Demokratie als kleinere Uebel, da hat das Volk die "Herrschaft". Persoenlich bin ich sogar gegen jede Herrschaft, sie ist nicht wuerdig gegenueber eines Menschen. Denn jeder einzelne Mensch hat das Wissen, die Kraft und auch die Emphatie zu einer guten Welt.

Wenn aber schon dieser Blome von Verlierern spricht ist es muessig mit so einem Menschen weiter sich abzugeben. Verlieren signalisiert ein Menschenleben was es nicht wert ist leben zu duerfen.Die Macht soll der Sieger sein.

Die Menschheit hat es wohl nicht verdient gluecklich zu sein. Damit macht man ja auch kein Geld.

Nur hier sollte sich Deutschland nicht wieder irren, man ist vorbereitet.Auch der friedliebenste Mensch, die Hand zur Versoehnung ausstrecken,wird nach dem Machtgeluesteschrei Rache empfinden. Das russische Volk empfindet wie alle Voelker der Welt.Und den Putin hat der Kriegstreiber BHL und Mc Cain in die Ecke gedraengt.Menschenunwuerdig andere in Ecken zu treiben.

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Ehemaliger Nutzer 14.03.2014 | 20:45

PS an Monsieur Blome

Sie sagen, behaupten es sogar, durch das A.Abkommen der Ukraine etwas gutes zu tun. Wie verlogen ist das denn? Deutschland will sich, jedenfalls allen voran sich dort installieren. Sie sind doch auch gegen Mindestlohn, nicht wahr?Sie wollen ueberhaupt nichts gutes tun der Bevoelkerung dort. Deutschlands Konzerne wollen sich dort gesundschrumpfen. Die Amis wollen ihre Ruestungsindustrie aufrecht erhalten, im ueberigen Deutschland und Frankreich auf. Und zuallererst, das Finanzsustem noch ein wenig aufrecht erhalten bevor es zusammen faellt.

Irgendwie links 14.03.2014 | 20:49

Das mag daran liegen, weil Sie das Budapester Memorandum von 1994 nicht kennen.

mit diesem verpflichteten sich die USA, Großbritannien und Russland in drei getrennten Erklärungen jeweils gegenüber Kasachstan, Weißrussland und der Ukraine, als Gegenleistung für einen Nuklearwaffenverzicht die Souveränität und die bestehenden Grenzen der Länder (Art. 1) sowie deren politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu achten (Art. 2 f.) und im Falle eines nuklearen Angriffs auf die Länder unmittelbar Maßnahmen des UN-Sicherheitsrates zu veranlassen.

Deshalb machen die USA "ihren Mund auf", weil ausgerechnet einer der Unterzeichner, nämlich Russland, dieses Memorandum auf Gröbste verletzt.

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Ehemaliger Nutzer 14.03.2014 | 21:13

Oui mais...man sollte auch nicht vergessen, man machte auch aus die Nato nicht an die Grenzen Russl&ands zu stellen.

Die einzigen die Deutschland verlassen haben nach dem Mauerfall sind die Russen. Die Amis habt ihr auf dem Hals. Versteht ihr in Deutschland das nicht? Deutschland kann nur innerhalb Europas Frieden finden, so auch mit den Russen. Putin ist nicht Stalin. Haben sogar wir verstanden, warum nicht Deutschland?

Wenn ich Putin ins politische einstufen muesste, ist er ein Gemisch von Marine le Pen, Nicolas Dupont Aignan und Mélenchon.Wie geschrieben, ein Gemisch, kein Vasall der USA.

Das schlimmste fuer mich, da die Welt den Krieg sucht und Europa den Friedensnobelpreis nicht, ueberhaupt nicht verdient hat( obwohl ich mir so sehr wuenschte er waere gerechtfertigt fuer unser aller Wohl) und es zum Krieg kommt, beantrage ich Asyl bei Putin.So wie Snowden und Depardieux.In Europa laeuft einiges schief was mir Angst macht. Wer die Russen kennt weiss was fuer ein warmherziges Volk es ist. Und einen Feind werde ich nicht als Feind ausmachen weil man mir per Presse signalisiert wer mein Feind sein soll. Ich habe keinen Feind. Weder ein Moslem, noch ein Jude, noch ein Russe.Ich wehre mich dagegen. Ich wehre mich, auch mit vollen Namen gegen Kriegshetze.

Ach ja, einen Gysie oder eine Wagenknecht, um solche Politiker kann man Deutschland beneiden.Wir haben sie nicht.

Marscha64 14.03.2014 | 22:24

Ich halte es mit dem amerikanischen Sozial-Historiker Immanuel Wallerstein: der eigentliche Horror für die heutige USA ist nicht Putin oder einer der sog. Schurkenstaaten, wie Iran, Pakistan etc., sondern die sich die letzten Jahre immer stärker herausbildende "Achse Paris - Berlin - Moskau".

Dieses Achse zeigte zuerst 2003 beim Irak-Krieg, den Schröder ablehnte und zuletzt in der Giftgas-Krise in Syrien. Diese endete für die USA in einem fast "Rote Linie überschritten Desaster". Damals ließen die europäischen Partner (allen vorran Deutschland) die USA ein weiteres Mal im Stich und gingen "eigene Wege" und stärkten damit indirekt die Position Russlands und Chinas.

Das Ziel der USA im Ukraine-Konflikt könnte es unter dieser Sichtweise weniger sein, sich dieses Gebiet als "Rohstoffrecource" zu sicher, denn über solche verfügen sie ohnehin schon genug, sondern über diesen Konflikt "indirekt" ihr eigentliches Angstgebilde, die "Achse Paris - Berlin - Moskau" zu untergraben.

Der eigene Schaden scheint sich bisher für die USA in Grenzen zu halten, wäre aber für die EU und für Deutschland umso größer und letzten Endes für das Verhältnis Deutschland - Russland verherrend. Die USA würde als schwächelnde Großmacht durch eine "verbogene Achse Paris Berlin Kiew" wieder an Stärke gewinnen. Wüchse sich die Krise gar zu einem längerem kriegerischen Konflikt aus, wäre Europa mit Deutschland geliefert. Auch hier wäre die USA der Gewinner, weil durch die daraus resultierende wirtschaftliche Schwächung Deutschlands die USA den lang ersehnten wirtschaftlichen Aufschwung bekommen könnten.

Merkel mit ihrer ossihaften Russenphobie passt in diesem tieftraurigem Spiel der USA wie "die Faust auf´s Auge".

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Ehemaliger Nutzer 15.03.2014 | 01:28

Werte Madame Marcha

Im Gegensatz zu Ihnen, glaube ich nicht an die "ossihaften Russenphobie" der Madame Merkel.Die Merkel treibt etwas anderes an um an der Macht zu bleiben. Gegen die Russen hat diese Frau garnichts.

Wenn im Jahre 2017 die Wahlen stattfinden in Frankreich und Deutschland, wird die merkel( da bei uns eher die Wahl statt findet) warten, ob der Sarkozy gewinnt. Gewinnt er, wird sich diese Frau wieder bewerben, gewinnt er nicht, tritt sie ab. Diese Frau ist so durchsichtig wie mein Nachthemd. Man muss diese Frau begreifen um sie zu verstehen.Das traurige, sie ist dumm, auch mit Doktortitel. Warum wird sie in Deutschland gewaehlt? Nicht sie wird gewaehlt, sie bekommt die meissten Stimmen im Osten Ihres Landes. Man waehlt dort immer noch den Kohl. Denn die aelteren Menschen dort durften in Rente gehen mit maximal 55 Jahren mit guten Geld. Der Osten ist dieser Partei dankbar dafuer.Manche sogar mit 52 Jahren. Um das raus zu finden muss man sich auch die Zeit dafuer nehmen und recherchieren.Man waehlt die Partei, nicht Merkel, aus dankbarkeit. Und die Merkel weiss es. Die kennt ihre Leute aus dem Osten, aus dem Westen, aus Frankreich geschweige Portugal oder Griechenland, geht dieser Frau am Hintern vorbei.Sie ist einfach so durchsichtig und fast schon bemitleidenswert, nur es macht sie auch gefaehrlich fuer Europa, aber nicht einmal das begreift sie.

berlino1010 15.03.2014 | 10:50

"dieses Memorandum auf Gröbste verletzt."

Die diversen Vereinbarungen des überforderten und vom Westen erpressten Jelzin haben für die Russen dieselbe Gültigkeit wie die der Vichy-Regierung für Frankreich.

Die Ukraine hatte nie eigene Atomwaffen, sie hat nur zurückgegeben, was ihnen ohnehin nie gehörte, sondern der UdSSR.

Und wenn sie auf Russische Vereinbarungen aus dieser Zeit pochen, muss ich lachen. Der Westen hat mehrfach ein nach dem Zerfall der UdSSR und den IWF-Diktaten am Boden liegendes Russland über den Tisch gezogen, Vereinbarungen gebrochen und geopolitisch Fakten geschaffen, als sich RUS nicht wehren konnte. Und damit Keimzellen für heutige Krisenherde geschaffen.

Gerade deshalb halten die Russen den Westen für so vertrauenswürdig wie Hütchenspieler im Rotlichtbezirk.

RUS war in den 90ern kooperativ, schwach und auf Hilfe angewiesen und wurde vom Westen fast in den Abgrund gedrängt. Der Westen hat die Möglichkeiten, mit RUS eine dauerhafte Sicherheits-Partnerschaft aufzubauen, eigennützig und aggressiv selbst zerstört.

Irgendwie links 15.03.2014 | 11:32

klar, auch wenn vieles in Ihrer Analyse stimmig ist, so ist sie dennoch rückärts gewandt, sozusagen "KaltesKriegerDenken", das der Überumpelungstaktik Putins nicht gerecht wird.

Mit Aktionen wie diesen macht Putin die wünschenswerte Sicherheitspartnerschaft unmöglich.

Der ständig thematisierte Puffer Ukraine zwischen den Blöcken verschwindet schließlich genauso, wenn sich Russland die Ukraine einverleibt, der Anfang mit der Krim ist ja praktisch gemacht.

In einer dramatisch akuten Situation hilft es wenig, sich die Versäumnisse und Fehler in der Vergangenheit auf beiden Seiten gegenseitig aufzurechnen.

Ein Moratorium bis nach den angesetzten Wahlen in der Ukraine wäre doch das Mindeste, as man von Putin erwarten könnte, stattdessen führt er ein Schmierentheater mit verkleideten Russen auf, um im Handstreich auf der Basis von Unwahrheiten Fakten zu schaffen, die schwer bis gar nicht mehr reversibel sind.

False Flag gehört zu Putins Lieblingsspiel.

berlino1010 15.03.2014 | 11:50

Ja sicher, ist Putins Besetzung der Krim nicht geeignet, eine Sicherheitspartnerschaft in Europa zu fördern. Doch welche Ausgrenzung und Isolation durch den Westen ging denn dem voraus?

Sich die Ukraine unter den Nagel reissen zu wollen, dabei mehrfache Gesprächseinladungen RUS abzulehnen, ist ein Angriff auf berechtigte Sicherheits-Interessen RUS. Der letzte entscheidende Vertrauensbruch für eine gemeinsame, friedliche Lösung des Konfliktes war der Bruch des Minimalkonsenses, des internationalen Friedensabkommen, durch den faschistisch aufgehetzten Pöbel und dann vor allem auch die völlig unnötige, kritiklose und blitzartige Anerkennung einer verfassungsfeindlichen Putsch-Regierung und ihrer anti-russischen und durch nichts legitimierten Zusammensetzung, Pläne, Ordnungskräfte, Aktionen ...

Damit hat der Westen deutlich gemacht, dass er nur den Umsturz wollte, und dass ihm berechtigte Politik-, Wirtschafts- und Sicherheits-Interessen RUS und der Millionen Russen in der Ukraine völlig gleichgültig waren.

Damit hatte der Westen bereits mehrfach jede Sicherheitspartnerschaft mit RUS verunmöglicht. Die militärische Reaktion RUS auf die politische Ausgrenzung war ebenfalls aggressiv, aber gertrieben von einer anti-russischen Poltik des Westens.

Irgendwie links 15.03.2014 | 12:08

Ich sagte es bereits, dieses gegenseitige Vorwerfen vergangener Fehler hilft in der aktuellen Situation nicht weiter, zumal dieses Ursache-Wirkung-Spiel meist sehr subjektiv ausfällt.

Der Westen hat und hatte eine Einverleibung der Ukraine nie vor, das scheint eine verbreitete Fehleinschätzung zu sein, schließlich unterhält der Westem mit Russland auch umfangreiche Wirtschaftsbeziehungen, niemand käme da auf die Idee, an den Versuch der Einverleibung zu kommen.

Ich bleibe dabei: der scheinbare "Sieg" Putins in diesem Konflikt wird ein Phyrrussieg sein, und Russlands Auflösung nur kurzfristig aufhalten können.

Der Widerstand gegen Putin wird nicht zuletzt wegen der zu erwartenden Wirtschaftskrise in Russland sich schnell vergrößern.

Ich sagte es schon an anderer Stelle: der Rubel rollt nicht mehr, er fällt, und zwar rasant.

Joachim Petrick 15.03.2014 | 12:09

Inzwischen wird mir das Ziel der Augstein&Blome Übung immer deutlicher, sich engagiert in Themen zu verhakeln und trotzdem von diesen lösen können, um sich einem neuen Thema zuzuwenden,
Da haben beide in lobenswerter Weise binnen kurzer Frist einiger Jahren eine Meisterschaft entwickelt und bewiesen. Respekt!

Meine Meinung zum Thema"Des kremls neue Kleider":

Die NATO verspürt einen Juckreiz in ihrem noblen Zobel- Pelz und nennt den Juckreiz Krimkrise in der Ukraine, den Wladimir Putin entzündet.

Wladimir Putin spricht dagegen nicht von Juckreiz, gar Krise auf der Krim in der Ukraine, sondern von der Lage, mit der alle Beteiligten und Anrainerstaaten friedensgestimmt umzugehen haben.
Hilfreich sei da, wenn OSZE- Beobachter das Referendum am Sonntag, den 16.März 2014 auf der Krim begleiten würden.

Die NATO- Staaten, voran die USA, England, Frankreich, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Tschechei, Slowakei, Deutschland sehen das offiziell auf Regierungsebene anders, die Teilnahme von OSZE- Beobachtern des Referendums auf der Krim wären ein Affront gegen die Ukraine.

In dieser Lage haben Russen, hat Wladimir Putin nur einen Wunsch an die NATO, dass die NATO sich, statutengemäß, wie bisher, an die eigenen Aufnahmekriterien hält.
JP

siehe:

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/putin-der-juckreiz-im-pelz-der-nato

JOACHIM PETRICK 15.03.2014 | 01:52

PUTIN, der Juckreiz im noblen Pelz der NATO

UKRAINE(KRIMALARM ""Russland ist in der sogenannten Krimkrise/Ukraine keine Konfliktpartei", meint der russische Botschafter Grinin in Berlin, ungefragt bei Anne Will am 12.3.2014

Magda 15.03.2014 | 12:39

Diese Frau ist so durchsichtig wie mein Nachthemd. Man muss diese Frau begreifen um sie zu verstehen.Das traurige, sie ist dumm, auch mit Doktortitel. Warum wird sie in Deutschland gewaehlt? Nicht sie wird gewaehlt, sie bekommt die meissten Stimmen im Osten Ihres Landes.

So ein kompletter Unsinn. Der Osten hat gleich nach der Wende, viel weniger CDU gewählt als der Westen und heute wählen sie vermehrt "Die Linke". Also, wenn Sie Angela Merkel für dumm halten, dann vermute ich Sie z. B. noch weiter oben auf der Skala, die Eigenschaften wie "dumm" misst.

Noch immer wählt der Osten anders als der Westen -

Sie sind restlos auf dem Holzweg. Aber inzwischen kann man konstatieren: Je kenntnisloser die Leute, umso großspuriger manchmal der Ton, was man an Ihren albernen Auslassungen sehen kann.

Zitat aus noch einer anderen Quelle:http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Politik/d/3559840/der-osten-waehlt-immer-noch-anders.html

Zwar konnte auch in den neuen Ländern die CDU unter Führung der aus der Uckermark stammenden Kanzlerin Angela Merkel nach Infratest-dimap-Zahlen kräftig zulegen und liegt wieder klar auf Platz eins. Das liege aber auch daran, dass Merkel noch immer einen "Ost-Bonus" habe, meint der Magdeburger Politologe Hendrik Träger. Doch der hilft nur bedingt: Merkels CDU schneidet im Osten weiterhin etwas schlechter ab als im Westen.

berlino1010 15.03.2014 | 12:51

"Russlands Auflösung " wovon sprechen sie?

Ich gebe ihnen Recht, die Schuld haben beide Seiten auf sich geladen und beide Seiten Irrwege beschritten. Ich betone nur deshalb einseitig westliches Fehlverhalten, weil das hier bei uns weitgehend ignoriert wird, während RUS einseitig alle Schuld abbekommt.

Auch wenn die heutige Friedensdemo in Moskau viele Tausende versammeln kann, teile ich ihre Einschätzung nicht, dass sich der Widerstand gegen Putin in RUS derzeit vergößert. Das Gegenteil ist der Fall. Aktuell sind seine Zustimmungswerte auf 72% gestiegen. In Wolgograd beispielsweise sammeln sich auch viele meiner Freundin, eigentlich immer Putin-Kritiker derzeit hinter dem Präsidenten.


