Roter Teppich oder grüner Rasen

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Die Berlinale hat schon beinah Halbzeit und irgendwie geht der ganze Trubel dieses Jahr so ziemlich spurlos an mir vorbei. Das hat verschiedene Gründe. Bis gestern pendelte ich für eine Woche immer wieder zwischen den grauen Grachten Amsterdams und einer wundersam verschrobenen Gegend mit dem traurigen Namen Limbabwe hin und her. Allein 11 Freunde waren schuld daran. Aber das ist eine andere Geschichte und steht irgendwann Ende Februar auch in einem andern Blatt. Nur so viel sei verraten, in Zeiten der allgemeinen Krisenlaune, sind nicht nur bei Schiesser die Pleitegeier längst am kreisen. Auch im fernen Holland sind breit bewährte Männerplauzen, wie bei Fußballfans besonders liebevoll gepflegt, ebenfalls gezwungen den Gürtel enger zu schnallen und sich fürderhin in feinripplose Buxen zu zwängen. Alte Traditionen werden auch dort ausweglos zu Grabe getragen. Die Fußballvereine Fortuna Sittard und Roda Kerkrade werden einfach zwangsvermählt. Derweil hat mir die ZEIT, ausgerechnet noch im Chancenteil, sogar die Braut geklaut, allerlei gute Freunde haben neben Modulor die Gentrifizierung des Moritzplatzes ordentlich vorangetrieben und nebenbei noch mit den antikapitalistischen Aktivisten The Yes Men das frisch verkabelte Betahaus ordentlich unter Strom gesetzt. Anlass war deren Berlinale Filmdebüt, das heute nochmals in der Prinzessinen-Straße bewundert werden darf. Die potentiellen Silber-Bären tanzten freilich anderswo.
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Zum Glück jedoch gibt es bei berlinale-unlike gute Bilder vom verpassten Glamour anzuschauen. Wie schon in den vergangenen Jahren hat die C/O Berlin ganz ihrem Verständnis nach vom Internationalen Forum für Visuellen Dialog in kleiner Kooperation mit der Berlinale den Wettbewerb Close-Up ausgeschrieben. 18 junge Fotografen, die vorher eine Bewerbungsrunde überstehen mussten, wurden mit einer Sonderakkreditierung ausgestattet, um sich auf dem rauhen Berlinale-Parkett als professionelle Fotojournalisten zu probieren. Am Sonntag schon um 15 Uhr werden dann die eingereichten Bildserien von einer Fachjury im Postfuhramt prämiert und anschließend der Öffentlichkeit in einer Ausstellung präsentiert.


Auch ich hatte vor nunmehr 2 Jahren das nicht immer nur zuckerschleckende Vergnügen auf dem Roten Teppich vor dem Wettbewerbs-Palast allerlei Promi-Nasen, Filmliebhaber und Event-Fans im Schneegestöber abzulichten. Das Resultat davon gibt’s hier aufs Auge. Nicht zuletzt deshalb bin ich wohl schon jetzt auf die Ausstellungs-Vernissage am kommenden Sonntag gespannt und werde mich garantiert mit allen Gewinnern vor Ort freuen. Eine Woche Haifischbecken voller Galafotografen schlaucht nicht nur, es schweißt auch zusammen und hilft einem sicher auch zu wissen, was ein ehrgeiziger Bildermacher nicht unbedingt öfters als einmal machen will. Ganz retrospektiv heute nun mein persönliches Fazit: im Zweifel lieber grüner Rasen als roter Teppich.

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20:24 09.02.2009
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Geschrieben von

bandidorosso

Studierte Politik-, Medien- und Afrikawissenschaft sowie Fotografie an der Ostkreuzschule, weil er glaubt, "Weltanschauung kommt von Welt anschauen."
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bandidorosso

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