BadBentham

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RE: Kritik der Authentizität | 12.03.2016 | 20:40

Erstmal Danke für die wohlmeinende Kritik, und Entschuldigung für die späte Antwort! ;)

"Ich weiß ja nicht, welche Vorstellung Du allgemein von Intersubjektivität hast, aber mir ist nie so ganz klar geworden, wo Objektivität je mehr ist, als das in der Tat folgerichtige Schließen – man kann auch falsch schließen – aus zuvor gewählten Prämissen, auf die man sich, voilà, intersubjektiv einigte."

- Das ist natürlich ein großer Themenkomplex. Wenn man es philosophisch wenden möchte, beschreibt Deine Ansicht letztlich das "positivistische" Hegelsche System - die "objektive" "Wahrheit" entsteht ( - ob man es so sagen darf...) aus der Intersubjektivität als "Geist" , ob nun als Zeitgeist, Weltgeist, oder auch Volksgeist. In letzter Hinsicht ist es stets schwierig, dagegen an zu argumentieren; denn sobald etwas (egal was) sich intersubjektiv verfestigt hat, hat es als solches auch wieder gesellschaftliche (und damit "objektive" ) Realität: Wenn die Menschheit kollektiv beschließt, dass die Sonne sich um die Erde dreht, dann "ist" das so. Allerdings meint (philosophischer, quengelig-neinsagerischer) "Geist" eigentlich immer die Frage: IST das denn so ?

(Zwar nimmt bei Hegel diese "Negativität" eine überragende Stellung innerhalb seiner Fortschritts-Teleologie der Abarbeitung dialektischer Widersprüche ein - das "Resultat" ist allerdings affirmativ-versöhnlich, wie letztlich von ihm gewünscht, und die eigentliche "kritische" denkerische "Arbeit" geht darin, sehr überspitzt gesagt, unter: - "Es ist gut, weil es ("geworden") ist" )

Gerade das (post-) marxistische Denken arbeitet sich relativ zentral an der (z.B. Hegelschen) Supposition ab: Von Marx`Kritik am "notwendig falschen Bewußtsein" innerhalb der (Hegelschen) "Bürgerlichen Gesellschaft" über die Kritische Theorie ( Z.B. Adornos " Negative Dialektik", inklusive "Wende zum Besonderen" , das nicht schon bereits von der Intersubjektivität begrifflich "kaltgestellt" wurde) , über Althussers Begriff der "Ideologie", bis hin zu Foucaults Macht-Begriff.

Das, worauf man sich da nämlich "geeinigt" hat, ist nie "unschuldig" . Sondern verweist (in Marx "dialektischem Materialismus" ) gerade auf die dahinterliegende (und als solche im "Diskurs" "unsichtbare", und schließlich "unkenntlich gemachte" ) gesellschaftliche Realität . Und damit (trotz Habermas` neokantianischen "herrschaftsfreien Diskurs" , der eigtl. nur im Wissenschaftsbetrieb gewisse Relevanz hat) auf grundlegende (verschiedenstartig strukurierte) Gewaltverhältnisse.

Bei Marx wären eben gerade diese "objektiv" , und als solche beschreibbar- die intersubjektiven Resultate dieser Verhältnisse sind dagegen vor allem "Effekte" (an der gesellschaftlichen Oberfläche) , die dann anschließend als "gesellschaftliche Objektivität" FETISCHISIERT werden: Was für Hegel (was ja auch unmittelbar einleuchtend wirkt) "die Wahrheit" ist, ist für Marx im sehr harten Sinne "der (gesellschaftliche) Schein" .

- Und Medien spielen natürlich in diesem Prozeß (der "Bewußtseinsbildung") eine zentrale Rolle.