Die Angriffe, Kritik und Häme des Westens lassen nicht nur die Russen sich hinter Putin sammeln, sondern sie verschlechtern auch die Möglichkeiten für interne Kritik innerhalb Russlands. Die Kritik des Westens ist offensichtlich so überzogen und beleidigend, dass die Russen auf Abwehr und Distanz zu jeder Form von Kritik gehen. Es gilt, das eigene Land gegen eigennützige und russlandfeindliche Attacken zu schützen.

Je mehr Anti-Putin-Rhetorik es im Westen gibt, desto mehr nützt ihm das nach innen. Dann sagt er: Die wollen uns isolieren, wollen Russland kleinreden.
Stefan Meister , Russland-Experte des Think-Tanks European Council on Foreign Relations (ECFR) - ARD Tagesschau

Die derzeitige Stagnation der Russischen Wirtschaft ist tatsächlich ein bedrohlicher Sprengstoff für RUS. Die Russen haben sich an Lohnsteigerungen gewöhnt. Diese scheinen nicht weiter möglich zu sein, was Putins Rückhalt reduzieren würde.

Setzt der Westen allerdings seine Strategie der Isolation RUS und der Sanktionen weiter um, bzw. steigert diese noch, dann kann Putin die Stagnation dem Westen in die Schuhe schieben und die Russen werden sich leidenschaftlich hinter Putin stellen und jede Entbehrung mit grösster Leidensfähigkeit meistern.

Das kann ich ihnen versichern. Die Abscheu vor anti-russischen, faschistischen Kräften in der Ukraine ist sehr gross und das Mißtrauen gegenüber dem Westen ebenso.

Magda 15.03.2014 | 12:53

Mir ist auch völlig schleierhaft, wieso die USA zu dem Thema überhaupt ihren Mund aufmachen. Also dass die Ukrainer dazu was zu sagen haben, ja. Die Europäer dürfen in gedämpfter Tonlage auch noch einen Kommentar anbringen. Aber die USA? Die haben doch wirklich nichts mit der Krim zu schaffen. Oder mit Russland. Oder der Ukraine.

Herrlich. Ich empfehle das Nachlesen in einem der zahlreichen Blogs. Nebenbei der Querfront-Blog behandelte auch dieses Thema nur in einem anderen Zusammenhang. Und viele, viele andere.

https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/das-grosse-fressen

Irgendwie links 15.03.2014 | 13:52

Dass Putin mit seiner nationalistischen Gangart derzeit großer Beliebtheit erfreut, bestreite ich nicht.

Ich sehe den zunehmenden Widerstand nicht nach aktuellen Umfragen, sondern auf längere Sicht.

Die wirtschaftlichen Probleme, von denen Putin mit seinen trickreichen Manövern derzeit erfolgreich ablenkt, werden die einfachen Russen sehr bald in der Realität einholen.

Die Lebenshaltungskosten steigen explosionsartig und die zu erwartenden Handelseinschränkungen werden diese Entwicklung noch beschleunigen.

Putin weiß auch selbst, dass das russische Gesellschaftssystem ein Auslaufmodell ist, das sich seinem Ende durch den Affront Putins gegen "den Westen" nun in beschleunigter Form abzeichnet.

Ich begrüße das ausdrücklich nicht, bin aber auch nicht bereit, Verletzungen von Menschenrechten und der Souveränität von unabhängigen Staaten durch Putin einfach nur zuzusehen.

Was spricht gegen ein Moratorium bis nach den ordentlich durchgeführten demokratischen Wahlen?

freedom of speech? 15.03.2014 | 14:06

„…Die Ukraine hatte nie eigene Atomwaffen, sie hat nur zurückgegeben, was ihnen ohnehin nie gehörte, sondern der UdSSR…..“

War es ein Zeichen von Schwäche, als Russland der Ukraine die Integrität garantierte?

Hätte Russland schon viel früher die Ukraine kassieren sollen und die UDSSR wieder aufstehen lassen?

Viele Grüße

Fos?

PS: Das, was bei Ihrer Meinung durchschimmert, ist der Grund, weshalb die Nachbarn Russlands bei der NATO Schutz suchen.

berlino1010 15.03.2014 | 14:32

Ja, aber die wirtschaftlichen Probleme und die Defizite des Putinschen Zentralismus lassen sich dann sehr leicht dem Westen zuschreiben, was die Unzufriedenheit mit der eigenen Situation in einen Hass auf den Westen umlenkt.

Putin steht (zu Recht) für einen starken Staat und für Stabilität. Je grösser das subjekte Empfinden der Russen für einen Krisen-Situation ist, desto lauter werden die Rufe nach einem starken Mann.

Ist die Situation entspannt, ohne Angriffe von aussen, ohne Krisenherde, dann muss sich Putin beweisen. Und das wird er nicht können. Sein System verhindert Privatwirtschaft, Entwicklung, Modernisierung .

Was berechtigt sie zur Annahme, dass das russische Gesellschaftssystem ein Auslaufmodell ist? RUS wird nie liberale Demokratie nach westlichem Vorbild.

Putin wird bis 2018 in RUS nur über die wirtschaftliche Situation fallen oder aufgeben müssen. Weder Korruption, noch soziale Verteilung oder fehlende Rechtssicherheit erreichen im Russischen Problembewusstsein die 30% Marke.

Über 50% erreichen nur wirtschaftliche Probleme, Lebenshaltungskosten, Preise, Inflation, Armut, ..

Menschenrechte definieren Russen primär als sichere Existenz, materiell, medizinisch, ..

Die Verletzung der Souveränität von unabhängigen Staaten durch Putin ist durch zu viel Isolation RUS entstanden, nicht durch zu wenig. Und diese ist mMn gerade im Vergleich zu denen der USA noch nicht so weitreichend, dass sie ein Partnerschaft verhindern müsste. Im Gegenteil wäre zB die Autonomie der Krim, der Verzicht auf die Aufnahme der Krim in die Russländische Föderation ein möglicher Verhandlungs-Kompromiß.

Irgendwie links 15.03.2014 | 14:43

Ein Geschenk ist ein Geschenk ist ein Geschenk und nicht an Bedingungen geknüpft, auch nicht posthum, wenn sich die politischen Verhältnisse ändern, dass sollte auch der Ex-KGBler Putin akzeptieren.

Die Atomwaffen waren zwar von der UdSSR aufgestellt worden, aber mit der Autonomie der Ukraine in deren Eigentum übergegangen.

Russland hatte doch das größte Interesse daran, diese zu beseitigen, doch nicht "der Westen", und nun, da sie weg sind, packt Putin seine Keulen aus, und zerschlägt die ohnehin am Boden liegende Ukraine.

Und genau das ist es, was ihm auf lange Sicht das Genick brechen wird. Putin hat mit Stalin mehr gemein, als es die Mehrheit wahr haben will.

berlino1010 15.03.2014 | 15:10

Jetzt beginnen sie Unsinn zu schreiben. Seit wann kann man Länder, Menschen verschenken?

Bush sen. war CIA-Chef und der Verteidigungsminister auch beim CIA.

Quatsch mit Soße. Atomwaffen nie Eigentum der Ukraine.

"Zerschlägt die Ukraine" ... was ist das denn für eine Rhetorik. Die Ukrainer, gerade auf der Krim müssen sich neu orientieren dürfen, anders als das jetzt umgesetzt wird, aber dennoch selbst und frei.

PapaSchlumpf 15.03.2014 | 15:13

Die ganze Diskussion ist doch laecherlich, ohnehin glaube ich auch nur das die US und A protestieren weil Putin "schneller" war. Wenn interessieren schon die Werbegeschenke von gestern, das was heute ablaeuft ist wichtig und da hat Putin berechtigte millitaerische Interessen auf der Krim. Europa wollte zuviel und bekommt am Ende nichts und zahlt sogar noch drauf. Also schoen Fuesse stillhalten und sehen wie das Rennen ausgeht, und liebe Kollegen: Laecheln nicht vergessen!

freedom of speech? 15.03.2014 | 15:20

„…Wie oben beschrieben bewertet die Russische Bevölkerung Jelzins Regierung wie Frankreich die von Vichy….“

Wirklich?

Ist das überhaupt vergleichbar?

Jelzin war vorher Jahrzehnte im Sowjet Apparat, er war der erste demokratisch gewählte Präsident Russlands und hat 8 Jahre lang regiert. Er wurde 2 Mal von den Russen gewählt. Es gab ein Riesenstaatsbegräbnis mit Putin, Medwedev, Gorbatschow etc etc.

Kann man das wirklich mit dem Vichy-Regime von Frankreich mit zehntausenden Todesopfern vergleichen?

Dieser Vergleich ist eine Verhöhnung der Opfer des Vichy Regimes.

Welchem Hirn entspringt so etwas?

Viele Grüße

fos?

Irgendwie links 15.03.2014 | 15:31

Geschenk oder was auch immer, es war als bedingungsloses Zuordnen gemeint, was Putin und auch Sie nicht akzeptieren wollen, das ist kein Unsinn.

Und Putins dunkle Vergangenheit mit anderen Politikern zu relativieren, schmälert dessen Malus nicht im Geringsten.

Ein Wolf im Schafspelz, dessen Augen mir Angst machen, sollte nicht eine solche Macht haben, Demokratie geht anders.

berlino1010 15.03.2014 | 15:34

Natürlich kann man das nicht ernsthaft vergleichen, offiziell tut das auch niemand. Es ist eine emotionale Einschätzung ... es verhöhnt aber auch keine Opfer. In RUS starben unter Jelzin jedes jahr 100.000 Russen eines unnatürlichen Todes, 80-90 Mio Russen rutschten unter das Existenzminimum, Hungersnot, Elend, Armut, Chaos ... Rubel-Crash, Vernichtung der Spar-Guthaben, .. Rückgang der Lebenserwartung um 10 Jahre, Rückgang der Geburten um über 40% ... Verbrechen ...

Seine Wiederwahl ist zweifelhaft, mehr noch als die von Putin. Neben Wahlbetrug, gab es 100% Oligarchen-TV und gesetzeswidrig Hunderte Millionen von Chodorkowskij & Co, nur um den Kommunisten Sjuganow abzuwehren, dem in der grössten Krise 65% Umfrage-Unterstützung ausgewiesen wurde.

Jelzin wurde zudem wirtschaftlich vom Westen erpresst, Kredite nur nach politischen Entscheidungen, internationalem Wohlverhalten vergeben u.v.m.

berlino1010 15.03.2014 | 15:43

Ich denke, das Schicksal von Ländern und Menschen darf nicht von Diktatoren-Entscheidungen bestimmt werden, sondern nur in freier Selbstbestimmung.

Welche dunke Vergangenheit? Was wissen sie denn über seine KGB-Arbeit? Immerhin hat er den KGB verlassen, an dem Tag als dessen Chef gegen Gorbatschow putschte.

Und der CIA war wohl auch kein Wohlfahrtsverein? Ich erinnere nur an die Drogengeschäfte im eigenen Land, um die Contras zu finanzieren, und die Ermordung Zehntausender Chilen.

Demokratie geht sicher anders. Ich unterstütze Putin nicht, im Gegenteil, in RUS argumentiere ich ständig gegen ihn, in DEU muss man aber auch viel unwahre Propaganda abwehren.

Irgendwie links 15.03.2014 | 15:55

Ihr Haltung zu Putin ist ja ein Lichtblick, Vergiftungen, Ermordungen, Deportationen von unliebsamen Politern, Journalisten und Kritikern ist nur eine kleine Auswahl der dunklen Seite.

Das Verhältnis Putins zu den Intellektuellen in RUS ist dem Lenins ähnlich, in anderen Verhaltensmustern kann man Stalin erkennen, ich halte ihn für brandgefährlich und wünsche dem russischen Volk einen demokratischen Präsidenten, und nicht einen primitiven Machtmenschen.

Ihr "Gegengewicht" zur einseiten Westpropaganda halte ich für völlig ungeeignet, da es schon an der notwendigen Glaubwürdigkeit mangelt: so kann man niemanden überzeugen.

berlino1010 15.03.2014 | 16:14

Wo sind Belege für "Vergiftungen, Ermordungen, Deportationen von unliebsamen Politern, Journalisten und Kritikern"?

RUS ist bestimmt von einer Oligarchen/Mafia-Kaste, die besonder s in den 90ern und Folgejahren vor keinem Verbrechen zurückschreckte.

So folgen sie unreflektiert einer Propaganda zur Dämonisierung Putins.

Die Justiz in RUS ist sicher gelenkt.

Ich wünsche RUS auch einen anderen Präsidenten.

Columbus 15.03.2014 | 16:54

Tja, bei uns steht die völkerrechtliche Freikörperkultur des russisschen Staatspräsidenten und der russischen Staatsduma im Vordergrund, während die nationalistischen ukrainischen Nudities (die bisherigen nationalen Reden und Taten der provisorischen Staatsführung der Ukraine sind doch mindestens so unterträglich, wie das Getöse aus dem US-Kongress oder aus der russischen Staatsduma) und die langjährigen, zwielichtigen Mühen der NATO, sowie die Scheinheiligkeit und Unselbstständigkeit der EU, die alle Anzeichen einer hilflosen und dazu noch anzüglichen Nacktheit mit sich führen, eher unterbelichtet bleiben.

Hauptgrund: Die Häppchen und die Steicheleinheiten fallen transatlantisch wohlschmeckender und reichlicher aus, für jenen Teil des Journalismus, der sich politisch nennt. Die Klubs für das Dutzend maßgeblicher Meinungen im Politikjournalismus sind einfach erstrebenswerter, in Brüssel und bei der NATO, oder bei der Münchner Verunsicherungskonferenz, bei der Transatlantik- Brücke oder im Begleitross der Kanzlerin und des Außenministers, unseres politischen Traum- und Sehnsuchtpaares, mit dem Weitblick Kurzsichtiger ohne Sehhilfe und fehlender Kompetenz für das Kleingedruckte.

Opposition können und dürfen in Deutschland eigentlich nur noch Schmuddelkinder, denn selbst die, sich für nachhaltig haltenden Grünen, möchten nichts lieber, als ihre Bündnisfähigkeit unter Beweis stellen.

Tatsache ist, dass die Ukraine, mit oder ohne Interventionen von Westen und von Osten, allein schon wegen ihrer Komposition nicht nur am Rande des wirtschaftlichen Zusammenbruchs, sondern auch jenem der gesellschaftlichen Zersplitterung steht.

Dieses Land erfüllt mehrere Kritierien, die für einen Failed-state typisch sind und dies nicht erst seit ein paar Monaten, sondern seit der Gründung! - Vom Mord an Staatsanwälten und Richtern, über ausufernde OK, bis zur Ausfertigung von Oligarchen-Gesetzen, vom Abgeordnetenkauf, - Auch 80% des gegenwärtigen Parlaments sind erklärte Anhänger irgend eines reichen Mannes, dem sie blockartig folgen, man fühlt sich ans Ende der Römischen Republik und den Verfall des Kaiserreichs erinnert!-, bis zur Verschärfung ethnischer Gegensätze, hat das Land alles zu bieten.

Zunehmend erweist es sich, dass weder in der Westukraine, noch im Osten, die Menschen mehrheitlich und freiwillig eine Zentralgewalt, überhaupt Verwaltgungshoheit, akzeptieren, sondern allein nach ihren regionalen und ethnischen Interessen handeln.

Über dies alles beugen sich nun die mit Abstand mächtigsten Bündnisse der Erde, NATO und EU, sowie die historische Landmacht Russland und beide Seiten befeuern, weil sie sich derzeit gegenseitig unbedingt sanktionieren wollen, -die Absichten sind beiderseits klar ausgedrückt und Politiker, wie Journalisten gehen ungern hinter Gesagtes zurück-, den Konflikt über die Einflussgebiete. - Das Spiel, das wieder erwachte, große Spiel, eine Zbigniew Brzezinski- Formel, lange davor eine der englischen, französischen und russischen Dardanellen-, Bosporus- und Balkan-Politik, steht in neuer Blüte.

Es kostet, auch Leben, auch Anstand. Unsere Kanzlerin deutete es bereits zart und verschwiemelt an.

Zuletzt: Demokratische Handlungen, gerade auch basisdemokratische, revolutionäre Bewegungen, das lehrt die jüngste Geschichte der Ukraine erneut, sind mitnichten ohne Gewaltsamkeit und aufgrund des großen voluntaristischen und populistischen Anteils, der so wenig steuerbar erscheint, auch schlecht vorhersehbar. Seit 1991 ist das ein Dauerphänomen in der Ukraine, aber nicht nur dort.

Wer ist noch da, der dem Irrsinn widerspricht, wenn Verteidigungskräfte aller Seiten üben und demonstrieren, was sie im Falle aller Fälle können, wenn sich selbsternannte "Verteidigungskräfte" in Kiew, in Simferopol und anderswo durch die Straßen bewegen?

Beste Grüße

Christoph Leusch

Irgendwie links 15.03.2014 | 16:58

Der Ex-KBGler weiß natürlich zu verhindern, dass es solche "Belege" gibt, ich nenne mal in dem Kontext des Blogs den Ukrainer Viktor Juschtschenko, dessen Wahl zum Präsidenten Putin mit aller Macht (und vermutlich Dioxin) zu verhindern suchte, was allerdings glücklicherweise nicht gelang, Juschtschenko überlebte schwer gezeichnet ganz knapp.

