Ein Mord – ein Verbrecher, eine Million Morde – ein Held

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Sind alle großen Feldherren im Grunde Psychopaten?

Zugegeben eine etwas gewagte Formulierung, dennoch im Krieg kann Erfolg nur mit Blut erkauft werden.


Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass allein in der Schlacht von Sekigahara 50.000 Menschen starben. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kann man annehmen, dass der zweijährige Aufstand unter Führung des ehemaligen Gladiators Spartakus etwa 100.000 Menschen das Leben kostete und für Attilas Feldzüge kann man das Doppelte ansetzen.

Bei Richard Löwenherz, der sein ganzes Leben mit Kämpfen verbrachte, lässt sich kaum sagen, wie viele Tote seinen Weg säumten.

Allein während des dritten Kreuzzugs starben auf beiden Seiten zusammen etwa 100.000 Menschen.

Friedrich Nietzsche über die Kreuzzüge: „Piratentum auf höchster Ebene“.


Bei Cortés´ Eroberung Mexikos rechnet man mit einer viertel Million Toten, wobei die Toten durch Epidemien nicht berücksichtigt sind.

Die zwanzig Jahre, in denen Napoleon militärisch aktiv war, kosteten vier Millionen Menschen das Leben. Hitler und Stalin will ich hier erst gar nicht erwähnen. Die Menge an Toten, die diese beiden verursacht haben, dürfte ja hinlänglich bekannt sein.


Man hat es hier also mit einer sehr umstrittenen Materie zu tun, aber das Konzept der „Psychopathie“ tauchte schon sehr früh auf. In dem hinduistischen Heldenepos Mahabharata fragt sich der berühmte Krieger Arjuna, warum es ihm so leicht fällt zu morden und ähnliche Passagen finden sich in Homers Ilias.


Psychopathie im üblichen Sinne kann aber keine hinreichende Erklärung für das Verhalten von Soldaten sein, denn der Stress, den jede bewaffnete Auseinandersetzung allen Beteiligten bereitet, vom General bis zum jüngsten Rekruten, ist in allen Schlachtenbeschreibungen eine Konstante.

Es ist bekannt, dass jemand, der fortgesetztem Kampfstress ausgesetzt ist, psychische Reaktionen aufweist, die letztlich auch chemophysisch nachgewiesen werden könne.


Das aber ist per definitionem nicht das Reaktionsmuster eines Psychopaten, denn er empfindet in einer von ihm selbst herbeigeführten Extremsituation keinen Stress.

Daher scheit es hilfreich zu sein, wenn man zwischen einem echten Psychopathen und einem Soziopathen unterscheidet, dessen Moralität in einer hypermaskulinen Umgebung entweder zeitweilig oder gänzlich ausgelöscht wird. Inzwischen geht man davon aus, dass alle Menschen das Potenzial für einen Zusammenbruch ihrer Moralität in sich tragen und dass dieser Zusammenbruch von Naturkatastrophen sowie gesellschaftlichen Umstürzen ausgelöst werden kann – ja, sogar von Fußballspielen, wenn die gegnerische Mannschaft gewinnt.


Schlachten und Kriege sind das ideale Szenario für einen solchen Zusammenbruch und die Manifestation von Soziopathie.

Wie sonst könnten Soldaten dazu gebracht werden zu töten?

Es ist eine alte Weisheit, dass Handlungen, die im Krieg als Heldentum gelten, in Friedenszeiten schlichter Mord wären.

23:23 06.12.2009
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Geschrieben von

bambulie

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bambulie

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