Augstein und Blome
26.02.2016 | 15:10 47

Im Tal der Herzlosen?

Ärger im Osten Jede Woche prallen Welten und Weltanschauungen aufeinander, wenn Jakob Augstein und Nikolaus Blome aktuelle Geschehnisse reflektieren

Jakob Augstein und Nikolas Blome liefern sich seit Januar 2011 immer Freitags in der Phoenix-Sendung Der Tag einen Schlagabtausch über das Thema der Woche. Wiederholt wird die Diskussion sonntags vor dem Presseclub

Kommentare (47)

denkzone8 26.02.2016 | 16:04

JA: generalisieren, pauschalisieren? geht doch!

Blome: richtig kriminalisieren gelingt nur mit der rechten härte des gesetzes.

-könnte es sein, daß leute, die eine diktatur losgeworden sind, nicht sooo groko-hörig sind?

-semper-oper-publikum sind die guten sachsen. das beruhigt die primär an moral interessierten.

-schade, daß man den pöbel nicht aus-weisen kann. uns fehlt ein sibirien,australien etc. damit demokratisch-regieren ohne makel gelingen kann.

Merkurlino 26.02.2016 | 20:45

Wie unbewusst lebt der denn?
Blome weiß nicht, was in Leuten vorgeht, die Asylantenheime anzünden? Er glaubt tatsächlich, dass mit harten Strafen derartiges zu verhindern wäre?
Der gute Mann sollte einen Innenspiegel benutzen und sich selbst anschauen. Er könnte dazu auch zu einem Psychoanalytiker gehen, um bei sich selbst sein eigenes Gewaltpotential zu entdecken.
Was diese Sachsen in Werken sündigen, sündigt Blome in Gedanken und Worten. Man müsste mal untersuchen, ob nicht in Sachsen überproportional gern die Bildzeitung gekauft wird. Denn wer, wenn nicht die Bildredakteure, sind die großen Brandstifter? Da kann der langweilige Freitag mit seiner Milch der frommen, linken Denkart einfach nicht mithalten. Und das ist gut so.

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Ehemaliger Nutzer 26.02.2016 | 23:43

Für politische Wagner-Operetten sollten sich unsere Edel-Snobs allerdings dann doch noch etwas feiner präsentieren - odr?

Was indes kaum auffällt: Fremdenhatz im ganzen Lande als leitgebender Kulturmechanismus.

Und Fremd ist stets was man nicht selbst ist wie man selbst.

odr?

Gold Star For Robot Boy 27.02.2016 | 17:21

"Wolfram Fischer, der als Dolmetscher im Bus die Situation hautnah miterlebte, kann die Darstellung der Ereignisse durch die Polizei nicht in allen Punkten nachvollziehen. “Ich hatte nicht Eindruck, dass die Polizei aktiv gegen die Menge vorgegangen ist”, berichtete der 68-Jährige bei stern TV. Die Aussagen der Polizei, laut der die Provokationen von den Flüchtlingen ausgegangen seien, sei zudem eine Fehldarstellung. “Die Provokation kam aus der Menschenmenge.” Der 68-Jährige berichtete von einer Atmosphäre voller Angst, Entsetzen und Furcht im Bus, teilweise sogar von Todesangst. “Die Kinder fingen an, zu weinen, dann fingen die Frauen an, zu weinen und draußen wurde es immer lauter.”

Auf der Pressekonferenz der Polizei Sachsen hieß es:

"Es wurde zu dem Zeitpunkt auch eine Räumung des Busses vorbereitet aber die Erstmaßnahmen waren insofern dort auch auf diese drei handelnden Personen ausgerichtet, weil die aus dem Bus heraus, äh, eben entsprechend gestikulierten. (…) Wir müssen unmittelbaren Zwang bei Kindern und Jugendlichen anwenden, wenn es die Situation erfordert. (…) Die Businsassen waren dann auch nach intensiven Verhandlungen mit einem vor Ort anwesenden Dolmetscher, der in dieser Unterkunft bereits auf sie gewartet hatte, zunächst nicht dazu zu bewegen, den Bus zu verlassen. (…) Die Lage verschärft sich, als aus dem Bus heraus die Protestierenden gefilmt werden und von einem Jungen und einer Frau in der Folge provozierend gestikuliert wird, u.a. auch mit dem Zeigen des Stinkefingers. Um die Situation zu beruhigen, wird der Junge aus dem Bus in die sichere Unterkunft gebracht. (...) Der Junge, der da so arg provoziert hat, augenscheinlich ein Kind, wir schätzen so um die zehn, zehn Jahre alt."

Best Ideas Future 27.02.2016 | 18:00

Blome: "Ich würde mir wünschen, dass der Staat tut, was er kann." Ja, das wünschen wir uns alle, die vielen unterschiedlichen Probleme betreffend, die gelöst werden müssen.

Wie lange dauert es noch, bis wir kapiert haben, DASS der Staat nicht "kann". Der Staat, das sind Politiker, die sich vorrangig darum kümmern, als Person und als Partei wiedergewählt zu werden. Erst nachrangig geht es um das Finden optimaler Lösungen.

Unsere demokratischen Systeme in ihren unterschiedlichen Ausprägungen, sind leider nie optimiert worden, und so haben wir es immer noch mit Kinderkrankheiten zu tun.

Hitler, Berlusconi, Erdogan, Bush Junior und vielleicht bald Donald Trump sind Beispiele dafür, welche für politische Führer gewählt werden, die daraufhin ihr Land und machmal auch die Welt ins Unglück stürzen.

Wir sind in einer Sackgasse. Doch statt dies zu erkennen und daraus die Konsequenzen zu ziehen, graben wir uns immer tiefer hinein.