Auch diese Niederlage Putins erklärt sein jetziges Verhalten.

freedom of speech? 15.03.2014 | 16:59

Es kann ja sein, dass große Teile der Bevölkerung Jelzin für die Misere in Russland verantwortlich machen.

Ist das aber ein Grund, die Garantenstellung Russlands gegenüber seinem Nachbarn Ukraine zu leugnen?

Diese Rolle geht weit über die Pflichten aus der UN Mitgliedschaft hinaus.

Der multilaterale völkerrechtliche Vertrag von 1994 kam auch aus den gleichen Behörden und Strukturen, die jetzt noch in Russland bestehen. Er wurde ratifiziert, übersetzt, hinterlegt und bestätigt nach allen Regeln der Kunst.

http://unterm.un.org/DGAACS/unterm.nsf/8fa942046ff7601c85256983007ca4d8/4fe5ea3e98fbff4e852569fa00008aae?OpenDocument

Er wurde auch danach keine Sekunde angezweifelt.

Bis sich die Chance bot, die Ukraine zu teilen, was in der rechten Szene Russlands schon seit Jahren gefordert wird.

Beispiel: http://de.ria.ru/world/20060708/51064929.html

„…MOSKAU, 08. Juli (RIA Novosti). Der Vizechef der Staatsduma (Unterhaus des russischen Parlaments), Wladimir Schirinowski setzt sich für eine territoriale Spaltung der Ukraine ein.

"Die Ukraine muss sich teilen. Denn zwei Drittel ihrer Bevölkerung sind orthodoxe Christen und halten zu Russland", sagte Schirinowski in einem Interview für die russische Zeitung Komsomolskaja Prawda am Freitag.

Er erinnerte daran, dass südliche und östliche Gebiete der Ukraine sowohl sprachlich als auch wirtschaftlich mit Russland verbunden sind. Diese Gebiete könnten Schirinowski zufolge der Russischen Föderation beitreten. "Die Orangen verstehen sich als ein selbständiges Volk und sollten sich trennen."…“

Ich halte es für durchaus für möglich, das Putin in dieser Frage dem Druck der rechten Populisten nachgibt.

Die Folgen einer solchen Politik sind für das multiethnische Russland jedoch unabsehbar.

Und für Russlands Nachbarn ist Putins neuer Kurs der Horror.

Man stelle sich vor: Lukaschenko! http://www.heise.de/tp/artikel/41/41222/1.html

„…Er erkennt die neue ukrainischen Regierung offiziell an wie auch ihre "territorale Integrität". Dies wolle er bei Gelegenheit auch mal Putin vermitteln, soll Lukaschenko dem ukrainischen Ex-Präsidenten Leonid Kutschmar geflüstert haben….“

Viele Grüße

fos?

mcmac 15.03.2014 | 17:04

[...]Wir leben seit Langem in einer Kultur der Vereinfachung, der double standards und der selbstgerechten Heuchelei. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Welt ist einfach: hie gut, da böse. Aber leider ist dieses Bild zu einfach.

[...]

Tatsache ist nämlich, dass der Westen unter der Führung der USA und der Nato seit den 1990er Jahren (Zerfall der Sowjetunion) verstärkt eine Strategie der Machtausweitung und - spiegelbildlich dazu - eine Politik der Zurückdrängung Russlands verfolgt. In den letzten Jahren beteiligte sich zunehmend die EU an der Umzeichnung der geopolitischen Landkarte.

Auch Deutschland vergaß parallel mit seinem wirtschaftlichen Kraftzuwachs seine zurückhaltende Rolle. Jüngst waren sich Bundespräsident, Außenminister und Verteidigungsministerin an einem Wochenende(!) einig, dass Deutschland wieder mehr Verantwortung in der Welt übernehmen müsse. Auf russische Befindlichkeiten und aus der Geschichte erklärbare Ängste wurde im Gefühl gewachsener weltpolitischer Bedeutung wenig Rücksicht genommen.

Es war für Russland bereits eine schwerwiegende Veränderung seiner Sicherheitsarchitektur, als die DDR Teil des Nato-Systems wurde. Das widersprach westlichen Zusicherungen im Zusammenhang mit der russischen Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung. Schlimmer für Russland war, dass frühere Ostblockstaaten in die EU und sogar in die Nato aufgenommen wurden.

[...]

Testfrage: Wie würden die USA reagieren, wenn heute in ihrer Grenznähe (etwa in Mexiko oder in Kanada) ein von außen entfachter Volksaufstand ausbräche? Zumal dann, wenn namhafte Vertreter Moskaus oder Pekings in den Hauptstädten dieser Nachbarstaaten die revoltierenden Massen anheizen würden?

Wer immer noch kein Verständnis für den derzeitigen russischen Alarmismus aufbringt, der möge sich an die amerikanische Reaktion auf die im Jahre 1962 begonnene Aufstellung russischer Raketen in Kuba, dem Vorhof der USA, erinnern. Noch nie stand die Welt so dicht vor einem weiteren Weltkrieg!

[...]

Es ist völlig sinnlos, den innerukrainischen Konflikt zu einem Kampf zwischen einer Westorientierung (verbunden mit Wohlstand, Demokratie, Freiheit und Menschenrechte) und einer Ostorientierung (gleichbedeutend mit Abhängigkeit, Unfreiheit und wirtschaftlicher Misere) hochzustilisieren. Es geht nicht um Ost oder West, um gut oder böse, sondern allein um die beste Lösung für die ukrainischen, russischen und sonstigen Volksgruppen.

Leider stehen wir in puncto Konfliktmanagement derzeit vor einem Totalausfall. Außer Gewalt, Machtgehabe, Dampfgeplauder, Provokation und Heuchelei war wenig. Die Reisen von Steinmeier und Kollegen? Außer Spesen nichts gewesen.

Henry Kissinger sagte kürzlich, die Dämonisierung von Wladimir Putin sei keine Politik, sie sei ein Alibi für die Abwesenheit von Politik. Und weiter:

"Die Ukraine-Frage wird viel zu oft als ein Showdown dargestellt: Geht das Land an den Westen oder an den Osten? Aber um zu überleben und sich zu entwickeln, darf die Ukraine niemandes Vorposten sein."

Wo Kissinger recht hat, hat er recht. Die Welt braucht dringend Politiker, die den Weltfrieden über Hegemonialpolitik stellen. Das Fehlen solcher Staatsmänner macht Sorgen, weit über die Krimkrise hinaus...

(Quelle)

berlino1010 15.03.2014 | 17:28

Man hat dem Kreml schon viele Morde unterstellt. Ich schließe die Möglichkeit nicht aus, kann sie aber auch nirgendwo bestätigt finden. Auch Anna Politkowskaja soll vom Kreml ermordet worden sein, dann waren es Tschetschenen. Und auch bei Juschtschenko ist alles möglich, von einer Wahlkampfshow eigener Leute, über Inlands-Geheimdienst bis hin zum FSB, mit oder ohne Wissen des Präsidenten.

Welche Niederlage? Putin ist sehr pragmatisch. Mit Timoschenko bspw. war er viel enger als Mit Janukowitsch.

Ich finde diese Spekulationen müssig. Man kann auch die US-Einmischung bis hin zu den Sniper spekulativ verfolgen ...

Ich unterhalte mich lieber über die zukunftsweisende Lösungen zur Vermeidung derartiger Krisen .. und es wird sicher 0,0 bringen, Putin einseitig zu einer Änderung seiner Politik drängen zu wollen, ohne dass wir uns selbst bewegen.

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Ehemaliger Nutzer 15.03.2014 | 18:09

http://daserste.ndr.de/annewill/media/kombo531_v-zweispaltig.jpg

12.03.14 | 22:45 Uhr

Die Gäste im Studio

Das Thema diskutieren Klaus von Dohnanyi, Gabriele Krone-Schmalz, Philipp Mißfelder und Nataliia Fiebrig.

meint der russische Botschafter Grinin in Berlin, ungefragt bei Anne Will am 12.3.2014

hmm ... also ich hab grinin nicht in der runde entdeckt ... war sehr glücklich über alles gesagte von frau krone-schmalz, die trotz ihrer langjährigen erfahrungen in der gegenwärtigen diskussion kaum eine hörbare stimme bekommt >>> jedoch haben alle teilnehmer gezeigt, wie eventuell verständigung und vernunft möglich wäre ... bis auf die "gastgeberin" mit ihrer auf falschen informationen beruhenden provokation ... die jedoch keine chance hatte ...

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Ehemaliger Nutzer 15.03.2014 | 18:09

Hei, ja ich hab auch den Lutz Herden Artikel gelesen, aber meine Position ist einfach, dass ich es wirklich nicht anders sehen kann, als dass es sowohl territorial als auch historisch als auch demokratisch völlig natürlich ist, dass Russland die Krim nicht hergeben will (aus ihrem faktischen Einflussbereich). Und abgesehen davon ist es auch eine Herzenssache.

Wenn ich schon höre, Putin habe das Völkerrecht aufs gröblichste verletzt, hab ich Mühe, nicht die Augen zu rollen. Aufs gröblichste, mei. Aufs gröblichste wäre mit Panzer einrollen, die Machthaber aushungern und die Regierung übernehmen. Einfach, schnell, unblutig. Das hatte am Zarenhof (ohne Panzer ^^) gute Tradition und ist natürlich auch nicht nett, aber um Klassen besser als die jetzt moderne Kriegsführung (so unzivilisert, ständig mit Bomben zu werfen ;-)

Aber ein paar Soldaten, die nur ohne Abzeichen rumstehen, ist wirklich noch nicht "gröblichst". Vor allem, da tatsächlich einige Krim-Bewohner es begrüßt haben, dass Russland Präsenz zeigt.

In Anbetracht, dass Putin die Gesamtukraine mit links hätte einnehmen können, find ich die westliche Kampfrhetorik.... völlig an der Situation vorbei.

Ich komm einfach zu keinem anderen Ergebnis als dass die Krim originär zu Russland gehört. Die Bewohner der Krim sehen das zu einem Gutteil auch so... nu ja, da müssen die sich irgendwie einigen, ist ja schwer genug, ohne dass der Westen sich bemüht nach Kräften zur Stimmungsverschlechterung und Spaltung beizutragen.

Ich hab nichts gegen die Amis, hab sehr gern bei internationalen Verhandlungen in den USA gearbeitet. Aber ich finde es abgedreht, dass sie in der Ukraine Öl ins Feuer gießen. Ich meine das ist ein Konflikt, innerukrainisch und zwischen Russland und der Ukraine. Die Amis haben da einfach nichts verloren.

Der Westen verhält sich nach dem Motto: Nur keinen Streit vermeiden.!!! Völlig an den Haaren herbeigezogene, die Gesamtsituation außer Acht lassende Vorwürfe, Drohungen und alles wird auf Eskalation hin formuliert. Wenn es in der Ukraine gekracht hätte, hätten wir mit Schuld gehabt.

Und selbst wenn man zu der Ansicht kommt, (plötzlich) steht das Völkerrecht über allem (hö??? seit wann das?!), kann man ja auch mal zur Seite treten und den anderen seinen Punkt machen lassen, meint Putin einfach die Krim lassen und gut ists. Wenn man dem anderen auch etwas zugesteht, ist der viel kooperativer, als wenn man wegen allem ein Riesentheater abzieht.

Putin ist nicht Hitler. Man hat echt das Gefühl man muss es erwähnen, so wie der Konflikt behandelt wird.

Irgendwie links 15.03.2014 | 18:12

Ihrem letzten Satz schließe ich mich uneingeschränkt an, allerdings hatten Sie doch hier die Geschichten aus der Vergangenheit bemüht, ich habe darauf lediglich reagiert.

Zu den zukunftweisenden Möglichkeiten gehörte nach meiner Meinung ein sofortiges Moratorium, bei dem alle Seiten abwarten, wie die demokratisch organisierten Wahlen in der Ukraine (am 25. Mai 2014) ausgehen.

Diese unter Zeitdruck und falschen Vorzeichen geschaffenen unumkehrbaren völkerrechtlich umstrittenen Veränderungen auf der Krim sind auf keinen Fall hinnehmbar.

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Ehemaliger Nutzer 15.03.2014 | 18:24

Verletzungen von Menschenrechten und der Souveränität von unabhängigen Staaten

in der anne-will-sendung vom 12.3. gab es kluge ausführungen zum thema "menschenrechte" ... sie sind ein widerspruch in sich selbst, das die souveränität+ eigenbestimmung der menschen auf der einen und die akzeptanz von grenzen auf der anderen seite nicht (immer) zu vereinbaren sind

>>> es gab keinerlei befragung/abstimmung der menschen in der ddr, ob sie einen bedingungslosen anschluss an die brd möchten >>> die interpretation von friedlicher revolution/militärischen schutz der menschenrechte können dabei völlig flexibel von jeder beliebigen seite gesehen werden

>>> menschenrecht/völkerrecht=heisses plaster für argumente und sehr missbraucht ...

Irgendwie links 15.03.2014 | 18:25

Sie haben das Budapester Memorandum von 1994 wohl noch immer nicht verstanden?

Wie Sie den Konflikt behandeln "soll man Putin doch die Krim lassen, und gut ist" kann ich Sie beim besten Willen nicht ernst nehmen.

Wenn die USA und England das Memorandum ernst nehmen, könnte es zu einer Eskalation kommen, und das mit gutem Recht.

Hier der (engl.) Text:

The United States of America, the Russian Federation, and the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland, reaffirm their commitment to Ukraine, in accordance with the principles of theCSCE Final Act, to respect the Independence and Sovereignty and the existing borders of Ukraine.

The United States of America, the Russian Federation, and the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland, reaffirm their obligation to refrain from the threat or use of force against the territorial integrity or political independence of Ukraine, and that none of their weapons will ever be used against Ukraine except in self-defense or otherwise in accordance with the Charter of the United Nations.

The United States of America, the Russian Federation, and the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland, reaffirm their commitment to Ukraine, in accordance with the principles of the CSCE Final Act, to refrain from economic coercion designed to subordinate to their own interest the exercise by Ukraine of the rights inherent in its sovereignty and thus to secure advantages of any kind.

The United States of America, the Russian Federation, and the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland, reaffirm their commitment to seek immediate United Nations Security Council action to provide assistance to Ukraine, as a non-nuclear-weapon State Party to the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons, if Ukraine should become a victim of an act of aggression or an object of a threat of aggression in which nuclear weapons are used.

The United States of America, the Russian Federation, and the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland, reaffirm, in the case of the Ukraine, their commitment not to use nuclear weapons against any non-nuclear-weapon State Party to the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons, except in the case of an attack on themselves, their territories or dependent territories, their armed forces, or their allies, by such a state in association or alliance with a nuclear weapon state.

The United States of America, the Russian Federation, and the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland will consult in the event a situation arises which raises a question concerning these commitments.

Wieso tritt Vertragspartner Russland dies mit Füßen?

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Ehemaliger Nutzer 15.03.2014 | 18:41

Könnt ich Ihnen jetzt lang und breit erzählen, wieso ich es albern finde, sich daran aufzuhängen. Aber ich bin an einem... aber der andere hat das Schäufelchen genommen, obwohl er es nicht dufte - Argumentationsaustausch nicht interessiert.

Ich geb allerdings zu, es war unglücklich formuliert, zu sagen man solle Putin seinen Punkt machen lassen. Ich meinte man soll ihm es zugestehen sich um seine Anliegen zu bemühen. ich wollte schon "kämpfen" schreiben, um seine Anliegen zu, aber es wird ja noch nicht mal gekämpft, er hat auch nicht damit gedroht. Also alles noch nicht im Bereich einen internationalen Zwischenfall auszurufen.

Nehmen Sie mein Statement nicht persönlich, es ist die Sache, auf die ich mit Unverständnis reagiere.

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Ehemaliger Nutzer 15.03.2014 | 18:52

(Quelle)

danke:-)))

"Es gab eine Zeit, da flogen die deutschen Herzen Michail Gorbatschow und - in seinem Gefolge - Russland zu. Ohne ihn hätte es die deutsche Wiedervereinigung nicht gegeben. Wir waren dankbar. Das Grauen des Zweiten Weltkriegs und die lähmende Nachkriegszeit waren zwar nicht vergessen, aber für das Deutschland der ausklingenden Kohl-Ära war Russland ein respektabler Partner geworden. Diese freundliche Grundstimmung hielt nicht an."

Robinsohn 15.03.2014 | 19:18

Ich meine, Putin war nackt, als er nach der Beseitigung der legalen Regierung in Kiew in Zugzwang geriet.

Keine (militärische) Großmacht wird zusehen, wenn Partner zu Gegnern werden und an die Landesgrenze heranrücken. Die USA betrachten ganz Mittelamerika als ihren Hinterhof.

Ideale und Rechte hin oder her - Putin kann sich nun sozusagen als Antwort die Krim greifen. Die prorussische Provinzregierung ist mit der Bevölkerungsmehrheit im Rücken mindestens so legal, wie die nach blutigem Umsturz gebildete Regierung in Kiew. Allerdings ist Putin nun nicht mehr nackt. Er hat das Heft des Handelns in der Hand. Das zeigt uns schon die Entschlossenheit in der Aufregung bei den Gegnern.

Jetzt steht Merkel nackt da, aber splitterfaser-!Ihr letztes Hemd, die Sanktionen, hat sie - und das auch noch vergeblich - in den Ring geworfen. Die Wirtschaftssanktionen treffen nämlich auch unser fragiles ökonomisches Netzwerk. Es ist die Frage, ob Putins Leute in Nowosibirsk länger ohne Heizung auskommen oder Merkels Leute in München.