-Übrigens gibt es natürlich nicht nur die (marxistischen) Anhänger der "gesellschaftlichen Objektivität", die gegen die genannte Vorstellung von "Intersubjektivität" argumentieren:

Entweder man geht letztlich noch klassisch (sagen wir, wie Nietzsche) vom einzelnen Subjekt aus, oder man beruft sich auf das konkrete (existenziale, "geworfene") "Dasein" , als quasi "unmittelbaren" , "sinnlichen" (der eben darin seine "Wahrheit" hat) Weltbezug; - als Gegenentwurf zur "Abstraktion" des klassischen Cartesianischen Subjekts. Und stellt damit auch die klassische Einteilung in "subjektiv, objektiv, intersubjektiv" grundsätzlich in Frage. Dann wird die gesamte "intersubjektive" Sphäre, gerade der Politik und der Medien, wie bei Heidegger, zum (apersonalen) "Gerede" , oder zum "Man" . Und "Objektivität" (die allerdings sichtbar, aber nicht vollständig, anders als im Marxismus gedacht wird) zum "Gestell" , zur Naturbeherrschung (der allerdings natürlich auch der Mensch unterworfen ist) durch den Menschen: https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger#Technik_als_Gestell

- Wenn man so will , und stark vereinfacht, ist der Rekurs auf das "Entfremdete" (der Gesellschaft) "links" , der Rekurs auf das "je Eigene" (des -ziemlich kontingenten- individuellen "Daseins" ) politisch eingeordnet "rechts" .

Nur: Weder hat die Linke gegenwärtig die "Kraft" , den "Schein" zu durchbrechen, noch bezaubern auf der Gegenseite ausreichend viele Menschen mit der Erfindung neuer ("schwarzwaldmystischer") Privatsprachen, und entziehen sich so dem "Gerede".

- Stattdessen gibt es, man kann es zumindet behaupten, um mit dem Mitforisten Mopperkopp zu sprechen, "Steinzeitlinke" und "Steinzeitrechte" , die beide die "Alternativlosigkeit" der Situation reproduzieren. - Indem sie die vorgefundenen und "industriell gefertigten" ("intersubjektiven") "Doxa" (welche boshaft gesagt geistesgeschichtlich etwa auf dem Stand von 1800 sind) , auch als "kritische Öffentlichkeit" und "alternative Medien" vor allem geflissentlich (und natürlich allermeist unbewusst) wiederkäuen.

Was darüber hinaus geht, findet sich allenfalls im Wissenschafts- (oder Philosophie-) Betrieb und wird dem "Markt" ( z.B. der Meinungen) meist nicht zugemutet. Dort herrscht, weil u.a. ökonomisch "praktischer" , die Sensation und das Ressentiment. Und zwar, wenn man so will, - "man" hat sich darauf schließlich "geeinigt" - , relativ "objektiv" .

RE: Sloterdijk und Münkler | 11.03.2016 | 13:03

Ein sehr guter Artikel!

Sloterdijk ist natürlich ein wichtiger Nachfolger von Carl Schmitt und Heidegger (beide vorplatonische "griechische" Raumdenker) in Punkto "konservative Globalisierungs-/Kapitalismus-kritik" . Sein "Jargon der Eigentlichkeit" ist natürlich nach wie vor ( wie schon ausführlich von Adorno diagnostiziert) die komplementäre Ideologie zum scharf kritisierten abstrakten, punktförmigen, "liberalen" (-linken wie auch rechten) Universalismus der Gegenseite. (- Bei Heidegger führte diese Verurteilung des "ortlosen" Universalismus übrigens ziemlich steil zum Antisemitismus)

Die keynesianischen "Strohballen" , die zu Zeiten geschlossener Nationalökonomien tatsächlich noch eine vernünftige politische Ökonomie (innerhalb des Rahmens der bürgerlichen Gesellschaft) und Sicherheit gewährleisteten , sind allerdings Opfer des "Weltenbrandes" und der "Entmaterialisierung" geworden. (- Das "Kapital" , das "scheue Reh", das vom Keynesianismus letztlich in Schach gehalten werden sollte, wandert schließlich stets dorthin, wo es den geringsten Widerstand bei seiner Vermehrung erfährt.)

- Von Marx allerdings, der im Artikel am Ende gefordert wird, ist die Menschheit aber heute wirklich extrem weit entfernt.

