Kommentare von Axel Brüggemann

Axel Brüggemann 11.07.2014 | 00:10

Nur, um das klar zu stellen – ich legitimiere und verharmlose Crystal Meth nicht. Aber ich störe mich an der Erwartung, dass Politiker bessere Menschen sein sollen als andere – Auch Politiker haben in dieser Situation Hilfe statt Häme nötig. Das ist mir wichtig. Wenn wir es ernst meinen mit Prävention, ist das Bashing der falsche Weg – es legitimiert die Selbstzerstörung, weil es die Zerstörung des Anderen in Kauf nimmt. Meine Botschaft ist: das ist ein privates, persönliches Krisen-Problem, das bitteschön auch als solches bahendelt und bearbeitet werden sollte. Wer jetzt mit dem Zeigefinder auf die bösen, armen oder doofen politiker zeigt, versteht den Konsum von Drogen nicht. Es ist Aufgabe einer solidarischen Gesellschaft, Fehler nachzuvollziehen und Hilfe anzubieten, statt einen Menschen, der sich selbst zerstört weiter zu zerstören!

Axel Brüggemann 31.05.2014 | 11:49

Noch einmal: Ich will KEINE SUBVENTIONSKÜRZUNG. Und: Ich habe auch eine Heimat in der Provinz, das Bremer Theater, das vor 15 Jahren Subventionen zum Neudenken, für den städtischen Dialog nutzte, will heute entweder durch Seichtes die Kassen füllen und sich durch Zuschauer legitimieren oder improtiert abgestandene Regietheaterhelden der 2000er Jahre, die nun in der Provinz tingeln. Zu all dem können Subventionen NICHT da sein. Mir geht es darum, unsere Subventionkultur neu aufzustellen: Öffentlich Rechtliche, Theater, Opern bekommen Steuergelder – gut so: aber warum? Wofür? Nur, dass es sie gibt? Das kann nicht sein! VIele Stadttheater sind tatsächlich zum Sterben gespart worden. Aber es juckt niemanden mehr. Der Mechanismus ist: Sparen, schlechte Aufführungen – abschaffen! Wir müssen stattdessen vor Intendanten erwarten, dass sie ihre Subventionen endlich dadurch politishc legitimieren können, dass sie allein (privat) nicht finanzierbar wären. Ist das nicht der Sinn von Subvention? Und was den deutschen Büchermarkt betrifft: Versuchen Sie mal einen Nischentitel einem Lektoren anzubieten. Der Mainstream ist in den Verlagen längst angekommen! Mit oder ohne Buchpreisbindung. Ich bin sicher, dass es nicht ein gutes Buch weniger geben würde! Also noch einmal: ich will TTIP nicht unbedingt, ich will aber, dass wir unsere Kultursubventionen endlich mal wieder hinterfragen!