Ist Merkel und ihren Lenkern im Hintergrund klar, dass sie mit der Auslösung der Katastrofe in der Ukraine die Finanzen Europas und der BRD an die Wand fährt?

Wir haben Bulgarien u Rumänien zu sanieren. Italien steht vor der Tür. Griechenland und der europäische Süden lahmen weiter und auch deutsche Städte sind bankrott. Welcher Haushalt soll da ohne Neuverschuldung auskommen?

Des Weiteren: Die Amerika-Hörige folgt dem Ruf nach mehr deutscher Führung ausgerechnet dort, wo es sensibler Zurückhaltung bedurft hätte. Deutschland droht Rußland! Trampliger gehts nicht. Natürlich will Merkel keinen Krieg. Aber die Russen können ihre 27 Mio. Toten bestimmt nicht einfach beiseite schieben. Merkel im Porzellanladen.

Magda 15.03.2014 | 21:44

Jetzt steht Merkel nackt da, aber splitterfaser-!Ihr letztes Hemd, die Sanktionen, hat sie - und das auch noch vergeblich - in den Ring geworfen. Die Wirtschaftssanktionen treffen nämlich auch unser fragiles ökonomisches Netzwerk. Es ist die Frage, ob Putins Leute in Nowosibirsk länger ohne Heizung auskommen oder Merkels Leute in München.

Ach ja, wenn die splitternackte Merkel bloß auf Sie hören würde.

Nichts geht über den Sermon von verhinderten Staatenlenkern.

berlino1010 15.03.2014 | 23:23

Um noch einmal mit eigenen Worten statt denen eines Harvard Professors zu antworten.

"olle Kamellen, die mit dem anstehenden russischen Vertragsbruch nichts zu tun haben."

Ich bin mir nicht sicher, ob du dir die Zeit vergegenwärtigen kannst. Die Auflösung beider Militärblöcke steht zur Disposition, da ja nach dem Wegfall der UdSSR dafür keine Notwendigkeit besteht. Die SPD hatte das auch im Grundsatzprogramm.

Die NATO löst sich nicht auf, garantiert RUS aber die Neutralität aller Staaten östlich Deutschlands. Auf dieser Grundlage garantiert RUS die Terrotiale Integrität einer neutralen Ukraine, quasi als nukleare Schutzmacht.

Mit dem Bruch der garantierten Neutralität der Staaten Osteuropas sind selbstverständlich alle darauf aufbauende Vereinbarungen hinfällig.

Der Russische Bruderstaat Ukraine wird vom Westen politisch und finanziell geentert, eine nicht legitimierte Regierung übernimmt die Macht und betreibt den Anschluss der Ukraine an EU und NATO - ohne dass RUS eingeladen ist, wenigstens darüber mitzureden.

Die internationale Friedensvereinbarung, die wenigstens garantiert, dass keine voreiligen Entscheidungen in diese Richtung getroffen werden können (Regierung der Nationalen Einheit) wird durch einen anti-russichen Mob gebrochen, der Westen wird erneut vertragsbrüchig, raubt RUS auch diese letzten Sicherheitsreserven und anerkennt eine feindliche Einseitigkeits-Regierung besetzt mit Faschisten, die bereits Krieg gegen RUS in Tschetschenien und Georgien geführt haben.

Und RUS soll Garantien für einen künftigen NATO-Staat erfüllen, wo der Bruder- und Nachbar-Staat, wo Millionen von Russen und wo die Krim von der NATO okkupiert werden?

Erkläre das alles bitte einem Russen, erkläre ihm, warum er das stetige Brechen von Verträgen und Vereinbarungen, das stetige Vorrücken der NATO an seine Grenzen, die Übernahme Millionen von Landsleuten und der Krim widerspruchs- und tatenlos hinnehmen soll.

Ich lehne die militärische Aggression, das Überführen eines politischen in einen militärischen Konflikt ab. Aber wie man die vorausgegangenen Aggressionen und feindseeligen Handlungen des Westens, die Isolierung RUS aus allen politischen Prozessen, das Negieren ihrer vitalsten Interessen als "olle Kamellen" und unproblematisch bezeichnen kann ... sorrs, das kann ich nicht verstehen.

mcmac 16.03.2014 | 00:06

"[...]Die prorussische Provinzregierung [der Krim; mcmac] ist mit der Bevölkerungsmehrheit im Rücken mindestens so legal, wie die nach blutigem Umsturz gebildete Regierung in Kiew.[...]"

Selbst wer die Historie anscheinend nicht kapieren kann und will und statt dessen augenblicklich Paragrafen reitet, sollte sich das Zitierte einmal langsam auf der Zunge zergehen lassen: Der Westen, wenn er sich selbst ernst nimmt mit seinen mannigfachen Sonntagsreden und seiner im Widerspruch dazu befindlichen realen Existenz, sollte einfach mal diesbezüglich die Fresse halten. Dann kommt man auch zu einer Lösung.

silvio spottiswoode 16.03.2014 | 00:32

Sehr gute Folge und ganz wichtige Argumentation von Augstein, wenn er die diplomatischen Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit anspricht. Auch wird immer zu schnell vergessen, »in einem militärischen Konflikt wird es keine Sieger geben. Nur Verlierer«. Gysis Rede, oben von Janto und McMac verlinkt, ist übrigens epochal.

Die Kommentare habe ich alle sehr gern gelesen. Danke dafür. Interessant ist vielleicht noch Dirk -Crashkurs-Müller zum Konflikt, der sagte, die EU »lässt sich in einen amerikanischen Geopolitischen Konflikt hineinziehen.« Hier ginge es vorrangig um amerikanische Rohstoffinteressen.

EU und Ukraine kämpfen einen Stellvertreterkonflikt.

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2014 | 00:50

Der Westen, wenn er sich selbst ernst nimmt mit seinen mannigfachen Sonntagsreden und seiner im Widerspruch dazu befindlichen realen Existenz, sollte einfach mal diesbezüglich die Fresse halten. Dann kommt man auch zu einer Lösung.

Klappehalten wär sinnvoll :-)

Übrigens danke für die verlinkte Gysi-Rede. Ich fand er hat sich zu sehr aufs Völkerrecht zurückgezogen und sich nicht getraut zu sagen, dass Russlands Interesse an der Krim (und natürlich auch an der Ukraine) legitim ist. Er wollte sich nach meinem Eindruck nicht angreifbar machen und die Linke mit dazu, die es ewig vorgehalten bekommen würde, dass er und damit die Linke mit so einer Haltung... Putin gegenüber, der die Menschenrechte mit Füüüßen tritt (mit was sonst?)... nicht demokratisch, nicht koalitionsfähig usw. sei.

Aber faktisch war es schwach, nur auf die Völkerrechtsverletzungen des Westens hinzuweisen und damit Putins Soldaten auf der Krim zu relativieren, anstatt die Verständlichkeit von Putins Interesse in den Vordergrund zu stellen. Er hat nur nivelliert mit den Feststellungen, dass wir auch keine weiße Weste haben und wir Putin ständig auf die Füße treten, aber nicht zur Sache Stellung bezogen.

Es ist natürlich verständlich, seine Haut nicht riskieren zu wollen. Und er hat geschickt noch seine Aufgabe als Oppositionsführer wahrgenommen, ohne der Linken einen taktischen Nachteil zuzumuten. Aber politisch war die Rede kaum. Aufrichtig fand ich sie auch nicht, bzw. die Aufrichtigkeit war sehr genau daraufhin abgezirkelt, dass man ihn auch noch in 100 Jahren zitieren kann, ohne dass ihm ein Strick draus gedreht werden kann. Das war die Rede eines gefuchsten Advokaten ;-) Er hat die Schnittmenge, die aus dem Spannungsfeld seiner widerstrebenden Interessen entsteht, genau ausgelotet und gut realisiert. Er hat nichts falsches gesagt, aber nicht das Richtige. Das war politisches Handwerk, kein Ruhmesblatt.

berlino1010 16.03.2014 | 00:51

Aber die Russen können ihre 27 Mio. Toten bestimmt nicht einfach beiseite schieben. Merkel im Porzellanladen.

Seit einiger Zeit lebe ich mehrere Monate im Jahr in der Russichen Stadt des 2. Weltkrieges, Wolgograd, und in der Tat ist die Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg und seiner Toten sehr präsent. Zu meiner eigenen grossen Überraschung habe ich aber festgestellt, die Russen konnten und können auf Deutsche ohne jeden Groll schauen. "Es waren nicht die Deutschen, die uns überfielen, es waren die Fachisten" höre ich immer wieder und es war für mich beispielsweise sehr bewegend, als eine über 80jährige Babuschka bei der 70 Jahrfeier der Schlacht um Stalingrad unbedingt mit mir tanzen wollte wollte, als sie erfuhr, dass ich Deutscher bin, und das obwohl ihr Bruder und ihre Eltern damals von Deutschen getötet wurden.

Auch auf dem Soldatenfriedhof von Rossoschka oder der Erinnerungsstätte Mutter-Heimat ruft! finden sich zwar Heldenverehrung des Großen Vaterländischen Krieg und in dem wohl berühmtesten Lied Священная война - der Heilige Krieg gegen den Faschismus - findet sich diese starke Leidenschaft wohl am besten wieder, aber nie anti-deutsch, immer nur anti-faschistisch.

Mitgefühl für diese Russische Geschichte muss sicher nicht Kritik verstummen lassen, aber ebenso wie der Holocaust uns gegenüber Juden zu Sensibilität verpflichtet, sollten wir angesichts der über 27 Millionen wegen uns gestorbener Russen im Porzellanladen nicht so besserwisserisch und hasserfüllt um uns werfen, wie es heute leider oft wieder festzustellen ist.

berlino1010 16.03.2014 | 01:08

In den Wahllokalen werden wohl kaum Gewehrläufe zu sehen sein, gleichwohl halte ich die Umstände des Referendums auch für nicht akzeptabel.

Ich habe viel Verständnis für RUS, liebe Land und Leute, lebe auch sehr gerne und oft in RUS, die Menschen sind von einer einzigartigen Herzlichkeit, Wärme, die meisten noch mit so etwas wie einer tiefen, kollektiven, unverfälschten Seele voller ehrlicher Gefühle ... Gleichwohl bin ich froh, einen Deutschen Pass zu haben, und in einer zwar mittlerweile durch die Finanz-Lobby sehr verunstalteten, aber für die persönliche Rechtssicherheit und Freiheit immer noch sehr sicheren Demokratie zu leben.

Aber ich respektiere, dass die meisten Russen sehr, sehr negative Erfahrungen mit unserer Art von Demokratie gemacht haben, und diese deshalb nur von 20% dem Putinschen Zentral- und Ordnungsstaat vorgezogen würde.

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2014 | 01:09

Ja jeder hier verzichtet dankend auf die Demokratie a la Putin. Aber Putin hat das Land nicht erfunden. Hei ich finde die Menschenrechtsverletzungen in Russland auch furchtbar, aber es ist doch illusorisch alles an Putin festzumachen, so als müsse er nur mit den Fingern schnippen und die Russen hätten eine Demokratie westlicher Prägung. Das ganze Land muss sich entwickeln, von Innen heraus. Nicht von Außen (dem Westen) nach Innen. Zumal wir es gar nicht können. Wir haben weder der Ukraine und der Krim schon gar nicht etwas zu bieten. Ewig gehen wir ans andere Ende der Welt und tönen Heilslehren, ohne dass wir faktisch etwas für die Länder tun können.

mcmac 16.03.2014 | 01:17

Gebongt.

lg-mcmac

PS: "[...]Mitgefühl für diese Russische Geschichte muss sicher nicht Kritik verstummen lassen, aber ebenso wie der Holocaust uns gegenüber Juden zu Sensibilität verpflichtet, sollten wir angesichts der über 27 Millionen wegen uns gestorbener Russen im Porzellanladen nicht so besserwisserisch und hasserfüllt um uns werfen, wie es heute leider oft wieder festzustellen ist."

(Quelle)

mcmac 16.03.2014 | 01:27

Aber politisch war die Rede kaum.

Öhmm, politischer geht es im Augenblick wohl kaum.

Aufrichtig fand ich sie auch nicht, bzw. die Aufrichtigkeit war sehr genau daraufhin abgezirkelt, dass man ihn auch noch in 100 Jahren zitieren kann, ohne dass ihm ein Strick draus gedreht werden kann.

Was ist daran konkret schädlich? (Bzw.: Wie verhält es sich, so gesehen, mit der -beigemischten- Kategorie der Aufrichtigkeit?)

Das war die Rede eines gefuchsten Advokaten.

Ja. Und?

Das war politisches Handwerk, kein Ruhmesblatt.

Das wäre das, was im Augenblick wohl das Gefragteste wäre, denke ich. Die Ruhmes-Blatterigen können mir echt gestohlen bleiben.

MfG-mcmac

Georg von Grote 16.03.2014 | 01:31

Naja, die RUS-Befürworter machen ja nun auch alles an Obama und Merkel fest :-) Und ich finde es ja schon zum schmunzeln, wie hier Menschenrechtsverletzungen in Russland verharmlost und erklärt werden. Ich habe hier keinen Aufrschei gehört oder gelesen, weil Putin gerade dabei ist, die Opposition kalt zu machen.

Es ist auch völlig klar, dass es in Russland, und nicht nur dort, wahrscheinlich nie eine Demokratie nach unserem Verständnis geben wird. Es macht auch keinen Sinn diese einzufordern, oder aufzuzwingen.

Das ändert aber nichts daran, dass im Moment Putin die Politik Russlands prägt und bestimmt. Und die Methoden, die er anwendet, sind zaristisch und stalinistisch.

Ich stimme ja Blome nur ungern zu, aber Putin steht an der Wand, weil er sich verzockt hat. Vor allem auch mit der Ukraine. Da herrscht nur kein Despot und russischer Vasall, wie in Weißrussland und hatte auch vor dem Maidan nicht geherrscht, aber trotzdem hat er die Ukraine ständig unter Druck gesetzt.

Das ist jetzt in die Hose gegangen und jetzt beißt er um sich.

Es ist ja nicht nur die Krim. Mittlerweile opereieren russische Einheiten in der Ukraine und sind dabei dort neuralgische Punkte zu besetzen. Offenbar denkt er da weitermachen zu können, wo er mit der Krim aufgehört hat.

Und da wird, im Gegensatz zur Krim, der Westen nicht mehr zuschauen. Das mindeste, was da droht, ist ein Bürger- bzw. Stellvertreterkrieg auf ukrainischem Gebiet und den kann er nur verlieren.

Am Ende hat er vielleicht die Krim, aber mit der Ukraine die NATO direkt vor der Haustür. Und er wird wirtschaftlich und politisch isoliert.

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2014 | 01:41

Ich bedauere dass Gysi die Gelegenheit verpasst hat, die Verständlichkeit von Putins Intresse an der Krim darzustellen.

Ich kann wohldosierte Aufrichtigkeit, streng danach abgemessen was das politische Kalkül erlaubt, nicht als das Gefragteste ansehen:-)

Er hat schon bessere Reden gehalten. Aber natürlich war alles richtig, was er gesagt und es war notwendig, dass es gesagt wurde. Er hat nur den Mittelteil, um den es hätte gehen müssen, weggelassen.

Wegen der Aufrichtigkeit: ich glaube jedes Wort war aufrichtig, die Wohldosiertheit liegt lediglich in der thematischen Auslassung der Legitimität des russischen Interesses. von der ich annehme dass Gysi sie sehr wohl sieht. Der Mann ist ja nicht blöd. Dass er seine Intelligenz vorrangig zur Absicherung seiner Interessen einsetzt, statt zur Verkündung der Wahrheit (^^) hat mich nicht so sehr begeistert.

mcmac 16.03.2014 | 01:49

[...]Es ist ja nicht nur die Krim. Mittlerweile opereieren russische Einheiten in der Ukraine und sind dabei dort neuralgische Punkte zu besetzen. Offenbar denkt er da weitermachen zu können, wo er mit der Krim aufgehört hat.

Und da wird, im Gegensatz zur Krim, der Westen nicht mehr zuschauen. Das mindeste, was da droht, ist ein Bürger- bzw. Stellvertreterkrieg auf ukrainischem Gebiet und den kann er nur verlieren.

Am Ende hat er vielleicht die Krim, aber mit der Ukraine die NATO direkt vor der Haustür. Und er wird wirtschaftlich und politisch isoliert.

Ja, so könnte das alles kommen.

Aber der Westen hatte und hätte es in der Hand, es nicht so weit kommen lassen zu müssen. Warum nur - zum Teufel - tat und tut er es nicht? ;)

lg-mcmac

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2014 | 01:53

Ja das sehen wir da alles ganz anders, Georgie. Also richtig konträre Standpunkte sind dann auch schnell geklärt. ^^

Ich denke Putin händelt eher (wie Merkel hier) die Verhältnisse des Landes und bestimmt oder gestaltet sie nicht. Beide haben diese krass ausgeprägte Selbstbeherrschung und sind politisch eigentlich leidenschaftslos. Sie tun das was nötig ist, um den Laden im Griff zu halten (bei Merkel steht das Unterlassen im Vordergrund, das die gleiche Wertigkeit wie machterhaltendes Tun hat ^^)

Beim Rest: au contraire ;-)

freedom of speech? 16.03.2014 | 02:58

„…Legitimität des russischen Interesses…“

Das ist in der Tat eine gewichtige Frage, die höchst unterschiedlich beantwortet wird. Von älteren Politikern fast durchgehend bestätigend. (Von Schröder bis Kohl und Kissinger)

Es stellt sich allerdings in der Tat die Frage, ob Russland mehr darf als die Ukraine, Polen oder andere Staaten der Erde. Die Regeln zwischen den Nationen sind schließlich eindeutig.

http://www.un.org/depts/german/un_charta/charta.pdf

„…2. freundschaftliche, auf der Achtung vor dem Grundsatz der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker beruhende Beziehungen zwischen den Nationen zu entwickeln und andere geeignete Maßnahmen zur Festigung des Weltfriedens zu treffen;

„…1. Die Organisation beruht auf dem Grundsatz der souveränen Gleichheit aller ihrer Mitglieder….“

Gibt es Antworten, die die Besonderheit der Legitimität des russischen Interesses erklären können?