Nein - es bringt nichts, zu hoffen, dass dem Staat etwas Kluges einfällt zum angesprochenen Problem mit Sachsen.

Die Lösung besteht darin, dass die Zivilgesellschaft Lösungen erarbeitet. Für dieses Thema und für alle anderen, mit denen sich der Staat überfordert zeigt.

Amen.

janto ban 27.02.2016 | 19:18

Wie kann man so sehr um den heißen Brei herum reden..? W i r haben die Sachsen nicht richtig integriert, Herr Augstein..??! W i r haben dies nicht, w i r haben das nicht..?! Nee, nicht w ir . Der Russe (formerly known as Sowjetunion) hat im Tal der Ahnungslosen bei der "Entnazifizierung" ganze Arbeit geleistet. DAS ist der Punkt.

Lesen Sie das mal. Lesen Sie mal ein bisschen in Ihrer eigenen Community, dieser Querfront-Brutstätte. Es besteht ja sogar der Verdacht (sic!), dass Russland Pegida finanziell unterstützen könnte. Und warum sollte das unwahrscheinlich sein, wenn im Fall des vorgeblich stundenlang gruppenvergewaltigten, russlanddeutschen Mädchens sogar der russische Außenminister höchstpersönlich mithetzt..?

Die haben doch alle russisch in der Schule gelernt, da drüben, im Kessel Unbuntes. Und sitzen, wenn sie nicht gerade vor der Semper-Oper gegen jene hetzen, die ihr lieber Herr Putin in Kooperation mit Herrn Assad durch die Weltgeschichte bombt, vor RussiaToday's "Nachrichten", in denen gefühlt jedes zweite Wort Lügenpresse ist, Propagandamedien, Araber-Horden oder Natoangriff. Hallo! Wach werden, Herr Augstein! Schlafen Sie immer noch oder verkauft sich Ihr Blättchen seit der dF-Berichterstattung zur sog. Ukraine-Krise, die - wie zufällig - in Tateinheit mit Pegida daherkam, wirklich nur noch im tiefsten Sowjetnostalgie-Osten und an uneinschränkbare Alt-Ideologen..? Also, so langsam drehe ich wirklich durch, wie man merkt. Hören und lesen Sie nicht, wie man in Putins Russland und den angeschlossenen Auslandsstellen über die Menschen formerly known as Assads Staatsvolk spricht..? Hallo..!?!

P.S.: Ja, es gibt und gäbe auch ohne Putins expansive klerikal-nationalistische Lesart von Sozialismus Nazis in D. Und nicht zu knapp. Aber was momentan läuft, wird massiv von außen getriggert, wie ich es vorhergesagt habe. Das ist Krieg, Herr Augstein. Aber integrieren Sie mal die Sachsen, die es nötig haben. Good luck und guten Abend.

(Ein Gebrüll hier.)

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Ehemaliger Nutzer 27.02.2016 | 22:10

Marielusie Beck wird begeistert sein, Ihre russophoben Auslassungen zu lesen. Sie ist eine der Hauptverbreiterinnen der verwegenen These, dass Putin der Organisator von rechten Bewegungen und Parteien in Europa ist. Vielleicht werden Sie sogar berühmt, wenn sie beim nächsten Interview mit dem Deutschlandfunk oder irgendeinem anderen Organ der Transatlantikmedien aus Ihrem Kommentar in der dFC zitiert.

Aber leider ist folgendes bei der Hetze von MLB verbunden mit der Forderung, die Geheimdienste gegen die kritischen Medien und auch gegen die kritische Bürgerinitiative für Medienkontrolle initiiert von Maren Müller, herausgekommen:

"Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat gegenüber Telepolis versichert, dass kritische Fernsehzuschauer nicht in seine Zuständigkeit fallen."

Zur Vertiefung in dieses Thema:

http://www.heise.de/tp/news/Fernsehkritiker-sind-keine-Landesverraeter-3116425.html

als Reaktion auf:

http://www.heise.de/tp/news/Beck-mag-kein-Feed-Back-3114848.html

Mit diesen Methoden wird das nix mit dem Integrieren der mutigen Sächsin Maren Müller.

Aber vielleicht hilft folgendes:

"Was sich die Grüne dabei gedacht hat, kritische TV-Zuschauer mit dem Geheimdienst einschüchtern zu wollen, ist schwer nachzuvollziehen. Während sich der Verfassungsschutz auskunftsfreudig zeigte, lehnt die grüne Parteispitze einen Kommentar zu Marieluise Becks klandestinen Wünschen ab. Ob die Grünen gegen TV-Kritiker auch den Einsatz von CIA-Folter, Guantánamo und Hellfireraketen fordern, bleibt daher unklar."

Begründen ließe sich das doch gut, denn diese von Putin gekauften Sachsen sind ja schon lange darauf vorbereitet worden, Sie Herr Janto Ban in Angst und Schrecken zu versetzen. Sie schreiben es sehr überzeugend:

"Die haben doch alle russisch in der Schule gelernt, da drüben, im Kessel Unbuntes."

Merken Sie nicht, dass Sie sich lächerlich machen.

Auf der einen Seite loben Sie die unerträgliche Hetze von Charlie Hebdo als notwendigen "Denkanstoß", das Foto mit dem im Mittelmeer ertrunkenen kleinen unschuldigen Jungen als einen "verhinderten Arschgrabscher" zu präsentieren!

Was sind Sie nur für ein Mensch, sowas ekelhaftes in einem hier extra dafür geschriebenen Artikel als "Denkanstoß" zu würdigen.

Und dann hier zu behaupten, es ist ein Putin dran schuld, wenn Sie, Herr Janto Ban, so wie der eine oder andere weiter Einwohner Deutschlands, darunter auch in Sachsen, auf solche rassistischen "Karikaturen" abfahren!

