Paradies und Inferno

ARBEITSTAGEBUCH Ein jüdisch-deutscher Bilderdialog von Susan Erony und Erika Marquardt
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Aus etwa zehn Metern Abstand wirken sie so wunderbar wie christliche Miniaturen aus der Zeit der Kreuzzüge. Sie glitzern und leuchten in Gold und allen Nuancen des versöhnungsvollen Regenbogens, den Noah nach dem Ende der Sintflut aus dem Guckloch seiner Arche erblickte. Doch versteift man sich aus intimer Nähe wie ein Leser in diese fünfhundert taschenbuchkleinen Collagearbeiten, wird einem flau im Magen, flimmerig vor Augen und schwindlig im Kopf. Auf schreiend groteske und quälend pedantische Weise sind hier private Erinnerungen an die Zeit des Zweiten Weltkriegs und an die Shoa auf dichte, bleigerahmte und mit Kohlebröckchen beschwerte Leintücher geklebt: Fotos mit lachenden Kindern, heldenhaften Soldaten, glücklichen Erwachsenen neben Fotos von