Axel Brüggemann
Ausgabe 2214 | 30.05.2014 | 06:00 17

Man streitet über Subventionen

TTIP Die alten Herren der Kulturindustrie managen ihre Produkte so unmutig wie keine andere Branche. Ausgerechnet das Freihandelsabkommens stellt dieses System infrage

Die deutsche Kulturförderung ist eine Selbstverständlichkeit. Seit Jahren wird ein bisschen gekürzt und ein bisschen rumgemacht, Debatte darüber: Fehlanzeige. Dabei ist das subventionierte Stadttheater inzwischen so zusammengeschrumpft, dass es seinem Auftrag, Freiräume zum kritischen Denken zu schaffen, kaum noch nachkommt. Intendanten legitimieren ihre Häuser mit kommerziellen Kassenschlagern oder indem sie mit Education-Programmen den Musikunterricht in Schulen kompensieren.

Auf dem Büchermarkt sieht es trotz indirekter Subvention durch die Buchpreisbindung nicht besser aus. Es ist längst ein Mythos, dass Verlage Experimentalliteratur durch Bestseller querfinanzieren. Lektoren produzieren heute mit stierem Blick auf die Amazon-Bestsellerliste. Den Glauben an den Einfluss der Buchhändlerin oder des Feuilletons haben sie verloren. Und die Filmindustrie veranstaltet ein massiv gefördertes Obrigkeitskino, das öffentlich-rechtliche Fernsehen fusioniert seine Rundfunkorchester, lagert Kultursender wie Bayern 4 aber ins hörerlose Netz aus und schielt im Hauptprogramm zu RTL und ProSieben. Die Grundversorgung droht so zur Subvention von Mainstreamware zu werden.

Seit Jahren sitzt die Lobby der Kultur-Apparatschiks allein auf hohem Ross und verteidigt ihre Pfründe. Steinkohle, Atomkraft und Gewerkschaften mussten umdenken – nur die alten Herren des Bühnenverbands, des Buchmarkts oder der Fernsehgremien managen ihre Produkte so unmutig wie keine andere Branche. Sie schustern sich Posten zu und trauen sich nicht, Subventionen gerade durch das Ausbleiben von Publikum zu legitimieren. Das Erschreckende: Die Lobby deutscher Kulturbetonköpfe scheint damit erfolgreicher als jene der US-Chlorhühner.

Typisch, dass es nicht die innere Struktur, sondern der äußere Druck des Freihandelsabkommens TTIP mit den USA ist, der dieses System infrage stellt. Und plötzlich wird wieder gestritten: Kulturstaatssekretärin Monika Grütters verweist darauf, dass wir uns immerhin ein Literaturhaus in Anklam leisten und in Off-Theatern neu denken. Claudius Seidl von der FAS hält dagegen, dass sowohl das kulturelle Erbe Europas (die Werkstätten Michelangelos) auf den freien Markt zurückzuführen ist als auch die aktuellen US-Innovationen (Mad Men oder Dave Eggers’ The Circle).

Beide Positionen sind berechtigt, die Debatte überfällig. Hätte Grütters den Mut, die Subventionskultur jenseits der Apparatschik-Lobby neu zu ordnen, wenn die Kultur aus dem TTIP-Vertrag ausgeklammert würde? Oder wäre es sinnvoller, den deutschen Kulturmarkt durch das Handelsabkommen zum Umdenken zu zwingen? Solange die Kulturlobby nicht einsieht, wie einsam sie geworden ist, ist der Zwang zum Handeln zumindest eine Hoffnung.


ausgabe

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 22/14.

Kommentare (17)

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2014 | 09:12

Haben inzwischen die organisierten "Transatlantiker" Ihre Klauen auch in den "Freitag" hineinbohren können? Oder soll ich diesen Artikel anders verstehen denn als Apologie des neoliberalen Prinzips auch in der Kultur?

Nehmen wir allein den Literaturmarkt: Dass auch hier die arg reduzierte "Grundversorgung" oft nur noch "Mainstreamware" hergibt, unterschlägt die Bedeutung der Differenz der kleinen innovativen Verlage, die ohne Buchpreisbindung erledigt wären (da ihnen die Konzentration im Buchhandel - vor allem des Monopolisten unter den Online-Buchhändlern - genug zusetzt.) Ein einziger Gang durch eine US-Buchhandlung, von denen wir übrigens eine zehnfach höhere Anzahl aufweisen, und der Besucher begreift, welchen Reichtum wir da - noch! - aufweisen können. Eine weitere Amerikanisierung wäre eine Katastrophe!