Viele Grüße

Fos?

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2014 | 03:59

Habe diese Diskussion leider erst jetzt entdeckt, werde deshalb NICHT auf andere postings eingehen, sondern mich "auf`s Wesentliche" zu beschränken versuchen:

1. Die USA haben es sich 5 Milliarden Dollar kosten lassen, den Umsturz in der Ukraine zu bewerkstelligen!

2. Der Hauptgrund für diese Grosszügigkeit: Auch in der Ukraine NATO-Raketenstellungen aufzustellen, um Russlands aussenpolitisdche Gewicht noch stärker als ohnehin einzuschränken, d.h. aus der noch immer zweitstärksten Atommacht einen reinen "Papiertiger" zu machen, der sich nicht mehr in USRAEL`s Überfälle wie zuletzt den auf Syrien einmischen kann!

3. PUTIN hatte daher strategisch keine andere Wahl, als wenigstens den russischen Hafen auf der Kim zu sichern. Mit dem "Völkerrecht", das vom Westen - und nicht bloss in Palästina - seit Jahrzehnten ununterbrochen missachtet wird, hat das selbstverständlich nichts, mit dem russischen Einfluss auf die Weltpolitik dagegen extrem viel zu tun!

4. Die - ausgesprochen "diplomatische", trotzdem grossartige Rede von GYSI am 13.03. im BT ist der einzige Lichtblick in dem ansonsten geradezu schachsinnigen Tun und Reden der Deutschen Regierungspolitiker, angefangen mit Steinmeier und inzwischen noch übertroffen von der Kanzlerin, die sich dazu verleiten liess, Russland mit "Sanktionen" zu drohen, die, wie jeder einigermassen "Helle" weiss, der BRD mehr schaden können als Russland!

5. Das was seit dem Umsturz in östlichen Städten der Ukraine , die mehrheitlich mit Russen bewohnt sind passiert, könnte Putin leicht dazu ZWINGEN, dort zu deren Schutz der russische Armee einmarschieren zu lassen.

SCHULD daran wäre "der Westen", insbesondere die USA, dessen Politiker, um Russland/PUTIN zu schaden, sich nicht zu schade sind, sogar mit ukrainische Faschisten zu paktieren.

6. Der bedeutende Amerikaner Paul Craig Robertsmacht sogar Frau Merkel für die Zuspitzung der Lage bis hin zu einem grossen Krieg, dem DRITTEN, an dem Deutschland nach seiner Meinung die Hauptschuld trüge, verantwortlich, weil sie sich nicht gegen die US-Kriegstreiber gestellt und aufr die Androhung jeglicher Sanktionen verzichtet hat. Hierzu der Link für diejenigen, die den Newsletter dieses US- Ex-Spitzenpolitiker noch nicht kennen: http://www.paulcraigroberts.org/2014/03/13/failure-german-leadership-merkel-whore...

Anmerkung exklusiv für Jakob Augstein:

Der letzte SPIEGEL-Titel zur Ukraine, beginnend mit dem Titelblatt, ist derart UNSACHLICH und hetzerisch, dass sein Ziehvater sich für seinen Sohn, der dabei sogar noch mitmacht, in dem er den Bild-BLOME protegiert und sogar mit ihm diskutiert, "zu Tode schämen" würde, wäre er nich bereits Tod!

freedom of speech? 16.03.2014 | 04:09

"...Die NATO löst sich nicht auf, garantiert RUS aber die Neutralität aller Staaten östlich Deutschlands...."

Nun, so einfach ist das nicht:

Es war hier im Freitag schon mal von Jemandem zu lesen. Ich habs aber leider nicht mehr gefunden. Deshalb noch mal :

Die streitigen Versprechen sollen 1990 stattgefunden haben. Zu diesem Zeitpunkt gab es die Sowjetunion noch.

Das änderte sich 1991. Den „Versprechensempfänger“ Sowjetunion gab es schlicht nicht mehr. Sie hat sich aufgelöst. Stattdessen wollten ehemalige Mitglieder der Sowjetunion in die NATO.

Tja, was tun? Die SU kann nichts mehr vom Versprechenden einfordern, weil tot. Es ist auch nicht erkennbar, dass alle ehemaligen Mitglieder der SU immer noch das Gleiche wollen und quasi Kontinuität besteht. Ganz im Gegenteil.

Das Problem: Die Erben vertragen sich nicht.

Jetzt gibt es das schwierige Konstrukt der Rechtsnachfolge für Verblichene. Russland als größter Staat wird Rechtsnachfolger der UDSSR. Das klingt auf den ersten Blick irgendwie ordentlich und klar.

Der Größte erbt den Schlamassel.

Ist es aber nicht. Wer schon einmal das Konfliktpotential von Erben gesehen hat, kann davon Lieder singen.

Hier ging Alles glasklar schief.

Die anderen wollten Nichts mehr mit dem „Haupterben“ zu tun haben und wollten in die NATO. Zu deutlich waren die Übergriffe des Patriarchen noch in Erinnerung.

Der pocht aber unnachgiebig auf seine herausragende Position.

Wer gewinnt?

Die Anwälte.

Ein schöner Artikel aus der damaligen Zeit:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67871653.html

„…Keine osteuropäische Regierung strebte in jener Frühphase in die Nato, und das westliche Bündnis dachte nicht daran, neue Mitglieder aufzunehmen. Zu teuer, eine unnötige Provokation Moskaus, und sollten im Fall des Falles französische, italienische oder deutsche Soldaten ihr Leben für Polen und Ungarn opfern?

Doch dann zerfiel 1991 die Sowjetunion; der Bosnien-Krieg mit seinen hunderttausend Toten ließ überall die Angst vor einer Balkanisierung Osteuropas ansteigen. Und in den USA suchte ab 1993 der neue Präsident Bill Clinton nach einer neuen Aufgabe für das westliche Bündnis.

Auf einmal wollten alle in die Nato, und bald wollte die Nato auch alle aufnehmen….“

Viele Grüße

Fos?

gelse 16.03.2014 | 04:33

Verstehen kann man das Ganze wohl nur als Machtblockpolitik, von massiven Profitinteressen geleitet: Die TTIP/NAFTA/NATO-Zone reicht von Amerika bis an die russische Westgrenze. Weiter im Osten ist China, der Hauptkonkurrent westlicher Renditesauger. Russland/GUS sollte dazwischen keinen dritten kapitalistischen Machtblock darstellen können, sondern ein bettelarmer Rohstofflieferant sein. In der „Jelzin-Ära“ schien es sich genau dahin zu entwickeln. Und damals wurde ja Russland hierzulande wesentlich positiver gesehen: Wenn die Leute Kohldampf haben und im Winter erfrieren kann sich jeder profitgeile Investor als Erlöser feiern lassen.
Damals, als Ölkonzerne einfach in die GUS-Staaten einmarschierten und dort "frei unternehmerisch" schalten und walten konnten, (und wenn sie mal Streit hatten, dann höchstens untereinander um eine Pipeline durch Afghanistan) lief es aus Perspektive der „westlichen“ marktkonformen Demokraturen genau richtig. Diese herrlichen Zeiten sollten halt zurückkehren.
Dass „unsere“ Oligarchen das 90er Jahre-Russland zurück haben wollen und deswegen ihre Untertanen zum vorerst kalten Krieg aufrufen ist nachvollziehbar. Dass eine Mehrheit der Russen das anders sieht und das für sie kleinere Übel bezugt ist aber auch verständlich, wenn man mal das Propagandagetöse beiseite lässt. Der Preis für die "Freiheit des Westens" war einfach zu hoch, oder?

Besser wäre natürlich gar kein Privatprofitimperium. Aber wer will das schon? Das mag man sich doch gar nicht erst vorstellen...

freedom of speech? 16.03.2014 | 04:56

"...keinen dritten kapitalistischen Machtblock darstellen können, sondern ein bettelarmer Rohstofflieferant sein..."

Tja, genau davor steht Russland in diesem Augenblick. Im nationalistischen Wahn wurde die Krim gewonnen und Fahnen wehen. Aber sie wissen nicht, was sie damit verloren haben.

Was tatsächlich verloren wurde, haben die Chinesen schon längst begriffen, die werden sich zu Sonderpreisen im kriselnden Russland einkaufen.

Nationalismus ist wie Gier . Er frisst Hirn.

Viele Grüße

fos?

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2014 | 09:26

"...keinen dritten kapitalistischen Machtblock darstellen können, sondern ein bettelarmer Rohstofflieferant sein..."

Was für ein arroganter Widerspruch, der die Hilflosigkeit eines an seine Grenzen angelangten Imperiums unmissverständlich aufzeigt.

Mit der Krim gewinnt Russland zusätzliche Rohstoffquellen, wo es sie auch schon hoch im Norden in der Antarktis dafür entsprechende Claims abgesteckt hat.

Die Förderrechte an ukrainischen Gas- und Ölfeldern im Schwarzen Meer sind zwar schon unter den Mineralöl-Konzernen aufgeteilt, aber durch den Krim-Konflikt befinden sich die Unternehmen nun in einem Dilemma. Sie haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ab sofort übernimmt Russland die Krim und wird die Rechte neu verteilen, oder die Rohstoffe selber aus.

Die Gruppe um Exxon Mobil, Royal Dutch Shell, OMV Rumänien und die staatliche ukrainische NAK Nadra Ukrainy sicherten sich zwar diese Rechte, Erdöl und Gas im Schwarzen Meer zu fördern. Geplant waren, rund 735 Millionen Dollar zu investieren. Die zwei Bohrbrunnen sollten 80 Kilometer vor der ukrainischen Küste im Südwesten gebaut werden.

Inzwischen dürfte sich herausgestellt haben, dass die Regierung in Kiew die Lizenzen für Öl- und Gasförderungen im Schwarzen Meer überhaupt nicht vergeben durfte.

„Exxon und Shell sind jetzt in einer rechtlichen Grauzone“, sagte Chris Weafer von der russischen Wirtschaftsberatungsfirma Makro Advisory in Moskau. Sie verfolgten ein „Explorationsabkommen mit einer Regierung, die bald nicht mehr über die Gerichtsbarkeit in der Region verfügt“, so Weafer zu Bloomberg.

Auf jeden Fall werden im Schwarzen Meer die Karten neu gemischt und der „bettelarme Rohstofflieferant" wird den Moneymakern jenseits des Atlantiks zeigen, wie man auch außerhalb deren Hexenküche zu Geld und Reichtum gelangen kann.

Der „internationale Wahn“ findet allem Anschein nach vor den Toren der Krim auf der Couch des Psychoanalytikers Putin ein vorläufiges Ende. Hoffentlich wird zumindest Europa daran gesunden und zu sich selber finden.

Die Chinesen haben längst begriffen, wie man den „internationalen Wahn“ zu unterlaufen vermag. Und wenn die sich in Russland mit ihrem sauer verdientem Geld und nicht mit virtuellen Dollars einkaufen, so kann das den Russen nur recht sein.

Das hat nichts mit Nationalismus zu tun. Es gründet auf Völkerverständigung und nicht auf Unterdrückung.

mcmac 16.03.2014 | 10:53

Liebe gelse, guter Kommentar, Danke! Siehe hierzu auch:

"[...]Aus russischer Sicht wird Putin mit Peter dem Großen verglichen, der ja auch in der westlichen Geschichtsschreibung als großer Reformer gepriesen wird. Dabei wäre Peter der Große, nach heutigen Menschenrechtsmaßstäben, ein blutiger Diktator. Dem Westen wäre es natürlich lieber, die Politik von Boris Jelzin wäre in Moskau weiter geführt wurden, als Russland am Boden lag, die Oligarchen die Macht übernahmen und das russische Volk massiv verarmte. Putins Verdienst ist es, dass er Russland, also den größten Flächenstaat der Welt, wieder aus dem Elend führte, beziehungsweise den Niedergang stoppte.[...]"

=> aktuelles Interview mit Peter Scholl-Latour.

lg-mcmac

GWalter 16.03.2014 | 11:37

Chruschtschow hat 1954 die Krim rein verwaltungstechnisch der Ukraine zugeschlagen, die hat jedoch mit einer Zugehörigkeit zur Ukraine nichts zu tun!!-
Natürlich waren die formalen Voraussetzungen einen Teil der Sowjetunion, die Krim, nicht mehr durch die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik sondern durch die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik verwalten zu lassen, erfüllt.
-
Aber damit diesem Verwaltungsakt wurde nicht etwa ein Teil Russlands an die Ukraine verschenkt, weil es auf Grund des Prinzips "Grund und Boden sind Volkseigentum aller Sowjetbürger" nichts zu verschenken gab.
-
Diese Darstellung in unserem Medien geht von einem falschen Verständnis der Situation aus. Wenn heute im Rahmen eine Gebietsreform ein Landkreis aus dem Gebiet des Landes Schleswig-Holsteins an das Land Mecklenburg-Vorpommerns angegliedert wird, dann handelt es sich ebenfalls um einen reinen Verwaltungsakt, der durch einen erneuten Verwaltungsakt doch ebenfalls wieder rückgängig gemacht werden kann.
-
Wenn sich die Schotten nach einem Volksentscheid in diesem für die Unabhängigkeit entscheiden sollten, kann diese doch auch nicht durch ein MInderheitenvotum der dort lebenden Engländer oder gar durch ein Votum der aller restlichen Bürger Großbritannien verhindert werden.

GWalter 16.03.2014 | 11:38

Zitat Artikel 1, Abs. 1 und 3 Internationale Pakt über Bürgerliche und Politische Rechte: -
„(1) Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung. Kraft dieses
Rechts entscheiden sie frei über ihren politischen Status und gestalten
in Freiheit ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.“
und
„(3) Die Vertragsstaaten, einschließlich der Staaten, die für die
Verwaltung von Gebieten ohne Selbstregierung und von Treuhandgebieten
verantwortlich sind, haben entsprechend der Charta der Vereinten
Nationen die Verwirklichung des Rechts auf Selbstbestimmung zu fördern
und dieses Recht zu achten.“

Damit hat auch die Bevölkerung der AUTONOMEN Krim-Region ein völkerrechtlich legitimiertes Recht auf Selbstbestimmung, wie z.B. jetzt die Bürger in Schottland oder damals im Kosovo, usw.

GWalter 16.03.2014 | 11:57

Russland gehört zu Europa

Jürgen Todenhöfer schreibt: "Eine engere Partnerschaft mit Russland wäre die sicherste aller denkbaren ‪Friedensgarantien‬ für Europa. Alle größenwahnsinnigen Herrscher, die das vergaßen - von Napoleon bis Hitler -, sind kläglich gescheitert. Es ist richtig: ‪Russland‬ gehört nicht zur ‪EU‬, aber es gehört zu ‪Europa‬."
-
Schreiben von Ex-Bundestagsabgeordneten (CDU) Friedensaktivisten Jürgen Todenhöfer:
Krieg ist ein Verbrechen, egal wer ihn beginnt oder provoziert. Es ist die verdammte Pflicht von Putin, Obama, der EU und den ukrainischen Konfliktparteien, Krieg zu vermeiden. Zum Beispiel durch Wiederbelebung der vor einer Woche von beiden Seiten akzeptierten Friedensvereinbarung, die vorgezogene Wahlen vorsah. Sie war am Tag danach durch radikale Kräfte gekippt worden. Auf einer Gipfelkonferenz könnte sie aktualisiert und international garantiert werden.
-
Gleichzeitig sollten die USA und die EU ihr Verhältnis zu Russland neu definieren. Es ist Mode geworden, Russland und Putin zu dämonisieren. Nicht erst seit Kiew oder Sotschi. Westliche Politiker gefallen sich darin, in Macho-Manier vor der Nase Moskaus die Herren der Welt zu spielen. Das ist nicht nur dumm, sondern, wie man sieht, auch gefährlich. Jede zündelnde Zockerei muss jetzt aufhören.
Ich habe mich als Bundestagsabgeordneter 18 Jahre lang kritischer als die meisten meiner Kollegen mit der Sowjetunion auseinandergesetzt. Die sowjetische Führung erklärte nach meinem heimlichen Marsch ins russisch besetzte Afghanistan öffentlich, sie werde mich "auspeitschen und erschießen lassen", wenn sie mich erwische.

