Axel Brüggemann
11.11.2009 | 14:30 64

Die Einsamkeit des Profis

Eine Art Nachruf Ein Fußballer hat sich das Leben genommen. Über seine psychischen Probleme hat er nie gesprochen. Dennoch sind sich die Funktionäre sicher, sein Tod habe nichts mit Fußball zu tun

Hannovers Torhüter Robert Enke wählte den Freitod. Fußballmanager bemühen sich, zu behaupten, dass diese Entscheidung „nichts mit dem Fußball zu tun hat.“ Das kann nicht sein, denn der Sport ist zu einer hermetischen Welt geworden, in der Menschen nur noch Spielfiguren in einem System sind. Philipp Lahms Protest gegen das Bayern-Management war ein Warnschrei. Robert Enkes Tod ist das Fanal. Der Profisport muss umdenken.

Der Regionalexpress 4427 kam aus Bremen. Gegen 18.17 Uhr kam er bei Neustadt am Rübenberge, kurz vor Hannover, zum Stehen. Etwas ungelenk wird die Ursache bei der Bahn „Personenschaden“ genannt, intern spricht man von „Personenunfall“, im Schriftverkehr lapidar abgekürzt als „PU“.

Ein solcher Personenunfall ist keine Ausnahme in Deutschland. Statistisch kommt es täglich zu ungefähr drei Freitoden auf Bahngleisen. Und schon seit Jahren hat sich die Presse einen internen Kodex auferlegt, nicht über diese Suizide zu berichten – weil jede Berichterstattung Nachahmer animiert. Der Freitod ist wie eine ansteckende Krankheit, eine moderne Pest, die am besten totgeschwiegen werden soll. Der Personenunfall bei Neustadt war eine Ausnahme: Robert Enke, Torwart des Erstligisten Hannover 96 und Kandidat für die Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika, hatte sich selbst das Leben genommen.

Robert Enke, „Robert Riese“, der Held von Hannover, dieser besonnene, geniale, ruhige Mensch. Sein Tod stürzte die Fußballwelt in Schweigen. Dass ein Bundesligaprofi sich das Leben nimmt – unvorstellbar! Im Stadion und in der Sportschau werden wir wöchentlich Teil ihrer Welt, in der die körperliche Fittness, der wache Geist und das Im-Leben-Stehen gefeiert werden. Fußball ist ein Sport, der Schwächen erbarmungslos straft oder verdrängt. Der Tod ist in dieser Welt kategorisch ausgeschlossen. Robert Enkes Tod ist Realität. Eine Realität, die nicht in das öffentliche Bild des Sports passt.

Schon nach den ersten Kondolenz-Schreiben des Deutschen Fußballbundes und der Nationalmannschaft begann die Sportwelt ihre Unschuld zu behaupten. Noch in der Nacht war sich Hannovers Präsident Martin Kind angesichts Enkes Ableben sicher, „dass es nichts mit Fußball zu tun hat.“

Anderssein ist per Codex verboten

Nein, der Sport ist sicherlich nicht allein schuld am Freitod eines Fußballspielers. Aber der Sport – und besonders der Fußball – ist ein Umfeld, in dem der Mensch zu einer Figur wird. Zu einem Spieler, der in einem System zu funktionieren hat. Zu einem Spieler, der sich den Regeln des Vereins, der Aufstellung des Trainers und den Forderungen der Fans unterzuordnen hat. Der Fußball ist ein Milieu, das seine Helden stilisiert, zu Stars, die höchstens gutgeschminkte Spielerfrauen haben dürfen. Persönliche Probleme existieren nicht, Anderssein ist per Codex verboten. Die Bundesliga wird von Tabus regiert: Schwule kommen hier ebenso wenig vor wie Kranke. Als Sebasitan Deisler sich outete, an Depression zu leiden, wurde ihm das zum Verhängnis, seine Karriere war weitgehend beendet.

Es mag ein Zufall sein, dass die Fußballwelt in den letzten Tagen Philipp Lahms Interview in der Süddeutschen Zeitung als Befreiung eines Spielers aus dem Korsett der heimlichen Regeln des Sports diskutiert hat. Aber es liegt nahe, diese Episode heute in einem anderen Licht zu sehen.

Lahm hatte eine kluge, sachliche Kritik am Management des FC Bayern geäußert und einkalkuliert, dass er dafür bestraft werden würde. Seine Würde als Mensch mit Meinung war ihm der Streit und die Strafe wert. Während Manager Uli Hoeneß ihm die Worte übel nahm, in die Fernsehkameras drohte, dass der Spieler sein Interview „bereuen werde“ und tatsächlich eine Strafe von 25.000 Euro verhängte, feierte die Sportwelt den stellvertretenden Mannschaftsführer der Bayern als „Martin Luther des Fußballs“ (Süddeutsche). Oliver Kahn sagte: „Es ist wichtig, dass Spieler mal eine Verantwortung übernehmen. Das setzt Energien frei – und daraus wird sich etwas entwickeln.“

Spieler sind auch Menschen

Wie einsam Fußballer sind, die nicht länger hinnehmen wollen, dass der Paragraph 5 des Grundgesetzes, die Redefreiheit, für sie abgeschafft ist, zeigte sich allerdings, als kein Bayern-Spieler Partei für Lahm ergriff: Miroslav Klose antwortete diplomatisch dass es sich um Lahms und nicht um seine Worte handelte, andere Teamkollegen gingen ganz in Deckung. Sicher ist, dass auch Robert Enke einsam gewesen ist in seiner Welt des Fußballs – trotz der Kollegen, der Fans, trotz des Trainers und trotz des Managers. Enke fehlte die Kraft zu reden. Vor seinem Freitod war er nicht mehr zum Training erschienen, sein Berater versuchte ihn zu erreichen. Zu spät. Enke wählte das Schweigen. Sein Tod ist auch eine Mahnung an den Fußball, die Spieler wieder als Menschen zu verstehen.

Suizide lassen die Hinterbliebenen stets nach dem „Warum?“ fragen, ein Film beginnt zu laufen, in dem sich Erinnerungen abspielen. Die NDR-Sportschau am letzten Sonntag, nach dem Spiel von Hannover 96 gegen den Hamburger SV zum Beispiel: Enke haderte, ob er herauslaufen sollte, um den Ball abzufangen, oder ob er im Tor stehen bleiben sollte. Für den Bruchteil einer Sekunde war er unentschieden – da fiel das Gegentor. In der Sportsendung wurde diese Szene schon in der Zusammenfassung zwei, drei Mal wiederholt, stets mit der Frage: „War es ein Torwartfehler?“ Später war Hannover-Manager Jörg Schmadtke zu Gast, auch ihm wurde die Szene erneut vorgespielt – Torwartfehler?

Das Leben eines Fußballers besteht aus vielen Millisekunden, aus endlosen Entscheidungen. Und Enke wusste das. Er war 1999 mit Gladbach abgestiegen, wechselte mit 21 Jahren zu Lissabon, 2002 nach Barcelona, wo er ein Jahr unter dem heutigen Bayern-Trainer Luis van Gaal auf der Bank saß und nach Istanbul floh. Als am Spielfeldrand ein Schaf geschächtet wurde, verlor der Torhüter – Besitzer von acht Hunden – für einen Augenblick die Aufmerksamkeit, ließ einen Ball durch und wurde von den Istanbulfans mit Feuerzeugen und Flaschen beworfen. Wieder floh er und landete bei Teneriffa, wo er in der zweiten spanischen Liga auf der Bank saß. In Hannover wurde er zum Star, zog in die Nationalmannschaft, und wieder kam etwas dazwischen: Ein Virus legte ihn lahm, seine WM-Teilnahme war in Gefahr. Und das ist nur das sportliche Drama.
Der Vater Robert Enke verlor seine Tochter mit zwei Jahren. Sie starb an einem Herzfehler – als sie im Krankenhaus lag, musste er Fußball spielen. Erst im Mai adoptierte er mit seiner Frau ein Kind, das Glück schien zurückzukehren. Aber geht das wirklich so schnell?

