Popkontext
14.08.2012 | 00:17 96

Der Tod von Menschen war einkalkuliert

Rostock-Lichtenhagen 20 Jahre ist es her, dass in Deutschland eines der schlimmsten fremdenfeindlichen Pogrome der Nachkriegsgeschichte stattfand. Wer erinnert sich noch? Und wie?

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Popkontext

Der Tod von Menschen war einkalkuliert

Foto: Jens Kalaene (dpa)


Eigentlich müsste das Thema Hochkonjunktur haben, angesichts der NSU-Morde und der Verstrickungen des Verfassungsschutzes in die rechte Szene, der verbreiteten Akzeptanz für rassistisches Gedankengut in der so genannten „Mitte der Gesellschaft“ im Zuge der Entsolidarisierung. Aber die ARD bringt nicht etwa eine neue Reportage über 20 Jahre Rostock-Lichtenhagen und den Zusammenhang mit der NSU und dem Versagen des Verfassungsschutzes. Guckt sie vielleicht wenigstens mal, wie es vietnamesischen Vertragsarbeitern, die damals gehetzt wurden, heute geht? Fehlanzeige - sie bringt gar nichts. Immerhin hat der NDR noch einmal einen neuen Film beauftragt – der Regisseur bekam von vielen damals Verantwortlichen und Beteiligten kein Interview. Im „Freitag“ erscheint ein ärgerlicher Artikel, der sich in Verrenkungen über Weglassungen versucht, solche Ausschreitungen als Teil der menschlichen Natur zu betrachten, weder ein speziell deutsches Phänomen noch eins, in dem Interessengruppen vorher ganz gezielt die Massen auf Sündenböcke hetzen, noch eins, das konkret mit der deutschen Vereinigung zu tun hatte, jenseits der materiellen Probleme der Rostocker. Um Ausländerfeindlichkeit sei es schon gar nicht gegangen.

Dabei waren die Ereignisse aus dem Sommer 1992 ein Paradebeispiel für die gezielte staatliche Inszenierung eines Exempels, das gebraucht wurde, um ein verschärftes Asylrecht durchzusetzen. Es wurde gelogen, dass sich die Balken biegen, Absichten kaum verhohlen, Politik und Polizei haben derart versagt, dass man nur ganz gezieltes Tun oder besser Nichttun dahinter vermuten kann. Der Frust von deklassierten, um ihre Hoffnung betrogenen Ostdeutschen wurde in klassischer Manier gezielt auf die Ausländer als das „Andere“ kanalisiert, um CDU-Politik durchzusetzen. Eine Leerstelle wurde gelassen, wo offensichtlich war, dass sie von Rechtsradikalen besetzt werden würde. Der Tod von Menschen war einkalkuliert.

Das Boot ist voll“

Seit Mitte der 70ern zeichneten sich in der westlichen Welt, noch fast unmerklich, nach einer Periode des Wohlstands, die ersten Zeichen der beginnenden längerfristigen Rezession ab, die sich Anfang der 80er verfestigten. Und damit kam eine konservative Wende, symbolisiert durch die Wahl von Reagan in den USA, Thatcher in England, die die Entsolidarisierung der Gesellschaft vorantrieben, etwa in dem sie die Spitzenzinssätze für Reiche massiv senkten oder die Gewerkschaften zerschlugen. In der alten Bundesrepublik kam Helmut Kohl an die Macht. Seit den frühen 80er Jahren tobte in hier eine immer heißer werdende Debatte um die Asylgesetze, die bereits Ende der 70er begonnen hatte. Die CDU drängte auf eine Änderung, die im linken politischen Lager als eine Quasi-Abschafffung des Asylrechts betrachtet und auch von der SPD abgelehnt wurde. „Das Boot ist voll“ und „Scheinasylanten“ wurde zu rhetorischen Schlagworten in den Medien, oder auch die Rede von der „Asylanten-Springflut“, nach Karl Frommes bereits 1980 in der FAZ erschienem Aufruf, den „Asylantenstrom“ einzudämmen. Rassismusforscher Siegfried Jäger konstatierte 1993, dass es teilweise keine Unterschiede zur Sprache im Dritten Reich geben würde. Rassimus kommt immer aus der Mitte der Gesellschaft, stellt er klar: Haltungen verfestigen sich dort, und werden an den Rändern der Gesellschaft ausgeführt, zumeist von jungen Männern, die sich trauen, das zu tun, was andere nur denken. Wie sehr der Asylant als solcher schnell zum Feindbild wurde, zeigten verstärkte Angriffe auf Ausländer seit Mitte der 80er. Rechtsradikale Parteien und Gruppierungen sprangen Ende des Jahrzehnts auf den Zug auf und verschärften die Rhetorik.

