Axel Brüggemann

Journalist und Autor in Wien und Bremen.
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RE: Land Guck-in-die-Luft | 15.06.2009 | 12:39

Lieber Alexano,
wenn Sie wüssten! Kommentare wie Ihrer irritieren mich. Glauben Sie, dass ich nur Worte schreibe und keine Gedanken? Glauben Sie tatsächlich, dass man Texte ohne Grund schreibt, nur um die Seite zu füllen? Glauben Sie, dass einen das Thema über das man schreibt, einen überhaupt nichts angeht? In meinem Text schreibe ich über Freunde, bei denen die Wirtschaftskrise längst angekommen ist - und auch im Alltag einen (freien)Journalisten ist das unübersehbar! Wie stellen Sie sich einen glaubhaften Text vor? Als großes Lamento? Ich halte nichts davon - nein: es muss doch, auch wenn man selbst betroffen ist, selbstverständlich sein, individuelle Probleme mit einem Staat oder mit einer Krise in einen gesellschaftlichen ZUsammenhang zu stellen. Und das funktioniert nicht beim Latte-Trinken! Journalisten sind keine Caféhaus-Beobachter der Welt. Wir leben auch in dieser Welt. Und ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen, dass das bei mir anders sein sollte.
Liebe Grüße
Axel Brüggemann

RE: Land Guck-in-die-Luft | 15.06.2009 | 12:34

Liber Mr. L,

muss man zum Protest wirklich ausgebildet werden? Und wie sollte eine solche Ausbildung aussehen? Ich glaube, dafür müsste tatsächlich so etwas wie Solidarität erkannt werden - denn daran hapert es doch: Jeder protestiert nur, wenn er selbst betroffen ist. Dabei sind wir bei den meisten Problemen inzwischen alle betroffen. ICh glaube, das es darum auch ein der "Ausbildung" gehen sollte - die Kraft einer offenen, freien und demokratischen Gesellschaft zu erkennen.

RE: Land Guck-in-die-Luft | 11.06.2009 | 00:33

Lieber H.Yuren,
Ihr Kommentar hat mich sehr amüsiert! Ud ich befürchte: Sie haben ein bisschen Recht! Aber dummerweise sind es nicht nur die Politiker, die ihre RUhe haben wollen - sehe den Kommentar von Hans L. Und deshlab reicht Protest allein auch nicht aus: Es beginnt viel tiefer! Und ich glaube, dass es dort beginnt, wo jede Interessensgruppe nur für sich agiert. Wichtig ist, dass Protest ein Mittel der Gesamtheit einer Bevölerung ist, dass er von Solidarität lebt - und diesr Solidarität sollte Ihre Überzeugung zu Grunde liegen, dass das Schiff ein Leck hat und wir es nur zusammen flicken können!

RE: Die Meistersinger von RTL | 11.05.2009 | 14:07

Interessant fand ich, was Bazon Brock in Deutschlandfunk gesagt hat: Er findet DSDS eine urdemokratische Einrichtung. Mit der Erklärung: Hier wird Deutlich, dass das Nichtwissen die Grundlage der demokratischen Gleichheit ist. Eine verblüffende, lustige und vielleicht sogar richtige Interpretation.

RE: Gewinner und Verlierer. Eine kritische Bilanz zu Volksentscheiden | 27.04.2009 | 23:15