Axel Brüggemann 30.05.2014 | 23:32

Verzeihung, aber ein wenig zum Schmunzeln ist das schon, dass ausgerechnet ein "Hunter" gegen die US-Kultur wettert. Lieber Jäger, ich speche mich mit Nichten für TTIP aus – sondern gegen die herrschende Form der Kultursubventionierung in Deutschland. Ich bin auch kein Verfechter der US-Kultur-Finanzierung – und doch sehe ich die Sache nicht so pessimistisch wie Sie. Natürlich können wir – nehmen wir die Klassik – weiterhin an jedem Opernhaus und in jedem Orchester den Staatskünstler Wolfgang Rihm weiter finanzieren, aber wir müssen schon sagen, dass Greg Ward, Steve Reich, Philipp Glas und John Adams auch nicht von schlechten Eltern sind, und ehrlicher Weise muss man sagen, dass die Buchpreisbindung Evers, Rath und Fell hilft, und dass Frantzen, Auster, Bukowski und Powers sich irgendwie auch gut ohne unsere Subventionen durchgesetzt haben – und welche TV-Serie aus Deutschland ist noch mal erfolgreich, innovativ oder irgendwie künstlerisch wertvoll? Dass Sie Opernkarten mit 250 Euro das Stück durch Steuerzahler subventioniert bekommen, freut mich, aber was noch mal sehen Sie dafür? Aufgekochtes Regietheater jener Regisseure, die von den Herren des Bühnenvereins eingesetzt wurden? Mit Verlaub, diese schöne gemütliche deutsche Staatskultur ist: ... Tja, sagen Sie selbst. Und wie sagen Sie es, wenn "dieser Mann" (ich glaube, Sie meinten mich) die alten Herren dafür zur Rechenschaft zieht – was ist dann daran? Noch einmal: Tendenz meines Kommentars ist, dass wir diese Staatskultur, die wir uns leisten hinterfragen sollten, und dass sie, so lange sie nicht zur Disposition steht, nicht hinterfragt wird. Was ich zugestehen muss: TTIP schürt die Angst, und dann passiert, was Sie nun tun: Auch das marode wird verteidigt, hauptsache der Amerikaner siegt nicht! Okay! Bin bei Ihnen! Aber dann, bitte, lassen Sie uns TTIP absagen, aber dafür ernsthaft unsere Subventionskultur hinterfragen. Oder finden Sie echt, wirkich, dass sie super läuft?

Axel Brüggemann 24.12.2011 | 01:08

@weinsztein
Danke für die Blumen - ja, ich denke schon, dass das Sprechen miteinander nicht nur Ausdruck des Journalismus, sondern auch des Mensch-Seins und Mensch-Sein-Lassens ist. Wie eine Zeitung Gespräche führt, zeigt ihren wahren Charakter. Und als Mitarbeiter des Freitags und anderer Zeitungen kann ich Ihnen auch sagen: Es gibt nur wenige Zeitungen, die den Dialog mit ihren Autoren (und ich denke auch mit den Lesern) pflegen so wie der Freitag. Und klar ist auch, dass jeder Dialog schwer ist --- weil man sich einlassen muss und oft nur wenig Zeit dafür ist. Aber nur dann lernt man das Denken des Anderen ... und das ist der größte Lohn, für Schreiber ebenso wie für Leser und für die Dialogpartner...
Ihr
Axel Brüggemann

Axel Brüggemann 09.12.2011 | 14:59

Das ist mir wichtig: Mir ging es nicht darum, den Frauen eine Diskussion abzusprechen. im Gegenteil! Uhdes wäre ja fatal, wenn sie gerade in Frauendingen alle eine Meinung hätten. Viel eher stelle ich die Frage, warum wir Frauenthemen eigentlich noch als allein von zu erörternde Dinge begreifen - nach dem Motto "Meine Quote gehört mir". Und ob wir nicht längst weiter sind und damit in der Lage über die Geschlechter hinweg politische Entscheidungen zu treffen, die auch die Rolle der Frau betreffen. Keine Angst: Die meisten von uns sind dabei ja auf Eurer Seite :-)

Axel Brüggemann 29.09.2010 | 16:11

Verzeihen Sie, dass ich erst jetzt dazu komme, die Anmerkungen zu lesen. ja, natürlich ist ein Großteil der Einschätzung subjektiv. Aber (der Text wurde vor der Bekanntgabe der fünf Euro veröffentlicht) tatsächlich geht es mir auch heute noch so, dass ich gerade in den aktuellen Talkshows (also in der veröffentlichten Meinung) kaum Zustimmung lese, dass durchaus solidarisch FÜR hartz IV-Emfänger gestritten wird. Faktisch hat der Zerfall der FDP durchaus auch etwas damit zu tun, dass die Angst vor sozialer Spaltung und Kälte in Deutschland wächst und viele Wähler sehen, dass eine weitere Spatung in ganz arm und ganz Reich riskant ist. Ich beobachte, dass gerade die "Mittelschicht" aus Angst vor den Verlust von Jobs getrieben wird. Und, ja, ich beobachte (und habe das auch geschrieben), dass gerade in unteren Einkommen die Entsolidarisierung mit Hartz IV-Empfngern stattfindet - gerade um sich abzuheben. Und vielleicht noch dieser Gedanke: bei so vielen Kommentaren gibt es nur einen, der unsolidarisch klingt. Und ich frage mich, wer hier kommentiert. Doch nicht nur die Betroffenen, oder?