Die Wende

Dann kam die Wende, die Übernahme der DDR durch die Bundesrepublik. Viele DDR-Bürger glaubten Kohls Versprechen, es werde den meisten von ihnen bald besser gehen, und keinem schlechter, in der Hoffnung auf politische Freiheit, aber auch geblendet vom Konsumversprechen. Den Westdeutschen hatte er im gleichen Atemzug versichert, dass sie keine Nachteile erleiden werden. Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan konstatierte drei Jahre später angesichts der Pogrome in Lichtenhagen, dass die Ostdeutschen u.a. so viele Probleme mit der Demokratie hätte, weil sie mit falschen Versprechungen begonnen hatte und so kein Vertrauen in sie entstehen konnte.

Der Osten wurde zudem systematisch ausgeplündert und deindustrialisiert, Händler, aber auch Chefs, Politiker und Rechtsradikale aus dem Westen kamen, um dem gemeinen Ossi zu zeigen, wo es lang geht, sich selber neue Karrieren aufzubauen. Die Ostdeutschen wurden zu Menschen zweiter Klasse, als nicht besonders beliebte „Gastarbeiter“ in der alten Bundesrepublik, aber auch in der eigenen Heimat, wo sie sich den neuen Regeln zu unterwerfen hatten. Man sprach von den „Besser-Wessis“, die den Ton angaben. Viele Ostdeutsche verloren ihre Arbeit, nicht alle fanden neue. Eine der am härtesten betroffenen Regionen war Mecklenburg-Vorpommern, unter anderem die Hafenstadt Rostock.

Ausländische Vertragsarbeiter und Asylanten

Und dann waren da die Ausländer. Das war auch neu. In der DDR gab es zwar auch Ausländer, neben den russische Soldaten und Studenten aus aller Welt Vertragsarbeiter vor allem aus den „sozialistischen Bruderländern“ Vietnam, Kuba und Mosambik. Diese wurden jedoch von der deutschen Bevölkerung fern gehalten, lebten getrennt in eigenen Wohnblöcken und Kontakt zur den Deutschen wurde nur zu formalen „Freundschaftstreffen“ ermutigt. Normale Beziehungen, Freundschaften und Liebschaften, zu Ostdeutschen durften sie nicht aufbauen, nicht am Alltagsleben teilnehmen. Deutschen Arbeitskollegen, soweit es sie gab, wurde sogar untersagt, sie privat zu besuchen. Sie waren für die meisten Ostdeutschen unsichtbar, wenn man sie sah, waren es die „Fidschis“ und die „Schneeflöckchen“.

Nach der Wende, die meist die stillschweigende Abschiebung für die Vertragsarbeiter bedeutete, kamen zunächst die Osteuropäer. Die kannte man als ehemaliger DDR-Bürger vielleicht von Urlaubsreisen, vor der eigenen Haustür fand man sie allerdings eher stören. Andere Sprache, andere Sitten, und dann hatte man ja doch selbst nichts, und sie waren arm und somit Konkurrenz für die Sozialleistungen, die Almosen des neuen deutschen Staates.