Am 9. September dieses Jahres sagte Enke der Bild: „Ich habe sehr viel mitgemacht, beruflich und privat. Ich weiß nicht, ob jemand das Leben lenkt. Aber so viel weiß ich: man kann es nicht ändern. Man muss sich mit seinen Verletzungen abfinden, man muss sich damit abfinden, wenn man ein Spiel verliert, und man muss sich damit abfinden, wenn man ein Kind bekommt, das schwer krank ist und stirbt.“ Mit irgendetwas konnte sich Robert Enke nicht mehr abfinden. Vielleicht, war es die Diskrepanz von Anspruch und Wirklichkeit – der lebenslange Versuch, das Scheitern als Sieg zu leben.

Ein engagierter Sportler – belächelt

Der Vergleich mag hinken, aber Robert Enkes Karriere hat einige Parallelen zu jener von Philipp Lahm. Dem Bayern-Star blieb der sportliche und private Misserfolg weitgehend erspart. Und bestand die Welt für beide aus mehr als Sport. Wie Enke, der sich in der Tierschutzorganisation PETA und für den Kinderschutz engagierte, setzt sich auch Lahm für Kinder ein, gegen Homophobie im Sport, und hat eine eigene Stiftung gegründet – dafür wurde er oft belächelt. Und noch etwas: Während Enke vor den strengen Trainermethoden Luis van Grals floh, wählte Lahm eine öffentliche Debatte, um über den Trainer, das Management und die sportliche Perspektive seines Kindheitsvereins zu diskutieren.

Fußballspieler leben innerhalb eines hermetischen Systems, das dem Regualrium von Befehl und Gehorsam der Bundeswehr und gleichzeitig jenem von Bevormundung und Aufsichtspflicht des Kindergartens gleicht. Ein System, das sich legitimiert, indem es behauptet, Leistung würde allein durch Formung entstehen. Im Fall von Philipp Lahm aber zeigt sich auch, wo die Grenzen dieses Systems liegen. Und bei Robert Enke hat das System vollends versagt.

Fußballspieler sind Söldner. Sie verkaufen sich für Millionengagen an einen Verein (der nur selten wie im Falle Lahm ihr Heimatverein ist), der dann weitgehend über sie und ihre Freiheitsrechte verfügen darf. Fußballspieler werden zu Spekulationsobjekten, die gegen Ablösesummen verkauft, an andere Vereine ausgeliehen oder durch Verträge gebunden werden können. Ein moderner Menschenhandel, der selbst für Sportkommentatoren außerhalb der Diskussion steht. In der laufenden Bundesliga-Saison ist immer öfter ein Spielername in Verbindung mit einem Preis-Etikett zu hören. Dieser oder jener Spieler sei „sein Geld nicht wert“, heißt es dann, oder „er war ein billiger Einkauf“, oder: „Ob Jogi Löw diesen Fehler von Robert Enke gesehen hat?“

Tatsächlich sind die Preise im Spitzenfußball schwindelerregend: Cristiano Ronaldo wurde für 93 Millionen Euro verkauft, Kaká für 65 Millionen, und Mario Gomez war mit 30 Millionen Euro der teuerste deutsche Spieler, als er von Stuttgart nach Bayern wechselte. Während Managergehälter massiv in der gesellschaftlichen Kritik stehen, gehören Fußballer-Gehälter (an denen die Spieler in der Regel weniger verdienen als ihre Vereine) selbstverständlich zum Bestandteil des Sportes.

Er hat nie über psychische Probleme gesprochen

Dagegen, dass der Fußball sich am freien Markt orientiert, lässt sich nicht protestieren. Es stimmt allerdings nachdenklich, wenn dieser freie Markt nur deshalb existiert, weil er die Freiheit seiner „Spekulationsobjekte“, der Fußballer, beschneidet.
Beim FC Bayern ist der Verhaltenscodex für Spieler besonders streng. Trainer wie Louis van Gaal (unter dem auch Robert Enke zu leiden hatte) bestimmen sowohl die Sitzordnung ihrer Kicker beim Mittagessen als auch die Zeit ihres Geschlechtsverkehrs. Fußballtrainer organisieren durch Besucherverbote für Spielerfrauen und durch Ausgehsperren so ziemlich alle intimen Bereiche ihrer Spieler. Fußballer stehen unter ständiger medizinischer Kontrolle – um so verwunderlicher, dass Hannovers Mannschaftsarzt nun sagt, dass Robert Enke nie über psychische Probleme gesprochen habe. Die Spieler haben sich an die Welt der Betreuung gewöhnt, im Kosmos des Fußballs zählen nur sportlicher Erfolg oder Misserfolg. Vielleicht ein Grund, warum Enke selbst spielen wollte, als seine Tochter im Krankenhaus lag.

Der FC Bayern ist keine Ausnahme in diesem System: In Hoffenheim wurde gerade ein neues Trainingslager gebaut, das auf der einen Seite einer Wellnessoase, auf der anderen einem Fünf-Sterne-Knast gleicht. Trainer wie Felix Magath gelten als Helden, weil sie als Schleifer bekannt sind, als strenge Teamleiter. Doch anders als bei van Graal stehen Magaths Spieler hinter dem Konzept ihres Trainers, sehen seinen Erfolg und respektieren ihn als Führungsperson. Absurd aber wird es, wenn Armin Veh sich Kritik gefallen lassen muss, weil er seinen müden Torschützenkönig Grafite in den bezahlten Familienurlaub nach Südamerika schickte, damit er wieder Tore schießt. So viel menschliche Selbstverständlichkeit stößt im Fußball auf Skepsis. Robert Enke hätte derartige Einfühlung das Leben retten können.

Wir wissen nicht, was Robert Enke zu seiner Entscheidung getrieben hat – dass sie „nichts mit dem Fußball zu tun hat“, ist aber sicherlich falsch. Bei einem Fußballer hat alles auch mit dem Fußball zu tun – denn er ist eine Welt, die einen Großteil der anderen Welt nicht zulässt. Robert Enkes Tod ist eine Mahnung an den Sport, den Menschen im Spieler nicht zu vergessen.

Kommentare (64)

raoul 11.11.2009 | 16:06

warum solch ein artikel?
der artikel hechelt ja geradzu der aktualität hinterher und versucht auf die schnelle eine intelligente analyse des systems fussballs zu machen. das kommt ihm leider nicht zu gute. heraus kommen an den haaren herbei gezogene vergleiche und schräge analysen. das wirkt so, als ob man nur auf den tod eines spielers gewartet hat, um solch eine anklage schreiben zu können. was hoffentlich nicht die intention des autors ist?
ernsthaft: lieber mal einen tee trinken und sich fürs schreiben eine woche zeit nehmen. der mensch ist gestern gestorben und der freitag (trotz internet) ist doch immer noch eine wochenzeitung.