Doch das ist Vergangenheit. Auch wenn einige westliche Politiker es noch immer nicht merken. Heute sollten wir im Interesse unseres Landes, Europas und des gesamten Westens Russland als PARTNER behandeln.
Dieses Russland, das den Sowjetkommunismus abgeschüttelt hat und das Deutschland die friedliche Wiedervereinigung ermöglicht.
-
Wir sollten über den Tellerrand westlicher Selbstgefälligkeit und Selbstüberschätzung blicken. Eine Partnerschaft mit Russland - unter Beibehaltung des europäisch-amerikanischen Bündnisses - hätte geostrategisch nur Vorteile. Nicht nur in Asien - gegenüber China. Auch im Mittleren Osten. Ohne die aggressive Politik des Westens könnte Russland seinen Nachbarn gegenüber viel gelassener auftreten. Zum Beispiel gegenüber der Ukraine und hoffentlich auch gegenüber Tschetschenien.

Wirtschaftlich wäre ein Freihandelsabkommen mit Russland eine Riesenchance für beide Seiten. Russland ist an Bodenschätzen wahrscheinlich das reichste Land der Welt.

Russland ist vielleicht kein lupenreiner Rechtsstaat. Das darf uns nicht gleichgültig sein.Aber sind die USA nach Guantanamo und dem NSA-Skandal noch ein lupenreiner Rechtsstaat?
Könnten wir gegenüber Russland nicht auf "Wandel durch Annäherung" setzen, wie wir das in den 70er Jahren mit Erfolg taten? Könnten wir Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte zur Abwechslung nicht einfach mal vorleben, statt unseren Gegnern ständig den erhobenen Zeigefinger unter die Nase zu halten? Wir kämen dadurch wahrscheinlich viel weiter als durch Konfrontation oder pharisäerhafte moralische Belehrungen. Die nimmt dem Westen nach seinen mörderischen Lügenkriegen in Afghanistan und Irak ohnehin niemand mehr ab.

Eine engere Partnerschaft mit Russland wäre die sicherste aller denkbaren Friedensgarantien für Europa.Alle größenwahnsinnigen Herrscher, die das vergaßen- von Napoleon bis Hitler- sind kläglich gescheitert. Es ist richtig: Russland gehört nicht zur EU, aber es gehört zu Europa.
PS: Eigentlich waren wir schon einmal fast so weit. Vor 13 Jahren erhob sich der Deutsche Bundestag nach einer Rede Putins und spendete ihm lang anhaltenden Beifall. Beide Seiten haben viel Zeit verloren. Und viel nachzuholen...... auch eine Meinung!

Irgendwie links 16.03.2014 | 12:17

diese unerträglich polemische "Russenpropaganda" hätten Sie besser stecken lassen sollen, denn sie ist in keinem Punkt diskursfähig.

Putin will (aus seiner Sicht völlig verständlich) das seit langem sterbende völlig überalterte Russland, irgendwie vor dem endgültigen Aus "retten". So weit so gut.

In einem Russland, in dem die vielen "Neureichen", die zwar im Verhältnis zu Gesamzbevölkerung eine winzige Minderheit darstellen, den Ton angeben, und dabei nur ihren eigenen Vorteil im Sinn haben.

Dabei ist es ihnen völlig egal, wie die wirtschaftliche Situation immer prekärer wird und sich der "gemeine" Russe kaum noch ein menschenwürdiges Leben leisten kann.

Aber, dass Putin dies in völkerrechtswidriger Form in Fals-Flag-Manier und einer militärischen Theatershow, die ihresgleichen sucht, versucht, ist nicht hinnehmbar.

Auch nicht der von Putin als Grund angegebene Grund des "Schutzes der im Ausland lebenden Russen".

Hier sehe ich den Hauptgrund für die Gefahr, die von Putin ausgeht, denn die Reihe könnte lauten:

Georgien, Krim, Ost-Ukraine, Estland, Lettland ...... und wie weiter?

Magda 16.03.2014 | 12:46

Wir haben Bulgarien u Rumänien zu sanieren. Italien steht vor der Tür. Griechenland und der europäische Süden lahmen weiter und auch deutsche Städte sind bankrott. Welcher Haushalt soll da ohne Neuverschuldung auskommen?

Wer ist denn bitteschön, "Wir". Die Deutschen oder Europa oder Sie?

Die Amerika-Hörige folgt dem Ruf nach mehr deutscher Führung ausgerechnet dort, wo es sensibler Zurückhaltung bedurft hätte. Deutschland droht Rußland! Trampliger gehts nicht. Natürlich will Merkel keinen Krieg. Aber die Russen können ihre 27 Mio. Toten bestimmt nicht einfach beiseite schieben. Merkel im Porzellanladen.

Merkel ist nicht "Amerika-Hörig". Es sind ja noch gar keine Sanktionen beschlossen. Sie macht sich einfach unangreifbarer, indem sie Sanktionen auf den Plan ruft und damit erstmal der USA-EU-Stimmung Tribut zollt. Irgendeine Entschlossenheit demonstrierend, hinter der man dann Verhandlungen und Gespräche besser anschieben kann. Sie spricht ja andauearnd sowohl mit Putin als auch mit Obama.

Begleitet wird das von den sehr sehr kritischen und warnenden Stimmen der deutschen Wirtschaft, die sie - da bin ich mir ziemlich sicher - mit animiert hat. Und dann muss gesehen werden, wie man "Sanktionen" so gestaltet, dass der Schaden begrenzt und das "Gesicht" gewahrt wird.

Im Grunde ist in dem ganzen Spiel niemand "nackt". Alle betreiben im Moment Diplomatie auf verschiedenen Ebenen. Aber, nun auf der Merkel so primitiv herumzubashen, das ist unpolitischer Sidekick, mehr nicht.

GWalter 16.03.2014 | 15:18

Steinmeier hat Recht: die Lage ist brandgefährlich - für Deutschland

Trotz der fest in amerikanischer Hand befindlichen westlichen Medien ist es unerklärlich, wie ein Land, so nahe am vermeintlichen Feind, derart konsequent daran arbeitet, dass der nächste globale Konflikt wieder auf deutschem Boden stattfindet.
-
Noch ist es nicht zu spät umzukehren und sich von der amerikanischen Knute zu lösen und auf ein partnerschaftliches Verhältnis mit Rußland hinzuarbeiten, wie der vielgescholtene Schröder es getan hat.
-
Merkel, aufgrund ihrer Ziellosigkeit die ideale Mariontte der USA, steuert Deutschland dagegen in den aussenpolitischen Abgrund, unterstützt von einer gleichgeschalteten Parteienlandschaft und völlig unkritischen Bürgern.

mcmac 16.03.2014 | 15:24

Mal so nebenbei in die Runde gefragt: Ich höre in den Nachrichten der deutschen Staatssender (z.B. DLF) immer wieder, dass „Steinmeier Russland mit Sanktionen droht“. Kann es sein, dass mit der deutschen (regierungsseitigen & medialen) Wahrnehmung etwas Grundlegendes nicht stimmt? Oder anders gefragt: Droht Steinmeier bspw. auch Israels Regierung wegen ähnlich gelagerter, diverser Völkerrechtsverletzungen mit Sanktionen? (Nein, tut er nicht. Und das ist auch gut so. So geht man als deutscher Regierungsvertreter auch nicht um mit dem Staat eines Volkes, in dessen historischer Schuld man steht. Gleiches sollte, begründet aus dieser historischen Schuld heraus, auch für Russland gelten. Hätte man sich davon leiten lassen, wäre es vermutlich nicht einmal zu der Situation [Steinmeier, ausgerechnet!: „brandgefährlich“] gekommen, in der wir nun sind, denke ich.)

gelse 16.03.2014 | 15:46

>>Georgien, Krim, Ost-Ukraine, Estland, Lettland ...... und wie weiter?<<
Die Krim verliert ihr, damit müsst ihr euch abfinden. Kann ja sein, nicht nur der russische Flottenstützpunkt dabei eine Rolle spielt, sondern dass reiche Russen in den Tourismus an der Krim-Südküste investiert haben. Die Investition wäre perdu, wenn dort antirussische Nationalisten das Sagen hätten. Da ist die Regierung berufen einzugreifen.
Aber warum sollten „die Russen“ euch Lettland und Estland wegnehmen? Weil sie die NATO von ihrer Westgrenze fernhalten wollen, das kann man schon so sehen. Aber dass eine russische Regierung einen Krieg mit der NATO riskiert, um sich die NATO vom Leibe zu halten: Auf so was kommen doch eher deutsche Sofastrategen. Russische Kapitalisten aber profitieren mehr wenn sie Öl, Gas und noch ein paar andere Rohstoffe an die EU-Oligarchen verkloppen können.

Robinsohn 16.03.2014 | 18:28

@Berlino1010

Ihre Erfahrung in Wolgograd entspricht meiner in St.Petersburg. Ich nehme mir manchmal die Zeit, darüber zu staunen, dass uns die Russen ständig eine Brücke bauen und von Faschisten sprechen, die sie überfallen hätten. Dabei waren es Deutsche, (darunter Faschisten). So viele (deutsche) Faschisten gab es gar nicht.

Insofern ziehe ich den Hut vor der Versöhnungsfähigkeit der Russen . Allerdings haben sie die Genugtuung, den Krieg gegen Nazideutschland gewonnen zu haben. Viele deutsche Putingegner gerieren sich dagegen, als wollten sie ein Rückspiel anpfeifen.

Ich kann das nachempfinden. Denn ich wollte als Pimpf , den die Ausstellung "Das Sowjetparadies" mit geprägt hat, eine Panzerfaust haben, um gegen die Russen zu kämpfen. Noch heute trauere ich dem schönen Ostpreußen nach. Ich kann nicht anders. Aber die Fakten und meine Vernunft sagen: Selbstverschuldet, armes Deutschland! Ich gehöre dazu. Schuldgefühle, Realitäts- und Gerechtigkeitssinn ermöglichen mir ein Leben in Frieden mit den Russen. Meine Probleme im Innersten lösen sich biologisch.

Heute freue ich mich über die wachsende Neutralität in den Medien, die die Öffentlichkeit in D lange Zeit beeinflußte, wie der Völkische Beobachter 1938, Beispiel Februar `13 "Putin-Spiele" in Sotschi.

janto ban 16.03.2014 | 19:24

|| Ehrlich gesagt, verstehe ich Ihre Kritik an Gysis Rede sehr ||

Ich ehrlich gesagt nicht :o| Denn er hat da eine Rede gehalten, die die anderen im "hohen Haus", deren Position (ihm) ja bekannt ist, zum Zuhören gezwungen und sich (bis auf ein kurzes, mir völlig unverständliches Schnauben bei den GRÜNEN) in den paar Minütchen, die ihm zur Verfügung standen, keine dämlichen "Stasi/Mauer/DDR/Sowej/Stalinismus"-Rufe eingefangen.

M.M.n. hat er den 'kleinstmöglichen Nenner weitsichtigerer Vernunft' gefunden, was ich für eine strategische Meisterleistung halte. Ich weiß zwar, dass mir jetzt ganz viele sagen wollen, dass man als (richtig) Linker gefälligst zu sagen hat, was man sagen muss. Ohne Kompromisse und ohne zu überlegen, wie der selbsterkannte Wahrheit in den Köpfen des politischen Gegners wirken könnte. Aber so funktioniert Diplomatie nunmal. Einerseits/andererseits. Und wenn Gysi es schafft, in manchen Köpfen ein Umdenken zu initiieren, dann haben wir was gewonnen. Präsentiert er sich zu sehr als das, von dem die anderen öffentlich behaupten, das er's sei, haben 'wir' verloren.

So sehe ich das jetzt einfach mal - und sage damit, was ich glaube, sagen zu müssen ;o) (Obwohl ich oben gesagt habe, dass ich dazu nix mehr sage. Aber das war gestern.)

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2014 | 19:24

Ja und morgen beschließen die EU Außenminister Sanktionen, wenn das Referendum pro Russland ausgeht, was anzunehmen ist. Ich komm mir vor wie in einer Sage und warte drauf, dass ich wieder rauskomm. Als stünden sie unter einem eigenartigen bösen Zauber. Es ist mir unbegreiflich, wie man einen Konflikt so anheizen und ausweiten kann.

So wie ich Putin einschätze, reagiert er auf Sanktionen mit Gegensanktionen. Das bringt überhaupt nichts, er wird sich keinen Zentimeter dadurch bewegen. Dabei ist es ihm egal. Er kann sich für den Machterhalt Derartiges nur nicht bieten lassen. Die Leidtragenden sind die normalen russischen Bürger, denen es eh schon nicht gut geht.

Was ishc sage, ist alles so banal, dass ich mich beim Schreiben frage, wozu überhaupt hinschreiben, ist doch eh offensichtlich. Und auf der anderen Seite reden die Medien wie von einem anderen Stern, aber in völliger Ernsthaftigkeit. Niemand bezweifelt die Notwendigkeit von Sanktionen.

Natürlich ist das Vorgehen Russlands auf der Krim nicht die ganz feine englische Art. Aber seit wann ist die Maßstab in der Außenpolitik? Und was ist der angerichtete Schaden wenn wir Russland in einen Gegensatz zum Westen hineintreiben. Und was nützt das der Krim oder der Demokratie?

Haben die alle den Verstand verloren?

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2014 | 20:04

Aber so funktioniert Diplomatie nunmal.

Ne so funktioniert nicht Diplomatie, sondern die Absicherung der politischen Karriere.

Es wäre wichig gewesen, eine andere verständigere Haltung einzubringen. Öffentlich hat die soweit ich das mitbekommen habe, eh nur Augstein vertreten und er ist jetzt wohl umgefallen, wenn ich ihn bei "Augstein und Blome" richtig verstanden habe. Ich meine natürlich, "er hat seinen Kurs etwas korrigiert" ;-) wir sprechen ja fließend diplomatisch.

Wenn Gysi sich weiter bei der herrschenden Meinung so anwanzt, verliert er die Glaubwürdigkeit mit der in den letzten Jahren fantastische Oppositionspolitik gemacht hat, in dem er den anderen Parteien solange auf die Zehne treten wollte bis sie sich bewegen. Das war bisher eine unglaubliche Erfolgsgechichte.

Man kann der Linken nicht empfehlen den "Kurs zu korrigieren". Und der heißt: Die Wahrheit sagen, bis die anderen nicht mehr dran vorbeikönnen.

berlino1010 16.03.2014 | 20:48

Putin will (aus seiner Sicht völlig verständlich) das seit langem sterbende völlig überalterte Russland, irgendwie vor dem endgültigen Aus "retten". So weit so gut.

Dabei ist es ihnen völlig egal, wie die wirtschaftliche Situation immer prekärer wird und sich der "gemeine" Russe kaum noch ein menschenwürdiges Leben leisten kann.

Sie sind ja völlig unwissend, was sie da an Unsinn ausschütten

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Ehemaliger Nutzer 16.03.2014 | 21:01

Georg, sei nicht so schwerfällig ^^. Kein Mensch behauptet auf der Krim fände irgendwas demokratisches statt. Siehs so rum: Putin reicht uns die Hand mit dem Referendum und den Soldaten ohne Abzeichen, damit der Westen die Möglichkeit hat drüber hinwegzusehen. Das ist wie wenn der Partner heimlich ins handy schaut.

Natürlich kann man sich den ganz großen Baum suchen, um die Sache dran aufzuhängen, von Vertauensverlsut sprechen und die Beziehung in Frage stellen und mindestens fünf Kotaus täglich fürs gesamte nächste Jahr verlangen, man kann genauso gut mal so tun als hätte man es nicht gesehen. Immerhin weiß er ja, dass er ss nicht tun soll, sonst hätte ers nicht heimlich gemacht.

Fakt ist: Putin will die Krim. Wenn wir ehrlich sind, ist das verständlich. Jetzt kann er sie direkt militärisch einnehmen oder als Brücke in den Westen zumindest den demokratischen Schein wahren. Wir können uns den ganz großen Baum suchen, um die Sache dran aufzuhängen und die Beziehung in Frage zu stellen oder einfach mal drüber wegsehen. Immerhin bemüht er sich ja um den demokratischen Schein. Mehr Demokratie ist im Moment noch nicht.

Georg von Grote 16.03.2014 | 21:41

Christine, mit schwerfällig hat das gar nichts zu tun. Das Ergebnis war doch klar. Ich amüsiere mich nur darüber, weil es so perfekt ins Bild passt.

Putin spielt im Moment auf der alten Klaviatur des Kalten Kriegs. Was seine "Verteidiger" stutzig machen müsste, denn er benutzt die alten, längst überholten Muster.

Das ist auch kein Handreichen, oder ein verstecktes Signal, verhandlungsbereit zu sein, sondern er läßt im antiquierten Stil der SU die Muskeln spielen. Das Problem dabei ist nur, dass er die Muskeln an der falschen Stelle hat. Da, wo sie ihm nicht mehr viel nützen.

Er weiß offenbar auch noch gar nicht, welchen Klotz er sich mit der Krim da ans Bein hängt. Zum einen besagt dieses Referendum per Kalaschnikow nicht, dass die Krim kein Unruheherd bleibt, zum anderen muss er, wenn er die Krim tatsächlich in Russland eingliedern erheblich investieren.

Die Krim ist, bis auf die die kleine Meerenge von Russland nicht erreichbar. Die Energieversorgung erfolgt zur Zeit nur über die Ukraine. Da sind also Investitionen fällig, die er im Moment gar nicht stemmen kann.

Es sei denn, und genau um dieses Problem geht es, Putin will sich den gesamten Osten und den Süden der Ukraine bis nach Odessa einverleiben. Und darauf deutet einiges hin, denn diese russischen Truppen ohne Abzeichen operieren schon längst in diesen Gebieten. Die Krim ist nur ein Ablenkungsmanöver auf das der Westen reingefallen ist.

