Der Vorfall Teil 1

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Wie immer um diese Jahreszeit herrschte reges Treiben in der vornehmen Münchner Maximilianstraße zwischen Max-Joseph-Platz und dem Bayerischen Landtag. Diese Einkaufsmeile, die von Edeljuwelieren, Luxusboutiquen, Kunstgalerien und exklusiven Antiquitätenläden nur so strotzte, vibrierte wieder einmal unter dem Ansturm der vielen Russen, Japaner, Iraner und Amerikaner.

Es war Mitte August und die Eisverkäufer ließen ihre Kühlaggregate auf Hochtouren laufen. Auch der Straßenverkehr auf der Maximilianstraße gebärdete sich teilweise recht bockig. Nörgelndes Hupen, hektische Ausweichmanöver und eine unentwegt klingelnde Trambahn bestimmten das flirrende Straßenbild. Schneidige Fahrradkuriere mit gestählten Körpern schwirrten wie aggressive Mücken durch das alltägliche Verkehrsgewühl.

Im nahen Völkerkunde Museum gegenüber der Regierung von Oberbayern wandelten wissbegierige junge und alte Menschen staunend durch die hohen Räume. Ehrfürchtig und neugierig zugleich blickten sie auf die beeindruckenden Zeugnisse vergangener sowie gegenwärtiger Kulturen.

Auf der großen Freitreppe, die hinaufführte zum monumentalen Eingang der Bayerischen Staatsoper standen die Menschen dicht gedrängt in schmucken Abendgarderoben und tauschten in gemeinsamer Erwartung eines schönen Theaterabends, amüsiert Höflichkeiten aus.

Vor dem Eingang zur öffentlichen Schatzkammer der Münchner Residenz, sausten wie immer Jugendliche in äußerst waghalsiger Art und Weise auf ihren Skateboards hin und her, obwohl dies natürlich verboten war. Doch gerade das war natürlich der Reiz den die jungen Kerle sichtlich genossen. Denn in immer kürzer werdenden Abständen stürzte ein rotgesichtiger Aufsichtsbeamter aus dem Portal heraus und schimpfte was das Zeug hielt. Dabei fuchtelte er jedes Mal wild gestikulierend mit beiden Armen umher.

Allerdings zeigte diese Verscheuchungsaktion so gut wie keine Wirkung bei den erhitzten Jungs. Im Gegenteil. Sie steigerten sogar noch ihre Aktivitäten. Als der rotgesichtige Aufsichtsbeamte aber schließlich damit drohte die Polizei zu rufen, zogen es die Jugendlichen doch lieber vor das Feld zu räumen. Sie verlagerten ihre tollkühnen Aktionen einfach in die Residenzstraße. Zum Leidwesen vieler Passanten. Das laute Aufschlagen der Rollbretter auf dem warmen Asphalt hallte Unruhe verbreitend über den gesamten Max-Josef-Platz, und wirkte zeitweilig wie ein abstrakter Hörgenuss von Stockhausen.

Am Taxi Standplatz vor der alten Hauptpost erzählte eine offensichtlich leicht beschwipste Dame einem jungen Taxifahrer ihr ganzes Leben und zwar in allen Einzelheiten.

Auf dem verkehrsberuhigten Platz, direkt vor dem prächtigen Orlando di Lasso Haus verzehrten zufriedene Touristen die Köstlichkeiten eines weltbekannten Münchner Sternekochs. In unmittelbarer Nähe zum Eingang des Hofbräuhauses verharrte ein bunt gekleideter Pantomime in weißen Stulpenstiefeln, im professionellem sich nicht Bewegen.

Alles lief also in den üblichen Bahnen, bis auf eine äußerst befremdlich wirkende Begebenheit, die sich zur gleichen Zeit in der Münchner Frauenkirche ereignete.


15:57 11.09.2009
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Geschrieben von

bambulie

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bambulie

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