Ludischbo 11.11.2009 | 16:20

Natürlich hat mich auch der Tod von Robert Enke sehr bewegt. Es ist eine ganz persönliche Entscheidung: Der bewusste Abschied vom eigenen Leben. Ich weiß nicht, ob ich Respekt haben soll oder ob ich wütend sein soll. Wütend dass bei einer solchen persönlichen Entscheidung auch andere Menschen ein Leben lang, an dem 12.11.2009 18:47, erinnert werden. Die Familie, aber insbesondere der Lokomotivführer des Regionalexpress 4427. Mich ärgert, dass in keinem Wort an dem unbekannten Zugführer gedacht wird. Der Zugführer wird jetzt sein Leben lang das Gefühl mit sich tragen , dass er es war, der den Nationaltorhüter, überfahren hatte.

Magda 11.11.2009 | 16:47

Mir geht es anders. Ich denke, es ist ein nachdenklicher Beitrag und vieles deckt sich auch mit meinem Eindruck.
Ich verfolge Fußball gar nicht mehr so mit Interesse, aber - schon seit den Vorfällen um Sebastian Deisler - und vielen anderen Wahrnehmungen über das Getöse um diesen Sport, von dem manche sagen, er sei eine Religion , wird deutlich, dass es Spieler gibt, die verheizt und zermürbt werden in diesem Betrieb.
Es hat - der Meinung bin ich auch - durchaus auch was mit dem Fußball zu tun, wenn jemand sich so spektakulär aus dem Leben stiehlt.

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gulliver 11.11.2009 | 17:05

Der Artikel ist furchtbar.
Täglich nehmen sich Menschen aus unterschiedlichen Motiven das Leben und alle Zurückgelassenen stellen sich Fragen und fangen zeitgleich mit Spekulationen an.

Nun handelt es sich bei Robert Enke um eine öffentliche Person und irgendwie fühlt sich jetzt die ganze Öffentlichkeit zurückgelassen und spekuliert maßlos.
Der Begriff "Freitod" ist widersinnig; fühlt sich jemand wirklich frei, wenn er sein Leben beendet oder fühlt er sich vielmehr gedrängt?
Hier wurde ein Mensch in den Tod getrieben und Zeitungen, Politiker, Fernsehsender stürzen sich auf dieses Ereignis wie auf ein gefundenes Fressen!

Ich kann mich raoul nur anschließen: Was soll hier solch ein Artikel? Nicht einmal die nächsten Verwandten werden seine Beweggründe kennen. Es ist unfassbar, sich derartig aufzuspielen und seinen Tod auch noch zum Anlass einer Kritik am Umgang mit den Fußballspielern zu nehmen!

Man könnte die Medaille genauso gut umdrehen: Ich könnte einen Artikel schreiben, in dem ich Zeitungen verunglimpfe, die sich in das Privatleben von Profi-Fußballspielern einmischen und zum Schluss kommen:
„Robert Enkes Tod ist eine Mahnung an die öffentlichen Medien, den Menschen im Spieler nicht zu vergessen.“
Das wäre natürlich genauso falsch wie den Sport an den Pranger zu stellen.
Hört doch bitte auf, so zu tun, als könntet ihr in die Köpfe der Menschen schauen, als würde Analyse einen Freitod erklären können. Hört auf, ein solches Ereignis als Anlass für Kritik an was auch immer zu nehmen. Haltet einfach eure Klappe und lasst den Menschen in Ruhe – kann denn jemand überhaupt deutlicher zeigen, dass er in Ruhe gelassen werden will?

Frontbumpersticker 11.11.2009 | 17:24

Dieser Artikel ist Murks!

Zum einen steckt er voller kleiner und großer Fehler, so heißt die Tierschutzorganisation nicht PET sondern PETA, und Sebastian Deislers Karriere musste er nicht beenden weil man seine Depressionen nicht akzeptieren wollte, er beendete sie wegen seiner Depressionen selbst. Etc. Darüber hinaus wird wild ins Blaue spekuliert - das Enke Barcelona wegen van Gaals angeblich zu hartem Training verlassen haben soll entspringt der Phantasie von Ihnen, Herr Brüggemann. Dazu werden mühsam Pseudo-Parallelen konstruiert (Enke-Lahm) und auf billige Weise Feindbilder aufgebaut ("die Sportwelt" begann ihre Unschuld zu behaupten). Bevor Sie so etwas schreiben, schreiben Sie lieber gar nichts. Wie mein Vor-Kommentator Raoul schon schrieb: "Das wirkt so, als ob man nur auf den Tod eines Spielers gewartet hat, um solch eine Anklage schreiben zu können. Hoffentlich ist das nicht die Intention des Autors."

Wie es besser geht lesen Sie hier: www.11freunde.de/bundesligen/125581/flickering_lights

Kritische Masse 11.11.2009 | 17:47

"Als am gestrigen Abend die Meldung vom Freitod des deutschen Fußball-Nationaltowarts Robert Enke über die Ticker ging, ließ sich bereits erahnen, welche Vorstellung ab heute im Medienzirkus gegeben wird. Der bedauerliche Freitod eines jungen Mannes, der offensichtlich dem horrendem Druck des Profisports nicht mehr gewachsen war, verkauft sich natürlich gut. Wer in den Medien nun auf einen Funken Selbstkritik wartet, der wartet freilich vergebens. ..."
lesenswert:
www.spiegelfechter.com/wordpress/1147/der-freitod-eines-torwarts-und-die-ethik

Michael Angele 11.11.2009 | 17:50

Ich möchte mich den meisten Kommentatoren hier anschließen. Dieser Artikel gefällt mir anders als andere des geschätzten Autors Brüggemann überhaupt
nicht. Es wäre meiner Meinung nach besser gewesen, ihn weder zu schreiben noch ihn zu publizieren.

Um Stefan Niggemeier zu zitieren:
"Mutmaßungen sind hier nichts als Anmaßungen. Niemand weiß, was in Robert Enke vorging."

Magda 11.11.2009 | 18:18

Ich erlebe jetzt, dass ein Getöse um die Unangemessenheit eines Beitrages gemacht wird, nur um selbst mit zu tösen, auf die bessere Qualität und Angemessenheit eines anderen zu verweisen, der sich aber auch spreizt und Dinge deutet und das Volk dann elitär auch noch als Pöbel bezeichnet. Das haut mich nun wirklich um. Ein Hyppokrit, ein Pharisäer.

Es geht überhaupt nicht darum, Trauerarbeit zu leisten oder einzufordern, sondern es geht darum, wie mir scheint, jemanden zu foulen, der hier dazu was geschrieben hat.

Nebenher: Quatschen wollen sie am Sarge alle, aber natürlich nicht wie der Nachbar, dieser primitive pöbelige Mensch...weil sie ja die feinfühlenderen und intellektuelleren Hinterbliebenen sind.
Das ist echt 'ne Vorstellung.

Michael Angele 11.11.2009 | 18:57

Gut, dann hier kurz mal Klartext, danach möchte ich mich nicht mehr äußern. Dieser Artikel ist in einem Ton geschreiben, der mich abstößt, es ist darin etwas allzu Glattes. Es 'menschelt' etwas zu sehr, und das scheint mir dann doch fast das Gegenteil von der "Menschlichkeit", die er nicht müde wird zu behaupten.

Nehmen wir nur diese Passage:

"Sicher ist, dass auch Robert Enke einsam gewesen ist in seiner Welt des Fußballs – trotz der Kollegen, der Fans, trotz des Trainers und trotz des Managers. Enke fehlte die Kraft zu reden."

Ich frage mich wirklich: Wie kann man solche Sätze schreiben? Woher weiß der Autor das? "Enke fehlte die Kraft zu reden". Wahrscheinlicher ist doch, dass Enke geredet hat, mit seiner Frau, mit Psychologen, vielleicht sogar mit dem "Trainer". Aber in einer Depression kann nun einmal auch das Reden manchmal nichts mehr helfen.