In Rostock-Lichtenhagen, einem einstigen Vorzeige-Arbeiterwohnviertel, in dem jetzt jeder Zweite arbeitslos war, eröffnete Mitte 1991 die zentrale – und einzige - Aufnahmestelle für das Kontingent an Asylbewerbern, das Mecklenburg-Vorpommern zugeteilt wurde, die ZAst, gleich neben dem Aufgang, in dem seit Jahren die vietnamesischen Vertragsarbeiter mit ihren Familien wohnten. Solche Orte findet man immer nur in einfachen Vierteln, nie in den besseren. Zur gleichen Zeit kursierten Handzettel in Rostock, in denen rechtsextreme Parteien für sich warben, indem sie Stimmung gegen Ausländer machten. In der etablierten Politik tobte die „Asyldebatte“ zwischen CDU und der SPD, die sich noch immer weigerte, das neue, verschärfte Gesetz zu unterschreiben. Das Thema war in den Medien präsent. Fremdenfeindliche Angriffe rechtsgerichteter Jugendlicher vermehrten sich, in Rostock, im Osten, in den alten Bundesländern. Trauriger Höhepunkt war der Überfall auf ein Asylantenheim im sächsischen Hoyerswerda im September. Wie abschreckend die Atmosphäre gewesen sein muss zeigt allein die Tatsache, dass unter den „Wessi“-Händlern, die versuchten, sich im Osten eine goldene Nase zu verdienen, kaum welche mit ausländischen Wurzeln waren.

Unhaltbare Zustände

Schon bald nach der Eröffnung waren die knapp 300 Betten der ZAst hoffnungslos überfüllt. Die Medien schienen Recht zu haben: Das Boot ist voll! Die Neuankömmlinge, nun meist rumänische Sinti und Roma, begannen seit dem Frühjahr 1992 in den Grünanlagen und und unter den Balkons zu kampieren, bis sie Einlass in der ZAst bekamen, um ihre Unterlagen zu bekommen und weiter verwiesen zu werden. Das dauerte oft Tage. Sie schliefen im Gebüsch, sie verrichteten ihre Notdurft in den Hauseingängen und an den Gehwegen. Die Stadt weigerte sich, mobile Toiletten aufzustellen, oder übergangsweise alternative Quartiere zur Verfügung zu stellen, die vorhanden gewesen wären. Man argumentierte damit, dass man ja so die Zustände legalisiere und immer mehr Ausländer kommen würden. Außerdem sei kein Geld da, und man verwies auf die Zuständigkeit der Landesregierung. Die betroffenen Menschen überließ man einander: Die Asylsuchenden ohne jeden Ort für sich, ungeachtet ihres Schicksals, und die Ostdeutschen, deren Welt auch gerade zusammengebrochen war, deren Euphorie über die Wende längst einer Hoffnungslosigkeit und einem Frust über die oft aussichtslose Zukunft gewichen war.

Vertreter des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) hatten bereits kurz nach der Eröffnung die Anlage besucht und die und die Zustände als unhaltbar angemahnt, im Juni 1992, nach einer deutlichen Verschlechterung der Situation, warnten Mitarbeiter des Gesundheitsamts vor drohender Ausbreitung von Infektionen. Es wurde schließlich ein Ausweichprojekt gefunden, eine ehemalige Kaserne der NVA in einem anderen Stadtteil. Zunächst war der Umzug zum 1. Juni geplant, aber der neue Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern Lothar Kupfer (CDU), ließ trotz der katastrophalen Situation den Termin immer weiter nach hinten verschieben. Nichts wurde getan, um die Situation zu entschärfen. Bei den lokalen Anwohnern, deren Wohnqualität erheblich gemindert war, staute sich die Wut auf. Alle ihre Beschwerden an die Behörden waren verhallt, selbst Warnungen von einigen Politikern vor drohenden Gewaltakten, sogar von Parteigenossen des Innenministers, blieben ohne Folgen. Schon ein Jahr zuvor hatte der Rostocker Oberbürgermeister seine Kollegen vom Land darauf hingewiesen, dass mit „schwerste Übergriffe bis hin zu Tötungen […] nicht mehr auszuschließen“ sind. Er hatte sich irgendwann entschlossen, die Situation zu ignorieren, da sich von Seite der Landesbehörden nichts tat.