Jetzt denken Sie nochmal ganz tief darüber nach, wem Sie ihre diesbezügliche innere Einstellung zu verdanken haben. Wirklich den Russen? Den Sachsen? Den eingewanderten Menschen, u.a. vielen Juden aus Russland? So wie Sie mit Ihrem Link auf den Propagandaartikel der unsägliche Huffington Post suggerieren wollen?

Oder liegt es einfach nur an Ihnen selbst?

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Ehemaliger Nutzer 27.02.2016 | 23:34

Tja dann dürfen Sie damit leben, dass man Ihnen in anderen Threads außerhalb Ihren eigenen Kreationen "mal kurz sagt, wie's ist".

Klappen Sie ansonsten, wenn Sie die Argumentation scheuen, immer schön ein. Es gibt ja den Aufklappmechanismus, die Neugier wird geweckt und führt erst recht zum Lesen. Und der Leser denkt sich dann seinen Teil, warum der liebe Janto so scheu ist. Also was soll's.

"... bei Euch trolligen Sowjet-Freaks ...". Sie hinken der aktuellen Weltgeschichte um mehr als 25 Jahre hinterher.

Moorleiche 28.02.2016 | 10:23

Hallo Janto Ban und andere.

Also erst mal: Ich bin kein expliziter Russlandfreund und im Grunde so gut wie immer Deiner Meinung. Was ich noch nicht so ganz nachvollziehen kann: Wieso meinst Du, dass Augstein ein notorischer Putin-Freund ist? Sehe ich so nicht. Was ich sehe, ist einen Augstein, der reichlich sprunghaft ist und alle zwei Wochen seine Meinung wechselt – hier ja auch und es tut ihm leid, wie er sagt – und sich dabei irgendwie ständig selbst versichern muss, dass seine Position links ist.

Ich nehme Augstein seine zwischenzeitliche Verwirrtheit nicht krumm, wer wäre das nicht … also zwischenzeitlich verwirrt … er muss halt alle paar Tage was raushauen, wir dürfen. Er kann ja auch anders, er springt halt von sehr reflektiert zu sehr hysterisch (alles Nazis) und geht dabei nicht über Los und hat immerhin einen klaren Standpunkt, so grundsätzlich. Dass er den mal Hü und mal Hott überstülpt, aber das alles links ist, im Zweifel zumindest, gut, das erwähnte ich schon. In seinen guten Momenten ist Augstein oft inspirierend, komischerweise gefällt er mir, wenn er spontan ist und improvisiert inzwischen – gut vorher kannte ich auch nicht so richtig viel von ihm – besser, als wenn er Zeit zum Nachdenken hat.

Dass man allerdings in die Semper-Oper gehen muss, um dort und dann das Erweckungserlebnis zu haben, dass nicht alle Dredner Nazis sind, also … äh … ist irgendwie niedlich und peinlich zugleich, finde ich.

Das Thema ist natürlich super schwer, aber es wabert die unausgesprochene These im Raum, dass man 40 Jahre Diktatur möglicherweise nicht so ohne weiteres abstreift. Müsste dann allerdings die ganze Ex-DDR betreffen, oder man versteift sich auf die These, je östlicher, desto doller, die aber erklärt und belegt werden müsste.

Ich habe inzwischen so die Idee, dass in allen Argumenten ein kleines Körnchen Wahrheit liegt und es gar nicht die eine Erklärung gibt. Da die Dresden, die schwer zerbombte Stadt. Dat war nich der Russe. Andererseits, sollen Stalins Soldaten ja im Osten recht grauenhaft gewütet haben, hm. Ist es die Ödnis der ostdeutschen Provinz? Ich weiß nicht. Wie sieht es im Ballungsraum des Westens aus, dem Ruhrgebiet? Offenbar nicht so dolle: http://www.ruhrnachrichten.de/Das+Nazi-Problem+in+Dortmund./ Und in einer typisch norddeutschen Kleinstadt?: ttp://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2015/07/28/heul-doch-nazi_19786 Und im braven Pfälzer Land, wo der Wein wächst und die Sonne scheint?: http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/jahresr%C3%BCckblick-2015-rheinland-pfalz-das-problem-hei%C3%9Ft-rassismus-10801 Oder ist es doch die Armut, die die Menschen in die Hände von Rattenfängern treibt? Nun, in wohlhabend, anßtändig und glücklich Hamburg, da gibt es vielleicht derzeit keine starke AfD aber war da nicht mal was?

Ronald Schill hat alle Stadien öffentlicher Aufmerksamkeit und Erregung durchlebt. Er war in den 1990er Jahren bekannt als „Richter Gnadenlos“ und pflegte sein Image am Hamburger Amtsgericht mit drakonischen Strafen – auch für Bagatelldelikte. 2000 gründete er die rechtspopulistische „Partei Rechtsstaatlicher Offensive" und gewann 2001 in Hamburg fast 20 Prozent.“

(Quelle: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/ronald-schill-ich-habe-nur-zwei-mal-gekokst-in-meinem-leben-14090150.html )

20%! Das hat die AfD nach aktuellen Umfragen gerade in Sachsen: ( http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/alternative-fuer-deutschland-afd-in-sachsen-so-stark-wie-die-spd/12327400.html ) Man hat sich zwar verwundert die Augen gerieben, über Hamburg, damals, vor 7.000 Jahren, aber dass man die Hanseaten zu intergrieren versuchte, habe ich nicht gehört. Wäre ich Ossi, würde mir das Gerede darüber, dass man mich integrieren müsse, ziemlich auf den Sack gehen, weil es für mich so von oben herab klänge. Nu bin ich aber keiner.