RE: Kritik der Authentizität | 28.02.2016 | 10:30

"Nachrichten brauchen Zeit und Reflexion, da sie sich sonst selbst überholen. Dann passiert das, was Georg Seeßlen als Hyperinformation bezeichnet: Die Nachricht richtet sich nicht mehr nach der Wirklichkeit, nach dem Widerstand des Realen - die Nachricht selbst ist das Ereignis. Man denke an die Nachricht von dem gestorbenen Lageso-Flüchtling oder an all die Opfer von Gewalt durch Flüchtlinge, die es niemals gegeben hat. All das ist in meinen Augen eine treffende Analyse der Gegenwart. Dennoch steht man immer noch vor einem Rätsel: Wann und wie hat das angefangen? Wann hat sich die Welt entwirklicht und warum haben wir das alles nicht gemerkt?" - Nun; für Buddhisten stellt sich vermutlich die Frage nicht- da steht ja bekanntlich der allumfassende Schein bereits am Anfang. Ansonsten zitiert auch Seeßlen ziemlich massiv Baudrillard, und seine weitgefasste Simulationstheorie.

"Alle anderen Formen, der Kommentar, die Reportage – letztlich alles, was in irgendeiner Weise mit textlicher oder bildlicher Montage und mit Redaktionen zu tun hat – steht im Verdacht der Meinungsmache: Da vergeht soviel Zeit, vom Ereignis bis zum geschrieben Wort, dass das unmöglich ohne Manipulation von statten gehen kann. Das ist zumindest der Verdacht. Der als Objektivität getarnten Subjektivität setzt man radikale Subjektivität entgegen." -

Einerseits erkennen Sie schon , dass die proklamierte "Objektivität" getarnte Subjektivität (und damit "erschlichen") ist, und letztlich auch noch in großen Teilen von darüberliegenden (aber partikularen) Interessen geleitet wird ( seien es "Klasseninteressen" a la Marx, oder die "Herstellung von Konsens" , wie bei Chomsky) . Und dass man die größeren Medien eigentlich daher "Wahrheitspresse" (von Wahrheit(en), die sie größeren Teils gerne mal selbst "produzieren") nennen müsste.

Dann muss aber gleichmäßig auch der Hammer über die "radikale Subjektivität" (und ihre eingestandene "Zufälligkeit") ergehen, die "authentisch" insofern ist, als man im Zweifel auch eine "beliebige Meinung" , mit rein "individuellen" Interessen, die man teilen oder nicht teilen kann (ohne entsprechende Konsens-"Nötigung" ) , darin erkennen mag. - Ja, wie denn nun ?

Ich würde ja denken, soweit ich Blogs und Channels kenne, dass es einerseits mit der unterstellten "radikalen Subjektivität" nicht gar so weit her ist (vergleicht man es etwa mit ausgesprochenen philosophischen Vertretern; a la Nietzsche) , sondern dass sich meist auch gerade dort "das gegebene gesellschaftlich Allgemeine reproduziert" (inklusive natürlich der Doxa) , - und teils halt auf unterem Bildzeitungs-Niveau.

Andererseits ist es aber, in allen Lagern, nur selten der Fall, dass (als "politischer Akt", siehe Badiou) "für die Allgemeinheit" gesprochen wird - im Sinne etwa des (relativ "metaphysischen") Volonte Generale bei Rousseau; - der "Streit" zwischen Platon und den skeptisch-subjektiven Sophisten ging wohl im politischen Kern (Einzelinteressen oder Gesamtinteressen) auch in diese Richtung.

Wenn es übrigens einen "authentischen" Journalismus geben sollte, dann liefe der vermutlich unter dem (etwas "idealistischen") Motto : " Ich kenne sie nicht, aber es gibt (und ich suche nach) Wahrheit." "Verfügen", gar im materiellen Sinne, darf man darüber natürlich nicht. Gepaart mit H.J. Friedrichs Aussage, dass man sich, zur Bewahrung auch der Authenzität und Integrität, mit keiner Sache, und ich behaupte sogar am wenigsten einer guten , gemein machen darf.

Davon allerdings ist ganz faktisch die Medienwelt, als "Meinungsmacht", wohl gegenwärtig meilenweit entfernt. Während im Privatsektor sehr nachvollziehbar die Interessen der Eigentümer und der Inserenten gewahrt werden, gibt es eine deutliche Verschmelzung von Parteienproporz und "staatstragendem" Anspruch im öffentlichen Bereich. Was eben in jeder Nachrichtensendung dazu führt, dass (allerdings häufig, belegbarerweise, ziemlich gezielt) der Blick auf die Wirklichkeit zugekleistert wird, indem man (inter)subjektive Meinung als objektive Meldung deklariert. Schlagworte wie "Despot"( statt z.B. Präsident) , "Regime" , "Putin" (statt z.B. Russland) , "Hillary Clinton" , oder mechanisch dauerhaft wiederholte Neologismen a la "Balkan-Route" , kommen mir dabei unmittelbar in den Sinn.