Nur die Annektion des Osten und des Süden der Ukraine wird nicht mehr so "ruhig" ablaufen, wie auf der Krim.

Putin ist dabei, sich zu überschätzen. Die Konflikte in Ossetien, Abchasien und Tschetschenien konnte Russland ja gerade noch so bewältigen und für sich entscheiden, einen Stellvertreterkrieg in der Ukraine mit der Nato, inklusive wirtschaftlicher Boykotte hält er nicht durch.

berlino1010 16.03.2014 | 21:46

Das Durschnittsalter der Russen liegt weiter unter dem DEU, die Geburtenrate ist höher als in DEU und übersteigt auch im Gegensatz zu uns die Sterberate.

Im Gegensatz zu ihnen weiß ich ein bisschen etwas über RUS, auch, dass es den Russen wirtschaftlich besser denn je geht, sehr viel besser als jemals zuvor ...

... ohne dass ich Putins Kurs befürworte.

aber es reicht, um solche Dümmlichkeiten ad absurdum zu führen, abstruse Lügen, denen sich einmal die dämlichste West-Propaganda zu eigen machen würde.

sibir 16.03.2014 | 22:36

Nun hat die Krim abgestimmt. Vorläufige Angaben 83% Wahlbeteiligung, 93% Zustimmung für die Rückkehr nach Russland. Simferopol tobt vor Freude. Eine hochemotionale Angelegenheit. Berlino hat absolut Recht: 1954 wurde die Krim samt Bevölkerung von einem durchgeknallten Parteibonzen, selbst Ukrainer, der Ukraine geschenkt, um die Unterstütn. zung der Ukrainischen Parteiorganisation in seinem Kampf um den höchsten Posten im Land zu Sichern. ( Liebe Leute, ist jemand von Ihnen schon mal verschenkt worden?) 1992 hat ein anderer durchgeknallte Parteibonze, der Trunkbold Elzin, die Zugehörigkeit der Krim zur Ukraine ohne Referendum in die neuen Verträge übernommen. War das alles völkerrechtlich einwandfrei? Sie haben sicherlich auch Interviews mit Menschen auf der Krim gehört und gesehen. "Wir haben darauf 23 Jahre gewartet. Jetzt sind wir zu Hause angekommen." Möglicherweise ist es mit dem rationalen westlichen Denken schwer zu erfassen: Den Russen (dazu gehören natürlich auch Vrtreter anderer ethnischen Gruppen, die sich mit Rusland kulturell verbunden fühlen) geht es um die Zusammengehörigkeit und die Identität eines Volkes. Dafür ist Ihnen kein Preis zu hoch. Ideelen Werte sind nicht verhandelbar. Vor diesem Hintergrund erscheinen alle angedrohten Sanktionen des Westens lächerlich und bestätigen nur die Russen in ihrem Gefühl, vom Westen einfach nicht verstanden zu werden.

Putin kommt aus dieser Krise innenpolitisch unwahrscheinlich gestärkt und dieser Effekt wird lange anhalten, trotz der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage. Allerdings, ob das Assoziierungsabkommen der Ukraine tatsächliche Vorteile bringen wird, ist bislang dahingestellt.

Allerdings: Der ukrainische Nationalismus hat etwas Besonderes auf sich. Banderas Greueltaten haben sich im Volksgedächtnis eingebrannt. Herr Steinmeier findet seine Nachfolger trotzdem nett....

berlino1010 16.03.2014 | 22:36

Die Konflikte in Ossetien, Abchasien und Tschetschenien konnte Russland ja gerade noch so bewältigen und für sich entscheiden ..

In dieser Betrachtung gehen sie davon aus, dass RUS/Putin hier als dominierende, entscheidende, gestaltende Kraft tätig war. Dem ist keineswegs so.

Abchasien bspw. wurde als ehemalige unabhängige Republik von dem Georgier Stalin seiner Heimat Georgien zugeschlagen. Die Abchasen holten sich nach dem Ende der SU nur die geraubte Unabhängikeit von Georgien zurück. Die Unterdrückung während der UdSSR haben sie immer als georgische empfunden: Stalinistische Säuberungen, Enteignungen, Ermordung und Vertreibung von Abchasen, Sprach- und Kulturverbote oder Zwangsansiedlung von Hunderttausenden Georgiern. 92/93 waren es Kaukasische Armeen, die ihnen im Kampf gegen Georgien zu Hilfe kamen, nicht wirklich Russische.

Und in Tschetschenien verlor Jelzin einen unnötigen 1. Krieg, und musste um die Unabhängigkeit verhandeln. War der 1. Tschetschenienkrieg durch Jelzin noch vermeidbar, gab es nach dem faktischen Sturz der gewählten Regierung Tschetscheniens, der Einführung der Scharia durch islamistische Clanchefs und Warlords, mit Zwangsislamisierungen, öffentlichen Hinrichtungen, der Ermordung und Vertreibung Tausender aus der nicht-islamischen Bevölkerung, Dutzenden Terroranschlägen mit Hunderten Russischen Toten und den mehrfachen Überfällen der islamistischen Terroristen auf das russische Dagestan mit ebenfalls mehreren Hunderten Toten keinerlei Alternative zum 2. Tschetschenienkrieg.

Der islamische Rebellenführer Shamil Bassajew erklärte Russland im Fernsehen öffentlich den Dschihad, den heiligen Krieg zur Islamisierung des gesamten Kaukasus. Es gab keine tschetschenischen Freiheitskämpfer mehr, sie wurden zu pankausasischen, islamistischen Terroristen, finanziert von arabischen Wahhabiten. Und der Westen stand hinter Putin, die USA erklärten die islamistischen Terroristen Tschetscheniens zum gemeinsamen Feind und Deutschland sandte Dutzende BKA-Beamte zur Hilfe bei der Terrorabwehr.

Magda 16.03.2014 | 22:57

Nur die Annektion des Osten und des Süden der Ukraine wird nicht mehr so "ruhig" ablaufen, wie auf der Krim.

Putin ist dabei, sich zu überschätzen. Die Konflikte in Ossetien, Abchasien und Tschetschenien konnte Russland ja gerade noch so bewältigen und für sich entscheiden, einen Stellvertreterkrieg in der Ukraine mit der Nato, inklusive wirtschaftlicher Boykotte hält er nicht durch.

Magda 16.03.2014 | 23:03

Ach herrje, jetzt habe ich nur das Zitat von Dir losgeschickt: Na, dann jetzt:

Georg, die Russen werden die Krim "bekommen". Und der Westen wird still halten, abgesehen von ein paar Sanktionen fürs "Gesicht. Weiter wird Putin nicht gehen, denn der schätzt die Lage schon realistisch ein. Du hast da eine Art Monstrum im Sinne. Das ist der nicht. Der hat was begradigt, was für ihn zu begradigen war. Und nun hoffe ich, ich habe Recht, denn das Leben ist bunt und manchmal versuchen noch Kräfte zu provozieren - und da fallen mir immer nur die USA ein - und die Lage zu verschärfen.

Georg von Grote 16.03.2014 | 23:20

Die Krim ist bei Russland, da geht kein Weg mehr vorbei. Wie es den Menschen auf der Krim ergehen wird, wird man sehen.

Nur die Krim allein ist für Russland sinnlos. Ich sehe in Putin absolut kein Monstrum, ich sehe da einen gewieften Taktiker, der sich allerdings verzockt hat. Um die Krim bei Russland zu halten, braucht er mindestens den Süden der Ukraine. Den Osten braucht er als Puffer gegen den Westen.

Die Krim wird im Moment ausschließlich über die Ukraine versorgt. Wenn die Ukraine die leitungen kappt, geht da gar nichts mehr und es gibt keine Versorgungswege nach Russland. Bis eine Brücke bei Kerch fertig ist, vergehen mindestens 8 - 10 Jahre.

Das wäre so, wie im Gazastreifen. Wenn die Israelis das Wasser, den Strom abdrehen, dann ist dort auch Sense.

Das weiß Putin und deshalb braucht er mehr , als nur die Krim.

silvio spottiswoode 17.03.2014 | 00:20

Ihre Kommentare lese ich sehr gern. Bezüglich der Demographie, ist dies hier aber vielleicht nicht ganz uninteressant: Link zur demographischen Entwicklung in Russland, Studie des Berlin Instituts.

»Die demografische Krise Russlands resultiert aus einer geringen Geburtenrate, der europaweit niedrigsten Lebenserwartung, hohen Sterberaten und der Alterung der Gesellschaft. Der Gesundheitszustand der meisten Menschen ist mangelhaft. Hinzu kommen Sonderprobleme wie übermäßiger Alkoholkonsum und Drogenmissbrauch. Die Peripherieregionen Russlands entvölkern sich im Zuge starker Abwanderung bei geringer Zuwanderung. Die Zukunftsrisiken, die sich aus der demografischen Krise ergeben, betreffen die Staatlichkeit Russlands sowie die wirtschaftliche und militärische Sicherheit des Landes.«

Will damit nur kurz sagen, dass Russland vor großen Herausforderungen steht. Putin weiß dies natürlich, was ein umso großerer Grund dafür is, jetzt zu demonstrieren, wer am längeren Hebel sitzt. Um klare Machtverhältnisse zu schaffen, um einen Euro-Maidan in Moskau zu verhindern.

mcmac 17.03.2014 | 00:26

Wenn die Ukraine die leitungen kappt, geht da gar nichts mehr und es gibt keine Versorgungswege nach Russland.[...]Das wäre so, wie im Gazastreifen. Wenn die Israelis das Wasser, den Strom abdrehen, dann ist dort auch Sense.

Das ist ein interessanter Gedanke. Nur, lieber Georg, denke ich nicht, dass daraus folgt:

Das weiß Putin und deshalb braucht er mehr , als nur die Krim.

Zum Einen, weil genau so ein Handeln der Ukraine sie selbst diskreditiern würde, vor allem in den östlichen und südlichen Landesteilen (aber auch international) > eigentlich ein taktischer Vorteil für Putin.

Und zum Anderen, bleibt man in dem Nahost-Gleichnis, ist die Ukraine zwar Israel, welches dem Gaza-Krim-Streifen den Hahn zudreht. Wer aber steht hinter diesem "Gaza-Streifen" - Ich will mir jetzt eigentlich den doofen Kalauer mit "Gaza-Prom" klemmen, vermag es aber nicht so ganz... :)

Inzwischen geistern ja so Sachen durch die Medien, dass Putin die Sowjetunion wieder auferstehen lassen will. Das halte ich für ausgemachten Schwachsinn, bzw., für gezielte Propaganda.

Betrachtet man diese Vorgänge nämlich als das, was sie aller höchster Wahrscheinlicheit nach sind - dass Russland nicht mehr nur über eine Rote Linie schwadroniert, sondern sie konsequent zieht (als Ergebnis einer fast 20 Jahre währenden defensiven Haltung, die sich -v.a. aus russischer Sicht- aber als falsch erwies), erklären sich "nächste Schritte Putins" vielleicht eher. (Und man findet Lösungen, wie "bestimmte Schritte" -im Interesse des friedlichen Zusammenlebens von Menschen dort- vielleicht obsolet werden.)

Indes provoziert der Westen im Augenblick aber geradezu heftigst, dass Russland sich den Osten und Süden der Ukraine auch noch nimmt. Andere Deutungen seines Verhaltens fallen mir kaum ein.

lg & Gute Nacht - mcmac

janto ban 17.03.2014 | 00:46

Entschuldige, aber ich kann dir da nicht zustimmen und es ist mir in Teilen ehrlich gesagt viel zu platt. Von Absicherung der politischen Karriere und einem Heranwanzen an die herrschende Meinung zu sprechen, weil dir Gysis Rede zu ausgewogen und zu wenig Partei für Putin ergreifend daher kommt, finde ich nicht so gut. Da spielst du - wenn auch durch die Blume - genau das Spiel, das ich in meinem Kommentar vorhergesagt hatte.

Ich nehme lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Dass die linke Linke daran arbeitet, Gysi zu Germany's Next Top Verräter aufzubauen, ist mir schon länger klar. Aber da mache ich nicht mit. Wenn du mich fragst, wird der Mann immer besser.

mcmac 17.03.2014 | 02:18

Kann nicht schlafen; deshalb: Kleine Ergänzung

[...]Ein neutraler Status zwischen Europa und Russland, mit engen Handelsbeziehungen zu beiden Mächten – das wäre in der Tat die beste Lösung für den aktuellen Konflikt. So ließe sich sogar die Krim-Frage lösen. Das Problem ist nur, dass niemand in Brüssel so weit denkt.[...]Im Gegenteil: Bei den “führenden” Experten von Carnegie über den German Marshall Fund bis zum European Council on Foreign Relations geben die Falken den Ton an.[...]

(Quelle)

lg-mcmac

karamasoff 17.03.2014 | 02:23

Mit aggressiver Aussenpolitik und Feindsuche bzw. Patriotenpathos ließ sich schon immer gut von innenpolitischen Problemen und sozialen Spannungen ablenken. Von Vernunft sowieso. Nebenbei kann man damit noch neue Ressourcen und Märkte erobern und den Rahm abschöpfen. Putin hat folgerichtig das getan was seinerzeit die USA auch getan hatte bei der Kubakrise.

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Ehemaliger Nutzer 17.03.2014 | 03:19

Wer die Anti-Russland und anti-PUTIN-Aktionen und öffentlichen Stellungnahmen der Bundesregierung nicht versteht oder gar kritisiert, der ignoriert folgende Tatsachen:

1. Die BRD ist noch immer von Truppen der Siegermächte USA und GB besetzt!

2. Daraus folgt, die BRD ist KEIN souveräner Staat, sondern ein VASALL!

3. Daraus wiederum folgt, dass ALLE bisherigen BRD-Regierungen KEINE alleine den Interessen des von ihnen regierten Landes dienende Aussenpolitik machen können.

4. Erschwerend für eine unabhängige Aussenpolitik der BRD kommt hinzu, dass das Damoklesschwert des "Holocaust" ihre Handlungsfreiheit zusätzlich einschränkt. Frau MERKEL hat dazu noch einen "Sonderbeitrag" geleistet, indem sie die Sicherheit des - bis an die Zähne mit modernsten auch ATOMwaffen ausgestatteten - Staates ISRAEL zur "deutschen Staatsräison" erklärt hat.

5. Aus alledem folgt zwingend, dass ALLE Bundesregierungen, besonders die unter Frau Merkel, in wichtigen aussenpolitischen Angelegenheiten wie derzeit der Ukraine, auch als "Erfüllungsgehilfen" fremder Interessen zu handeln (selbst-)verpflichtet sind!

6. Wen DAS stört, und mich stört das inzwischen sehr, der muss öffentlich lautstark den Abszug aller fremden Truppen vom Gebiet der Bundesrepublikfordern! Wer das nicht tut, wem diese Zusammenhänge garnicht bewusst sind, der DARF die, die Interessen des eigenen Landes gefährdende Aussenpolitik der BRD-Regierungen nur sehr eingeschränkt kritisieren!

karamasoff 17.03.2014 | 09:22

dazu fallen mir nur zwei Sachen ein:

"grauenvoller als dieser Wust eines Karlchen Miesnick ist nur die Kriecherei, mit der das bewundernd hingenommen und zitiert" wird.

und

"Im sogenannten 2+4-Vertrag, der am 15. März 1991 in Kraft getreten ist, ist wirksam vereinbart worden, dass die drei Westmächte und die Sowjetunion "hiermit ihre Rechte und Verantwortlichkeiten in Bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes" beenden." Dieter Deiseroth, Richter am Bundesverwaltungsgericht

http://www.heise.de/tp/artikel/40/40224/1.html

"muss man wissen" aber "das wissen die wenigsten"

ansonsten noch viel Spaß beim Warten auf die Reichsflugscheiben aus dem inneren der Erde...

Magda 17.03.2014 | 09:29

Was ich zu Sanktionen gesagt habe, habe ich schon weiter oben ausgeführt. Ohne Sanktionsdrohung steht Merkel in der EU allein auf weiter Flur und wird kaum weiter verhandeln können. Wenn Ihnen Merkel aber als "Trampel" so wichtig ist, schenke ich die Ihnen als Osterei. Ich trete hin und wieder als Merkel-Verteidigerin auf. Keine Lust, das weiter zu erklären.

Schleimbesuch bei Bush. Der letzte Besuch war - glaube ich - bei Obama. Und da war nicht soviel Harmonie.

Nebenher war es Angela Merkel, die sich vor einigen Jahren gegen einen NATO-Beitritt sowohl der Ukraine als auch Georgiens gewendet hat. Sie hat was von "noch zu früh" und so weiter argumentiert. Und das war geschickt und damals wie heute richtig.

Sie haben sich weiter oben als älterer Kommentator geoutet:

Denn ich wollte als Pimpf , den die Ausstellung "Das Sowjetparadies" mit geprägt hat, eine Panzerfaust haben, um gegen die Russen zu kämpfen. Noch heute trauere ich dem schönen Ostpreußen nach. Ich kann nicht anders. Aber die Fakten und meine Vernunft sagen: Selbstverschuldet, armes Deutschland! Ich gehöre dazu. Schuldgefühle, Realitäts- und Gerechtigkeitssinn ermöglichen mir ein Leben in Frieden mit den Russen. Meine Probleme im Innersten lösen sich biologisch.

