RE: Wer hat uns die Fahrverbote eingebrockt? | 17.10.2018 | 17:25

Augstein irrt: Merkel versagt bei der Autoindustrie keineswegs und schon gar nicht komplett. Richtig ist, dass sie der Autoindustrie zu Diensten ist, und zwar sehr erfolgreich, indem sie die moralische Dimension dieses Skandals durch ihr demonstrativ gezeigtes Desinteresse nahezu pulverisiert hat. Ich habe gelernt, dass man einem ganzen Industriezweig durch demonstrative Ignoranz eines Riesenbetruges sehr effizient gefällig sein kann. Wieso kommt eigentlich niemand auf die Idee, dass das etwas mit Korruption zu tun haben könnte?

RE: Auf schmalem Grat | 07.09.2018 | 08:37

kann eine Front eröffnet zwischen denen, die im Siechenbett liegend auf ein Spenderorgan warten und jenen, die auf der Unversehrtheit des hirntoten Körpers bestehen. Wer wirft dann den ersten Stein?

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Was mich selbst anbetrifft, so bin ich "fein raus," denn meine Organe sind zu alt, um noch begehrt zu werden - und woraus sich eine weitere ungelöste Frage ergibt: Es wird ja auch diskutiert, dass jemand, der nicht als Spender zur Verfügung steht, auch kein Organ gespendet bekommen soll. Was aber ist mit Leuten, deren Organe man nicht will? Sollen die auch dann kein Organ empfangen dürfen, wenn sie ihre Organe gerne spenden würden? Und scheiden dann alte Menschen, der Organe für eine Verpflanzung nicht in Betracht kommen, als Empfänger sowieso aus? Fragen über Fragen, die alle ethisch ungelöst sind. Aber man haut, wie Sphan, Montgomery und Lauterbach eine angebliche Lösung raus, zu Fragen über Leben und Tod, ohne auch nur entfernt alles bedacht zu haben.

Ich bin nicht grundsätzlich gegen Organspenden. Aber das Mindeste ist, alle ethischen Gesichtpunkte zu bedenken und sich bewusst zu sein, dass in den Kliniken medizinisch rein praktisch und pragmatisch entschienden und gehandelt wird und ethische Fragen den Stellenwert von "Gedöns" haben.

Für Spahn und Konsorten ist das offenbar kein Problem!

RE: Auf schmalem Grat | 06.09.2018 | 20:01

Man muß eben nur »widersprechen«. Wer Deutschland und seine furiose Bürokratie kennt, dürfte ahnen, dass von »Einfachheit« da kaum die Rede sein kann

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Ich fürchte, dass die Bürokratie bei Einführung der Widerspruchslösung sogar ganz ausgezeichnet funktioniert, schlicht, weil sie so gut wie außer Kraft gesetzt wird.

Stellen Sie sich vor, ihr geliebter Angehöriger kommt infolge eines Fahrradunfalles mit einem Schädel-Hirn-Trauma ins Krankenhaus. Ein Papier des Inhalts, dass er seine Organe nicht spenden möchte, wird bei ihm nicht gefunden, sei es, weil er es zu Hause vergessen hat oder weil es bei dem Unfallgeschehen abhanden kam oder unleserliche beschädigt wurde. Sie werden, weil es früher angeblich nicht möglich war, 3 Stunden später ins Krankenhaus gerufen und finden ihren Angehörigen ohne innere Organe vor. Ein fremder Arzt erklärt ihnen, dass zwei andere Ärzte aus demselben Haus völlig unabhängig voneinander den Hirntod festgestellt hätten, worauf hin man die Organe Ihres Angehörigen entnommen habe.

Das können Sie jetzt nur glauben oder nicht. Sie haben insbesondere nicht mehr die Möglichkeit, den angeblichen Hirntod von einem Arzt ihres Vertrauens überprüfen zu lassen, weil das wegen der bereits erfolgten der Organentnahme sinnlos wäre. Mit dem Zweifel, ob man bei der Feststellung des Hirntodes lege artis vorgegangen ist, müssen Sie leben, ebenso mit dem bösen Verdacht, dass es vielleicht mehr um die Organe Ihres Angehörigen gegangen sei, als darum, medizinisch alles für ihn getan zu haben. Für die Ärzteschaft ist das natürlich kein Problem, weil Ärzte bekanntlich immer alles richtig machen und über jeden Zweifel an ihrer Lauterkeit erhaben sind, weshalb es auch noch nie einen Organspendeskandal gegeben hat. Und wenn doch, dann waren das sämtlich kriminelle Einzefälle.