Axel Brüggemann 30.05.2010 | 18:41

Das ist ja eine rege Diskussion - nein, ich bin nicht das Volk! Niemand ist das Volk! Wir sind nur alle zusammen das Volk. Und deshalb wird es wohl unmöglich sein, ohne Kompromisse gemeinsame Politik zu machen. Das ist, worum es mir geht - das jeder Einzelne irgendwelche Erwartungen hat, ist klar. Aber Parteien sind dafür da, Politik über Mehrheiten zu organisieren und das Land zu regieren. Denn im Guten ist damit die Organisation des Miteinanders aller Brüger gemeint. Wer seine Wahl oder Partein versteht, um nur seine Meinung durchzusetzen, der wird damit nicht weit kommen, glaube ich.

Axel Brüggemann 25.02.2010 | 12:36

Mit großem Interesse verfolge ich diese Debatte - und habe nun doch eine Frage: Ist es wirklich so, dass wir von Menschen, die einer Vereinigung vorstehen tadelloses Verhalten erwarten können? Muss also eine vollkommene Einheit zwischen Leben und "Predigt" existieren? Wenn dem so ist, frage ich mich, ob es überhaupt Menschen gibt, die für diese Positionen geeignet sind. Hat der Papst nie gelogen? Hat der Dalai Lama nie die Fassung verloren? Ist es wirklich realistisch, von Vorsitzenden ein perfektes Leben zu erwarten? Oder beginnt nicht gerade damit die Heuchlerei? Ist nicht das das Problem - sowohl der evangelischen als auch der katholischen - Kirche: dass sie lieber "Sünden" vertuschen, um das Image der Unfehlbarkeit aufrechtzuerhalten, obwol das nach Menschenermessen gar nicht möglich ist? Und warum dürfen "normale" Menschen an den Ansprüchen der Moral scheitern, Führungspersonen aber nicht? Mit anderen Worten: Muss man ein besserer Mensch sein, wenn man führt? Und wer erwartet das eigentlich?

Axel Brüggemann 13.02.2010 | 22:02

Chrismar, ja - und nein! Perversionen an sich sind wunderbar! Der von Ihnen zitierte Sadist, der in einer SM-Session einen anderen Erwachsenen quält - wunderbar! Und, ja, Erwachsene haben das Recht, Erfüllung zu finden: Auch in der Kirche. Auch im Zölibat. Egal. Pervers wird es nur, wenn Sie etwas ohne das Einverständnis anderer tun. Und der Unterschied zwischen einem Sportlehrer und einem Priester ist, dass der Sportlehrer direkt zur Rechenschaft gezogen wird, sich über den Priester nicht bei der Staatsanwaltschaft sondern bei der Kirche beschwert wird - weil die Kirche in den Kategorien von Schuld und Sühne selber richten will.
Und darum geht es: Jeder Mensch soll seine Erfüllung fnden, ohne anderen zu schaden. Die Katholische Kirche sieht das anders: Während sie erwartet, dass alle das Zölibat verstehen, disktiminiert sie Schwule, sexuelle Ausschweifungen etc.
Das ist die Bigotterie, die ich nicht verstehe - die Nichtakzeptanz der Kreatur.

Axel Brüggemann 08.02.2010 | 19:06

Lieber Ludwig Hasselberg, gemeint ist, dass es doch absurd ist, das Kreatürlich am Menschen als Sünde zu erklären - und dadurch gerade die Geheimniskrämerei zu fördern. Das erklärt vielleicht auch unser Erstaunen darüber, dass all das auch in Berlin möglich ist: Die Drohgebärde der Sünde (und ihrer Folgen) führt dazu, dass die katholische Kirche ihre eigene Rechtssprechung pflegt - eben nicht öffentlicht. Seit Jahrtausenden ist - glaube ich - das eines der größten Machtinstrumente, und, ja, es serschreckt, dass es auch heute noch, im aufgeklärten Berlin und anderswo, funktioniert.