Volksentscheide in der Schweiz funktionieren anders: Wenn genügend Bürger einem Volksentscheid zustimmen, gilt in der Regel die einfache Mehrheit. Das bedeutet, dass jeder Bürger, der nicht zu Wahl geht, tatsächlich nicht kalkulieren kann, dass die Wahl allein auf Grund der geringen Beteiligung scheitert. In Deutschland ist es noch immer ein Problem, dass Volksentscheide politisch nicht wirklich gewollt sind - daher die hohen Hürden bei der Beteiligung. Ich wäre gespannt, wie das Ergebnis in Berlin ausgefallen wäre, wenn wir eine "Schweizer Regelung" gehabt hätten - wenn also jeder Beriner gewusst hätte, dass seine Stimme zählt. Dass das Ergebnis der Wahl bindend für das neue Gesetz ist. Meiner Meinung nach machen Volksentscheide nur so sinn. Alles andere ist ein pseudodemokratisches Mittel, das - wie auch im Fall Berlin - politisch benutzt wird, um die Regierung zu schwächen. Meist ist es kostspielig und bringt nichts. Volksentscheide heißen so, weil das Volk entscheiden soll und kann. Das geht aber nur, wenn die Entscheidung des Volkes auch nach einfachem Mehrheitswahlrecht bindend ist.

RE: Franky goes to Hollywood | 23.04.2009 | 00:13

Lieber Verlf,
Sie haben sicherlich Recht, dass die SPD auf der einen Seite vermeiden will, das Image eines inhaltslosen Personen-Wahlkampfes zu vermitteln - auf der anderen Seite spielt sie aber durchaus damit. Wenn ich mich richtig erinnere, stand das [Wir für Frank]-Mobil in Stuttgart schon in der Halle - also mit Erlaubnis der SPD. Auf seiner Homepage ist "Frank-Walters" Logo zu sehen, ein großes F, ein großes W - und klein darunter Steinmeier. Bei Beckmann ein ähnliches Bild - das Flirten mit dem "Franky". Ich empfinde das schon sehr als anbiedernd. Auf seiner eigenen Seite posiert er ebenfalls vor diesem Logo, zeigt sich stolz mit Obama. Aber das alles: Geschenkt! Es war ja nur eine Glosse.
Sie stellen aber eine wichtige Frage. Wünschen wir uns einen Obama-Wahlkampf? Und ist er in Deutschland möglich? Letzteres würde ich ebenso wie Sie mit "Nein" beantworten. Ich schreibe in meinem Text auch, warum: Steinmeier und Merkel haben sich nie der Basis stellen müssen - auf Parteitagen werden die Kanzlerkandidaten aller Parteien mit absurden 90%-Ergebnissen nur noch abgesegnet. Es besteht durch unser Parteiensystem gar keine Notwendigkeit mehr, dem Wähler ernsthaft verpflichtet zu sein. Und damit nciht um das, was den Obama-Wahlkampf so elektrisierend gemacht hat: die Glaubhaftigkeit eines Politikers und sein Dialog mit den Wählern. Mit oder ohne Vornamen. Das ist bei Obama egal! In Deutschland scheint es mir in vielen Parteien pünktlich zur Wahl nur noch um die Stimmen zu gehen - den Dialog mit den Wählern kann ich nicht erkennen, eine Vision auch nicht.
Ich glaube, dass es höchste Zeit ist, unser Wahl- und Parteiensystem noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Nicht, weil ich US-Verhältnisse will, wohl aber weil ich glaube, dass Parteipolitik und Volk in Deutschlend dramatisch auseinanderdriften.
Und daher kommt es vielleicht auch, dass ich meinen Kanzler nich Franky und nicht FW nennen will. Mir ist es auch egal, wie er als Kind Fußball gespielt hat. All das aber ist Teil der Steinmeier-Kampagne. Barack könnte man Duzen, weil man glaubt, dass er den Menschen wirklich nahe ist - bei den meisten deutschen Politikern habe ich dieses Gefühl allerdings nicht. Franky ist kein Typ, mit dem man gern ein Bier trinken will. Er soll anständig regieren und fertig. Und wenn er das als Kanzler machen wird, reicht mir das auch.
Übrigens, Julian Heißler hat in seinem Artikel "Barack Steinmeier" auf dieser Seite - wie ich finde - gut die Amerikanisierung des Wahlkampfes beobachtet. Und gleichzeitig auch die Gefahr der Unglaubwürdigkeit angerissen: Passt Steinmeier eigentlich zum SPD-Programm?
Ich bin mir da nicht mehr so sicher, freue mich aber, die Entwicklung des Wahlkampfes zu verfolgen und bin gespannt, was hier noch an Meinungen zusammenkommt. Grundsätzlich glaube ich, dass es in diesem Wahlkampf so sehr wie selten um die Glaubwürdigkeit der deutschen Politk gehen wird.
Axel Brüggemann