RE: Revolution, Reform und Rechthaberei | 24.02.2016 | 11:26

Chapeau, Frau Carrillo! Ein wirklich gelungener Artikel.

Selbsternannte "marxistische" Gurus unterschlagen gerne, dass Marx selbst vor Allem ein brillianter und saukomischer scharfzüngiger Polemiker war, der weder Freund noch Feind, gerne auch mit härtesten Bandagen, verschonte. Für den es gerade auf die (politische) Praxis, und eben nicht den "Letztbeweis" des "dogmatischen" Gehaltes seiner Lehre, ankam: "Entscheidend ist, dass was passiert", nicht der Streit über die "einzig wahre" Interpretation (der Welt). Wenn man denn so will, meint er das mit "Materialismus".

Das "Interpretationsproblem" kehrt letztlich "danach" wieder; ausgerechnet mit Marx zum "Dogmatiker" zu werden wäre (trotz seiner fröhlichen allgemeinen "Rechthaberei", inklusive seinem "wissenschaftlichem" Anspruch, der allerdings hauptsächlich das Bestehende betrifft, - primär gerichtet gegen die -dogmatischen- Phantasiewelten "bürgerlicher" Ökonomen ) eigentlich nachgerade schwierig.

Ähnliche Phänomene gibt es allerdings bereits bei der "Mutter aller Revolutionsbewegungen", dem Christentum: Das richtete sich (wenn man so will, "ideologiekritisch") sowohl gegen den griechischen Begriff von "Schicksal", als auch primär gegen die innerjüdische ("pharisäische") Dogmatik, das allesregelnde (und lediglich auszulegende) "Gesetz", die prinzipiell auf das Wort "Nächstenliebe" zusammengedampft wurde. Auch dort wurde bekanntlich der radikale pragmatische Autonomismus der Gemeinden des Urchristentums, samt zivilem politischen/religiösem Ungehorsam, in absolute Autoritätshörigkeit rück-umgefälscht.

Aber: So "schlimm" ist Ihr Marxisten-Bashing beileibe nicht, auch wenn es sicherlich einen zentralen Punkt berührt. Das "geschlossene Weltbild" der marxististischen "Dialektiker" (die sich auch praktisch in der DDR und Sowjetunion autoritär austoben durften) war schon (neben Anderem) ein Thema bei Adorno`s (um nur Einen zu nennen) "Negativer Dialektik", die sich explizit gegen die sogenannte (deduktionistische) "Identitäts-These" richtet: " Der Autor ist auf den Widerstand gefasst, dem er sich aussetzt. Ohne Rancune lässt er all denen, hüben und drüben, ihre Freude, die verkünden werden, sie hätten es immer gesagt, und nun sei der Autor geständig."

-P.S. : Und natürlich gilt: Viva Cuba, Viva Fidel! ;)

(A pro pos: Welches Land ist übrigens "Weltmeister" im Recycling, und hat, als Ausdruck von wirtschaftlich-technologischer Effizienz, pro produzierter Güter-Einheit global betrachtet den geringsten hinterlassenen"Footprint" ? )

RE: Iran/Paris:Tausende protestieren gegen Rohani | 30.01.2016 | 10:09

Einer von mehreren Artikeln die sich mit Rohani befassen. Niemand bestreitet die "Probleme" des Iran. Erschreckend nur, dass sich das sogenannte "demokratische" Grundverständnis, spätestens nach den letzten 15 Jahren, immernoch auf das Aushungern der Bevölkerung durch ökonomische Sanktionen , ggf. militärischen Druck, und die Durchsetzung von "Regime Changes" von Außen beruft: Liebe Frau Tuellmann! Schauen Sie bitte nur nach Syrien, oder in den Irak! So sehen Ihre Forderungen und Vorschläge häufig genug in der Realität aus! Nicht auszublenden, dass Sie sich damit unwillentlich häufig zum moralischen Feigenblatt für grundlegende geostrategische Interessen aufschwingen.