Axel Brüggemann 11.11.2009 | 19:11

Liebe Kritiker dieses Textes -
ich lese über das Missfallen, das Sie ausdrücken - und frage mich, wie es dazu kommt?
Zunächst vielleicht dieses: Dieser Text ist kein Auftrag, kein journalistisches "Pflichtstück" - es ist gestern Nacht entstanden. Als Skizze zunächst.
Vor zwei Tagen hatte ich einen Text zu Philipp Lahm geschrieben, nun hörte ich in den Nachrichten von Robert Enkes Tod. Und: wollte meine Gedanken dazu ordnen.
Das habe ich getan. Als ich heute Morgen den Text nocht einmal gelesen habe, nach wie vor ratlos, machten meine Gedanken (für mich) noch immer Sinn, und ich dachte, es wäre vielleicht gut, sie zur Diskussion zu stellen.
Was mich verwirrt, ist die Kritik daran, dass Journalisten ein Ereignis wie dieses aufgreifen und kommentieren. Ich finde, das ist eine Selbstverständlichkeit - die Frage ist allein: wie berichten?
Ich selbst habe vor längerer Zeit eine sogenannte Medienschelte formuiliert, damals zum Schulmassaker, in dem es wirklich um Eventjournalismus ging.
In diesem Fall sehe ich das andes. In vielen Texten, auch von Kollegen, sehe ich eine Auseinandersetzung und die (vielleicht hilflosen) versuche, das "Warum?" zu beantworten?
Geht es uns nichts an, weil jeder Mensch ein Recht auf sein eigenes "Warum" hat? Vielleicht. Und dennoch ist die Tabuisierung des Suizids (und der Krankheit Depression) schon merkwürdig.
Dieser Text entstand - wie gesagt - vor der Pressekonferenz. Und nach der Pressekonferenz finde ich ihm um so wichtiger. Denn die Frage nach dem "warum" stellt sich für mich noch einmal ganz anders, nicht privat, sondern gesellschaftlich: Warum wird eine Pressekonferenz mit den Worten eröffnet, dass es im Fußball noch immer viele Tabus gebe? Warum wird gleichzeitig versucht, vom Fußball als Teil des Kosmos, in dem Menschen zusammenbrechen abzulenken? Warum gehören Fußbalsspieler zu den wahrscheinlich am sogfältigsten betreuten Menschen - und warum gibt es trotzdem keine Hilfe? Ich finde diese Fragen wichtig.
Ebenso wie die Frage, wie das System Sport funktioniert? Wer beheauptet, "das hat nichts mit Sport zu tun" - und da bin ich sicher - irrt: Der Soprt ist eine Welt, in der das Individuum stets einen großen Spagat zwischen Heldentum und Privatmensch absovieren muss, in dem der Druck groß ist und es tatsächlich vom "Umfeld" abhängt, wie mit diesem Druck umgegangen wird.
Und, ja, es ist doch verwunderlich, wie Philipp Lahm kleingehalten werden sollte. Es ist befrebdlich, wie über Grafites "Urlaub" berichtet wurde. Es ist eine Frage wert, wie Joachim Löw mit Enke umgegangen ist. Ich finde all diese Fragen wichtig - und ich stelle sie zum großen Teil ohne Antworten. Und auch das finde ich richtig. Denn Journalismus kann nicht immer antworten.
Wären die Kommentare auf dieser Seite nich anders ausgefallen, wenn es sich um eine "Lidl"-Angestellte gehandelt hätte? Oder um einen Spitzenmanager? Robert Enke war Fußballer - und ich bin ziemlich sicher, dass auch in seinem System, dem System des Leistungssports, einiges in Frage zu stellen ist.
Ich lese in Ihren Kommentaren viele neue Fragen, aber eben auch ein grundsätzlich vernichtendes Urteil, überhaupt über dieses Thema zu schreiben. Mich befremdet das. Ich kann nur wenig damit anfangen, zu lesen: Das ist überflüssig, das ist Voyeruismus etc. Nein, das kann ich als Autor dieser Zeilen sagen: Es ist eine Frage, die mich zu diesem Text getrieben hat. Eine Frage, die - und auch das lese ich - nicht nur ich mir stelle.
Ich respektire das Unbehagen, das Sie mit meinen Zeilen haben, aber für mich ist es auch eine Form des Journalismus, dieses Unbehagen als Anlass eines Gedankens zu nehmen. Eines Gedankens, der Widerspruch erwartet, der neue Einsichten erofft, der Dialog schafft.
In diesem Sinne bin ich gespannt auf die weitere Entwicklung dieser Kommentarspalte.
Axel Brüggemann