Das heißt aber nicht, dass nichts zu tun wäre. Denn die Durchsetzung von Konformität ist ein Problem, welches jedoch nicht der Subventionierung, sondern der Opportunität geschuldet ist. Das oben zitierte Feuilleton der FAS ist das beste Beispiel. Dave Eggers mag ein netter Kerl sein, privat, aber niemand, der auch nur die Literatur des 20. Jahrhunderts differenziert kennt, wird ihn für sonderlich innovativ halten. Wen bespricht unser Feuilleton sonst? Die regelmäßigen Neuerscheinungen eines Jonathan Safran Foyers, eines Jonathan Lethems, eines T.C. Boyles, vielleicht noch eines Ian MacEwans.... Alles US & angelsächsische Schriftsteller, die eben der Gegenwart nicht so an die Nieren zu rücken pflegen, wie dies Autoren anderer Länder tun. Wie gut ist im Feuilleton Lateinamerika repräsentiert? Asien? Afrika? Selbst nicht englischsprachige Europäer? (Außer den unverzichtbaren Skandinaviern im Krimi-Metier?) Sogar deutsche Autoren, die das tun, was Literatur im Kern soll, nämlich die Wirklichkeit in allen Schichten sezieren, finden nur rare Erwähnung im deutschen Feuilleton, wie man am Beispiel Reinhard Jirgls beobachten kann.

Unser Blick ist eng geworden. Wir schielen zu sehr nach New York, London, Washington & vergessen, dass der Rest der Welt auch noch da ist. Das ist tötlich. Für uns. Für die Literatur. Für die Kunst, die eben vor allem das nicht Evidente, nicht pausenlos Propagierte, die "Ränder", das Kleine, das scheinbar Unscheinbare zur Leuchtkraft bringen soll.

Neonröhren muss nicht zusätzlich noch die Kritik aufpolieren. Ihr synthetischer Schein ist aufdringlich genug.

Notwendig wäre eine Kosmopolisierung des Blicks, den nicht TTIP, sondern allenfalls die Diskussion darüber fördern kann, falls wir es am Ende mehrheitlich & souverän ablehnen. Denn wie um unsere Handelsbeziehungen zu allen, die sich nicht in die transatlantische Umzäunung begeben, so wird sich TTIP auch in der Kultur wie eine Betonmauer um unsere Wahrnehmung legen & unseren Blick weiter verengen: auf eine ganz bestimmte Bevölkerungsschicht in vor allem einem einzigen mächtigen Land. Noch hat aber der Globus mehr zu bieten. Und davon wollen wir eben auch in unserer Literatur lesen & auf unseren Bühnen sehen & hören.

Aber nicht mit TTIP. Es wird die Verarmung der Vielen zementieren. Wirtschaftlich & Kulturell. Deshalb gehört es gestoppt. Dringend!

knattertom 30.05.2014 | 17:35

"Und die Filmindustrie veranstaltet ein massiv gefördertes Obrigkeitskino, das öffentlich-rechtliche Fernsehen fusioniert seine Rundfunkorchester, lagert Kultursender wie Bayern 4 aber ins hörerlose Netz aus und schielt im Hauptprogramm zu RTL und ProSieben. Die Grundversorgung droht so zur Subvention von Mainstreamware zu werden."

Warum droht?, m.M.n. ist es bereits seit langem so und ich habe deswegen seit Jahren keinen Fernseher mehr.

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Ehemaliger Nutzer 30.05.2014 | 19:09

"Steinkohle, Atomkraft und Gewerkschaften mussten umdenken – nur die alten Herren des Bühnenverbands, des Buchmarkts..."

Die Sprache des Autors ("alte Männer") diskreditiert ihn bereits.

Doch wie steht es um die Logik?

Atomkraft = (also) Kultur. Und wo ist das Endlager, damit wir dort unsere verdienten Helden hinbringen können? Was aber sagen die neoliberal gewendeten Gewerkschafter in den Stahlbetrieben dazu, wenn man ihnen nicht mehr aus dem neusten Roman von Uwe Timm vorlesen darf?

Ach ne, ein Vertreter des Freihandelsabkommens beim Freitag.

Ich schlage vor, der Mann schifft sich Richtung USA ein. Wenn er Glück hat, darf er in New York leben. Dort gibt es tatsächlich Reste von Kultur. (Ich stehe ja nicht so auf Broadwas Musicals, aber was soll´s.)

Wie viele Opernhäuser haben die noch mal? 3? 5? 10?