Und natürlich lag es in der Luft, Enkes tragischen Tod mit dem Fall Lahm zu vergleichen. Vermutlich ging dieser Gedanke heute morgen Dutzenden von "Kulturjournalisten" durch den Kopf.

Wenn schon, müsste man meines Erachtens die Unterschiede zwischen den beiden Fällen hervorheben. Aber auch das lieber micht.
Das ist meine Meinung, und sie ist nicht gegen die übrige Arbeit des Autors, den ich schätze, gerichtet. Ich schweige nun.

Axel Brüggemann 11.11.2009 | 19:01

Liebe Kritiker dieses Textes -
ich lese über das Missfallen, das Sie ausdrücken - und frage mich, wie es dazu kommt?
Zunächst vielleicht dieses: Dieser Text ist kein Auftrag, kein journalistisches "Pflichtstück" - es ist gestern Nacht entstanden. Als Skizze zunächst.
Vor zwei Tagen hatte ich einen Text zu Philipp Lahm geschrieben, nun hörte ich in den Nachrichten von Robert Enkes Tod. Und: wollte meine Gedanken dazu ordnen.
Das habe ich getan. Als ich heute Morgen den Text nocht einmal gelesen habe, nach wie vor ratlos, machten meine Gedanken (für mich) noch immer Sinn, und ich dachte, es wäre vielleicht gut, sie zur Diskussion zu stellen.
Was mich verwirrt, ist die Kritik daran, dass Journalisten ein Ereignis wie dieses aufgreifen und kommentieren. Ich finde, das ist eine Selbstverständlichkeit - die Frage ist allein: wie berichten?
Ich selbst habe vor längerer Zeit eine sogenannte Medienschelte formuiliert, damals zum Schulmassaker, in dem es wirklich um Eventjournalismus ging.
In diesem Fall sehe ich das andes. In vielen Texten, auch von Kollegen, sehe ich eine Auseinandersetzung und die (vielleicht hilflosen) versuche, das "Warum?" zu beantworten?
Geht es uns nichts an, weil jeder Mensch ein Recht auf sein eigenes "Warum" hat? Vielleicht. Und dennoch ist die Tabuisierung des Suizids (und der Krankheit Depression) schon merkwürdig.
Dieser Text entstand - wie gesagt - vor der Pressekonferenz. Und nach der Pressekonferenz finde ich ihm um so wichtiger. Denn die Frage nach dem "warum" stellt sich für mich noch einmal ganz anders, nicht privat, sondern gesellschaftlich: Warum wird eine Pressekonferenz mit den Worten eröffnet, dass es im Fußball noch immer viele Tabus gebe? Warum wird gleichzeitig versucht, vom Fußball als Teil des Kosmos, in dem Menschen zusammenbrechen abzulenken? Warum gehören Fußbalsspieler zu den wahrscheinlich am sogfältigsten betreuten Menschen - und warum gibt es trotzdem keine Hilfe? Ich finde diese Fragen wichtig.
Ebenso wie die Frage, wie das System Sport funktioniert? Wer beheauptet, "das hat nichts mit Sport zu tun" - und da bin ich sicher - irrt: Der Soprt ist eine Welt, in der das Individuum stets einen großen Spagat zwischen Heldentum und Privatmensch absovieren muss, in dem der Druck groß ist und es tatsächlich vom "Umfeld" abhängt, wie mit diesem Druck umgegangen wird.
Und, ja, es ist doch verwunderlich, wie Philipp Lahm kleingehalten werden sollte. Es ist befrebdlich, wie über Grafites "Urlaub" berichtet wurde. Es ist eine Frage wert, wie Joachim Löw mit Enke umgegangen ist. Ich finde all diese Fragen wichtig - und ich stelle sie zum großen Teil ohne Antworten. Und auch das finde ich richtig. Denn Journalismus kann nicht immer antworten.
Wären die Kommentare auf dieser Seite nich anders ausgefallen, wenn es sich um eine "Lidl"-Angestellte gehandelt hätte? Oder um einen Spitzenmanager? Robert Enke war Fußballer - und ich bin ziemlich sicher, dass auch in seinem System, dem System des Leistungssports, einiges in Frage zu stellen ist.
Ich lese in Ihren Kommentaren viele neue Fragen, aber eben auch ein grundsätzlich vernichtendes Urteil, überhaupt über dieses Thema zu schreiben. Mich befremdet das. Ich kann nur wenig damit anfangen, zu lesen: Das ist überflüssig, das ist Voyeruismus etc. Nein, das kann ich als Autor dieser Zeilen sagen: Es ist eine Frage, die mich zu diesem Text getrieben hat. Eine Frage, die - und auch das lese ich - nicht nur ich mir stelle.
Ich respektire das Unbehagen, das Sie mit meinen Zeilen haben, aber für mich ist es auch eine Form des Journalismus, dieses Unbehagen als Anlass eines Gedankens zu nehmen. Eines Gedankens, der Widerspruch erwartet, der neue Einsichten erofft, der Dialog schafft.
In diesem Sinne bin ich gespannt auf die weitere Entwicklung dieser Kommentarspalte.
Axel Brüggemann