Ich bin auch älter, aber doch ein Nachkriegskind und in der DDR aufgewachsen. Unser Verhältnis zur UdSSR war sowieso ein anderes, wenngleich hin und wieder auch ambivalent. Wer einmal an den Gedenkstätten des Großen Vaterländischen Krieges stand, erinnert sich, was die Völker der Sowjetunion - nicht nur die Russen - erlitten haben. Wir haben das in der Schule schon gelernt.

Doch zu diesem Russland gehörte damals auch die Ukraine. Das ist ein zu weites Feld.

fahrwax 17.03.2014 | 10:05

Nur derartige Lösungen kommen derzeit in Frage. Stattdessen wird Propaganda betrieben. Eine hörenswerte Meinung dazu kommt aus Östereich: Robert Misik (Videoblogger beim Standard) verrät auch gleich noch interessantes zu "Olga" (Ärztin auf dem Maidan) und den Ermordeten auf dem Maidan.

"Russland zum Paria machen? So ein Quatsch!"

http://derstandard.at/1392687623919/Russland-zum-Paria-machen-So-ein-Quatsch

mymind 17.03.2014 | 12:07

Es sei denn, und genau um dieses Problem geht es, Putin will sich den gesamten Osten und den Süden der Ukraine bis nach Odessa einverleiben.

Dieses Szenario wird immer wahrscheinlicher, angesichts der Drohungen potentieller ukrainischer Präsidentschaftskandidaten mit Partisanenkrieg oder Sprengung von Gaspipelines...aber natürlich sollte diese Geplapper nicht ´überbewertet´ werden...;-)

berlino1010 17.03.2014 | 12:41

Danke.

Ihre Studie ist aus 2008 und stützt sich auf Ergebnisse davor, bzw. bis 2006/07 maximal.

Das ist so ziemlich inmitten der Putinschen Veränderung der Lebensumstände aus den katastrophalen 90ern hin zu einer Normalisierung, die wikipedia zwischen 2000 und 2010 wie folgt listet.

Der Bevölkerungsrückgang begründet sich in den chaotischen 1990er Jahren, die zur Senkung der Geburtenrate und einem drastischen Anstieg der Sterberate der Männer führten. Russlands Bevölkerungszahl sank von 147,0 Millionen bei der Volkszählung im Januar 1989 bis 2007 auf 142,2 Mio

RUSSLAND

Natürl. Bevölkerungsabnahme in Tsd. pro Jahr

2000: - 959

2010: - 241

Abnahme des Bevölkerungsrückgangs: −74,9 %

In den letzten Jahren stabilisierte sich die Lage jedoch, die Einwohnerzahl stieg in jüngerer Zeit sogar leicht an und liegt mittlerweile bei etwa 143,5 Millionen. Die Zahl der Geburten und Sterbefälle glich sich bis zum Jahr 2012 schon beinahe wieder aus.

Geburten 2013: 1.901.182

Todesfälle 2013: 1.878.269

Lebenserwartung in Jahren

2000: 65,3

2010; 69

+5,7 %

Geburten in Tsd.

2000: 1.267

2010: 1 .790

+41,3 %

Laut CIA liegt bspw. die Geburtenrate 2013 in RUS mit 1,6 Kinder über der in DEU mit 1,4.

Unnatürliche Todesfälle (Morde, Selbstmorde, Alkohol,..)

2000: 125.900

2010: 63.300

- 50%

Laut der Volkszählung 2010 liegt das Durchschnittsalter der Russen bei 39 Jahren (2002 - 37,7 Jahre).

Während die Deutschen im Schnitt 45,7 Jahre alt sind, liegt das Durschnittsalter in Kenia bei 18,9 Jahren. Weltweit liegt das Durschnittsalter aller Menschen derzeit bei 29,4 Jahren.

Laut CIA Factbook

Deu: Median age: 46,1 Jahre / Population growth rate 2014: -0.18%

RUS: Median age: 38,9 Jahre / Population growth rate 2014: -0.03%

berlino1010 17.03.2014 | 13:24

Na sdarowje! )) (wohl bekomm's)

Die Zahlen werden schon ok sein, tauchen nicht nur bei wikipedia so auf, eben auch bei der CIA (sicher wenig RUS freundlich).

Ich möchte Putins Anteil, Einfluss daran gar nicht überbewerten. Meist sind es indirekte Auswirkungen seiner Konsolidierungs-, Stabilisierungsmaßnahmen, die nach den wilden, verbrecherischen 90ern mit Hunger, Elend, ... fast automatisch eintraten.

Wer wieder genug zu essen hat, kann auch an Kinder denken, wer Arbeit mit Lohnzahlung hat, säuft weniger, wenn Medizin wieder besser funktioniert, sterben weniger, die Privatisiserungskriege wurden eingedämmt, ...

Man macht sich im Westen keine Vorstellung davon, unter welcher Not und Elend die Russen in den West-90ern leiden mussten. Das lässt sie bis heute eher Alternativen in die sowjetische Richtung denn in die westliche Richtung suchen.

Irgendwie links 17.03.2014 | 14:21

Typisch für Statistiker ist diese Argumentation, die völlig negiert, dass in Russland über fast 20 Jahre die Bevölkerung jährlich um 1 Million Menschen abnahm, und in den letzen Jahren erst wieder ganz leicht ansteigt. Unter dem Strich bleibt immer noch ein riesiges Defizit.

Außerdem gibt es keinerlei Sicherheit dafür, dass dieser derzeit zu beobachtende Trend nachhaltig anhält, ich fürchte das Gegenteil, dafür spricht die immer schlechter werdende wirtschaftliche Situation Russlands.

Wer nach 4 Wochen Dauerregen und einem Tag Sonne von einem super Wetter spricht, weil er nur den letzten Tag wertet, der erweist einer objektiven Bewertung einen Bärendienst.

Was Putin da leistet, sind Strohfeuer ohne jede Nachhaltigkeit.

berlino1010 17.03.2014 | 15:32

Typisch für Statistiker ist diese Argumentation, die völlig negiert, dass in Russland über fast 20 Jahre die Bevölkerung jährlich um 1 Million Menschen abnahm ..

"Russlands Bevölkerungszahl sank von 147,0 Millionen bei der Volkszählung im Januar 1989 bis 2007 auf 142,2 Mio"

0,26 sind fast 1,0 Mio ?

RUS hatte immer Bevölkerungszuwachs bis zum Ende der UdSSR.

1992 gab es zum ersten Mal einen Rückgang, der während den West-90ern durchgehend anhielt. Seit 2005 geht dieser zurück, und kehrte sich 2013 erstmals ins Positive um.

>> Graphik für Verständnis-Schwache

Die drohende wirtschaftliche Stagnation ist kein Grund, dass sich daran etwas ändert.

Es wird jedoch für die Zeit nach 2015 rein statistisch wieder eine Verschlechterung der demografischen Situation erwartet, da anstelle der geburtenstarken Jahrgänge der Sowjetzeit die geburtenschwachen Jahrgänge der 1990er Jahre nun ins Elternalter kommen werden.

Irgendwie links 17.03.2014 | 15:50

Sie sollten den "Verständnis-Schwachen" auch nicht vorenthalten, dass Putin eine Kopfprämie von 10.000 € für das zweite und jedes folgende Kind ausgesetzt hat, fragt sich, wie lange er sich das leisten kann, von der mehr als befremdlichen Form der Geburtenregulierung mal abgesehen.

"Am Ende der ultraliberalen Jelzin-Ära starb die russische Bevölkerung jedes Jahr um ca. 1 Million Menschen aus. Lediglich die Einwanderung aus anderen GUS-Republiken konnte dieses dicke Minus geringfügig abmildern.

13 Jahre später ist davon praktisch nichts mehr zu spüren."

auch nicht, wenn Sie schon die Grafik von der Propagandaseite hier posten, sollten Sie die Quelle nicht vergessen.

berlino1010 17.03.2014 | 16:29

))) Sie erheitern mich, danke. Ich bleibe lieber bei CIA, wikipedia ...

Die knapp 1 Mio Rückgang waren in 1 Jahr, nicht in 20, wie sie behauptet haben, da bleibt es durchschnittlich bei 0,26 ...

Die Prämie, von der sie sprechen, ist ein staatlicher Gutschein über Zuschüsse für die Bildung der Kinder, Wohnungsumbauten oder eigene Altersvorsorge. Mal ganz davon abgesehen, dass ich daran nichts Schlechtes erkennen kann, erreicht diese Unterstützung bei weitem nicht die Höhe unseres Kindergeldes.

janto ban 17.03.2014 | 17:23

Auch aus diesem Artikel:

>>In der Linkspartei ist die Nato genauso böse wie der Kreml<<

Das ist so ein saudämlicher Satz, dass man gar nicht weiß, ob man heulen oder kotzen soll. Denn "genauso böse" heißt genauso gut, genauso (wenig) nachvollziehbar, heißt Dialektik heißt Diplomatie.

Ich sag's mal kurz und schmerzvoll:

Wer hierbei verlangt, ein jeder möge sich bitteschön auf genau eine Seite wanzen, dem kann an Frieden eigentlich nicht viel gelegen sein. Punkt.

apatit 17.03.2014 | 17:52

Daraus folgt: Installiert oder organisiert man einen schönen prowestlichen – marktwirtschaftlichen Putsch mit paar Nazis an den Schaltstellen der Macht ist alles OK?!

Merkt ihr nischt –? Kurt Tucholsky

Eine ganze Industrie

schluckt die dicken Gelder,

treibt die Preise hoch – denn sie

hat die Kohlenfelder.

Sie kann schröpfen und sie schröpft

euch, die Konsumenten;

von dem Geld, euch abgeknöpft,

zahlt sie die Agenten ...

Presse, Kinos, süß gemischt –

Merkt ihr nischt?

Käseblätter schelten brav

auf die Republike.

Und es tapst das deutsche Schaf

nach der Preßmusike.

Weil der Bauer profitiert

von den Feldgewächsen:

loben Filme – wie geschmiert! –

Fridericus Rexn.

Warum wird das aufgetischt?

Merkt ihr nischt –?

Was mit offnen Mäulern prahlt:

»Wir – wir sind die Stärkern!«

Das ist alles bar bezahlt –

und von euern Märkern!

Vorn der Militärsoldat

und die Ideale –

hinten steht ein Syndikat:

Zahle, Dummkopf, zahle!

Von der Welt könnt ihr nichts wissen.

Ach, wie seid ihr angelogen!

Und sie zahlen blutige Zinsen.

Und die Bauernfänger grinsen,

weil ihr alldeutsch aufgefrischt ...

Merkt ihr nischt –?

janto ban 17.03.2014 | 18:06

|| Daraus folgt: Installiert oder organisiert man einen schönen prowestlichen – marktwirtschaftlichen Putsch mit paar Nazis an den Schaltstellen der Macht ist alles OK?! ||

Ach, darauf antworte ich doch gar nicht. Wenn du mir unterstellen möchtest, dass ich gern dunkelschwarz trage, wenn ich sage, dass mir reinweiß nicht steht, dann tu das. Und tu so, als hätte der Kapitalismus vor Russlands Grenzen halt gemacht, sprich von Wahrheit und häng dir 'ne einseitige Medaille um. Falls sie dir nicht steht, kannste se ja umdrehen. Guten Tach.

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Ehemaliger Nutzer 17.03.2014 | 21:13

Du hast einen Film im Kopf, den ich nicht sehen kann: "Und morgen die ganze Welt..."

Natürlich kann es sein, dass Putin auch den Osten der Ukraine nicht dem Einflussberiech der EU überlassen möchte. Und?!

Selbst das ist nur natürlich. Und nachdem der Osten auch russsischstämmig ist, wäre wohl der Großteil der Bevölkerung dafür.

Was ist so schlimm an dem was Putin tut? Ich kann das nicht sehen. Es ist völkrrechtlich und demokratisch nicht einwandfrei. Ja. Aber das ist kein Grund sich einzumischen! Sorry, aber unter Massenmord gibts überhaupt keinen Grund sich irgendwo einzumischen und selbst dann ist es schwierig genug, mit dem Eingreifen etwas besseres zu bewirken.

Wie die Vorgänge in der Ukraine hochgespielt werden ist völlig hysterisch und leichtfertig.

janto ban 17.03.2014 | 21:34

Ja, da hat er recht. Einerseits. Die andere Hälfte fehlt halt eben, so dass es nur die halbe Wahrheit ist. Mit diesem "Bäbbäbbäh, weil der Westen in Jugoslavien Fehler gemacht hat, sind Putins Fehler jetzt richtig", werden wir wohl alle nicht weit kommen. Putin ist an der Destabilisierung der Ukraine nun nicht mehr als unbeteiligt zu bezeichen. Wie denn..? Re-Aktionen sind auch Aktionen. Immer schon gewesen. Wenn jetzt nicht bald konstruktive Gespräche anlaufen, dann sehe ich jedenfalls schwarz.

(Übrigens habe ich mich gerade auf'm kurzen Dienstweg für unabhängig erklärt und mich auch schon als eigenständigen Staat anerkannt. War nämlich nicht mehr auszuhalten mit euch :o)

Georg von Grote 17.03.2014 | 23:56

Es läuft doch schon längst.

Putin will die Spaltung der Ukraine und zündelt im Moment im Osten, wie er es auf der Krim gemacht hat und hofft darauf, dass der Westen der Ukraine dann nicht NATO-Mitglied werden kann. Nur fürchte ich, da macht er die Rechnung ohne den Wirt. Diese internen NATO-Regeln sind schneller geändert, als er stoj sagen kann.

Ich fürchte nur, diese Teilung wird nicht unblutig ablaufen.

Abgesehen von den langfristigen Folgen für Russland. Wirtschaftssanktionen hält das Land nicht lange durch und wenn die EU wahr macht, was sie ankündigt, nämlich sich weitestgendst von russischen Energielieferungen zu lösen, dann hat Russland auch den letzten Trumpf verspielt.

karamasoff 18.03.2014 | 05:30

Der Verteidigungsminister der Ukraine ist ein Mitglied der rechtsradikalen SWOBODA und die Ukraine verstärkt die Truppen mit Geld, Material und Soldaten.

Woher glaubt der aussenpolitisch überbegabte Westdemokrat eigentlich werden diese Soldaten rekrutiert werden?

Die Aussenpolitik von Merkel und Steinmeier ist desaströs. Man zündelt nicht an der rechtsextremen Lunte herum schon gar nicht im Namen von Freiheit und Demokratie und erwartet noch zusätzlich, daß Russland zusieht.

Irgendwie links 18.03.2014 | 13:02

Jetzt ist sicher: die Krim wird einverleibt.

Damit dürfte der Startschuss für einen klaren Widerstand gegen diese russischen "Landnahmen" fallen und Russland in die Schranken verweist, in die es gehört.

Putin hat heute den Kalten Krieg "aufgewärmt".

"Nordkorea" rückt immer näher, die Gefahr sollte nicht unterschätzt werden, auch wenn ich die Ansicht vertrete, dass letztendlich das russische Volk der große Verlierer sein wird, Putin ist es in meinen Augen jetzt schon.

gweberbv 18.03.2014 | 23:32

Natürlich kann es sein, dass Putin auch den Osten der Ukraine nicht dem Einflussberiech der EU überlassen möchte. Und?!

Selbst das ist nur natürlich. Und nachdem der Osten auch russsischstämmig ist, wäre wohl der Großteil der Bevölkerung dafür.

Was ist so schlimm an dem was Putin tut?

...

Wie die Vorgänge in der Ukraine hochgespielt werden ist völlig hysterisch und leichtfertig.

In den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen leben fast 1,5 Mio "Russen" - bis zu 30% der Bevölkerung der jeweiligen Länder. Ich bin mir sicher, dass man dort ob der "Heimholung" der Krim und darüber hinausgehende russische Gebietsansprüche eher unentspannt ist.

Russland wird von der nationalistischen Elite dieser Länder mit iefem Misstrauen gesehen, gar gehasst. Dass Russland nun expandiert, wird dort zu einem heftigen Anfall von Paranoia führen. Wenn da auf Dauer ein Kalter Krieg im Miniformat entsteht, ist es nicht unwahrscheinlich, dass durch Missverständnisse/Provokationen irgendwann auch Schüsse fallen.

Diese Länder gehören seit 10 Jahren der NATO an und sind Teil der EU.

gweberbv 18.03.2014 | 23:44

Der Despot Putin verbreitet gerade vor der Duma ungeheuerliche zynische Unwahrheiten, um seine völkerrechtswidrigen Machenschaften und seine gefakten Vorgänge auf der Krim und in der Ukraine zu rechtfertigen und zu kaschieren.

Die Rede - soweit hier in den Medien wiedergegeben - ist doch nachvollziehbar. Dass die Krim "gehört" unter vielen Aspekten sicherlich zu Russland - und ist nur durch eine Verkettung unglücklicher Umstände nach dem Zerfall der UDSSR in einem anderen Staat gelandet.

Katastrophal ist aber die Art und Weise des nun erfolgten Anschlusses. In Staaten mit nennenswerter russischer Minderheit werden die Nationalisten nun die "deutsche Lösung" (Vertreibung, Assimilation, kulturelle Unterdrückung -> kein deutscher Staat wird jemals mehr Königsberg zurückfordern, da gibt es ja rein gar nichts "deutsches" mehr) als einzig sicheren Weg zur Bereinigung der "russischen Frage" in ihren Ländern ansehen. Dort wird man nicht - wie im Rest der Welt - nach ein paar Monaten/Jahren wieder zur Tagesordnung übergehen.