Also, wenn ich ehrlich bin, so schlecht sieht es in Deutschland gar nicht aus mit der Kultur:

Für mich ist die Sache eigentlich sehr einfach:

Solange die Masse meiner unmusikalischen Zeitgenossen kein Problem damit hat, mir meinen monatlichen Opernbesuch bezahlbar zu machen, steh ich auf Deutschland und seine Kultur!

Und seine Chlorhühner kann der Mann selber essen. Vielleicht liest der Mann dazu einen Steven King - der hilft bekanntlich bei allen Leiden, auch denen an der Kultur.

Axel Brüggemann 30.05.2014 | 23:32

Verzeihung, aber ein wenig zum Schmunzeln ist das schon, dass ausgerechnet ein "Hunter" gegen die US-Kultur wettert. Lieber Jäger, ich speche mich mit Nichten für TTIP aus – sondern gegen die herrschende Form der Kultursubventionierung in Deutschland. Ich bin auch kein Verfechter der US-Kultur-Finanzierung – und doch sehe ich die Sache nicht so pessimistisch wie Sie. Natürlich können wir – nehmen wir die Klassik – weiterhin an jedem Opernhaus und in jedem Orchester den Staatskünstler Wolfgang Rihm weiter finanzieren, aber wir müssen schon sagen, dass Greg Ward, Steve Reich, Philipp Glas und John Adams auch nicht von schlechten Eltern sind, und ehrlicher Weise muss man sagen, dass die Buchpreisbindung Evers, Rath und Fell hilft, und dass Frantzen, Auster, Bukowski und Powers sich irgendwie auch gut ohne unsere Subventionen durchgesetzt haben – und welche TV-Serie aus Deutschland ist noch mal erfolgreich, innovativ oder irgendwie künstlerisch wertvoll? Dass Sie Opernkarten mit 250 Euro das Stück durch Steuerzahler subventioniert bekommen, freut mich, aber was noch mal sehen Sie dafür? Aufgekochtes Regietheater jener Regisseure, die von den Herren des Bühnenvereins eingesetzt wurden? Mit Verlaub, diese schöne gemütliche deutsche Staatskultur ist: ... Tja, sagen Sie selbst. Und wie sagen Sie es, wenn "dieser Mann" (ich glaube, Sie meinten mich) die alten Herren dafür zur Rechenschaft zieht – was ist dann daran? Noch einmal: Tendenz meines Kommentars ist, dass wir diese Staatskultur, die wir uns leisten hinterfragen sollten, und dass sie, so lange sie nicht zur Disposition steht, nicht hinterfragt wird. Was ich zugestehen muss: TTIP schürt die Angst, und dann passiert, was Sie nun tun: Auch das marode wird verteidigt, hauptsache der Amerikaner siegt nicht! Okay! Bin bei Ihnen! Aber dann, bitte, lassen Sie uns TTIP absagen, aber dafür ernsthaft unsere Subventionskultur hinterfragen. Oder finden Sie echt, wirkich, dass sie super läuft?

anne mohnen 31.05.2014 | 09:25

„Natürlich können wir – nehmen wir die Klassik – weiterhin an jedem Opernhaus und in jedem Orchester den Staatskünstler Wolfgang Rihm weiter finanzieren, aber wir müssen schon sagen, dass Greg Ward, Steve Reich, Philipp Glas und John Adams auch nicht von schlechten Eltern sind, und ehrlicher Weise muss man sagen, dass die Buchpreisbindung Evers, Rath und Fell hilft, und dass Frantzen, Auster, Bukowski und Powers sich irgendwie auch gut ohne unsere Subventionen durchgesetzt haben – und welche TV-Serie aus Deutschland ist noch mal erfolgreich, innovativ oder irgendwie künstlerisch wertvoll? Dass Sie Opernkarten mit 250 Euro das Stück durch Steuerzahler subventioniert bekommen, freut mich, aber was noch mal sehen Sie dafür? Aufgekochtes Regietheater jener Regisseure, die von den Herren des Bühnenvereins eingesetzt wurden? Mit Verlaub, diese schöne gemütliche deutsche Staatskultur ist: ...“

Und Sie meinen das wird besser, wenn die Subventionen gekürzt werden? BE, Schaubühne, 3 Opernhäuser in Berlin, wobei die Ostoper mit viel Trallala und viel, viel, viel Geld gerade saniert wird. Mit Verlaub glauben Sie daran?