Axel Brüggemann 11.11.2009 | 19:11

Liebe Kritiker dieses Textes -
ich lese über das Missfallen, das Sie ausdrücken - und frage mich, wie es dazu kommt?
Zunächst vielleicht dieses: Dieser Text ist kein Auftrag, kein journalistisches "Pflichtstück" - es ist gestern Nacht entstanden. Als Skizze zunächst.
Vor zwei Tagen hatte ich einen Text zu Philipp Lahm geschrieben, nun hörte ich in den Nachrichten von Robert Enkes Tod. Und: wollte meine Gedanken dazu ordnen.
Das habe ich getan. Als ich heute Morgen den Text nocht einmal gelesen habe, nach wie vor ratlos, machten meine Gedanken (für mich) noch immer Sinn, und ich dachte, es wäre vielleicht gut, sie zur Diskussion zu stellen.
Was mich verwirrt, ist die Kritik daran, dass Journalisten ein Ereignis wie dieses aufgreifen und kommentieren. Ich finde, das ist eine Selbstverständlichkeit - die Frage ist allein: wie berichten?
Ich selbst habe vor längerer Zeit eine sogenannte Medienschelte formuiliert, damals zum Schulmassaker, in dem es wirklich um Eventjournalismus ging.
In diesem Fall sehe ich das andes. In vielen Texten, auch von Kollegen, sehe ich eine Auseinandersetzung und die (vielleicht hilflosen) versuche, das "Warum?" zu beantworten?
Geht es uns nichts an, weil jeder Mensch ein Recht auf sein eigenes "Warum" hat? Vielleicht. Und dennoch ist die Tabuisierung des Suizids (und der Krankheit Depression) schon merkwürdig.
Dieser Text entstand - wie gesagt - vor der Pressekonferenz. Und nach der Pressekonferenz finde ich ihm um so wichtiger. Denn die Frage nach dem "warum" stellt sich für mich noch einmal ganz anders, nicht privat, sondern gesellschaftlich: Warum wird eine Pressekonferenz mit den Worten eröffnet, dass es im Fußball noch immer viele Tabus gebe? Warum wird gleichzeitig versucht, vom Fußball als Teil des Kosmos, in dem Menschen zusammenbrechen abzulenken? Warum gehören Fußbalsspieler zu den wahrscheinlich am sogfältigsten betreuten Menschen - und warum gibt es trotzdem keine Hilfe? Ich finde diese Fragen wichtig.
Ebenso wie die Frage, wie das System Sport funktioniert? Wer beheauptet, "das hat nichts mit Sport zu tun" - und da bin ich sicher - irrt: Der Soprt ist eine Welt, in der das Individuum stets einen großen Spagat zwischen Heldentum und Privatmensch absovieren muss, in dem der Druck groß ist und es tatsächlich vom "Umfeld" abhängt, wie mit diesem Druck umgegangen wird.
Und, ja, es ist doch verwunderlich, wie Philipp Lahm kleingehalten werden sollte. Es ist befrebdlich, wie über Grafites "Urlaub" berichtet wurde. Es ist eine Frage wert, wie Joachim Löw mit Enke umgegangen ist. Ich finde all diese Fragen wichtig - und ich stelle sie zum großen Teil ohne Antworten. Und auch das finde ich richtig. Denn Journalismus kann nicht immer antworten.
Wären die Kommentare auf dieser Seite nich anders ausgefallen, wenn es sich um eine "Lidl"-Angestellte gehandelt hätte? Oder um einen Spitzenmanager? Robert Enke war Fußballer - und ich bin ziemlich sicher, dass auch in seinem System, dem System des Leistungssports, einiges in Frage zu stellen ist.
Ich lese in Ihren Kommentaren viele neue Fragen, aber eben auch ein grundsätzlich vernichtendes Urteil, überhaupt über dieses Thema zu schreiben. Mich befremdet das. Ich kann nur wenig damit anfangen, zu lesen: Das ist überflüssig, das ist Voyeruismus etc. Nein, das kann ich als Autor dieser Zeilen sagen: Es ist eine Frage, die mich zu diesem Text getrieben hat. Eine Frage, die - und auch das lese ich - nicht nur ich mir stelle.
Ich respektire das Unbehagen, das Sie mit meinen Zeilen haben, aber für mich ist es auch eine Form des Journalismus, dieses Unbehagen als Anlass eines Gedankens zu nehmen. Eines Gedankens, der Widerspruch erwartet, der neue Einsichten erofft, der Dialog schafft.
In diesem Sinne bin ich gespannt auf die weitere Entwicklung dieser Kommentarspalte.
Axel Brüggemann

mh 11.11.2009 | 19:22

bis gestern kannte ich noch nicht mal den namen. also möge man es mir nachsehen, wenn ich nicht sonderlich betroffen bin.

zumal mir die dann notwendige dauerbetroffenheit etwas zu anstrengend wäre:

"Statistisch kommt es täglich zu ungefähr drei Freitoden auf Bahngleisen."

ich habe diesen artikel gelesen, weil er mir von vorneweg versprach das thema als solches und nicht den menschen zu behandeln. es war dann etwas zu menschlich ... aber so im großen und ganzen wundere ich mich vor allem darüber, dass man sich wundert dass ein geschäft ein geschäft ist.

geld ist kein rohstoff, der menschlichkeit befördert.

nun, ich kann mich aus verschiedensten gründen des fussballs nicht freisprechen und werde gezwungen diverseste einblicke zu nehmen. jaja, auch zur schau getragenes desinteresse vermag das nicht zu verhindern.

belustigend finde ich da so vereine wie st. pauli. die leben von einer menge linker gestalten, werden ab der zweiten liga aufwärts aber in einem maße durchkommerzialisiert.. ein telekommanager könnte es kaum besser tun. und die leute lassen sich das gefallen. das event, das erlebnis, der genuss der eigenen maße .. schlussendlich zählt das alles mehr als die heeren werte, die man zu vertreten gedenkt.

und dann kommt ihr hier mit so nem artikel..

mfg
mh

Titta 11.11.2009 | 19:36

@Axel Brüggemann

"Warum gehören Fußbalsspieler zu den wahrscheinlich am sogfältigsten betreuten Menschen - und warum gibt es trotzdem keine Hilfe? Ich finde diese Fragen wichtig.
Ebenso wie die Frage, wie das System Sport funktioniert? Wer beheauptet, "das hat nichts mit Sport zu tun" - und da bin ich sicher - irrt: Der Soprt ist eine Welt, in der das Individuum stets einen großen Spagat zwischen Heldentum und Privatmensch absovieren muss, in dem der Druck groß ist und es tatsächlich vom "Umfeld" abhängt, wie mit diesem Druck umgegangen wird."

Völlig richtige und völlig berechtigte Fragen, die gestellt werden sollten.
Und ob nun einer Stürmer, Mittelfeldspieler oder Verteidiger ist, spielt dabei so was von keine Rolle, daß ich der Kritik an Ihrem Artikel da auch nicht mehr folgen kann und mag.
Das hier ist schließlich der Freitag und kein Sportmagazin.

Danke für den Artikel.

LG
Titta

mh 11.11.2009 | 19:43

"Dieser Artikel ist in einem Ton geschreiben, der mich abstößt, es ist darin etwas allzu Glattes. Es 'menschelt' etwas zu sehr, und das scheint mir dann doch fast das Gegenteil von der "Menschlichkeit", die er nicht müde wird zu behaupten."

damit wäre der sport und somit das thema ja nahezu perfekt umschrieben. genau deswegen ist er gut und passend und vermittelt genau das, was uns am sport stören sollte.

herrlich... eine verdammnis als beweis ihres gegenteils.

mfg
mh

Avatar
rainer-kuehn 11.11.2009 | 22:32

Ich schreibe hier sozusagen "bei" MH und Tittas Zustimmung zu seinen Beiträgen hier, weil ich seine Argumente absolut teile. Weil die Setzung der Pressekonferenz groß ist. Und weil seine Argumente bis zum linkswitzigen radikalkapitalistischen Weltpokalsiegerbesieger gehen. Da sitzen wir also auf einem Sofa. Schön.
Trotzdem ist der Artikel von Axel Brüggemann gut, offen und reflektierend, über den Tellerrand hinaus. Beim Lesen hab ich zwar auch gedacht, ja, ne, was soll das hier, aber Brüggemann hat ein Spektrum aufgemacht, und vieles angespielt, was sonst beim oft sehr personalen Sportbericht gar nicht vorkommt. - Ich habe zwei Tage vor Enkes Selbstmord noch mit Freunden über Sebastian Deisler diskutiert, und dabei die Welt des (Profi)Fußballs als Verschärfung der realen gesehen.
Vor der Lektüre im Freitag hörte ich eine halbe Stunde lang auf WDR 5 Berichte und Kommentare, die informationell und journalistisch mit Brüggemanns Text übereinstimmten. Und gerade las ich den Bericht bei unseren 11 Freunden. Sehr schön, aber auch selbstgerecht und in der pauschalen Medien-Kritik auf jedes beliebige Thema anwendbar.
Ich bin selber fußballaffin, habe selbst gespielt lange und bin heute noch Supporter der Mannschaft aus meiner Jugendzeit, Dritte Liga, Bundesliga und Nationales sind mir eher fern. Auch Enke kannte ich eigentlich nicht, das wäre eine Anmaßung.
Aber nach allen Berichten und privaten Gesprächen (das ist ein ganz starkes Thema) sehe ich bei so einer persönlichen öffentlichkeitsrelevanten Katastrophe den kritischen Journalismus in der Pflicht, vom individuellen Fall ausgehend Hintergrund zu berichten.
Meine Rezeption ist so, daß Brüggemann hier und MH das zusammen gemacht haben, klar berühren sie sich mit den Ellenbogen, aber das Überdentellerrandgucken des Beitrags trifft sich genau mit der MHschen Fußballkritik derer am Millerntor. - Es gibt keinen sportlichen Fußball in einer unsportlichen Welt!
Und die Tabus in der Umkleide sind vielleicht doch stärker als draußen auf der Tribüne ...

