Siddhartha Teil 2

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Diese eine Nacht der Erleuchtung ist in der Religionsgeschichte der Menscheit einer der wichtigsten Momente. Wie ein gleißender Lichtstrahl ergoss sich von diesem Moment an eine Flut von heilender Spiritualität über den größten Teil Asiens und die Menschen dieser Region. Inhaltlich besteht die Erleuchtung aus der tiefen Erkenntnis, dass sich alles in ständiger Veränderung befindet und darüber hinaus unstet, unwirklich und kummervoll ist.

Das menschliche Sein verbindet uns mental und emotional an viele Dinge, so als wären diese substanziell andauernde oder gar beständige Realitäten. Wenn die Dinge dann ihrer Natur gemäß beginnen sich aufzulösen, verfallen wir in einen Zustand der Panik oder gar der Angst.

Es war diese zerbrechliche Natur der Realität sowie unser tiefes psychologisches Bedürfnis, dieses Wissen um die stetige Veränderung immer negieren zu wollen, sodass Gautama erwachte und sich dessen bewusst wurde. Er war davon überzeugt, dass dieses Wissen der Schlüssel zur Befreiung oder auch die Erlösung von allen krankhaften Begierden oder Sehnsüchten der Menschen sein kann, genauso wie man damit den endlosen Kreislauf der Wiedergeburten durchbrechen kann.

Jetzt, nach dieser Nacht der Erleuchtung, schwankte er innerlich hin und her ob er sich nun mit Predigten an die Menschen wenden sollte, um ihnen seine Lehre zu vermitteln. Spätere Berichte zeigen uns, dass er durchaus eine Zeitlang damit liebäugelte seine Lehre nicht durch Predigten zu verbreiten.

Es war ihm von Anfang an klar wie schwer es sein würde diese nicht leicht zu verstehende Lehre zu vermitteln. Gerade deshalb, weil er natürlich wusste, wie leidenschaftlich sich die Menschen ihren jeweiligen Vergnügungen hingaben oder gar förmlich beherrscht werden, von einem falschen Begriff von Individualismus. Auchdachte er darüber nach, wen er überhaupt unterrichten sollte. Er war sich darüber klar wie feinsinnig seine Lehre war und fürchtete sich auch davor missverstanden zu werden. Die Anstrengungen des Lehrens scheinen für ihn eine fürchterliche Herausforderung gewesen zu sein. Doch schließlich erkannte er, dass er nicht beunruhigt sein musste über diejenigen, die sich unwillig zeigten zu lernen oder seine Lehre missverstehen würden.

Als erstes entschloss er sich nun seine fünf Begleiter zu unterrichten. Dazu verließ er nun den Baum der Erleuchtung um sich im nahen - Deer Park - in Benares mit ihnen zu treffen. An diesem Ort hielt er also seine erste Predigt, die in der Hauptsache aus einer Zusammenfassung seiner Analyse über das menschliche Sein bestand.

Der Achtfache Weg

In der Predigt von Benares genannt:

"Bewege das Rad für Rechtschaffenheit oder Wahrheit",

fragte er seine Zuhörer, ob sie bereit wären vier grundsätzliche Lehrsätze hinsichtlich des menschlichen Lebens in Betracht zu ziehen und diese letztendlich auch als wahr zu akzeptieren. Diese vier Glaubenssätze bilden das Kernstück der frühen Buddhistischen Lehre.

Erstens: Das Leben, so wie es die meisten Menschen leben ist gekennzeichnet von Unzufriedenheit, Rastlosigkeit und Frustration.

Dies ist die erste Wahrheit. Das Leben ist schmerzhaft. (dukkha).

Der Grund warum das Leben schmerzhaft ist, ist darin zu sehen, dass die Menschen maßlos sind in ihren Begierden. (tanha)

Die zweite Wahrheit ist, dass die Menschen mehr vom Leben erwarten als es jemals geben kann. Wenn die Menschen anstatt von ihren Begierden beherrscht zu werden, in der Lage sind ihre Begierden zu beherrschen, dann sind sie soweit, die dritte Wahrheit zu erlangen. Nämlich einen Zustand des inneren Friedens. (Nirvana).

Die vierte Wahrheit, nämlich der - Achtfache Weg - bedeutet, dass die Menschen sich entfernen sollen vom Status des Begehrens, um überwechseln zu können zum Status des Nichtbegehrens.

Buddha geht also sehr systematisch vor, indem er zuerst wie ein Arzt die Diagnose der Krankheit erstellt, als nächstes die Ursachen dafür aufzeigt und schließlich die richtige Medizin verordnet.