Die rechte „Bürgerwehr“ übernimmt

In diese Lücke sprangen die rechten Parteien, NDP und DVU. Sie verteilten ausländerfeindliche Flugblätter in Lichtenhagen, und gründeten eine „Bürgerwehr“, die aufräumen sollte. Diese kündigte sogar der lokalen Presse an, dass es an diesem letzten Wochenende im August endgültig „knallen“ würde. Es ging um die ZAst, die „Zigeuner“-Lager davor. Ausdrücklich ausgenommen waren die „Fidschis“, die vietnamesischen Vertragsarbeiter, mit denen man sich offenbar arrangiert hatte. Allerdings hatte ausgerechnet Polzeidirektor Kordus bereits im Frühjahr auch vor der Gefahr von fremdenfeindlichen Übergriffen gegen die Vietnamesen gewarnt. Einer der rechten Täter sagte später aus, dass die Polizei sehr wohl gewusst hätte, von wem die Ankündigung kam, und dass sie absolut ernst zu nehmen war – trotzdem blieb jede Vorbereitung seitens der Polizei aus. Eine vorsorgliche Räumung der ZAst wurde in Betracht gezogen, aber nicht durchgeführt. Die fast vollständig aus dem Westen stammenden leitenden Polizeibeamten fuhren sogar zum Wochenende nach Hause – und überließen Lichtenhagen Stellvertretern, wobei sich der Einsatzleiter noch in Ausbildung befand.

Zunächst waren gar keine Polizisten da, dann kamen gerade mal 30 Beamte, als sich am Samstag Abend bereits 2000 Leute, davon 200 gewaltbereiten Rechtsradikale und Hooligans, versammelt hatten. Die auf den Wiesen campierenden Flüchtlinge hatte man in letzter Minute abtransportiert. Die Polizisten, in normaler Ausrüstung, wurden schnell zusammengeschlagen und weitere anrückende Beamte vertrieben. Das „Volksfest“ konnte so mehr oder weniger ungestört von staatlicher Seite seinen Lauf nehmen: Steine zertrümmerten die Fenster der ZAst und des Vietnamesen-Wohnheims gleich mit, ein erster Molotov-Cocktail setzte ein Zimmer in Brand, der grölende Mob spendete Beifall, die Stimmung stieg. Erst um zwei Uhr kamen zwei Wasserwerfer, die kurz zuvor ganz zufällig aus Rostock abgezogen waren, aus Schwerin angefahren, die aber auch wirkungslos blieben. Obwohl die Rostocker Bereitschaftspolizei über 1 100 Mann verfügt hätte, waren am ganzen Abend nicht mehr als 160 Polizisten im Einsatz, von denen einer schwer verletzt wurde, andere leichter. Nur neun Gewalttäter wurden festgenommen, und am nächsten Tag wieder entlassen.

Auch an den nächsten Tagen gab es kaum ernsthafte Festnahmen, und die Polizei wurde lediglich auf zwei zusätzliche Hundertschaften aus Hamburg verstärkt, die der Situation absolut nicht gewachsen waren, und sogar verfrüht wieder abgezogen wurden. Dafür bekamen die Neonazis Verstärkung von bekannten Szenegrößen aus dem Westen und deren Freunden. Schon vor Eintreffen der BGS-Einheiten am frühen Montag und der nächtlichen Rückkehr des Polizeichefs aus dem Wochenende hatten die inzwischen knapp tausend Gewalttäter das Haus in die Zange genommen, und waren bereits bis in den 6. Stock vorgedrungen. Überall schallten Rufe: „Deutschland den Deutschen!“, „Wir kriegen euch alle!“ Der Mob applaudierte. Es flogen Steinen, Molotow-Cocktails, Leuchtraketen und Leuchtspurmunition gegen das Haus, und gegen die Polizei. Von den 130 Festgenommenen waren 60 Linke, die versucht hatten, das Haus zu schützen und die Nazis abzudrängen.

