RE: Kalt ist der Abendhauch | 10.05.2020 | 18:54

Ich glaube schon, dass eine Regierung nicht nur berechtigt, sondern in Zeiten der Pandemie auch verpflichtet ist, der Bevölkerung sinnvolle Schutzmaßnahmen vorzuschreiben, weil anderenfalls das ganze Gemeinwesen gefährdet wäre. Selbstverständlich muss sie dabei den Grundsatz der Verhältnis beachten. Aber es ist doch ein ganz anderes Problem, zu sagen: Da gibt es eine ganze Bevölkerungsgruppe, in diesem Fall die Gruppe der Alten, bei der ist es uns zu teuer, ihr Leben zu retten. Die lassen wir sterben und machen etwas besseres mit dem Geld. Ich finde, dass damit der bisherige gesellschaftliche Konsens über den Stellenwert des Lebens und der Menschenwürde als verfassungsrechtlichen Höchstwerten der Boden entzogen wird und an ihre Stelle eine utilitaristische Betrachtungsweise tritt, die zu einer Gesellschaft führen könnte, die so unmenschlich wäre, dass ich darin schon von mir selbst aus nicht leben möchte.

RE: Kalt ist der Abendhauch | 10.05.2020 | 18:14

Ich denke, dass es ein großer Unterschied ist, selbstbestimmt Lebt wohl zu sagen, oder sich von Boris Palmer oder Wolfgang Schäuble oder von wem auch immer über den Wert des Lebens aufklären lassen zu sollen, mit der Konsequenz, dass man es mit dem eigenen Tod doch bitte halblang machen möge. Auch das hat mit Würde zu tun, glaube ich.

Habermas hat neulich (leider hinter einer Bezahlschranke) gesagt:

"Es kann entwürdigende Situationen geben, etwa Umstände einer unheilbaren Krankheit, des überwältigenden Elends oder der erniedrigenden Unfreiheit, unter denen eine Person wünscht, lieber tot zu sein, als ein solches Leben führen zu müssen. Aber abgesehen von tragisch ausweglosen Situationen kann eine Entscheidung dieser Art nur in erster Person, also vom Beteiligten selbst getroffen werden. Kein anderer, erst recht keine an Grundrechte gebundene Staatsgewalt darf Bürgern eine solche Entscheidung abnehmen."

https://www.zeit.de/2020/20/grundrechte-lebensschutz-freiheit-juergen-habermas-klaus-guenther

So sehe ich das auch. Es ist weder an Palmer noch an Schäuble über das Leben oder Sterben anderer Menschen als ihnen selbst zu befinden. Ich kann mir zwar eine Gesellschaft vorstellen, die das anders regeln könnte. Aber das müsste eine Gesellschaft sein, in der Nächstenliebe und Solidarität gelebtes Verfassungsrecht wären und nicht der blanke Egoismus hinter jeder Ecke zum Vorschein kommt. Dass sich alte Menschen von Egoisten vorschreiben lassen sollen, dass lebensrettende Maßnahmen für sie zu teuer seien, zeugt von einer inneren Haltung, die an Verachtung für alte Menschen schwerlich zu übertreffen ist.

RE: Wo soll das alles enden? | 24.04.2020 | 10:09

Blome sieht etwas nicht richtig: Wenn wir jetzt zwei Wochen Lockerungsbetrieb machen, um zu gucken, ob es vertretbar ist oder nicht, können wir die Schrauben danach zwar wieder anziehen, wenn es sich als erforderlich erweist, haben uns aber in der Zwischenzeit wieder das exponentielle Wachstum der Infektionen eingehandelt. Dieser Preis ist für zwei Wochen Lockerung zu hoch.

RE: Der Tod ist kein Fremder | 16.04.2020 | 16:08

Zitat:

Der Ethikrat begleitet nun die Debatte: Er stellte klar, dass ausschließlich die Überlebensperspektive ausschlaggebend sein darf bei der Entscheidung über eine Behandlung.

Zitatende

Vom Ethikrat erwarte ich gar nichts. Und den Arzt möchte ich sehen, der einem 80jährigen eine bessere Überlebensperspektive zugesteht, als einem 40jährigen Familienvater.

RE: Der Tod ist kein Fremder | 16.04.2020 | 15:50

Der Tod steht schon am Orte,

Wo sich ein Leben regt.

Der Tod steht an der Pforte,

Wo man zu Grabe trägt.

Er geht im Leidgefolge

Ungesehen mit,

Wie er dabei gewesen

Im Leben Schritt für Schritt.

Zum König wie zum Bettler

Sagt er sein letztes Du

Und schließt mit stummen Händen

Die dunkle Pforte zu.

Und geht mit uns nach Hause

Und isst das Abendbrot

Und schweigt und weiß doch alles,

Der Herr der Welt, der Tod.

Matthias Claudius

RE: Es geht nicht nur um Thüringen | 03.03.2020 | 16:00

Ramelow und/oder Neuwahlen, das ist hier die Frage.

RE: Fragile Menschlichkeit | 27.01.2020 | 13:28

Meine Mutter und meine Lehrer*innen haben mich etwas gelehrt, das ich nicht überdenken werde, weil es richtig ist. Es nennt sich die "Goldene Regel" und lautet:

"Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem anderen zu."

Das ist zeitlos und gilt für alle Menschen, gleich welcher Nationalität.

RE: Der Druck wird steigen | 17.01.2020 | 19:05

https://initiative-kao.de/

Zitat:

"Wenn wir die Gesellschaft über die Organspende aufklären, bekommen wir keine Organe mehr."

RE: Linker SPD Exit oder nicht? | 07.12.2019 | 18:39

Augstein irrt. Die SPD ist schon während des Parteitages auf 11% abgerutscht:

https://www.n-tv.de/politik/SPD-rutscht-mit-neuer-Spitze-weiter-ab-article21443339.html

Tatsächlich sind Esken/Walter-Borjans schon jetzt verbraucht und können sich in die Reihe ihrer Vorgänger einreihen.

RE: Der Vampir sind wir | 28.09.2019 | 10:29

Nur gut, dass wenigstens Italien nicht unter Draghi zu leiden hat.