Axel Brüggemann 11.11.2009 | 19:01

Liebe Kritiker dieses Textes -
ich lese über das Missfallen, das Sie ausdrücken - und frage mich, wie es dazu kommt?
Zunächst vielleicht dieses: Dieser Text ist kein Auftrag, kein journalistisches "Pflichtstück" - es ist gestern Nacht entstanden. Als Skizze zunächst.
Vor zwei Tagen hatte ich einen Text zu Philipp Lahm geschrieben, nun hörte ich in den Nachrichten von Robert Enkes Tod. Und: wollte meine Gedanken dazu ordnen.
Das habe ich getan. Als ich heute Morgen den Text nocht einmal gelesen habe, nach wie vor ratlos, machten meine Gedanken (für mich) noch immer Sinn, und ich dachte, es wäre vielleicht gut, sie zur Diskussion zu stellen.
Was mich verwirrt, ist die Kritik daran, dass Journalisten ein Ereignis wie dieses aufgreifen und kommentieren. Ich finde, das ist eine Selbstverständlichkeit - die Frage ist allein: wie berichten?
Ich selbst habe vor längerer Zeit eine sogenannte Medienschelte formuiliert, damals zum Schulmassaker, in dem es wirklich um Eventjournalismus ging.
In diesem Fall sehe ich das andes. In vielen Texten, auch von Kollegen, sehe ich eine Auseinandersetzung und die (vielleicht hilflosen) versuche, das "Warum?" zu beantworten?
Geht es uns nichts an, weil jeder Mensch ein Recht auf sein eigenes "Warum" hat? Vielleicht. Und dennoch ist die Tabuisierung des Suizids (und der Krankheit Depression) schon merkwürdig.
Dieser Text entstand - wie gesagt - vor der Pressekonferenz. Und nach der Pressekonferenz finde ich ihm um so wichtiger. Denn die Frage nach dem "warum" stellt sich für mich noch einmal ganz anders, nicht privat, sondern gesellschaftlich: Warum wird eine Pressekonferenz mit den Worten eröffnet, dass es im Fußball noch immer viele Tabus gebe? Warum wird gleichzeitig versucht, vom Fußball als Teil des Kosmos, in dem Menschen zusammenbrechen abzulenken? Warum gehören Fußbalsspieler zu den wahrscheinlich am sogfältigsten betreuten Menschen - und warum gibt es trotzdem keine Hilfe? Ich finde diese Fragen wichtig.
Ebenso wie die Frage, wie das System Sport funktioniert? Wer beheauptet, "das hat nichts mit Sport zu tun" - und da bin ich sicher - irrt: Der Soprt ist eine Welt, in der das Individuum stets einen großen Spagat zwischen Heldentum und Privatmensch absovieren muss, in dem der Druck groß ist und es tatsächlich vom "Umfeld" abhängt, wie mit diesem Druck umgegangen wird.
Und, ja, es ist doch verwunderlich, wie Philipp Lahm kleingehalten werden sollte. Es ist befrebdlich, wie über Grafites "Urlaub" berichtet wurde. Es ist eine Frage wert, wie Joachim Löw mit Enke umgegangen ist. Ich finde all diese Fragen wichtig - und ich stelle sie zum großen Teil ohne Antworten. Und auch das finde ich richtig. Denn Journalismus kann nicht immer antworten.
Wären die Kommentare auf dieser Seite nich anders ausgefallen, wenn es sich um eine "Lidl"-Angestellte gehandelt hätte? Oder um einen Spitzenmanager? Robert Enke war Fußballer - und ich bin ziemlich sicher, dass auch in seinem System, dem System des Leistungssports, einiges in Frage zu stellen ist.
Ich lese in Ihren Kommentaren viele neue Fragen, aber eben auch ein grundsätzlich vernichtendes Urteil, überhaupt über dieses Thema zu schreiben. Mich befremdet das. Ich kann nur wenig damit anfangen, zu lesen: Das ist überflüssig, das ist Voyeruismus etc. Nein, das kann ich als Autor dieser Zeilen sagen: Es ist eine Frage, die mich zu diesem Text getrieben hat. Eine Frage, die - und auch das lese ich - nicht nur ich mir stelle.
Ich respektire das Unbehagen, das Sie mit meinen Zeilen haben, aber für mich ist es auch eine Form des Journalismus, dieses Unbehagen als Anlass eines Gedankens zu nehmen. Eines Gedankens, der Widerspruch erwartet, der neue Einsichten erofft, der Dialog schafft.
In diesem Sinne bin ich gespannt auf die weitere Entwicklung dieser Kommentarspalte.
Axel Brüggemann