Ihr werdet alle geröstet“

Im Gegensatz zur Polizei waren Medienvertreter schnell und in hoher Anzahl vom ersten Moment an präsent, von der lokalen Presse bis bald auch zur nationalen. So sind die Ereignisse gut dokumentiert, und gingen zeitnah um die Welt. Am Montag versammelten sich bereits am Vormittag die Massen vor dem Haus, in Siegesstimmung. Schon lange waren Bierstände aufgebaut worden. Der Polizeidirektor empfand die Lage als ruhig, lehnte sogar angebotene zusätzliche Hundertschaften des BGS ab, auch wenn andere die wachsende Aggressivität durchaus bemerkten. Vorsichtshalber evakuierte man aber nun doch die ZAst – die Vietnamesen blieben, über hundert Menschen, darunter schwangere Frauen und Kinder. Der Polizeidirektor sah aber keinen Grund mehr, die Kräfte vor Ort zu lassen, obwohl die Vietnamesen schon in den Tagen davor ebenfalls Zielscheibe der Angriffe gewesen waren. Die Polizei zog sich komplett zurück und das Haus und die Menschen waren völlig ungeschützt.

Ein ZDF-Fernsehteam interviewte die betroffenen Vertragsarbeiter, und machte Bilder von den Schäden im Haus, auch der Rostocker Ausländerbeauftragte und eine Mitarbeiterin sprach mit den Vietnamesen, als der Mob am Abend wieder angriff. Die Gewalttäter waren jetzt völlig ungehemmt: Sie setzten systematisch das Haus - nicht die leergeräumte ZAst, sondern das Vietnamesen-Wohnheim - mit Molotov-Cocktails in Brand, erstürmten mit Baseballschlägern den Eingangsbereich und stiegen über die Balkone ein. Die Eingeschlossenen flohen immer höher in die oberen Stockwerke, vor dem Brand und dem Rauch, und vor den Gewalttätern, die jetzt ihre Absicht zu töten unverhohlen kundtaten: „Ihr werdet alle geröstet.“ In Todesangst brachen die Fliehenden verschlossene Türen auf, um aufs Dach zu gelangen, nachdem sie einige der Wachleute und Hausbewohner bereits auf dem Weg dorthin verloren hatten. „Wir hatten sie abgeschrieben,“ konstatierte später ein geschockter Teilnehmer. Auch oben bestand die Gefahr, das man sie einfach runter wirft. Irgendwann konnten sie in eins der Nachbarhäuser gelangen. Sie mussten bis in die unteren Stockwerke gehen, ehe ihnen die Tür aufgemacht wurde, um die Rauchvergiftungen, die einige erlitten hatten, notdürftig behandelt werden konnten. Als eine Frau sie hereinließ, kamen auch andere zu Hilfe.

Erst 1 1/2 Stunden nach dem ersten Anruf einer Anwohnerin konnte die von der Polizei nicht über den Brand informierte Feuerwehr zum Haus vordringen, weil sie zuvor keinen bzw. nur geringen Polizeischutz bekam. Dabei wusste die Polizei schon länger, was passiert: Der im Haus eingeschlossene Ausländerbeauftragte der Stadt hatte sie noch über das Feuer und die Angriffe informiert, kurz bevor die ersten Nazis mit Baseballschlägern ins Haus eindrangen. Danach hatte er kein erreichbares Telefon mehr. Das ebenfalls eingeschlossene ZDF-Team drehte die Stunden der Angst im Haus mit. „Die Polizeinspektion hat nicht begriffen, was hier vorgeht,“ ruft der völlig verzweifelte Ausländerbeauftragte in die Kamera. Nach über zwei Stunden Flucht vor Menschen, die keine Hemmungen gehabt hätten, sie umzubringen, konnten sie in einem Polizeispalier durch die Menge zu zwei Bussen gebracht werden, die sie abholten. Er habe kein Mitleid in den Augen der Menschen gesehen, nach allem was sie durchgemacht hätten, sagte einer der Vertragsarbeiter – er hätte vom Herzen etwas anderes erwartet. Selbst die Busse wurden auf der Fahrt noch von Rechtsradikalen verfolgt.