RE: Franky goes to Hollywood | 22.04.2009 | 21:38

Lieber Verlf, [Wir für Frank] ist aber Teil der Parteitagsinszenierung gewesen - also mit Wissen und Willen der SPD und Steinmeier. Und: Natürlich kann 1000 Mal betont werden, dass man keinen US-Wahlkampf will, aber vom Licht über die Inszenierung - und nun eben auch bis zur "offiziellen Wahlinitiative" erinnert alles doch sehr an eine schlechte, da sinnentleerte, Kopie.

RE: Franky goes to Hollywood | 22.04.2009 | 18:30

Vielen Dank für die Blumen, Freitagsmaler!

RE: Kann dieser Mann regieren? | 20.04.2009 | 18:21

Lieber Jocachim Petrick,
Sie haben mit vielen Ausführungen sicherlich Recht - aber das Thema des Artikels war die von Althaus selbst geführte Debatte über "Schuld", "Tragödie" und "Verantwortung". Und ich glaube, dass es durchaus interessant sein kann, den Sprachgebrauch in der Politik einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Denn wer von Tragödie spricht, zeigt bereits, dass er die Verantwortung der Schuld nicht tragen will. Darum ging es - und ich glaube auch, dass dieser Gedanke durchaus konsequent zu Ende geführt wurde.
Dass unter der Oberfläche dieses Unfalls viele andere, politische Skandale und Schieflagen schlummern, hat mein Kollege Tom Strohschneider auf der gleichen Seite ziemlich deutlich gemacht - er widmet sich der Situation der CDU in Thüringen, und auch dem politischen System der Partei.
Ich denke, alle drei Texte dieses Schwerpunktes ergeben so ein Bild, das Ihrem Anspruch an die Berichterstattung durchaus gerecht wird.
Und, ja - wir werden in den nächsten Wochen vielleicht noch viel über jene Themen lesen, die Sie in Ihrem Kommentar angesprochen haben.
Übrigens den Vergleich Althaus/Barschel halte ich für nicht angebracht, da der eine ja auf eine (übrigens wirklich tragische) Art Verantwortung übernommen hat - der andere nicht.
Liebe Grüße
Axel Brüggemann

RE: Kann dieser Mann regieren? | 20.04.2009 | 14:02

Antwort Teil2
In den USA werden wichtiger Abstimmungen namentlich vorgenommen - und Kandidaten werden noch Jahre später an ihren Stimmen gemessen (bestes Beispiel: Clinton hat für den Einmarsch in den Irak gestimmt, Obama dagegen - das hat ihm geholfen).
Ich glaube, dass es wichtig ist, diesen Moment zu betonen: Ein Poitiker muss für sich glaubhaft sein, seine eigene Moral vertreten - und daran muss er auch gemessen werden.
In Deutschland ist das schwierig, da der Fraktionszwang größer ist als die politische Entscheidung nach privatem moralischen Ermessen. So entfernen sich Regierende zu leich von ihrer eigenen Verantwortung. Im Zweifelsfall verstecken sie sich hinter ihrer Partei.
Also noch einmal konkret: Welche Beispiele kennen wir, dass politisches Handeln zu privaten Misständen ("Tragödien") geführt hat - und wie kann man das ändern? Wie können wir es schaffen, dass Politiker sich der konkreten Konsequenzen ihrer Handlungen bewusst werden und dafür auch moralische Verantworung übernehmen?
Ich bin gespannt auf Ihre Anregungen.
Axel Brüggemann