Dafür, dass es für einen Angehörigen einen Riesenunterschied macht, ob er sich von einem hirntoten Menschen verabschieden kann, oder von einem regelrecht ausgeweideten Körper, haben die Spahns und die Montgomerys und die Lauterbachs sowieso kein Organ.

RE: Auf schmalem Grat | 06.09.2018 | 15:58

Die letzten Lebensstunden wird er vermutlich auf einem OP-Tisch verbringen – mit abwartenden Ärzten und Helferpersonal drumherum, die auf den Tod warten und darauf, endlich mit der Transplantation loslegen zu können.

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Es wird wohl nicht so ablaufen, dass hochbeschäftigtes und hochbezahltes medizinisches Personal den Daumen drehend um den Spender herumsteht und darauf wartet, bis bei ihm der Hirntod eintritt. Wahrscheinlicher ist, dass der Organismus des Spenders nach dem eingetreten Hirntod so lange in Gang gehalten wird, bis hier alles für die Entnahme und dort alles für den Empfang des Organs bereit ist, wobei zu bedenken ist, dass der Empfänger möglichst schon vor dem Eintreffen des neuen Organs auf dem OP-Tisch zu liegen kommen muss, denn schließlich muss auch bei ihm ein Organ entnommen werden, bevor ein neues eingesetzt werden kann. Bei diesem Prozedere wird der zwar hirntote aber noch lebende Spender zum Objekt medizinischen Handelns gemacht, was gegen Artikel 1 GG glatt verstößt. Denn eins ist doch wohl klar: Der hirntote aber noch lebende Spender stirbt endgültig erst bei der Entnahme des Organs, nicht vorher. Anders wäre es nur, wenn per Definition festgelegt würde, dass der Spender mit dem Eintritt des Hirntodes als gestorben gilt, was tatsächlich aber nur eine Fiktion ist, eben weil der Organismus ja erst nach der Organentnahme nicht mehr weiter lebt. Bei Licht betrachtet töten die Entnahmeärzte den Spender, was Spahn und seinen Mitstreitern, z.B. Montgomery und Lauterbach, völlig egal ist, weil sie einzig darauf fixiert sind, den Empfänger mit einem neuen Organ zu versehen. Das Schicksal des Spenders und das Leid seiner Angehörigen, interessiert sie nicht.

Im Übrigen setzt die sog. Widerspruchslösung, die jedenfalls ethisch überhaupt nichts löst, darauf, dass ein Widerspruch von möglichst vielen Menschen versäumt wird, aus welchen Gründen auch immer. Man hofft wohl darauf, dass sich einige Zeit nach Einführung dieser sog. Lösung die Aufregung legt und man dann über hirntote Menschen verfügen kann, ohne sich um eine Zustimmung insbesondere der Angehörigen kümmern zu müssen, die schon heute von ethisch ungebildeten Medizinern massiv unter Druck gesetzt werden, einer Organspende ihres im Sterben liegenden Angehörigen zuzustimmen.

Ich erlaube mir, aus einem Posting des bei SPON schreibenden Foristen "Ottokar" zu zitieren:

"Nach dem meiner Tochter, 32 , eine Ader im Gehirn geplatzt war, wurde sie mit Apparaten am Leben erhalten. Die Stationsärztin bat uns, die Familie, in einen Besprechungsraum und fragte uns ob wir mit einer Organspende von unserer Tochter einverstanden wären. Dabei erklärte sie uns, der Familie die noch unter Schock stand, im Detail was man so alles gebrauchen könnte. In einem Ton der an das Ausschlachten eines alten Autos erinnert. Nachdem wir, die Familie eine Organspende abgelehnt hatten, kam der Spruch dieser Ärztin, dann schalten wir ab was auch postwendend gemacht wurde. Uns, der Familie blieben noch nicht einmal die fünf Minuten um Abschied zu nehmen."

http://www.spiegel.de/forum/gesundheit/organspende-vorstoss-von-jens-spahn-widerspruchsloesung-ist-keine-loesung-thread-797609-20.html

Ethisch ist das alles äußerst fragwürdig. Schade, dass der Eingangsartikel nicht darauf eingeht.