Unverhohlene Instrumentalisierung, kein Scham, kein Mitleid

Die Vietnamesen wurden in einer Turnhalle regelrecht ausgesetzt, ohne Verpflegung. Der Rostocker Bürgermeister besuchte sie dort, um ihnen mitzuteilen, dass sie nach einer weiteren Verlegung in das verbrannte „Sonnenblumenhaus“ zurückkehren sollen, indem sie Tage zuvor dem Tod entronnen waren. Außer einer kühlen, formalen Entschuldigung erhielten die Menschen, die nicht nur gerade traumatische Erlebnisse ausgestanden und durch den Brand teilweise ihr gesamtes Hab und Gut verloren hatten, inklusive persönlicher Erinnerungen, sondern auch zehn Jahre in Rostock gelebt und gearbeitet hatten, keinerlei Entschädigung. Sie erhielten im Gegensatz zu ihren deutschen Nachbarn nicht einmal Mieterlass als Ausgleich für die „Randale.“ Um die Perversion zu vollenden, drohte ihnen dagegen die Ausweisung.

Der Hauptverantwortliche für die Verzögerung des ZAst-Umzugs, Lothar Kupfer, log am nächsten Tag unverhohlen vor laufender Kamera auf der Pressekonferenz, dass es ein gemeinsamer Mob aus Links- und Rechtsradikalen gewesen wäre, der das Haus gestürmt hat. Er stellte das Ereignis nicht in eine Linie mit Hoyerswerda, sondern mit Brockdorf und der Hafenstraße. Die Flucht der Vietnamesen aus ihrem brennenden Haus stellte er als Hausfriedensbruch dar, da sie sich unberechtigt Zugang zur ZAst verschafft hatten. Keiner der „vietnamesischen Staatsbürger“ sei zu Schaden gekommen. Ministerpräsident Bernd Seite verurteilte die „menschenverachtende Brutalität“ der Gewalttäter – allerdings gegen die Polizei, nicht die Vertragsarbeiter und ihre Familien, die gar nicht erwähnt wurden. Als Ursache wurde nicht das Versagen der Polizeieinsatzleitung, die bei einer Demo gegen Rassismus eine Woche später spontan 3 000 Polizisten mobilisieren konnte, gesehen, sondern wieder die Rhetorik vom „unkontrollierten Strom an Asylbewerbern“ bedient.

Noch während der Ereignisse war der damalige Bundesinnenminister Rudolf Seiters nach Rostock gekommen. Doch er fuhr nicht etwa nach Lichtenhagen, sondern auf eine Pressekonferenz. Dort beklagte er den schlimmen Schaden, den das Image Deutschlands durch die Ereignisse erleidet, weil man ja doch nicht als ausländerfeindlich dastehen wolle, um zugleich den ungehemmten Zuzug von Ausländern als Ursache für die Ereignisse auszumachen, somit die Opfer des Pogroms zu Tätern umstilisierte. Die SPD, wo es sowieso teilweise Zustimmung gab, unterschrieb den sog. „Asylkompromiss“, was sie jahrzehntelang abgelehnt hatte - am 6. Dezember wurde er im Bundestag beschlossen. Durch die Änderung des Grundgesetzes und des Asylverfahrensgesetzes wurde das individuelle Grundrecht auf Asyl abgeschafft. Die Asylrechtsreform trat im Juni 1993 in Kraft. Lothar Kupfer trat zwar - als Einziger der Verantwortlichen - aufgrund der massiven Kritik an seinem Vorgehen ein Jahr später aus dem Amt zurück, und auch später aus der CDU aus, blieb aber in der Landespolitik tätig. Es gingen ganze vier Täter ins Gefängnis, die letzten drei Urteile wurden zehn Jahre nach dem Pogrom gesprochen.

In der Wikipedia gibt es einen sehr guten, detaillierten Artikel zum Thema. Auch die beiden im Text verlinkten Dokumentarfilme sind dringend empfohlen.