Axel Brüggemann 16.06.2009 | 15:46

Lieber ahso,
ich habe im letzten Kommentar schon etwas dazu geschrieben - mir geht es zunächst nicht um eine Ideologie oder politische Richtung, sondern darum, dass überhaupt um politische Richtungen gestritten wird - und das gemeinsam. Dafür brauchen wir aber eine Identifikation, und das muss natürlich nicht der Nationalismus sein. In meinem Text geht es nicht um konstruierten Nationalismus - im Gegenteil, das sehe ich wie sie: er ist die größte Gefahr! Wohl aber geht es darum, dass Menschen sich auch durch ihre Wut, ihre Freude, ihre Hoffnungen definieren - und wenigstens das ist doch eine Grundlage eines Gemeinwesens oder Staates.Noch einmal: Ja, die Unterschiede der Menschen sind groß (und werden immer größer) und dennoch leben wir als Menschen zusammen - und ich finde, dass nicht einmal diese Klarheit heute Grundlage politischen Handelns ist. Und das ist bedauerlich. Ja, nennen Sie diesen Standpunkt: moralisch! Das bin ich gern.
Liebe Grüße
Axel Brüggemann

Axel Brüggemann 15.06.2009 | 12:45

Lieber H. Yuren,
ich war einige Zeit unterwegs - und komme deshalb erst jetzt zum Antworten. Ich glaube, dass Wut und Stolz urmenschliche Eigenschaften sind. Und dass es nichts bringt, DEN Menschen als antiquiert abzuhaken, um ein gesellschaftliches Problem zu analysieren. Nein, im Herzen glaube ich an DEN Menschen! Anders können wir auch keinen Staat machen!
Vielleicht habe ich das bei Mozart gelernt: das all zu Menschliche, die Wut, die Leidenschaft, der Stolz sind Eigenschaften, die uns aktiv machen, die uns ausmachen, und, ja, die auch gefährlich sein können. Beim Satz mit dem "Sommermärchen" habe ich selbst gezögert. Aber dann habe ich ihn geschrieben, um einen alten "linken" Gedanken in Frage zu stellen: War es nicht typisch Deutsch, dass in der Krise der Stolz und die Wut unterdrückt wurden - und erst so manipuliert werden konnten? Ich glaube, dass eine Gesellschaft sich (so wie Frankreich, die USA, aber auch Russland und Kuba) Stolz un Wut leisten müssen, denn im Grunde ist sie gesund, wenn sie rechtzeitig und direkt "abgelassen" werden. Typisch Deutsch hingegen ist, vor lauter politischer Korrektheit in eine Situation zu kommen, in der diese all zu menschlichen Gefühle unterdrückt werden - bis sie explodieren. Und das ist allemal schlimmer als ein paar gröhlende Fans zur Fußball WM! Mit diesem (vielleicht schiefen) Vergleich ging es mir allein darum, zu behaupten, dass wir keine Gesellschaft leben können, die unsere Urinstinkte grundsätzlich ignoriert oder abschaffen oder gar verbieten will.
Liebe Grüße
Axel