Und: Wenn man schon den (aus gegebenen Anlass) Iran (nicht zu Unrecht) seine Menschenrechtslage ankreidet, sollte man wohl definitiv auch von z.B. Saudi Arabien nicht schweigen.

RE: Rätedemokratie - Teil 1 | 30.01.2016 | 09:31

Sehr gute Kritik! Das Scheitern sämtlicher bisheriger Entwürfe resultiert letztlich aus den letzten Absätzen: Entweder, das Produktionseigentum wird lokal vergesellschaftet, und jeder Einzelne im Betrieb (oder einer Kommune) wird dessen Miteigentümer. Hier steht "Freiheit" im Vordergrund . Dann stehen danach die Kommunen oder Betriebe (relativ notwendig) in globaler Konkurrenz zueinander, bis einige Kommunen/Betriebe sich ausdehnen und andernorts wiederum mittellose Nicht-Eigentümer produzieren. Oder, man delegiert die Wirtschaft an eine (meinetwegen gewählte) Zentralverwaltung, die über riesige Machtbefugnisse verfügt und die Konkurrenz, zur Durchsetzung von "Gleichheit", weitestgehend unterbindet. Dann wird allerdings aus dem "ideellen Gesamtkapitalisten" (Marx zum Staat) ein ziemlich "realer" Gesamtkapitalist, der über das gesamte vergesellschaftete Gemeinschaftseigentum verfügt, und die Arbeiterschaft ebenfalls vollständig von ihren Produktionsmitteln trennt, und eine relativ hierarchische ("vermachtete") Befehlsstruktur als Herrschaftsform zur Plandurchsetzung einsetzt. Damit treten jetzt "Basis" und Staatsführung in einen Widerspruch: "Oben" hat man, wie in jeder "externen" "bürokratischen" Menschenverwaltung, praktisch keine Idee von den Problemen (oder prosaischen Wünschen) auf den unteren Ebenen, und "Unten" gibt es einen entsprechenden Problemstau. Derartige Plan(-los-)wirtschaft gibt es ja nicht nur in Riesengebilden wie dem ehemaligen Warschauer Pakt - schon in mittelgroßen kapitalistischen Unternehmen führt die entstehende "Reibung" zu massiven Effizienzeinbußen.

RE: US-Präsidentschaftsdebatte der Republikaner | 21.01.2016 | 04:13

Ich stimme Ihnen durchaus zu! Übrigens gibt es ein lesenswertes Interview mit Giorgio Agamben, das um die gleiche Thematik kreist: http://www.zeit.de/2015/35/giorgio-agamben-philosoph-europa-oekonomie-kapitalismus-ausstieg Prinzipiell hat Ihr "naives" Programm, u.a. lt. Agamben, ja eine ungefähr 2000 Jahre alte Tradition, was es auch für die damaligen Sklaven ziemlich interessant machte... Und: Kein Wunder, dass schon die damals Herrschenden das alles andere als doll fanden. ;)

RE: Inzwischen II | 21.01.2016 | 03:41

"Warum folgen so viele Kommentatoren dem Reflex zur Verteidigung der arabischen, bzw. islamischen Kultur ?"

- Seit 2001 genießt eine monokausale Deutung (politischer) Ereignisse hohe Popularität; übrigens auch in der schreibenden Zunft: Huntingtons "Clash of Cultures", und davon abgeleitet, der "Krieg gegen den Terror" . Der "Muselmane" dient hier als großer "Identitätsstifter" für den Westen, an dem er sich gepflegt in allen Formen abreagieren kann: "Muslim hier, Muslim da, Muslim Böse" , zwischendrin wird "Muslim" noch gerne ersetzt durch "Putin" .(Im zweiten Fall wird das politische Russland , inklusive der auch vom Westen ab 1990 geförderten Oligarchie, schon auf einen indifferenten Punkt reduziert)

Das führt bei den Rezeptoren des medialen BlaBla zu Reaktionen, die entweder die Aussage noch weiter verstärken, oder aber sich mit dem so Angeklagten identifizieren. -Je nach politischer Sozialisation erfolgt dann auf die propagandistisch betriebene Stereotypisierung Brechreiz oder Selbstbestätigung.