luggi 11.11.2009 | 23:26

Selbstmord, Suicid, Selbsttötung, Autodafé, welche Begrifflichkeiten kennt Sprache für diese schreckliche persönliche Entscheidung: Ich kann nicht mehr, ich möchte nicht mehr, ich mach jetzt Schluss. Aber ist es auch nicht so, dass jeder einmal mit diesem Ausweg gedacht gespielt hat? Welche Bedingungen sind es, die einen Menschen zu solch einer Überlegung kommen lassen, welche Bedingungen sind es, dass der Überlegung die Tat folgt.
Was heute in den Medien zum Tod von Enke vollzogen wurde ist in meinen Augen eine Schmierenkomödie. Weil die überbordende Trauer des DFB so exaltiert ist, macht mich das alles mehr als misstrauisch. Ich bin der Meinung, hier soll etwas überdeckt werden, was Enke zerbrechen ließ.

11 Freunde sollt ihr sein, ist immer noch ein bekannter Spruch. Es ist verkommen zu dem Spruch: Ihr sollt Ware Fußballspieler sein.

Es lebe der Amateurfußball, der wahre Fußball.

Ein Link zur Problematik Selbsttötung:
www.youtube.com/watch?v=UBnF6ct-Q60
die anderen Teile sind leicht zu finden.

Also, wenn mich jemand fragen täte, ich täte nur sagen: Scheiß Profisport.

luggi

P.S. Scheiß System, in dem das Unmögliche möglich ist.
Jetzt ist ist aber genug mit der "Merde".

Avatar
rainer-kuehn 12.11.2009 | 00:09

Drei Mal Ja Zu Luggi:
1) Aber ist es auch nicht so, dass jeder einmal mit diesem Ausweg gedacht gespielt hat?
2) Ich bin der Meinung, hier soll etwas überdeckt werden, was Enke zerbrechen ließ.
3)Scheiß Profisport.
Das sind drei bezeichnete Tabus, und die boulevardeske Presse schlachtet sie aus durch ÜBERREDUNG.
Schon daß Enke nun das Beispiel ist, ist systemisch. Aber aus Exempeln sollten wir lernen.
Und nicht einfach so weiter machen.

weinsztein 12.11.2009 | 00:34

@luggi Was ahnst du denn, sollte überdeckt werden, das Robert Enke zerbrechen ließ? Den Ausweg, den er wählte, hatten zumindest die Älteren unter uns sicher schon mal erwogen.

Was erhält uns die Lust am Leben? Ok, bei dir ist es der Amateurfußball Diverses. Bei mir ist es die Neugier, die Sucht, nichts verpassen zu wollen. (Nun gut, Fußball auch, kochen, Streiterei.) Scheiß System stimmt - und nun?

riddlum 12.11.2009 | 00:39

Ich kann mich da auch nur raoul anschließen. Normalerweise schätze ich Axel Brüggemann als Autoren sehr. Aber als Wochenzeitung habt ihr es doch echt nicht nötig, auf Teufel komm raus da einen Artikel raus zuhauen.
Besonders der Aspekt, dass Enke scheinbar schwer depressiv war wird so gut wie gar nicht aufgegriffen.
Ich finde - in diesem Fall - könnte sich der Freitag eine Scheibe von 11 Freunde abschneiden, die (wie ich zu meiner Überraschung feststellte) wesentlich mehr Fingerspitzengefühl zeigten.

z.B.:"Mutmaßungen sind hier nichts als Anmaßungen. Niemand weiß, was in Robert Enke vorging."

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chrisamar 12.11.2009 | 06:17

"...und sich selbst den Tod."
Robert Enke ist tot. Vermutlich war er auch sehr rasch tot. Er kann seinen jetzigen Zustand weder bereuen, noch geniessen oder gar durchleiden. Es gibt ihn nicht mehr.

Für seinen Tod, muss man nicht zwingend den Fußball verdächtigen. Es könnte sogar sein, dass der Fußball sein Leben bereichert hat. Sport hilft gegen Depressionen.

Die Gründe für eine seelische Erkrankung können auch ganz banal sein. Eine Hauskatze -die eigene oder die vom Nachbarn- könnte ein Ursache sein. Katzen sind Seuchenträger. Katzen verbreiten Toxoplasmose. Diese kann/könnte Auslöser für Depressionen und Schizophrenie sein. Nachweislich wird das Gehirn durch eine T-Infektion verändert.

Depressionen können durch einen traumatischen Schock ausgelöst werden.

Einen Zustand, welche die Witwe von Robert Enke jetzt zum 2ten mal durchleben muss. Dieses Ereignis dürfte auch das gesamte weitere Leben der adoptierten Tochter der Enkes prägen und vermutlich belasten.

Robert Enke braucht unser Verständnis nicht mehr. Er darf auch kein Vorbild sein. Er war ein seelisch kranker Mann. Durch seine Tat, hat er den Menschen, die ihn geliebt haben, etwas furchtbares angetan.

Das sollte jedem hier klar sein.

Allen Winter-Depressiven empfehle ich 6 Wochen Kurlaub auf "Bonnie´s Ranch".

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chrisamar 12.11.2009 | 07:17

Lieber HM,
eine sehr kluge Frage. Meinen Mann zu verlieren, ihn sterben zu sehen, was das bedeutete, konnte ich mir gar nicht vorstellen.Die Trauer setzte auch erst nach einigen Stunden ein. Und je mehr Zeit verging, um so schrecklicher wurde es. Trauer ist ein Schockzustand. Sie setzte Gefühle von einer solchen Intensität in mir frei, von denen ich vorher nicht mal ahnte, dass es das gibt. Trauer ist geheimnisvoll.Ein spiritueller Vorgang. Eine Reise nach innen. Es war manchmal schwer für mich, die Realität zu akzeptieren und ich flüchtete mich in Träume. Als Trauernde habe ich ein anderes Verständnis für Menschen bekommen. Ich wurde sensibilisiert. Denn Trauer macht empfindlich für die Grausamkeiten des Alltags. Trauer bedeutet, an nichts anderes mehr denken zu können als an die Qualen deines Mannes.Und an die Momente, in denen ich versagt habe. Hätte ich doch...Irgendwann fängt man an, die Minuten, später die Stunden zu zählen, die zwischen den Gedanken an das Schreckliche und der Realität liegen. Alles schreckliche würde man gerne mit dem Verstorbenen besprechen. Wie man es seit Jahren gewohnt ist. Aber, der ist ja tot.
Trauer lässt einen auch verbittern. Z.B. habe ich immer Todesanzeigen gelesen und mich gefreut, wenn ein Mann jünger verstorben ist als mein Mann war.
Bis heute trage ich den Geruch von Trauer Friedhof mit mir rim. Obwohl ich seit 3 Jahren kein Schwarz mehr trage. Vermutlich nie wieder. Und ich hasse Blumen Kerzen. Weil es mich an Beerdigungen erinnert. An seine.

Den Kontakt zu gemeinsamen Freunden habe ich damals sofort abgebrochen. Weil ich wollte, dass die uns in Erinnerung behalten, wie wir waren. Und nicht den Menschen erleben, der aus mir geworden ist.Eine Witwe. Sehr viele aus meinem Bekanntenkreis zogen sich von mir zurück. Weil sie das Elend nicht ertragen konnten. Die ersten Jahre war ich der Meinung, dass andere Leute mir ansahen, was ich durchlebe. Ein unangenehmer Gedanke, der sich aber nicht immer als falsch rausstellte.

