B Pecuchet

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RE: Fakten schaffen statt Gespräche führen | 27.03.2013 | 16:26

Mir fehlt in der Debatte völlig eine ernsthafte Diskussion, welche künstlerische Bedeutung die Eastside Galery für die Stadt eigentlich hat.

Historisch gab es Graffitis auf der Mauer. Diese befanden sich allerdings auf der westlichen Seite, die Ostseite war ja nie zugänglich. Diese Graffittis waren oft witzig, bisweilen auch bissig, aber bewußt nicht für die Ewigkeit gedacht. Wer wollte, konnte die Flächen überstreichen und mit neuen Grafittis füllen. Dadurch enstand ein reizvolles "anonymes" Tagebuch der westberliner Befindlichkeiten.

Diesen Charme hat die Eastsidegallery nicht und wird ihn wohl nie haben. Stattdessen sieht man hier professionell ausgeführte Wandbilder mit zum Teil sehr klischeehaften Darstellungen (Breschnew und Honecker beim Kuss), die so eine Art neue Ostfolklore begründen wollen oder sollen. Diese Folklore hat aber weder etwas zu tun mit den Menschen aus dem früheren noch aus dem heutigen Berlin, ist dafür aber sehr beliebt bei Touristen. Ob diese Begründung für den dauerhaften Erhalt des Monuments ausreichend ist, müßte erst noch geprüft werden. Aus künstlerischer und ästhetischer Sicht gibt es sicher auch gute Argumente dafür, diesen Rest der Hinterlandmauer zu entsorgen.

RE: Lund, die harte Sau | 13.03.2013 | 17:44

Schöner Artikel. Einzig den Tatort-Vergleich braucht es nicht, weil Vergleiche dieser Art in die Irre führen.

Ich weiß nicht, woran es liegt, vielleicht ist ja schlicht die Ausbildung schuld. Bei deutschen Produktionen hat man in 90% der Fälle den Eindruck, eine spezifische Art von Fernsehgemachtheit präsentiert zu bekommen. Man bekommt die gleichen Klischees zu sehen, die man auch in internationalen Produktionen sieht, doch man sieht dieses Klischees immer an, dass sie irgendwie dazu dienen sollen, ein Publikum zu bedienen, von dem die Macher immer zu wissen glauben, was man ihm zumuten darf. Da wird dann aus dem Zuhälter schnell der sprichwörtliche Zuhälter, dessen starke Gesichtstätowierung aus 50m Entfernung Gefahr symbolisiert oder eben aus einem Mädchenmörder das Sinnbild des Bösen schlechthin. Dahinter steht eine Idee des Fernsehen, dass immer auch einen Bildunsgauftrag verfolgen will.

Der Mädchenmörder in dem Fall von Sarah Lund ist dagegen schlicht ein fieser Arsch der genau weiß, dass er mit seine Tat durchkommen wird, weil er auch schon früher mit Ähnlichem durchgekommen ist. Böse ist nicht (nur) der Täter, sondern der Abgrund an Gleichgültigkeit seiner Umgebeung, die ihn frei agieren lässt.