Da ist Dresden, da ist Entvölkerung, da sind überproportional viele Wendeverlierer, da ist vielleicht wirklich der Umzug westdeutscher Nazis und und und, ich finde Vorländers Analyse immer noch aussagekräftig, insbesondere jene Passage: http://www.faz.net/aktuell/politik/die-gegenwart/protestbewegungen-was-ist-pegida-und-warum-13863310-p5.html Die wollen nicht am Gängelband von Wessis sein, vielleicht wollen sie einfach überhaupt nicht am Gängelband sein. Vielleicht wird es einfach als kränkend erlebt, wenn ständig über den Akzent gelästert wird. Naja, schauen wir mal, welcher Ball gefangen wird.

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Ehemaliger Nutzer 28.02.2016 | 12:02

Allein der Versuch, ein Problem im Kontext des Diskurses zu relativieren, entwertet automatisch leider alle anderen (auch die zutreffenden) Argumente.

Sobald einer anfängt, zu relativieren, höre ich nicht mehr zu.

Bloome hat es doch gesagt: Sachsen geht es wirtschaftlich am besten von den "neuen" Ländern. Sachsen hat fast keine "Fremden" im Lande, kennt sie also gar nicht, und hetzt gleichzeitig in beschämendster Weise gegen sie.

Bei mir ziehen Verständnis heischende Argumente zu traumatisierten Sachsen/Ossis in diesem Kontext gar nicht.

janto ban 28.02.2016 | 12:17

Hey!

|| Wieso meinst Du, dass Augstein ein notorischer Putin-Freund ist? Sehe ich so nicht. ||

Ich auch nicht. Aber er argumentiert auf Linie derer, die ich boshafterweise "Sowjet-Freaks" nenne, ohne sich für meine Begriffe vernünftig abzugrenzen. Wenn mal ein abgrenzendes Wort fällt, dann allenfalls ein genuschelter Halbsatz. Und im dF, der kleinen Wochenzeitschrift mit Kultur-Teil, finde ich nahezu überhaupt keine kritische Betrachtung der innen-, vor allem aber der medien- und kulturpolitischen Dramen, die sich in Russland seit einiger Zeit abspielen. Er selbst steht weißgott nicht für das, was ich in einem Anfall von Verbalextremismus als "Hitler-Stalin-Pakt im Geiste" bezeichnete. Aber, ach, dazu habe ich schon viel zu viel geschrieben. Muss er selbst wissen. Ich hätte mir bei dem Spagat, in den der geht, schon längst beide Beine gebrochen. Und ich habe ein sehr robustes Skelett, muss man wissen.

|| ... und hat immerhin einen klaren Standpunkt, so grundsätzlich. ||

Eher so ganz ganz grundsätzlich, würde ich sagen. Zumindest vermutet man das. Aus seinen Veröffentlichungen lese ich den aber nicht heraus. Aus einzelnen Texten, meistens, klar. Aber in Kombination frage ich mich, wohin die Reise eigentlich ginge, wenn er ein Zug wäre und man bei ihm einstieg. Für mich: ins Ungewisse. Vielleicht sollte ich wirklich mal endlich sein Buch lesen..

|| Das Thema ist natürlich super schwer, aber es wabert die unausgesprochene These im Raum, dass man 40 Jahre Diktatur möglicherweise nicht so ohne weiteres abstreift. ||

Joh. Aber das verlangt ja auch niemand. Gerade ich nicht, der ich die Sozialisierung der ersten 10 bis 15 Jebensjahre für entscheidender halte, als ich sie in der sog. Flüchtlingskrise halten darf, ohne mich dem Vorwurf des Rassismus und/oder Kulturchauvinismus auszusetzen. An schlechten Tagen glaube ich sogar, dass Menschen sich generell nicht ändern. Im Kern, meine ich. Soll schon beobachtet worden sein, kommt aber wohl nur sehr selten vor. Was mich rettet, ist mein Glaube daran, dass Menschen ihr Verhalten ändern können. Das ist zwar auch nicht leicht, aber es geht.

|| Müsste dann allerdings die ganze Ex-DDR betreffen, oder man versteift sich auf die These, je östlicher, desto doller, die aber erklärt und belegt werden müsste. ||

Wenn ich vom "Tal der Ahnungslosen" im "Kessel Unbuntes" spreche, meine ich natürlich den Bereich, in den kein West-Fernsehen vordrang. Ob und wie haltbar diese These ist, weiß ich nicht. Aber es ist erst mal eine. Für mich, dieser Tage, vor allem in Kombination eben mit russischen Sprachkenntnissen (und einer ideologischen Rest-Nähe, bzw. einer kürzlich frisch wiederaufgewärmten Nähe zum "großen Bruder" im Osten generell) und dem, was ich meine, wenn ich vom (beobachtbaren!) Triggern des Rechtsextremismus in D und Europa durch Putins Russland spreche. Triggern bedeutet (dabei) nicht, etwas neu zu erschaffen, sondern etwas zu verstärken/aktivieren, das schon da war. Und Pegida in Dresden und Höcke in Erfurt kommen natürlich nicht von Ungefähr, sondern haben etwas mit der Melange aus Demokratie-feindlicher Ureinstellung, einer an sich nicht ganz ungesunden Elite-Skepsis, Ent-täuschung über ein anfänglich imaginiertes Alles wird super, alles wird wunderbar (Stichwort: blühende Landschaften) und einer putinesquen Lesart des Begriffs Antifaschismus zu tun. Je östlicher, desto doller ist zwar zu beobachten, aber die Geographie ist da nicht ursächlich am Werk, sondern die (Lebens-)Geschichte(n). Die Sozialisierung eben, von der ich schon sprach. Meiner unbedeutenden Meinung nach. Und im Zuge der sog. Ukraine-Krise, die den neuen Ost-West-Konflikt eingeläutet hat, der sich durch die sog. Flüchtlingskrise nun potentiert, ist etwas aufgebrochen, auch im Westen, das mir spätestens seit Goedzaks legendärem Querfront-Blog schon bedrohlich vorkam. Und nu isses da. Ganzlinke, Altlinke, Ganzrechte, Neonazis und allgemeine Verschwörungstheoretiker Hand in Hand gegen "das System". Alles egal, Hauptsache es fällt. Da ist dann sogar eine Merkel nicht mehr wert- und nationalkonservativ genug. Sie sei geisteskrank, lese ich jetzt überall. Ausgerechnet jetzt, wo sie zum ersten Mal tatsächlich keine andere Alternative hat, als step by step auf Sicht zu fahren.