Und, die Frage, ob es lose organisierte Taschendiebe aus dem nordafrikanischen Raum waren, die zu Silvester ihr (sexualisiertes) Unwesen trieben, wird, in Folge des medialen Tenors, zur Frage nach der eigenen politischen Grundausrichtung, und den Glauben an die zuvor propagandistisch verbreitete Stereotypie.

-Jedes Mal, wenn ich , als persönliches Beispiel, übrigens in der Tagesschau vollständig unerklärt, aber doch sehr gezielt, den "Machthaber Gaddafi" (statt z.B. "Staatsoberhaupt", oder meinetwegen noch schon weniger neutral "Oberst") als vermeintlich "neutrale" Kurznachricht reingedrückt bekomme, wächst meine Sympathie für ihn, und mein Zorn gegen die veranstaltete Gehirnwäsche: Wenn ich Fernsehgebühren für Nachrichten bezahle, wieso bekomme ich dann (so schlecht getarntes) Werbefernsehen?

RE: Europa kann auf iranisches Regime verzichten | 21.01.2016 | 02:40

Also: Ich finde, dass die Briten mit ihren Autos auf der anderen Straßenseite fahren, zutiefst verabscheuungswürdig: Eine Gefahr für den Weltverkehrsfrieden! Ansonsten: Mir ist bewusst, dass "der Westen" der Hort des Guten ist, und Jeder, der davon abweicht, böse. Damit kann man sich ersparen, was in fremden Ländern unter Umständen sogar gut läuft, oder seine Kritik differenziert zu äußern. Das Prinzip "Wandel durch Handel" entstammt übrigens ebenfalls einer grauen Vorzeit- modern ist das Embargo in die Steinzeit. - Wo die Länder dann, so scheint es, "endlich" bereit für die Segnungen der westlichen Form der Demokratrie sind... Ein ziemlich starkes Stück: Dem Iran die letztliche Verantwortung für den IS in die Schuhe zu schieben. Statt dessen Finanziers "in der realen Welt" einmal wirklich zu benennen.

RE: Das geplante Staatsversagen | 21.01.2016 | 01:58

Nach meiner Meinung trifft der Artikel den Nagel auf den Kopf!

Seit Jahren wird forciert, dass das Staatswesen es in sämtlichen Bereichen nicht mehr "schaffen" kann. Das Kölner Ereignis - das Entstehen anomischer Räume im Zentrum einer Großstadt- zeigt vor allem Eines: Blankes Staatsversagen. Dieses wird dann wieder hysterisch-populistisch-rassistisch, von Schwarz bis Grün, im "Kampf um Wählerstimmen", auf "die Marokkaner" , und deren "Natur/Kultur" abgewälzt. Dabei geht das rechtsstaatliche Empfinden aller handelnden Akteure massiv und beängstigend in den Sinkflug.

Wobei das Phänomen, "man muss es doch sagen dürfen", auch noch eine Vorgeschichte hat: Nordafrikanische Migranten werden grundsätzlich von Staatsseite nicht akzeptiert, können aber auch zu gefühlt ca. 90% nicht mehr zurück in ihre Heimat gebracht werden; häufig bemühen diese sich deswegen auch nicht mehr um ihre Anerkennung. Was dabei dann herauskommt, ist mehr oder minder "geduldetes" "Nacktes Leben" (Agamben) im rechtlosen und staatenlosen Raum. Daraus folgend als die quasi einzige Möglichkeit zur "Integration" für die Migranten: Außerstaatliche kriminelle Strukturen, zur Bestreitung des eigenen Lebensunterhaltes.

- Ein großer Teil dieser -letztlich vom Staat "geförderten" - "Banden" hat sich dann die lukrative Möglichkeit zu Silvester auf Beutezug zu gehen, in Köln nicht entgehen lassen wollen. Die spezifische Form des Vorgehens war dann einer sich, als Gruppenhandlung, selbstverstärkenden Mixtur aus Alkohol und Machismo (den es auch nicht alleine im Islam gibt...) geschuldet.

- Die Antwort der Politik folgt natürlich auf dem Fuße: Mehr "illegale"/"geduldete" Nordafrikaner, die noch weniger als eh schon integriert werden, und wie bisher auch schon (nicht) abgeschoben werden (können) : Für noch mehr bekannte Probleme als bisher. - Auch das ist eine Form "geplanten Staatsversagens".