In Dessau wird z.Z. das Stadttheater zu Tode gespart. Das mag Sie und die C. Seidels mächtig amüsieren wegen „non-urban country folks“. Auch wenn die Gründe dafür, nicht jene „sofisticated one“ sind, von denen sie reden. Sachsen-Anhalt ist eines dieserselbstverschuldeten Pleiteländer. Da ließen in den 90er Jahren Politiker überdimensionierte Fußballstadien bauen für Vereine, die, wenn es gut geht, bis heute gerademal Regionalliga-Niveau erreichen. Die Schulden liegen den Bürgern bis wie Bleisäcke im Nacken. Interessantes Thema? Und Klitschen-Flughäfen, bis heute (bundesweit) steuerlich brutal subventioniert, damit irgendwelche Leute nach Malle oder Düsseldorf fliegen können. Letzteres Ziel wäre mit der Bahn gut zu erreichen. Ist aber ein langweiliges Thema, oder?

Ja, man kann sich darüber ärgern, dass amerikanische Autoren (Puhhh Powers) europäische und asiatische, indische insbesondere auch, von der Buchpreisbindung profitieren. Ich tue es nicht! Denn warum ausgerechnet bei Kultur „non-international“? Und überhaupt, was wäre denn die Alternative?

Mein Thema an der Stelle. Warum lassen sich (noch) große Verlage willig und billig - trotz Buchpreisbindung- von Amazon den Marsch blasen, sich von Ketten wie Weltbild (inzwischen Pleite) oder Thalia Diktate verpassen lassen (…). Die Ware kleiner, feiner Verlage „verticken“ die bei Amazon eh nicht (…)

Subventionsthema- tja, man sticht rein und die bösen Wespen fliegen einem um die Ohren. Nichts für ungut weiter daran bleiben. War schon mal ein Anfang. ;)

PS: Die Sixtinische Kapelle ist alles andere als "Ergebnis eines freien Marktes" - Michaelangelo wurde quasi von päpstlicher Seite dazu genötigt. Interessante Story! -wirklich. Tja, nicht alles wo FAS draufsteht glänzt - ist wie mit Talmi . :))

tlacuache 31.05.2014 | 09:43

..."und welche TV-Serie aus Deutschland ist noch mal erfolgreich"...

Derrick, den gibt es sogar in Thailand.

..."Mein Thema an der Stelle. Warum lassen sich (noch) große Verlage willig und billig - trotz Buchpreisbindung- von Amazon den Marsch blasen, sich von Ketten wie Weltbild (inzwischen Pleite) oder Thalia Diktate verpassen lassen (…). Die Ware kleiner, feiner Verlage „verticken“ die bei Amazon eh nicht (…)"...

Erklären Sie es mir, Sie sind der Profi.

Gruss

tlacuache 31.05.2014 | 10:13

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Axel Brüggemann 31.05.2014 | 11:49

Noch einmal: Ich will KEINE SUBVENTIONSKÜRZUNG. Und: Ich habe auch eine Heimat in der Provinz, das Bremer Theater, das vor 15 Jahren Subventionen zum Neudenken, für den städtischen Dialog nutzte, will heute entweder durch Seichtes die Kassen füllen und sich durch Zuschauer legitimieren oder improtiert abgestandene Regietheaterhelden der 2000er Jahre, die nun in der Provinz tingeln. Zu all dem können Subventionen NICHT da sein. Mir geht es darum, unsere Subventionkultur neu aufzustellen: Öffentlich Rechtliche, Theater, Opern bekommen Steuergelder – gut so: aber warum? Wofür? Nur, dass es sie gibt? Das kann nicht sein! VIele Stadttheater sind tatsächlich zum Sterben gespart worden. Aber es juckt niemanden mehr. Der Mechanismus ist: Sparen, schlechte Aufführungen – abschaffen! Wir müssen stattdessen vor Intendanten erwarten, dass sie ihre Subventionen endlich dadurch politishc legitimieren können, dass sie allein (privat) nicht finanzierbar wären. Ist das nicht der Sinn von Subvention? Und was den deutschen Büchermarkt betrifft: Versuchen Sie mal einen Nischentitel einem Lektoren anzubieten. Der Mainstream ist in den Verlagen längst angekommen! Mit oder ohne Buchpreisbindung. Ich bin sicher, dass es nicht ein gutes Buch weniger geben würde! Also noch einmal: ich will TTIP nicht unbedingt, ich will aber, dass wir unsere Kultursubventionen endlich mal wieder hinterfragen!

Fro 31.05.2014 | 12:29

Kultursubventionen hinterfragen und diskutieren ist sicher sinnvoll. Aber sich dabei auf Staatssekretäre, FAS-Autoren und TTIP-Verhandler zu berufen und denen irgendeine Kompetenz in diesen Fragen zuzuschreiben, ist schon etwas seltsam.