|| Da die Dresden, die schwer zerbombte Stadt. Dat war nich der Russe. ||

Eben. Das war der alte und neue Lieblings-Klassenfeind der politisch Extremen aller Ränder. Und der Russe ist damals gekommen und hat wieder Leben in die verstaubte Bude gebracht. Und es war dem Vernehmen nach ja wirklich nicht alles schlecht. Nur fehlt vor lauter Antifaschismus-Größenwahn-Bauten a la Buchenwald offenbar mehr und mehr die Erinnerung daran, warum damals alles zu Schutt und Asche zerfiel. Daran, dass das unsere Schuld war. Nicht die Westdeutschlands, sondern Alt-Gesamtdeutschlands. Ich schätze, was das angeht, müssen wir noch mal ein bisschen Auffrischung betreiben..

Für's Protokoll: Ich bin auch uneingeschränkter USA-Fan, wie es mir hier oft vorgeworfen wird. Ich weiß genau, welche Übel die uns eingeheimst haben - und weiter einheimsen wollen, wenn wir sie - als EU - nicht gebremst kriegen. Zur Erinnerung: EU, das war dieses Ding, das eine bessere USA sein wollte, nu aber ansehnlicher zerfällt, als es die Sowjetunion in der B-Note je gekonnt hätte. Das aber auch wirklich nur so am Rande, woll.

Im Westen sieht es - Stand heute - besser aus, aber nur etwas. Ich lese, die AfD erfreue sich u.a. an Zulauf sog. Russlanddeutscher. Das seinen urgemütliche, trinkfeste, oft etwas impulsive Zeitgenossen, die irgendwie konservativ tickten. Nicht alle, aber viele. Das sind nun nicht alles Nazis, aber Seit an Seit mit denen zu demonstrieren macht ihnen nichts aus, wie wir gesehen haben. Da haben sie keine besondere Scheu. Im Allgemeinen ist der Abgrenzungs-Reflex in der ominösen Mitte der Gesellschaft gegen Rechtsaußen aber viel stärker ausgeprägt, als im Osten. Das meine ich beobachten zu können. (Irgendwie) Linke unterscheiden sich, was diese Abgrenzung angeht, in Ost und West nicht. Aber von der SPD an Richtung politisch Rechts geht im Osten schon das flächendeckende Murren und Zaudern los.

Ich murre und zaudere auch, das will ich dazu schreiben. Aber ich weiß zumindest, welche Wahlen wir nicht haben. Reden kann man über alles. Aber allerspätestens bei irgendwie unmenschlichem Arschloch-Verhalten hört's auf. Es gibt Dinge im Leben, die muss man einfach mal hinnehmen. Merkel stürzen zu wollen, weil sie nicht ad hoc schafft, was alle anderen auch nicht schaffen, halte ich für höchst affig. Und hysterisch und dumm und so weiter.

|| Man hat sich zwar verwundert die Augen gerieben, über Hamburg, damals, vor 7.000 Jahren, aber dass man die Hanseaten zu intergrieren versuchte, habe ich nicht gehört. ||

Nein, von Integration war da nicht die Rede. Aber der Schock saß genau so tief. Im Schock-Zustand redet man halt manchmal komische Sachen. Ich auch. Aber dass die sog. Flüchtlingskrise den Rechtsextremismus derzeit schwer triggert (schon wieder dieses Wort), ist einfach nicht mehr zu übersehen. Ein Punkt, den langsam auch Linke zur Kenntnis nehmen müssen, die gefühlt am liebsten 10 Million Flüchtlinge pro Jahr aufnehmen wollen. Was eine Polemik ist, die ich gleich wieder zurück nehme.

Und wir reden ja wirklich über Rechtsextremismus und nicht etwa 'nur' über Fremdenfeindlichkeit, weil das, was man bekommt, wenn man sich mit dem rechten Rand einlässt, grundsätzlich als Gesamtpaket ausgeliefert wird. Und es schließen sich gerade Reihen, die man eigentlich eher getrennt voneinander verorten würde. Vielleicht parallel, an der einen Stelle mehr, an der anderen weniger, aber eben getrennt. Da wächst was zusammen. Und das muss man sehen und ansprechen - und da muss man Angst vor haben, wenn es einem wirklich um's Große Ganze geht. Daran zu arbeiten den "Trigger" (hier: die sog. Flüchtlingskrise) zumindest zu entschärfen, ist dabei m.E. kein Einknicken vor Rechtsextremisten, sondern die nüchterne Anerkenntnis der unschönen Tatsache, dass die Dinge sind, wie sie nun mal eben sind.

|| Die wollen nicht am Gängelband von Wessis sein, vielleicht wollen sie einfach überhaupt nicht am Gängelband sein. ||

Ja nu, wer will das schon..? Das Witzeln über den Dialekt müssen sie einfach aushalten. Was meinen Sie, was hier im Siegerland los ist..? Wir können Hochdeutsch auch nur annähernd sprechen, wenn wir uns stark konzentrieren. Aber dazu haben wir meistens keine Lust. Und das ist auch gut so.

|| Naja, schauen wir mal, welcher Ball gefangen wird. ||

Von mir..? Alle. Im Schnappen war ich schon immer gut. Nur im Werfen bin ich eine Null ;o)

Liebe Grüße!