Das allerschwierigste für mich war am Leben zu bleiben.

Manchmal frage ich mich, ob mein jetziges Leben den Kampf wert war. Und auch heute Morgen ist die Antwort: Ja!

mh 12.11.2009 | 10:05

"Es gibt keinen sportlichen Fußball in einer unsportlichen Welt!"

na das muss aber in die perlen. agentin titta, walten sie ihres amts.

mir ist da noch was aufgefallen...

das neudeutsche wording, ist sehr interessant. gestorben ist er. verstorben ist er. selten mal wars eine selbsttötung.

ABER, im dradio wars dann mal ganz offen: "robert enke hat sich vor einen zug geworfen"

da musst ich dann doch lachen und war endlich befreit.

mfg
mh

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gerhardhm 12.11.2009 | 11:27

@chrisamar
"...den Menschen die ihn geliebt haben und den Menschen, die ihm vertraut haben, unfassbares Leid angetan." Unfaßbar ist es ganz bestimmt nicht. Es tut halt so fürchterlich weh. Als mein Bruder diesen Weg 89 gegangen ist, haben in etlichen Trauerrunden einige Freunde genau Ihren Gedanken ausgesprochen. "Der geht 'einfach' so, und wir müssen weitermachen." Das gehört AUCH zur Wahrheit dazu. Und es darf und muß auch ausgesprochen werden.
Ich denke allerdings, daß das eine Angelegenheit der Familie Enke ist. Und sehr viel weniger eine des DFB, irgendwelcher Fans oder ...

Depression ist eine (Volks-)Krankheit in D. Millionen sind davon betroffen. Aber warum wird man stigmatisiert, gekündigt bzw. gar nicht erst eingestellt, wenn man es öffentlich macht bzw. man zum Psychotherapeuten geht? Das ist doch der Irrsinn in diesem Scheißsystem mit diesen immerfitten Menschen.

@Titta
"Und nun?"

Ist doch völlig klar! Weitermachen! Unbedingt und sogar in der "Formel(Hartz)-IV"!

Nelly 12.11.2009 | 11:39

Bis zu seinem Tod hatte ich keine Ahnung, wer Robert Enke ist, noch, daß es ihn überhaupt gibt. Nach seinen Äußerungen und den Aufnahmen von ihm, die ich nun zu sehen bekommen habe, scheint er ein sympathischer Mensch gewesen zu sein. Es ist tragisch, daß er sich das Leben genommen hat.
Damit teilt er das Schicksal von tausenden Depressiven, die in diesem Land dasselbe jedes Jahr tun. Die meisten Suizide sind auf eine Depression zurückzuführen. Ca 15% aller schwer Depressiven bringen sich irgendwann tatsächlich um. Für mich heißt das, sie sterben an ihrer Krankheit. So wie Robert Enke eben auch an seiner Krankheit gestorben ist. Das möchte ich Chrisamar zu ihrem Kommentar sagen, in dem sie schreibt, er hätte seinen Angehörigen unendliches Leid "angetan". (Der Beitrag über ihre eigene Trauer hat mich dagegen sehr berührt.) In welchem psychischen Ausnahmezustand sich ein Mensch befindet, der sich so brutal selbst vernichten möchte, daß er sich vor einen Zug wirft, können wir uns als Außenstehende nicht wirklich vorstellen.
Weil Robert Enke zufällig prominent und im Profifußball sehr erfolgreich war, wird nun spekuliert, was sein Suizid mit den Zuständen im Profifußball zu tun hat. Aber Depressionen treten in allen Berufsgruppen, Schichten usw. und in jedem Lebensalter auf. Über jede(n), der oder die sich umbringt, könnte man schreiben, er oder sie starb an den Bedingungen in seinem Beruf, seiner Lebenssituation. Beim Schauspieler ist es dann die Oberflächlichkeit der Filmbranche, bei der Hausfrau die zerrütteten Familien, beim Bauarbeiter die ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse, bei der Ärztin die Überforderung im Klinikalltag, beim Schüler das schlechte Bildungssystem usw.usf. Und jedes Mal wäre vielleicht auch was wahres dran. Wer nennt mir eine Branche oder einen Lebensbereich, in dem man nicht Gründe für Depression und Suizid finden könnte ?

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gerhardhm 12.11.2009 | 14:47

Liebe chrisamar,
so ist es. Vielleicht ist Trauer der eine Pol unseres Lebens, an dem dieses Leben ausschließlich weh tut. Wahrscheinlich wird sie deshalb auch so sehr gemieden.

Ich habe unten ein wenig von meinem Bruder geschrieben. Nie werde ich die Situation vergessen, als die Kripo die Nachricht brachte. Ich dachte, ihr bleibt das Herz stehen. Mein Vater ist erst zusammengebrochen, als wir gemeinsam die Stasiakte mit dem OV meines Bruders gelesen haben. Er ist den Rest seines Lebens zu diesem Thema stumm geblieben. Auch das ist eben eine Form von Trauer. Sicher die schmerzlichste. Ich will jedem die seine lassen.

Auch mit dem Tod müssen wir uns versöhnen. Er gehört zum Leben dazu. Und Abschiede dürfen und müssen betrauert werden. Solange das Herz schlägt. Und das hält, wie jeder täglich überprüfen kann, schon ganz schön lange durch.
Einen sehr herzlichen Gruß

Titta 12.11.2009 | 22:27

@chrisamar

"Er kann seinen jetzigen Zustand weder bereuen, noch geniessen oder gar durchleiden. Es gibt ihn nicht mehr."

Ansichtssache

"Dieses Ereignis dürfte auch das gesamte weitere Leben der adoptierten Tochter der Enkes prägen und vermutlich belasten."

Spekulation

"Robert Enke braucht unser Verständnis nicht mehr. Er darf auch kein Vorbild sein. Er war ein seelisch kranker Mann. Durch seine Tat, hat er den Menschen, die ihn geliebt haben, etwas furchtbares angetan."

Ansichtssache, Wertung.

"Das sollte jedem hier klar sein."

Verallgemeinerung bzw. Festlegung der eignen Ansicht als allgemeine Erkenntnis/Wahrheit.

Victor Visitor 13.11.2009 | 00:11

Danke für diesen Artikel! Er hebt sich wohltuend von denen ab, die durch die Aufzählung der Trauernden und das Auswalzen der persönlichen Probleme Enkes davon abzulenken versuchen, dass das geschilderte System (Fußball-Medien - Öffentlichkeit) schon viele in Depressionen gestürzt hat. Es waren die wenigsten Schicksale, die in die Presse gelangten, fürchte ich. Was ist z.B. mit den Spielern, die kurz davor standen in der Bundesliga/in der Nationalmannschaft zu spielen, es aber dann doch nicht schafften.

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rainer-kuehn 13.11.2009 | 00:12

Ach Titta, auf alles, was Du hier anmerkst, hätte ich viel schärfer reagieren wollen, nämlich meinen Kater gegen den Bildschirm schmeißen. Daß er zu der kommt, die sich hier einiges Unangemessenes anmaßt.
Wenn ich dann sehe, daß chrisamar "bevorzugt die kommunikation mittels gedankenlesens" wählt, frage ich mich sowieso, warum sie hier schriftlich so einen Quatsch abläßt. Aber sie sagt: "Egal was es ist, ihr koennt mich alles fragen und mir alles sagen." - Hiermit getan, und Schluß.

