Laurie Penny und die Prostitution

Feminismus Ist der Feminismus noch das was er mal war? Oder hat sich da schon Unliebsames eingeschlichen?
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Am 20.02.2014 erschien in der taz ein Interview mit der Feministin Laurie Penny,

deren Buch „Fleischmarkt“ einigen ein Begriff sein könnte. Es sind Aussagen, die vieles relativieren, anstatt die Problematik bei der Wurzel zu greifen.

Sie hat Recht, wenn sie der Meinung ist, dass ein Verbot der Prostitution noch nie wirklich den Sexarbeiter_innen genutzt hat. Allerdings ist die Prostitution in Deutschland ja völlig legal ist und dies hat zu nicht ignorierbaren Missständen geführt. Darum fordert Alice Schwarzer ein Verbot, dass allerdings nicht Prostitution an sich verbieten, sondern die Nachfrage bestrafen soll. Auch das ist ein Unterschied zu einem Prostitutionsverbot, unabhängig davon, welche Variante jemand bevorzugt. Nicht nur Verbote haben den Betroffenen je genutzt, sondern auch die deutsche Legalisierung hat viel zu wenig Positives für betroffene Personen bewirkt. So war es nicht gedacht bei der Einführung und viel zu lange wurde es hingenommen.

Das Prostitution intime Grenzen überschreitet erkennt sie und relativiert es durch die Erkenntnis, dass es viele Berufe gibt, wo dies der Fall sei. Doch stellt sich doch dann die Frage, wie wir mit Arbeit umgehen müssen die individuelle Grenzen überschreitet. Und ein wichtiger Aspekt ist auch die Notwendigkeit von diesen Tätigkeiten. Brauchen wir Menschen, die Patienten bei der Hygiene helfen? Die alten Menschen den Arsch abwischen? Ja, denn nicht immer kann dies von Angehörigen übernommen werden. Brauchen wir käuflichen Sex? Ist er lebensnotwendig? Nein, keineswegs. Sex kann nicht eingefordert werden. Darf nicht eingefordert werden.

Wie gehen wir damit um, dass Sex (noch) kaufbar ist? Darf Sex eine Ware/Dienstleistung sein? Wird damit nicht ein weiterer Bereich Teil des kapitalistischen Verwertungssystems? Sollten wir uns nicht in eine gegenteilige Richtung begeben, die sich widersetzt und sich auf andere Bereiche ausweitet? Eine Umstrukturierung wie wir als Gesellschaft und als Individuen leben (wollen)?

Es ist ignorant, die überaus schlechten Erfahrungen von (Ex-)Prostituierten alleine darauf zu schieben, dass Sexarbeit illegalisiert ist oder in einer Grauzone stattfindet. Gerade in Deutschland ist es eben legal oder es handelt sich um Menschenhandel und Vergewaltigung. Eine Grauzone wie in Schweden in dem Sinne gibt es hierzulande nicht. Im Umkehrschluss ist es ebensowenig so, dass die Legalisierung von Prostitution automatisch zu guten und sicheren Arbeitsbedingungen führt und Missstände sich in Luft auflösen oder verschwindend geringen Anteil haben.

Ja, Feminismus soll zu Handlungsfähigkeit und Selbstermächtigung führen. Doch das passiert nicht, in dem einfach ein Gesetz für oder wider Prostitution entsteht. Ein Gesetz vollbringt keine Wunder und beseitigt auch nicht von heute auf morgen Probleme. Ein Gesetz allein sorgt nicht für die Grundlage von Handlungsfähigkeit. Beispiel: Eine Frau aus einem Nicht-EU-Land kann hierzulande nicht einfach zur Polizei und Anzeige erstatten. Sie kann höchstens hoffen, wenigstens bis zur Urteilsverkündigung hier bleiben zu dürfen. Dann wird sie wahrscheinlich in ihr Herkunftsland zurückgeschickt, wo sie entweder wieder in bitterer Armut leben muss oder erneut von Menschenhändlern missbraucht wird.

Die Sexarbeiterin wird nicht ausgeschlossen, weil sie gerne mit vielen verschiedenen Männern Sex hat. Sie wird ausgeschlossen, weil sie Sex verkauft und das von der Gesellschaft nicht akzeptabel gefunden wird. Sie wird stigmatisiert, weil es nicht richtig gefunden wird, Sex zu kaufen. Weil sich möglicherweise Ehefrauen bedroht fühlen. Diese Stigmatisierung ist selbstverständlich nicht okay, sondern verschlechtert möglicherweise noch die Situation der Betroffenen und verkennt die Ursachen, warum diese Menschen dieser Tätigkeiten nachgehen.

Sexarbeit stellt das Patriarchat keineswegs in Frage, sondern das Patriarchat fordert diesen Markt. Er will käuflichen Sex. Infrage gestellt wird das Patriarchat höchstens von Frauen, die frei entscheiden wann sie mit wem und wie vielen verschiedenen Personen Sex haben möchte. Nicht weil sie Geld dafür bekommt.

Es ist auch eine fatale, kapitalisierte Sicht auf zwischenmenschliche Beziehungen, wenn wir davon sprechen, dass alle Frauen in unserer Gesellschaft Sex gegen Geld tauschen.

Sex basiert idealerweise auf beidseitigem Einvernehmen und Lust aufeinander und nicht weil ein Mensch einem anderen Geld dafür bietet.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=tz&dig=2014%2F02%2F20%2Fa0155&cHash=83f793e73300794c10c53c7fd801c935

19:20 25.02.2014
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Geschrieben von

Bala Gul

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