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Ehemaliger Nutzer 28.02.2016 | 13:02

Und Pegida in Dresden und Höcke in Erfurt kommen natürlich nicht von Ungefähr, sondern haben etwas mit der Melange aus Demokratie-feindlicher Ureinstellung, einer an sich nicht ganz ungesunden Elite-Skepsis, Ent-täuschung über ein anfänglich imaginiertes Alles wird super, alles wird wunderbar (Stichwort: blühende Landschaften) und einer putinesquen Lesart des Begriffs Antifaschismus zu tun. Je östlicher, desto doller ist zwar zu beobachten, aber die Geographie ist da nicht ursächlich am Werk, sondern die (Lebens-)Geschichte(n). Die Sozialisierung eben, von der ich schon sprach.

In dem Kontext nicht ganz uninteressant: Höcke ist ein Wessi, sogar ein (welch Schande) ein Rheinländer aus Neuwied.

Moorleiche 28.02.2016 | 13:24

Hallo Janto Ban.

Für mich: ins Ungewisse. Vielleicht sollte ich wirklich mal endlich sein Buch lesen..“

Wenn's super ist, sag mal bescheid, ich bin bekennend wenig politisch.

An schlechten Tagen glaube ich sogar, dass Menschen sich generell nicht ändern. Im Kern, meine ich.“

Bei früher Prägung ist das auch durchaus diskutabel. Wenn man sich immer nur anpassen soll und der Wind mal aus dem Osten, dann aus dem Westen kommt und dann immer schneller dreht, hat man davon vielleicht irgendwann wirklich mal die Nase voll. Ich halte es für einen fundamentalen Irrtum alles nur auf Einkommen, Arbeitsplätze und neuerdings vorhandenes Obst runterzubrechen, irgendwie scheint auch keinem von den Ganzlinken aufzugehen, dass das ein erschreckend neoliberales Argument ist.

An guten Tagen muss man konstatieren, dass der Mensch sich durchaus ändern kann, aber leicht ist das nicht und da das Umfeld da eben auch eine Rolle spielt.

Was mich rettet, ist mein Glaube daran, dass Menschen ihr Verhalten ändern können. Das ist zwar auch nicht leicht, aber es geht.“

Okay, ich war zu schnell. Füge hinzu, Einstellung ändern geht tatsächlich auch.

Wenn ich vom "Tal der Ahnungslosen" im "Kessel Unbuntes" spreche, meine ich natürlich den Bereich, in den kein West-Fernsehen vordrang. Ob und wie haltbar diese These ist, weiß ich nicht. Aber es ist erst mal eine.“

Stimmt. Ob sie richtig ist, weiß ich aber auch nicht, wo verlief denn die Grenze der Empfängnis?

„Für mich, dieser Tage, vor allem in Kombination eben mit russischen Sprachkenntnissen (und einer ideologischen Rest-Nähe, bzw. einer kürzlich frisch wiederaufgewärmten Nähe zum "großen Bruder" im Osten generell) und dem, was ich meine, wenn ich vom (beobachtbaren!) Triggern des Rechtsextremismus in D und Europa durch Putins Russland spreche.“

Klar. Russische Medienpropaganda aller Orten, durchaus gut gemacht. Inwieweit wir von den Amis weichgespült sind weiß ich nicht, das sollte man auch nicht unterschätzen, aber bevor ich nun zum ideologischen Ping Pong ansetze, würde ich mich lieber um eine eigene Meinung bemühen. Dummerweise ist es aber ganz aktuell trendy, extreme ideologische Verblendung als wahrhaft unabhängige Freiheit zu verkaufen. Auf die Frage, warum das verfängt muss man ergänzende psychologische Antworten suchen und nicht nur „Scheiß Neoliberalismus“ brüllen. Ich gebe die auch ständig, aber mir glaubt ja keiner. ;-) Der weit um sich greifende Narzissmus ist das Problem und die damit einhergehende Weigerung – so wie ich Dich lese, sind wir hier beisammen – a) verbindliche Werte überhaupt zu formulieren und natürlich noch mehr sich b) auf sie einzulassen - was c) praktischerweise aber entfällt, wenn man bereits a) verweigert. :-)

einer an sich nicht ganz ungesunden Elite-Skepsis“

Ich bin glaube ich bekennender Elitarist, nur muss man m.E. zwischen einer Elite trennen, die per Zufall oder Geburt, das Zepter der Macht in den Händen hält – kann ganz gut sein, aber auch sehr böse in die Hose gehen – und einer Wissenselite, wo Befähigung zählt. Letztere würde ich unterstützen. Man muss ja nicht mal ein Arschloch sein, wenn man irgendwas gut kann.

Und nu isses da. Ganzlinke, Altlinke, Ganzrechte, Neonazis und allgemeine Verschwörungstheoretiker Hand in Hand gegen "das System".“

Ist echt nicht neu, nur in dieser Breite vielleicht. Politische Erklärkraft hat m.E. auch darum ihre Grenzen, weil sie nicht erklären kann, wie und warum man nahtlos von linkem zu rechtem Extremismus und umgekehrt wechseln kann. Eigentlich dürfte das nicht sein und man rechtfertigt das dann immer damit, dass der Linke oder Rechte zuvor eben kein echter, wahrer Linker oder Rechter war, was natürlich argumentativ völlig für die Urne ist. Aber Politik besteht ja auch nur am Rande aus Argumenten.

