Was führt Putin im Schilde?

Russland, Türkei, IS-Öl Es vergeht kaum ein Tag, an dem der russische Präsident keine neuen Anschuldigungen, Drohungen und Beleidigungen gegen Erdogan schleudert. Was bezweckt Putin?
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Der erste riß dieser Männerfreundschaft konnte während des G20-Gipfels in Antalya beobachtet werden. Die Platzierung Putin´s während der "Familien-Runde" und die Uhrzeit des Treffens seitens Erdogan und die noch indirekten Anschuldigungen im Schlußkom­mu­ni­qué seitens Putin, zeugen davon, dass vor und während dieser zwei Tage irgendetwas passiert oder zumindest sichtbar geworden sein muss. Denn noch vor wenigen Wochen sah es so aus, als ob eine Einigung, ein Kompromiss zwischen den beiden Ländern in Syrien-Politik möglich wäre.

Die leise Kritik an die Türkei und das Verständnis für Putin´s Ärger nach dem Abschuß des russischen Kampfjets durch die Nato, ist dieser Tage gänzlich verschwunden. Schuld daran ist Putin selbst. Die verbreiteten Unwahrheiten, die von allen Seiten als lächerlich eingestuft wurden und die lauten "Bellereien" aus der sicheren Entfernung, haben die Türkei und den Westen wieder zusammengeschweißt. Während die türkischen Politiker besonnen und ruhig ein Gesprächsangebot nach dem Anderen unterbreiten, werden die russischen Einlassungen immer abenteuerlicher. Man fragt sich, was das soll? Was soll diese Geschreie, was soll diese Bellereien? Wenn der Abschuß der russischen Maschine die russische Seele verletzt hat, dann reagiert doch und schießt eine türkische Maschine ebenfalls ab. Die militärische Überlegenheit der russischen Armee ist nicht zu bestreiten. Und wenn dennoch keine direkte Gegenreaktion erfolgt, bestätigt das nur die Theorie, wonach nur fähige Fahrer die volle Stärke des Automobils nutzen können.

Also, was will Putin? Er will noch mehr Macht und Einfluß in der Welt. Er will das, merkt aber nicht, dass er gerade dabei ist, das wenige, was er noch hat, auch noch zu verlieren. Wer eine sunnitisch-islamistische Terrororganisation (IS) mit Hilfe einer schiitisch-islamistischen Terrororganisation (Hisbollah) und eines schiitisch-islamistischen Staates (Iran) bekämfpen will, der verliert seine Glaubwürdigkeit auf der ganzen Lienie. Und wer es vorzieht, von einer sicheren Entfernung heraus, lediglich laut zu bellen, statt zwei Schritte nach vorne zu gehen und zu beißen, zeigt, wie schwach er im Grunde genommen ist.

Der IS ist eine gefährliche Krankheit, die so schnell wie möglich zum Erliegen gebracht werden muß, bevor sie sich ausweitet. Dazu muß zuallererst der für den unzähligen Tod und für die Vertreibung von Millionen von Syriern verantwortliche Diktator entweder freiwillig gehen oder mit Gewaltanwendung abgesetzt werden. Und solange Putin diesen Diktator schützt, schützt er indirekt auch den IS. Das zu kapieren, müsste eigentlich auch für Putin und für seine zahlreichen bezahlten und nicht bezahlten Freunde in Deutschland nicht so schwer sein.

09:19 04.12.2015
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