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rainer-kuehn 13.11.2009 | 00:24

@Nelly: Eine waher Kommentar. Er wird nur verwässert durch den Satz zu chrisamar: "Der Beitrag über ihre eigene Trauer hat mich dagegen sehr berührt."
Der Satz hat hier auch überhaupt nichts zu suchen und macht Cash mit etwas Intimen. -
Na ja, wenn ich sehe, was in meiner lilaweißen VfL-Gruppe so geschwätzt wird und was jetzt an Enke-Trauer geplant ist, dann ist dieser Fall nicht das Gegenteil des Verschweigens psychicher Krankheiten mitten in der Gesellschaft, sondern deren besondere Grablegung.

Michael Angele 13.11.2009 | 13:38

NETPLOSIV NEWSLETTER

Hallo,

aus aktuellem Anlass senden wir Euch heute diesen Sonder-Newsletter zum Tod von Fußball-Nationaltorwart Robert Enke. Wir haben diefolgenden aktuellen Berichte zum Selbstmord des Fußballers:

Selbstmord: Fußball-Nationaltorwart Robert Enke ist tot !
netplosiv.org/200934696/leute/promis/selbstmord-fussball-nationaltor
wart-robert-enke-ist-tot

Selbstmord von Robert Enke: Das Todes-Protokoll
netplosiv.org/200934715/leute/promis/selbstmord-von-robert-enke-das-
todes-protokoll

Robert Enke: Fußball-Legende Franz Beckenbauer zum Selbstmord
netplosiv.org/200934756/leute/promis/robert-enke-fussball-legende-franz-beckenbauer-zum-selbstmord

Selbstmord: Hier starb Robert Enke !
netplosiv.org/200934766/leute/promis/selbstmord-hier-starb-robert-en
ke

Robert Enke: Polizei bestätigt Abschiedsbrief
netplosiv.org/200934772/leute/promis/robert-enke-polizei-bestaetigt-
abschiedsbrief

National-Torwart Robert Enke: Seine Trauer um den Tod von
Töchterchen Lara
netplosiv.org/200934710/leute/promis/national-torwart-robert-enke-seine-trauer-um-den-tod-von-toechterchen-lara

Selbstmord von Robert Enke: Teresa Enke spricht auf Pressekonferenz
netplosiv.org/200934779/leute/promis/selbstmord-von-robert-enke-tere
sa-enke-spricht-auf-pressekonferenz

Selbstmord von Robert Enke: Sein Psychologe steht unter Schock !
netplosiv.org/200934787/leute/promis/selbstmord-von-robert-enke-sein
-psychologe-steht-unter-schock

Es gibt aktuell aber natürlich auch viele weitere interessante News
wie zum Beispiel:

Schweinegrippe: Impfstoff für Schwangere kommt
netplosiv.org/200934760/vermischtes/weltgeschehen/schweinegrippe-imp
fstoff-fuer-schwangere-kommt

Michael Jackson: Erstes Foto vom Grab
netplosiv.org/200934746/musik/pop-rock/michael-jackson-erstes-foto-vom-grab

John Travolta: Tochter Ella Bleu zaubert sein Lächeln zurück
netplosiv.org/200934741/leute/promis/john-travolta-tochter-ella-bleu-zaubert-sein-laecheln-zurueck

Twilight-Star nackt: Fotos für Peta
netplosiv.org/200934736/leute/promis/twilight-star-nackt-fotos-fuer-peta

Natürlich ist das aber noch längst nicht alles und es gibt auch aktuell wieder viele weitere interessante Meldungen.

Wir freuen uns auf Deinen Besucht auf netplosiv.org

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rainer-kuehn 13.11.2009 | 19:36

GerhardHM, nein: mit dem Tod müssen wir uns nicht versöhnen!
Dann wäre er nicht das normale Ende des Lebens, das mit der Geburt beginnt. Der Tod gehört dazu. Christlich-abendländische Philosophie will seit je Herrschaftskapital bzw. Leidensfähigkeit als Tugend aus einem einfachen Faktum des Endes des Lebens schlagen. Wenn in einer befreiten Gesellschaft ständig präsent wäre, daß Leben von Generationen nimmt und gibt, wäre so etwas wie eine solidarische Menschheit in Sicht.
Etwas Humanes halt.
Oder eben so: »Der Tod muß abgeschafft / werden, diese verdammte / Schweinerei muß aufhören. / Wer ein Wort des Trostes / spricht, ist ein Verrräter / Bazon Brock.« brock denkt richtig, individualistisch, eine menschheit dagegen stirbt nicht, außer sie tötet ihre lebensgrundlagen durch kapitalistische wirtschaftsweise.

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gerhardhm 14.11.2009 | 10:36

@Titta
"...die Wut auf den Verstorbenen und all das, was mit ihm nicht gelebt werden konnte zu seinen Lebzeiten." Weiter unten habe ich kurz beschrieben, daß mein Bruder sich "nachträglich" so einiges anhören mußte. Und das ist auch völlig ok. Wenn ich aber akzeptiere, daß ein Suizid die Folge einer Depression ist, also einer Krankheit, auf wen will ich dann wütend sein. U.u. auf mich selbst vielleicht, daß ich nicht bemerkt habe, wie der Andere abdriftet? Wut rauslassen ist natürlich immer gut, solange sie nicht gegen andere gerichtet wird.

@RainerKühn
Diese verdammte Schweinerei wird nie aufhören! Ich bin mir ja einigermaßen sicher, daß unsere Angst vor dem Tod (und einige andere Gründe) genau jene Schweinerei geradezu erzeugt, die wir kapitalistische Wirtschaftsweise nennen. Und in dem Versuch, den Tod zu vermeiden bzw. wenigstens hinauszuschieben, ziemlich genau das Gegenteil erreichen. Man könnte ja auch mal ganz unsentimental die Frage nach den wirklichen Kosten unseres westlichen langen Lebens stellen?

Wäre ganz sicher ein großes Blogthema:
Was hat es mit unserer Sterblichkeit auf sich?
Und was mit unserer Geburtlichkeit?
Vielleicht wäre es Teil unserer Befreiung von diesem so oft so falschen Leben? Wissen und auch fühlen:Ich bin ein Sterblicher und ein Geburtlicher.
Ich jedenfalls habe erst sehr spät angefangen, mir darüber Gedanken zu machen. Ich hielte es, gut vermittelt, für Unterrichtslehrstoff an den Schulen.

bertamberg 16.11.2009 | 01:42

Frage an das Publikum: Warum hat Robert Enke sich mal zwei Jahre Auszeit genommen, bzw. nehmen können und wollen? Eine plausible Antwort:

"Befindet sich einer heiter und gut,
Gleich will ihn der Nachbar peingen;
Solang der Tüchtige lebt und tut,
Möchten sie ihn gerne steingen."

Nu is er hin - und jetzt?
Das:

"Ist er hinterher aber tot,
Gleich sammeln sie große Spenden,
zu Ehren seiner Lebensnot
Ein Denkmal zu vollenden;"

Wenn es aber mal zwanzig Jahre lang ein Robert-Enke-Stadion in Hannover gegeben haben wird:

"Doch ihren Vorteil wohl ermessen:
Gescheiter wärs, den guten Mann
Auf immerdar vergessen."

Schöne Grüße von: J. W. Goethe (1920):
Buch des Unmuts. Aus: West-Östlicher Diwan, Insel-Verlag Leipzig, S. 42