Alkohol ist zum Kotzen

Kampagnenkritik Mit glamourösen Bildern und drastischen Texten warnt eine bundesweite Kampagne Jugendliche vor den Gefahren exzessiven Trinkens. Im Landkreis Konstanz versucht man es mit Ironie

Die Schlagzeilen sind auf jeden Fall ein Hingucker. „Sie feiert heute hemmungslos – er stellt sie morgen nackt ins Netz“ steht da. Oder: „Er will Party ohne Ende – und wacht in seiner Kotze auf.“ Das Video zur Kampagne „Kenn dein Limit“ zeigt alle Klischees aus dem Junge-Leute-haben-Spaß-Nachtleben, um sie mit spaßbremsenden Tag-danach-Kommentaren gegenzuschneiden und zu dem wenig überraschenden, aber überraschend humorlosen Schluss zu kommen: „Alkohol macht mehr kaputt als du denkst.“ In Auftrag gegeben haben die Präventions-Kampagne der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Zehn Millionen Euro steuert die PKV bei, um dem Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen wirksam vorzubeugen. Die BZgA setzt vor allem auf multimediale Inhalte. Auf kenn-dein-limit.info findet sich besagter Spot, der nicht nur in Kinos gezeigt werden soll, sondern überall dort, wo Alkohol konsumiert wird.

Zusätzlich sollen bundesweit rund 40.000 Plakate mit einzelnen Motiven aus dem Kinospot für adoleszentes Problembewusstsein sorgen. Bei der BZgA kann auch der Newsletter Alkohol­spiegel bestellt werden. Ein bisschen Humor kann ja nicht schaden.

Wie zweischneidig das Prinzip Ironie ist, zeigte freilich eine Präventionskampagne im Kreis Konstanz: „Ich trinke keinen Wodka. Nur Bier. Ich bin ja erst 9“, stand da in krakeliger Kinderschrift auf dem Plakat. Was prompt als Verharmlosung missverstanden wurde. Dann lieber Schocktherapie und eine 12-Jährige zeigen, die in ihrer eigenen Kotze liegt.



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Geschrieben von

Axel Henrici

"Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll." (Georg Christoph Lichtenberg)

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