Wenn der Urlaub mit einem Schrecken endet

Sicherheit Zwar wird in den Sommermonaten nicht öfter eingebrochen als in anderen Jahreszeiten – dennoch machen es viele Bewohner den Kriminellen in dieser Zeit besonders leicht
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Der Briefkasten quillt über, die Rollläden sind permanent geschlossen, das Auto steht seit Tagen unbewegt vor dem Haus – was einem unaufmerksamen Nachbarn schnell entgehen könnte, sind für Einbrecher untrügliche Botschaften, dass die Ferienzeit in vollem Gange ist. Und während der Bewohner sich am Strand entspannt oder auf Bergen wandert, brauchen die Kriminellen keine zehn Sekunden, um eine Tür oder ein Fenster aufzuhebeln oder sich anderweitig Zugang zu verschaffen. Innerhalb von Minuten sind emotionale und finanzielle Habseligkeiten eingepackt, die die Bewohner möglicherweise schon seit Jahrzehnten besitzen. Von der Urlaubsstimmung ist nach der Rückkehr dann schnell nichts mehr zu spüren.

Obwohl das Thema Einbruchschutz insbesondere in den Sommermonaten immer wieder Hochkonjunktur hat, lassen sich beinahe täglich Polizeimeldungen mit Sätzen wie diesen lesen: „Nach derzeitigem Ermittlungsstand ereignete sich der Einbruch während die Hausbesitzer für einige Tage verreist waren“ oder „Als eine 43-jährige Hagenerin am Sonntag aus dem Urlaub in ihre Wohnung zurückkehrte, erlebte sie eine böse Überraschung. Bislang unbekannte Einbrecher hatten im Verlaufe des Wochenendes die Wohnungstür aufgebrochen und entwendeten einen vierstelligen Geldbetrag“.

Dass Wohnungseinbruchsdiebstahl in den Wochen der Sommerferien jedoch besonders gehäuft passiert, lässt sich statistisch nicht belegen. Von den 97.500 Wohnungseinbrüchen, die sich 2018 in Deutschland ereignet haben, finden die meisten in den späten Herbstmonaten und im Winter statt – wenn die Täter die Dunkelheit für ihre Pläne nutzen können. Ob Sommer oder Winter suchen sich die Kriminellen die leichtesten Objekte für Ihre Taten heraus. Für ein geschultes Auge sind diese leicht zu erkennen – insbesondere während sich die Bewohner im mehrtägigen Sommerurlaub befinden.

Dabei müssen es gar nicht die klassischen und markanten Hinweise wie der volle Briefkasten oder die zugezogenen Vorhänge sein. Beobachtet ein Einbrecher ein Objekt über mehrere Tage, stellt er auch fest, wenn niemand ein- und ausgeht, der Fernseher nicht läuft oder der Rasen nicht gemäht wird. Einer der meist genannten Tipps von Seiten der Polizei und Sicherheitsexperten ist daher auch, zu erreichen, dass die Wohnung oder das Haus bewohnt aussieht. Das kann durch Zeitschaltuhren ebenso versucht werden, wie durch den regelmäßigen Besuch durch Nachbarn oder Verwandte.

Doch es kommt auch auf den persönlichen Einbruchschutz am Gebäude an. Ein gekipptes Fenster ist für einen Einbrecher ein offenes Fenster, da er es so innerhalb von Sekunden in die Wohnung schafft. Insbesondere wenn beispielsweise Mülltonnen oder Gartenmöbel ungesichert draußen stehen, die der Täter als Kletterhilfe nutzen können, sind auch höher gelegene Fenster kein Problem. Geschlossene Fenster oder Türen, die nur zugezogen wurden, stellen ebenfalls kein besonderes Hindernis dar. Werden hingegen Fenstersicherungen, Alarmmelder oder Schließzylinder mit einem besonderen Bohrschutz eingesetzt, wird der Einbrecher zumindest schon einmal gezwungen, mehr Zeit zu investieren – und sucht sich möglicherweise ein anderes, leichteres Ziel.

Der Umsatz im Bereich der Gebäudesicherheit wird sich Schätzungen zufolge in Deutschland zwischen 2017 und 2020 auf rund 630 Millionen Euro erhöhen. Mechanische Sicherungen stehen beim Einbruchschutz meist an erster Stelle und tragen damit auch dazu bei, dass die Zahlen der Wohnungseinbrüche seit dem Höchststand vor vier Jahren weiter rückläufig sind. „Jeder Wohnungseinbruch ist ein Einbruch zu viel, er belastet die Betroffenen zum Teil erheblich. Neben dem materiellen Schaden sind häufig auch dauerhafte psychische Störungen Folgen für die Opfer“, teilt das Landeskriminalamt Sachsen in einer Kampagne zum Thema „Urlaubszeit – Einbruchszeit“ mit. Laut Statistiken fühlt sich rund jedes dritte Opfer auch noch einen Monat nach der Tat verunsichert in der eigenen Wohnung. Auch Angstgefühle, Schlafstörungen oder ein Umzug sind Folgen.

Durch die richtigen Sicherheitsmaßnahmen, für die Mieter und Hausbesitzer teilweise auch Förderungen erhalten können, fühlen sich die Menschen nicht nur im Sommerurlaub sicher, sondern das ganze Jahr über. Für die richtige Zusammenstellung des Einbruchschutzes bietet die Polizei vielerorts persönliche Beratungen. So steht dem beruhigten Gefühl in der Ferienzeit nichts mehr im Weg – und für die eigentliche Einbruch-Hochzeit, den Winter, sind die Bewohner ebenfalls geschützt

10:31 15.07.2019
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