Ausgerechnet jetzt, wo sie zum ersten Mal tatsächlich keine andere Alternative hat, als step by step auf Sicht zu fahren.“

Ja, ich bin eigentlich auch strikt Anti-Merkel, außer eben in dieser Frage. M.E. stimmt nicht mal Maazens Argument des Merkelschen Narzissmus (und ich kenn mich da echt gut aus).

Daran, dass das unsere Schuld war. Nicht die Westdeutschlands, sondern Alt-Gesamtdeutschlands. Ich schätze, was das angeht, müssen wir noch mal ein bisschen Auffrischung betreiben..“

Ein Unrecht rechtfertigt zwar das andere nicht, aber mit nem Minimum an Empathieleistung kann man schon verstehen, was da passiert ist und sich die historische Reihenfolge klar zu machen, wäre vielleicht wirklich nicht das Schlechteste. Ich möchte allerdings gar nicht erst wissen, wie verbogen die Lesart bei den Ganzrechten inzwischen ist. Über Nolte konnte man ja noch diskutieren, aber wenn jemand überhaupt kein Unterscheidungsvermögen mehr hat und einerseits ständig von Propaganda faselt, aber sie einfach nicht und nie erkennt … jo, da machse nix. Ich nehme auch durchaus an und ernst, dass viele Ganzrechte überhaupt kein konsistentes Weltbild haben, sie das aber auch nicht mal im Geringsten juckt. Davon ab: Ich bin glaube ich kein Linker (wenngleich ich so ziemlich alle Gleichberechtigungsideen teile), ganz sicher kein Ganzlinker und was ich aus der Ecke schon für einen Stuss gehört habe, Halleluja.

EU, das war dieses Ding, das eine bessere USA sein wollte, nu aber ansehnlicher zerfällt, als es die Sowjetunion in der B-Note je gekonnt hätte.“

Immerhin, ein fieser Tatbestand in schöne Worte gegossen.

Im Allgemeinen ist der Abgrenzungs-Reflex in der ominösen Mitte der Gesellschaft gegen Rechtsaußen aber viel stärker ausgeprägt, als im Osten. Das meine ich beobachten zu können.“

Auch Augstein ist zwischendurch aufgefallen, dass knapp 90% die AfD nicht wählen.

Daran zu arbeiten den "Trigger" (hier: die sog. Flüchtlingskrise) zumindest zu entschärfen, ist dabei m.E. kein Einknicken vor Rechtsextremisten, sondern die nüchterne Anerkenntnis der unschönen Tatsache, dass die Dinge sind, wie sie nun mal eben sind.“

Und dasselbe in grün, wie bei den Islamisten. Ja, hingucken, ernst nehmen, Hysterie drosseln, Ursachen suchen und nach Möglichkeit abstellen. Geht nicht bis zum nächsten Wahltermin im März aber so ne kleine Botschaft, dass man das wenigstens verstanden hat, das wär ja mal was. Wir warten und hoffen.

Was meinen Sie, was hier im Siegerland los ist..?“

Siegerländer Platt, das sich anhört wie bei den Amis. Ich war mal einige Zeit in der Nähe von Wissen (genauer, in der Weltstadt Birken-Honisgessen), ach … Geschichte.

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Ehemaliger Nutzer 28.02.2016 | 16:45

Mich würde es eher erschüttern, wenn das Bild eines ertrunkenen Kindes NICHT zu Gefühlen führt. Nicht zu Gefühlen des Entsetzens, der Scham über die Politik des eigenen Landes, dem Aufrütteln des Gewissens, sich einer solchen unmenschlichen, kriegerischen und Milliarden von Menschen ausbeutenden Politik nicht genug entgegengestemmt zu haben.

Dass in den vom Westen mit seinen "Werten" geschaffenen und unterhaltenen sozialen Medien statt Empörung über zerquetschte Quallen, geschlagende Hunde oder gefressene Giraffen es endlich auch einmal ein menschliches Opfer geschafft hatte, Gefühle von Trauer und Scham zu wecken, welch ein langer und erbärmlich verlogener Weg bis dahin.

Und dann noch von allen möglichen Seiten zu beginnen, dieses Gefühl der Trauer schamlos für politische und ideologische Interessen zu instrumentalisieren, war wohl wenig überraschend.

Das schamloseste Beispiel dafür war das von mir kritisierte ekelhaft rassistische Verhalten von Charlie Hebdo und das Aufgreifen dieser Hass-"Karikatur" von Janto Ban als "Denkanstoß", als Instrument, um seine Angst vor Islamisten, welche Schwule an Kräne aufhängen wollen, herauszuschreien.

Er scheute sich nicht, damit den ertrunkenen Jungen zu solch einem zu erklären. Die einzige Einschränkung war, dass er ihn mit Charlie Hebdo einen "potentiellen" Täter nannte.

Unschuldige Menschen zu potentiellen Islamisten, Faschisten, Stalinisten usw. zu erklären, scheint seine Spezialität zu sein.

Seine Ängste müssen außerordentlich vielfältig sein.

Falls ihm doch jemand an die Eier will, scheint er nicht zu wissen, dass es Millionen von Einwohnern hier in seiner Heimat gibt, ob nun Westdeutsche, Ostdeutsche oder Eingewanderte, die ihm beistehen würden.

Nein, er sieht nur die paar Verbrecher, die so von den Medien aufgeheizt und unermesslich übersteigert in sein Gehirn hineingeblasen werden, dass er die normalen nichtverbrecherischen Millionen vergisst und diese am liebsten ebenfalls alle als Verbrecher verdächtigt. Wenn nicht gerade aktuell, dann aber mindestens als potentiell.

