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Mensch und Maschine Werden V.I.K.I aus "I,Robot" oder Skynet aus "Terminator" bald Realität? Die Amerikaner arbeiten mit Hochdruck an künstlicher Intelligenz. Müssen wir uns sorgen?
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Wir sollten reden: Über Netzkultur, Big Data und Überwachung, über Snowden, die NSA und die letzte Online-Shoppingtour. Das hat nichts miteinander zu tun?

Alles, was mit Computerintelligenz und der Nutzbarmachung großer Datenmengen zu tun hat, wird in Amerika vehement gefördert. Ungewöhnliche Ideen werden, so ganz anders als in Deutschland, nicht verworfen, sondern aufgenommen und unterstützt, sei es von der Regierung, mit Darpa's Memex, den radikalen Hacks der NSA oder von der Industrie wie der Nachfolger von Apples Siri mit "almost limitless capabilities" oder die Webseite Kaggle, auf der sich die Privatwirtschaft BigData-Algorithmen von den klügsten Programmierern der Welt erstellen lässt.

Europa hinkt da unsäglich hinterher, nicht unbedingt, weil Europas Köpfe so schäbig wären - gute Ideen wie einen europäischen, nicht-privatisierten Web-Index gibt es schon - sondern eher, weil der politische Wille fehlt, so sehr, dass man manchmal versucht ist, zu fragen, wessen politischer Wille es genau ist, den sie da vertreten.

Cui Bono - wem nützt es, dass Europa in der Zukunftstechnologie so versagt? Seit langem scheinen sich seine Politiker ungewöhnlich oft als gehorsame Erfüllungsgehilfen ganz anderer Gruppen als der europäischen Bevölkerung zu erweisen.

Deshalb stört es so viele von ihnen vielleicht auch nicht, wenn die amerikanische Regierung Europa als ihren Besitz ansieht, mit dem sie tun und lassen kann, was sie will? Kümmert es unsere Politiker so gar nicht, dass Amerika sich nach Lust und Laune nicht nur unserer Daten, sondern auch unserer Computer bemächtigen will - ganz "legal"? Nach amerikanischem Recht natürlich, bei dem kein Ausländer mitreden darf?

Wenn Menschen kein Mitspracherecht über ihr Schicksal oder ihre Besitztümer haben, nannte man das früher Sklaverei - davon sind wir natürlich noch sehr weit entfernt.

Oder nicht?

Was, wenn Amerika wirklich intelligente Computer entwickelt, deren Fähigkeiten unsere Techniker gar nicht mehr durchschauen? Wer sollte uns dann schützen?

Schon jetzt soll der BND sich den amerikanischen Geheimdiensten anbiedern, weil er sich so unterlegen fühlt und ein wenig von den Brosamen abhaben will, die die NSA gnädig verteilen mag. Unterwerfung erzeugt Verachtung - da ist es wohl kein Wunder, wenn Obama uns Europäer für Nieten hält: "Unsere Unternehmen haben das Internet geschaffen, es ausgebaut und es in einer Weise perfektioniert, bei der sie (die Europäer) nicht mithalten können“".

Diese Einstellung nährt den Verdacht, dass der Schutz und das Wohlergehen der Europäer und der ganzen Welt nicht unbedingt im Interesse der Amerikaner liegt - außer, wenn wir weiter brave Konsumenten ihrer Technologien bleiben. Solange verteidigen uns dann ihre Konzerne.

Was aber, wenn wir eigene Wege gehen wollen?

Werden wir das überhaupt noch können? Werden uns die amerikanischen BigData-Modelle so vorhersehbar machen, dass jede unserer Ideen von ihnen längst vorher schon erfunden, jeder Fluchtversuch aus ihren Konsumlabyrinthen vereitelt und jeder Griff nach Selbstbestimmung durch ihre intelligente Technik zur Farce wird?

Und wieviel Intelligenz steckt bereits jetzt in ihren Programmen?

Josef Feigl, ein junger Informatiker, der zu den klügsten Köpfen zählt, die bei Kaggle mitmischen, macht klar, dass bisher immer noch die Intelligenz in den Menschen steckt: "Welche Merkmale generier' ich aus den Daten und füttere dann dem Modell" (aus "Das Ende des Zufalls", bei ca. 30 min).

Noch ist die gesamte Intelligenz der Computer vergleichbar der der Pflanzen: Wie die DNA stecken ihre Algorithmen die Handlungsmöglichkeiten des Individuums ab, das selbst nicht lernen kann, sondern nur die im ererbten Wissen vorhandenen Verhaltensweisen auf die aktuelle Situation anpasst. Wie Pflanzen zeigen, kann dies eine sehr weitreichende Individualisierung bedeuten: Bäume kooperieren mit Ameisen oder benachrichtigen sich gegenseitig über Gefahren. Neue Verhaltensweisen lernen kann jedoch nicht das Individuum, sondern nur die Art und zwar über Generationenwechsel, wenn durch Mutation und Selektion der DNA-Pool verändert wird.

Neue Verhaltensweisen lernen, neue Muster und neue Algorithmen erstellen können bisher nur Gehirne. Nur sie können aus beliebigen, zeitabhängigen Mengen situationsabhängige Weltbilder erstellen, ihre Tauglichkeit abschätzen und sie zur Vorhersage von zukünftigem Verhalten als Grundlage für ihre Entscheidungen benutzen. Die Qualität der Weltbilder lässt sich dann recht einfach bewerten: Waren die Vorhersagen halbwegs passend, so funktionierten auch die Entscheidungen - waren sie es nicht, war das Modell, das das Gehirn aus den Daten erzeugte, fehlerhaft, so taugten auch die Entscheidungen nichts.

Genau hier setzt das neueste Projekt von Demis Hassabis an. Seine künstliche Intelligenz kennt nur ein paar Ressourcen und die Möglichkeit, Ergebnisse zu bewerten.

Und seine künstliche Intelligenz kann alleine dadurch erstaunlich lernen.

Ist das noch die Intelligenz der Pflanzen - oder ist es schon die Intelligenz des Gehirns?

Noch hat seine Intelligenz kein Gedächtnis ("as yet, has no real memory ") - aber was, wenn es die 7-Schritt-Evaluierung (S. 120) erlernt?

Keine Informationsverarbeitung kommt ohne Ziele aus, selbst die größten Rechner müssen die faktische Unendlichkeit der Realität auf ein machbares Maß reduzieren - wie hoch sind die Chancen, dass die Ziele, die Google oder die NSA in ihre Programme baut, zu unserem Nutzen sind?

Wer sich in Abhängigkeit begibt, darf später nicht jammern, wenn er über sein Wohl und Wehe nicht mehr selbst entscheiden darf.

Und das ist erst der Anfang.

Die Geschichte geht unaufhörlich weiter - das Netz protokolliert sie jeden Tag aufs Neue...

weiter und weiter...

(Quellen: s. Links, Stand März 2015)

17:19 01.03.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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