Der Achtfache Weg besteht darin, die Lehre Buddha als Wahrheit zu akzeptieren, sowie dem Entschluss diesen Weg ernsthaft beschreiten zu wollen, mit allen moralischen und mentalen Disziplinen, um das Ziel die Befreiung von den Begierden und Wünschen Realität werden zu lassen.

Gemäß Buddha liegt die Wurzel oder die Ursache für die Unzufriedenheit vieler Menschen in ihnen selbst und nicht etwa bei externen Göttern oder anderen menschlichen Mächten. Der Weg, den er somit aufzeichnete, war zwar schwierig zu gehen aber dennoch möglich.

Die bevorzugte Art diesen Weg zu beschreiten war als Mönch oder Nonne in einer klösterlichen Gemeinschaft. Seinen Mönchen und Nonnen predigte Buddha ein moderates Asketentum. Egal, was für einen sozialen Status sie vorher hatten oder aus welcher Kaste sie kamen, alle wurden akzeptiert.

Buddha richtete sein Hauptaugenmerk auf die Krankheiten des tatsächlichen, des gegenwärtigen Lebens und vermied es müßige philosophische Theorien zu erörtern.

Einmal sagte er:

Das religiöse Leben - Malunkyaputta - hängt weder von dem Dogma der Ewigkeit der Welt ab, noch ist das religiöse Leben -Malunkyaputta - abhängig von dem Dogma welches besagt, die Welt sei nicht ewig.

Ob das Dogma nun lautet die Welt sei ewig oder nicht ewig,

es bleiben immer:Geburt; Alter; Tod; Sorgen; Trauer; Elend; Kummer und Verzweiflung.

In den 45 Jahren, die zwischen der Erleuchtung Buddhas und seinem Tode liegen, reiste und predigte er in Zentral Indien, hielt sich aber vorwiegend in Magadha und Kausala auf. Er gewann viele Menschen, die dann schließlich zu Buddhas Religion konvertierten. Die mittlerweile etablierte und allseits akzeptierte Gemeinschaft bestehend aus Mönchen, Nonnen und Laien predigte und lehrte von nun ab seine Botschaft.

Auch Buddhas Stiefmutter Mahaprajapati Gautami(seine leibliche Mutter verstarb sieben Tage nach seiner Geburt), äußerte den Wunsch Nonne zu werden. Zuerst allerdings verweigerte Siddharta dafür seine Zustimmung, aber nachdem Anandaseine Lieblingsjüngerin sich auch dafür aussprach, stimmte er schließlich zu.

Außerdem erließ er ein strenges Regelwerk hinsichtlich des Zusammenlebens zwischen Mönchen und Nonnen, vor allem in Hinblick auf etwaige sexuelle Aktivitäten. Zusätzlich zu den bereits existierenden Regeln (Vinaya), die das Leben innerhalb der Klostergemeinschaft bestimmten, kamen noch weitere acht wichtige neue Regeln hinzu.

Die Nonnen hatten den Mönchen gegenüber keine gleichberechtigte, sondern eine untergeordnete Stellung und mussten daher ihren Anweisungen Folge leisten. Trotz dieser strengen Regeln, gab es zur Zeit als Buddha noch lebte, viele Nonnen, die aktiv seine Lehre verbreiteten.

Wenn man die sehr eingeschränkten Rechte und Freiheiten von Frauen zu jener Zeit in Betracht zieht, so bot die klösterliche Lebensgemeinschaft den Frauen immerhin ein Mindestmaß an Selbstbestimmung. In seiner letzten Predigt, die er kurz vor seinem Tode hielt, erließ Buddha nochmals zusätzliche Regeln für den Orden. Er erklärte auch, dass Buddha nicht der Anführer oder etwa eine Art Gott der neuen Religion sei, sondern vielmehr der Orden eine kooperierende Gemeinschaft sei, ohne Anführer:

"Sei ein Lamm unter deinesgleichen. Sei behütet unter deinesgleichen. Lass die Lehre - Dharma -dein Lamm sein. Lass die Lehre deine Zuflucht sein."

Am Ende sagte er:"Alles ist vergänglich. Sei fleißig in deinem Strebennach Erlösung."

Nach Buddhas Tod ehrten die - Mallas von Kusinagara -den Leichnam mit Blumen, Wohlgerüchen und Musik um ihn anschließend in einer feierlichen Zeremonie zu verbrennen.Die Überreste wurden auf acht Leute verteilt, die dann in Zentral Indien - stupas - Reliquien Tempel bauten. Diese - stupas - waren die Vorläufer von vielen anderen Schreinen, die später in ganz Indien errichtet wurden und auch heute noch als Stätten der religiösen Verehrung dienen.

21:37 09.12.2009
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Geschrieben von

bambulie

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