RE: „Das hat die in einen Rausch versetzt“ | 30.08.2018 | 13:24

Keine Angst! Es ist nur eine Sau, die durch's Dorf getrieben wird. Ganz bestimmt. Sonst würde sich die Frau Bundeskanzlerin ja darum kümmern. Stattdessen ist sie ganz entspannt nach Afrika gereist, wo sie dringender gebraucht wird als in Berlin und Sachsen.

RE: Recht empfinden | 19.08.2018 | 15:20

Keineswegs. Wenn Sie mir eins auf die Glocke geben, hat das mit der angeblich normativen Kraft des Faktischen nichts zu tun, sondern es ist lediglich die nicht-normative-Kraft ihrer Muskeln. Zur normativen Kraft des Faktischen würde diese erst, wenn jeder jeden ungestraft verprügeln dürfte, so dass die bestehende strafrechtliche Norm der Körperverletzung faktisch aufgehoben wäre.

Im Fall des Sami A. könnte man von einer normativen Kraft des Faktischen erst reden, wenn es allgemeiner Konsens wäre, dass man Ausreisepflichtige in Länder abschieben kann, in denen gefoltert wird. Es gibt zwar viele Leute, die das verlangen. Aber ein in diese Richtung gehendes Gesetzesvorhaben würde wohl nur von der AfD unterstützt.

RE: Recht empfinden | 19.08.2018 | 15:07

Und im Übrigen: Was ist denn aus der normativen Kraft des Faktischen geworden?

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Davon steht nichts im Grundgesetz. Es gibt nur Idioten, die meinen, ihre Ansichten zu Fakten aufwerten zu können, die in die Gesetze einzugehen hätten. Da wirkt allenfalls die Kraft der Einbildung.

RE: Recht empfinden | 19.08.2018 | 14:55

Nur dass dieser Punkt keinesfalls erreicht ist.

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Wirklich nicht? Der Punkt ist doch, dass es für Stamp und Reul völlig folgenlos bleibt. Man testet und hebelt den Rechtsstaat so lange aus, bis der Populismus den Sieg davon trägt.

RE: Front der Standhaften | 02.08.2018 | 09:04

Politik hat auch mit Charakter zu tun. Erdogan ist ein charkterloser Despot. Wer sich mit solchen Leuten einlässt, stützt sie. So einfach ist das.

RE: Deutschland kriegt die Krise | 29.06.2018 | 13:25

Blome irrt. Die Unionsparteien werden sich zügig wieder vertragen, nach der Devise: Pack schlägt sich und verträgt sich. Tatsächlich wollte Seehofer nur ein bisschen die Muskeln spielen lassen, damit er im Sommerloch im Gespräch bleibt. Schließlich ist er schon älter und man hört ihm nicht mehr so gerne zu, weil man ja auch nicht miterleben muss, wenn er zu sabbern anfängt; denn das wäre peinlich. Und btw: Hat sich schon mal jemand gefragt, wie es sein kann, dass Frau Merkel die letzen Tage, in denen es angeblich um ihren Skalp ging, so erstaunlich gelassen bleiben konnte? Dann gucken Sie mal hier:

https://www.greenpeace-magazin.de/ticker/top-wirtschaftsverbaende-geben-merkel-im-asylstreit-rueckendeckung

Frau Merkel, die ja eigentlich eine vom Staat bezahlte Wirtschaftsfunktionärin ist, hat genau gewusst, dass sie sich auf ihre Spezies aus der Wirtschaft verlassen kann. Die lassen sie nicht fallen. Also: Schluss mit dem angeblichen Unionsstreit. Die bekannten Litaneien, beginnend mit: "Wir-haben-immer-gesagt" und "Ich-habe-nie-gesagt" können beginnen.