Und wenn es nur ein ertrunkenes absolut unschuldiges Kind ist.

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Ehemaliger Nutzer 28.02.2016 | 17:38

@Moorleiche: "Also erst mal: Ich bin kein expliziter Russlandfreund ..."

@Janto Ban: "Für's Protokoll: Ich bin auch kein uneingeschränkter USA-Fan ..."

Wie kann man ein Fan, Freund, Nichtfan, Nichtfreund oder gar Feind, - egal ob nun explizit, implizit, uneingeschränkt oder eingeschränkt -, eines Landes sein?

Und fällt Ihnen beiden dann auch auf, so wie es mir auffällt, dass Sie folgendes geschrieben haben:

@Moorleiche: "Also erst mal: ..."

@Janto Ban: "Für's Protokoll: ..."

Fühlen Sie es beide, wenn Sie sich das nochmal vor Augen führen, dass Sie sich genötigt sehen, Bekenntnisse vorweg ("Also erst mal: ...") und unbedingt ("Für's Protokoll: ...") abgeben zu müssen?

Glauben Sie, in einem Bekenntnisstaat oder zumindest hier im Forum in einer Bekenntnis-Community zu weilen? Ich denke schon, dass Sie das glauben, sonst hätten Sie diese nutz- und bedeutungslosen, eher schädlichen Distanzierungen (weil rein geografisch bzw. ethnisch vorgenommen) lieber weggelassen, weil solches Rede-Muster ("ich schwöre!") ist mir voll vertraut aus der damaligen DDR.

Und dass das Verunglücken eines Bekenntnisses dem @Janto Ban dann auch noch ausserordentlich peinlich war:

"Hach, wie doof ;o)"

Wenn Sie sich beide dann mal aus Ihren Kommentaren die entsprechenden Sentenzen rausstreichen. Hat dann der jeweilige Kommentar ohne diese Sentenzen irgendetwas an der argumentativen inhaltlichen Aussage eingebüsst?

Nein, absolut nicht. Also stellt sich die Frage, was bezweckte das Dahinschreiben? Aha, man will auf keinen Fall verkannt werden. Ist das nicht schlimm? Ist die Forumsumwelt oder die gesellschaftliche Umwelt soooo gefährlich?

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Ehemaliger Nutzer 28.02.2016 | 17:59

Sie sind irgendwie begriffsstutzig. Sie werfen der Kommentatorin Relativierung vor und Gunnar Jeschke sagt Ihnen, dass Sie, Herr IBAN Fundamentalismus betreiben.

Und Sie sagen daraufhin, er soll der Kommentatorin nun Fundmentalismus vorwerfen. Wenn sie aber fundamentalistisch ist, wie Sie als Vorwurf an sie verlangen, dann ist ja Ihr eigener Vorwurf an die Kommentatorin, dass sie nicht so fundmental wie Sie selbst sei, völlig gegenstandslos. Entweder ist sie nun fundamental oder nicht fundamental. Sie müssen sich nun mal entscheiden. Das wollen Sie aber nicht, Sie wollen nur stänkern.

Ich weiß nicht, was ich von Ihnen halten soll. Ah ja, vielleicht doch: Abstand.

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Ehemaliger Nutzer 29.02.2016 | 00:20

Meine Frage war ja, warum dann ein Bekenntnis am Anfang des Kommentars nötig erschien?

Sie haben es sicher gemerkt, der Kommentar hatte inhaltlich keinen Bezug zu diesem "Vorspann". Wenn er ganz normal mit dem nächsten Satz begonnen hätte, würde ich nicht fragen müssen.

Das ist durchaus nicht diskriminierend gemeint. Es interessiert mich tatsächlich. Den Grund habe ich geschildert, ich kenne das zum Überdruss aus der DDR-Zeit. Wenn jemand was kritisches anmerken wollte, fingen er so an: "Also erst mal: Ich finde die Politik der Sowietunion richtig! ..."

Und deshalb hoffe ich, dass Sie verstehen können, warum ich da hellhörig werde.

Moorleiche 29.02.2016 | 08:46

Hallo Wolfgang Peters341.

Das ist durchaus nicht diskriminierend gemeint. Es interessiert mich tatsächlich. Den Grund habe ich geschildert, ich kenne das zum Überdruss aus der DDR-Zeit. Wenn jemand was kritisches anmerken wollte, fingen er so an: "Also erst mal: Ich finde die Politik der Sowietunion richtig! ..."

Und deshalb hoffe ich, dass Sie verstehen können, warum ich da hellhörig werde.“

Ich bin anders sozialisiert worden und verspüre keinen übergroßen Druck mich zu rechtfertigen. Ich sehe diese Angaben eher als grobe Positionsbestimmungen, damit der andere (in dem Fall Janto Ban, der mich nicht gut kennt) so in etwa weiß, wie man tickt. Das würde ich auch in unpolitischen Kontexten so machen, etwa: „Ich mag zwar eigentlich nicht gerne Kartoffeln, aber ...“ oder „Ich spiele zwar kein Klavier, aber ...“ Spart vermutlich einfach Zeit.

Wenn mich mein Gesprächspartner schon aus zig Diskussionen kennt, entfällt das und ich würde es als unnötig bis nervig ansehen. Grundsätzliche Bekenntnisse gebe ich eher selten ab, am ehesten dann, wenn ich erkenne, dass meine eigene Position für die Gesprächspartner verwirrend ist, weil sie im einen oder anderen Fall nicht dem Klischee entspricht. Gerade in den Fällen dient die Positionsbestimmung daher eher nicht dazu, zu suggerieren, dass ich doch „einer von euch“ bin.

Das sind zumindest die Motive, die ich an mir erkennen kann, blinde Flecken nicht ausgeschlossen.