Diese Diskussion kann doch nur von den Kulturinteressierten und Kulturschaffenden selbst geführt werden – offen für alle Bürger, ergebnisorientiert und insbesondere dort, wo Kultur stattfinden soll: In den Gemeinden und Städten.

tlacuache 31.05.2014 | 12:50

..."VIele Stadttheater sind tatsächlich zum Sterben gespart worden. Aber es juckt niemanden mehr. Der Mechanismus ist: Sparen, schlechte Aufführungen – abschaffen! Wir müssen stattdessen vor Intendanten erwarten, dass sie ihre Subventionen endlich dadurch politishc legitimieren können, dass sie allein (privat) nicht finanzierbar wären"...

So ein paar Kanälchen im Privatfernsehen könnten schon dafür verantwortlich sein, dass die Sesselpupser nebem dem Aldieinkauf Sixpack zu mehr nicht mehr in der Lage sind-

Sie meinten?

..."Wir müssen stattdessen vor Intendanten erwarten, dass sie ihre Subventionen endlich dadurch politishc legitimieren können"...

Ich meine, das Intendanten vielleicht durch interessante Themenevtl. das Haus vollbekommen, politishce Subventionen sind da evtl. fehl am Platze, Themen gibt es genug, Europawahl, Türkenflut, nicht zuletzt TTIP...

silvio spottiswoode 02.06.2014 | 19:02

Als, öhm, Experte versuche ich hier mal was zur Subventionslage der Bildenden Kunst zu sagen:

TTIP halte ich in seiner jetzigen Form ganz allgemein für nicht vertretbar. Für vollkommen pervers halte ich vor allem die Klausel mit dem Wettbewerbsrecht vor einem internationalen Schiedsgericht. (Genauso irre, wie die Möglichkeit, dass Atomkonzerne die Bundesregierung wegen Atomausstiegs verklagen können, gehört sofort abgeschafft. Dies sieht aber so ziemlich jeder so, würde ich mal mutmaßen.)

Generell sind die »Leutturmprojekte« ebenso wie die falschverstandenen Profilierungsaktionen innerhalb der Institutionen das größte Problem, begünstigen sie doch eine erschreckend dünne Monokultur der ohnehin schon eingeführten großen Markennamen im Kunstbetrieb. Dies ist allerdings kein rein deutsches Problem. Die Akteure im Kunstbetrieb sind weltweit tätig. Was erschreckenderweise ja auch dazu führt, dass Museen inzwischen überall die selben zeitgenössischen Künstler zeigen. Egal ob ich nach Sydney, New York oder Berlin gehe: Immer sehe ich Arbeiten der selben 30-oder-so Künstler. Was komplett fehlt ist die Vielfalt an künstlerischen Positionen, die ja tatsächlich vorhanden ist, aber eben aufeinschlägiger Ebene kaum Beachtung findet.

Dass TTIP diese Schieflage positiv verändern wird, wage ich jetzt einfach mal zu bezweifeln. Wie gesagt, ich spreche hier nur für die Bildende Kunst.

Bei der Filmförderung könnte ich mir allerdings vorstellen, dass die behäbigen Institutionen dringend mal etwas Feuer unterm Hinter bräuchten ...

Bei der Buchpreisbindung bin ich jedoch dafür sie zu erhalten. Weil deutsche Bücher einfach viel besser gemacht sind. Hier viel mehr Investitionen in die Buchkultur gehen. Angefangen beim Lektorat, bis zur Verarbeitung, dem Papier ...

Nicht zu vergessen natürlich, die Amis machen das mit den Finanzen in ganz anderen Größenordnungen. Auf US-Niveau finanziell einzusteigen würde eine komplett einheitliche EU-Finanz und Steuerpolitik voraussetzen. Die haben wir aber nicht. Also ich wette mal, die pusten uns ganz locker weg bevor wir auch nur kapiert haben was abgeht. Hat ja auch seinen Reiz. Dann machen wir alle englische Bücher. Find ich gut. Endlich mehr Englisch ... when I don't magage to get myself over there, they just come to me and occupy culture. Yeah. Hihi. :-))))

anne mohnen 03.06.2014 | 17:47

Da sind wir einer Meinung. "Hat ja auch seinen Reiz. Dann machen wir alle englische Bücher. Find ich gut. Endlich mehr Englisch .."

Da machst Du ein Fass auf (...) Attacke - mich aus der Reserve holend. (;) ) Würde gerne länger darauf antworten, bin aber "not in the mood "- currently.

Kleiner "Appetizer " zum Sprachenthema in der EU: Cambridge vice-chancellor Leszek Borysiewicz

LG, am