Axel Brüggemann 15.06.2009 | 12:39

Lieber Alexano,
wenn Sie wüssten! Kommentare wie Ihrer irritieren mich. Glauben Sie, dass ich nur Worte schreibe und keine Gedanken? Glauben Sie tatsächlich, dass man Texte ohne Grund schreibt, nur um die Seite zu füllen? Glauben Sie, dass einen das Thema über das man schreibt, einen überhaupt nichts angeht? In meinem Text schreibe ich über Freunde, bei denen die Wirtschaftskrise längst angekommen ist - und auch im Alltag einen (freien)Journalisten ist das unübersehbar! Wie stellen Sie sich einen glaubhaften Text vor? Als großes Lamento? Ich halte nichts davon - nein: es muss doch, auch wenn man selbst betroffen ist, selbstverständlich sein, individuelle Probleme mit einem Staat oder mit einer Krise in einen gesellschaftlichen ZUsammenhang zu stellen. Und das funktioniert nicht beim Latte-Trinken! Journalisten sind keine Caféhaus-Beobachter der Welt. Wir leben auch in dieser Welt. Und ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen, dass das bei mir anders sein sollte.
Liebe Grüße
Axel Brüggemann

Axel Brüggemann 15.06.2009 | 12:34

Liber Mr. L,

muss man zum Protest wirklich ausgebildet werden? Und wie sollte eine solche Ausbildung aussehen? Ich glaube, dafür müsste tatsächlich so etwas wie Solidarität erkannt werden - denn daran hapert es doch: Jeder protestiert nur, wenn er selbst betroffen ist. Dabei sind wir bei den meisten Problemen inzwischen alle betroffen. ICh glaube, das es darum auch ein der "Ausbildung" gehen sollte - die Kraft einer offenen, freien und demokratischen Gesellschaft zu erkennen.

Axel Brüggemann 11.06.2009 | 00:33

Lieber H.Yuren,
Ihr Kommentar hat mich sehr amüsiert! Ud ich befürchte: Sie haben ein bisschen Recht! Aber dummerweise sind es nicht nur die Politiker, die ihre RUhe haben wollen - sehe den Kommentar von Hans L. Und deshlab reicht Protest allein auch nicht aus: Es beginnt viel tiefer! Und ich glaube, dass es dort beginnt, wo jede Interessensgruppe nur für sich agiert. Wichtig ist, dass Protest ein Mittel der Gesamtheit einer Bevölerung ist, dass er von Solidarität lebt - und diesr Solidarität sollte Ihre Überzeugung zu Grunde liegen, dass das Schiff ein Leck hat und wir es nur zusammen flicken können!

Axel Brüggemann 27.04.2009 | 23:15

Volksentscheide in der Schweiz funktionieren anders: Wenn genügend Bürger einem Volksentscheid zustimmen, gilt in der Regel die einfache Mehrheit. Das bedeutet, dass jeder Bürger, der nicht zu Wahl geht, tatsächlich nicht kalkulieren kann, dass die Wahl allein auf Grund der geringen Beteiligung scheitert. In Deutschland ist es noch immer ein Problem, dass Volksentscheide politisch nicht wirklich gewollt sind - daher die hohen Hürden bei der Beteiligung. Ich wäre gespannt, wie das Ergebnis in Berlin ausgefallen wäre, wenn wir eine "Schweizer Regelung" gehabt hätten - wenn also jeder Beriner gewusst hätte, dass seine Stimme zählt. Dass das Ergebnis der Wahl bindend für das neue Gesetz ist. Meiner Meinung nach machen Volksentscheide nur so sinn. Alles andere ist ein pseudodemokratisches Mittel, das - wie auch im Fall Berlin - politisch benutzt wird, um die Regierung zu schwächen. Meist ist es kostspielig und bringt nichts. Volksentscheide heißen so, weil das Volk entscheiden soll und kann. Das geht aber nur, wenn die Entscheidung des Volkes auch nach einfachem Mehrheitswahlrecht bindend ist.

Axel Brüggemann 23.04.2009 | 00:13

Lieber Verlf,
Sie haben sicherlich Recht, dass die SPD auf der einen Seite vermeiden will, das Image eines inhaltslosen Personen-Wahlkampfes zu vermitteln - auf der anderen Seite spielt sie aber durchaus damit. Wenn ich mich richtig erinnere, stand das [Wir für Frank]-Mobil in Stuttgart schon in der Halle - also mit Erlaubnis der SPD. Auf seiner Homepage ist "Frank-Walters" Logo zu sehen, ein großes F, ein großes W - und klein darunter Steinmeier. Bei Beckmann ein ähnliches Bild - das Flirten mit dem "Franky". Ich empfinde das schon sehr als anbiedernd. Auf seiner eigenen Seite posiert er ebenfalls vor diesem Logo, zeigt sich stolz mit Obama. Aber das alles: Geschenkt! Es war ja nur eine Glosse.
Sie stellen aber eine wichtige Frage. Wünschen wir uns einen Obama-Wahlkampf? Und ist er in Deutschland möglich? Letzteres würde ich ebenso wie Sie mit "Nein" beantworten. Ich schreibe in meinem Text auch, warum: Steinmeier und Merkel haben sich nie der Basis stellen müssen - auf Parteitagen werden die Kanzlerkandidaten aller Parteien mit absurden 90%-Ergebnissen nur noch abgesegnet. Es besteht durch unser Parteiensystem gar keine Notwendigkeit mehr, dem Wähler ernsthaft verpflichtet zu sein. Und damit nciht um das, was den Obama-Wahlkampf so elektrisierend gemacht hat: die Glaubhaftigkeit eines Politikers und sein Dialog mit den Wählern. Mit oder ohne Vornamen. Das ist bei Obama egal! In Deutschland scheint es mir in vielen Parteien pünktlich zur Wahl nur noch um die Stimmen zu gehen - den Dialog mit den Wählern kann ich nicht erkennen, eine Vision auch nicht.
Ich glaube, dass es höchste Zeit ist, unser Wahl- und Parteiensystem noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Nicht, weil ich US-Verhältnisse will, wohl aber weil ich glaube, dass Parteipolitik und Volk in Deutschlend dramatisch auseinanderdriften.
Und daher kommt es vielleicht auch, dass ich meinen Kanzler nich Franky und nicht FW nennen will. Mir ist es auch egal, wie er als Kind Fußball gespielt hat. All das aber ist Teil der Steinmeier-Kampagne. Barack könnte man Duzen, weil man glaubt, dass er den Menschen wirklich nahe ist - bei den meisten deutschen Politikern habe ich dieses Gefühl allerdings nicht. Franky ist kein Typ, mit dem man gern ein Bier trinken will. Er soll anständig regieren und fertig. Und wenn er das als Kanzler machen wird, reicht mir das auch.
Übrigens, Julian Heißler hat in seinem Artikel "Barack Steinmeier" auf dieser Seite - wie ich finde - gut die Amerikanisierung des Wahlkampfes beobachtet. Und gleichzeitig auch die Gefahr der Unglaubwürdigkeit angerissen: Passt Steinmeier eigentlich zum SPD-Programm?
Ich bin mir da nicht mehr so sicher, freue mich aber, die Entwicklung des Wahlkampfes zu verfolgen und bin gespannt, was hier noch an Meinungen zusammenkommt. Grundsätzlich glaube ich, dass es in diesem Wahlkampf so sehr wie selten um die Glaubwürdigkeit der deutschen Politk gehen wird.
Axel Brüggemann

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