Broschüre des Instituts für Politikwissenschaften der Uni Rostock zu 20 Jahre Lichtenhagen

Antifa-Blog zu Lichtenhagen

Start Next Projekt zur Aufarbeitung von Lichtenhagen

Offizielle Gedenkveranstaltungen, u.a. mit Bundespräsident Joachim Gauck und dem Liedermacher Gerd Schöne

NDR-Doku „Als Rostock-Lichtenhagen brannte" zum 20. Jahrestag

ZDF- Doku „Die Schande von Rostock" zum 20. Jahrestag

Verein Diên Hông

Update:

Sonnenblumenhaus - Hörspiel von Dan Thy Nguyen und Iraklis Panagiotopoulos (2015)

Vor 20 Jahren fanden in Rostock-Lichtenhagen die schlimmsten Pogrome der Nachkriegsgeschichte statt. Wie kam es dazu und wie wird es heute betrachtet?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (96)

dame.von.welt 14.08.2012 | 12:15

Danke.

Erwähnenswert ist aus meiner Sicht noch das staatliche Vollversagen auch bei der juristischen Aufarbeitung des Pogroms. Es gingen ganze 4 Täter ins Gefängnis, die letzten 3 Urteile wurden 10 Jahre nach dem Pogrom gesprochen. Während die Mehrzahl der vietnamesischen Vertragsarbeiter abgeschoben wurden. Auch damit wurde das Pogrom gleich zweifach legitimiert.

Ein paar Überlegungen wert ist m.M.n. auch, inwieweit der Rückenwind, den die rechtsextremistischen Brandstifter durch die Biedermänner in der bürgerlichen Politik, durch die Zahnlosigkeit von Polizei und Justiz und durch die faktische Abschaffung des politischen Asyls nach dem Pogrom erfuhren, auch zur zunehmenden Etablierung von Rechtsextremisten in 'national befreiten Zonen' im Osten beitrug.

Man informiere sich selbst über die Bullerbüs in braun, beispielhaft Jamel, über rechtsextremistische Jugendangebote wie Sturmvogel (als Nachfolgeorganisation der verbotenen Wiking-Jugend und der Heimattreuen deutschen Jugend, ein Blog über weitere rechte Jugendbünde), über bestens organisierte und vernetzte rechtsextremistische Frauen, beispielhaft Ricarda Riefling. Über das Engagement von Rechtsextremisten überall da, wo der Staat sich zurück zieht, immer weiter in die Mitte der Gesellschaft hinein.

Das ist die fatale Botschaft des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen, seiner Initiierung und nachträglichen Legitimierung: Du darfst, nimm zwei.

Mir fehlen die Nerven, um mich auf rechtsextremistischen Seiten nach 'Würdigungen' zum 20. Jahrestag des Pogroms umzusehen, ich möchte aber auch so darauf wetten, daß es immer noch als Sieg gefeiert wird.

Popkontext 14.08.2012 | 13:27

Danke auch – das mit den Urteilen hatte ich vergessen, weil ich die genauen Zahlen gerade nicht zur Hand hatte – das ergänze ich gleich noch mal. Weißt du eigentlich genau, was mit den Vertragsarbeitern passiert ist? Ich habe nur nochmal eine Info von 1993, als der Kupfer geschasst wurde (und garantiert auch nur, weil das alles so ausgezeichnet belegt ist), dass da nochmal überlegt wurde wegen der Abschiebung. Bin ja kurz davor, meinen vietnamesischen Kioskbetreiber hier zu fragen, ob es da irgendwelche Infos in der vietnamesischen Community gibt, die sich rumgesprochen haben, oder auch bei diesem Verein, der sich da in Rostock gegründet hat. Würde mich echt interessieren, wie es denen geht.

Auch mit den anderen Überlegungen gebe ich Dir recht – ich finde eben Lichtenhagen ein gutes Beispiel dafür, dass sich der Staat halt auch manchmal ganz bewusst zurückzieht, um den Rechten Handlungsspielraum zu geben. Es erzählt mir keiner, dass von den Biedermännern, die Lichtenhagen zu verantworten haben, niemand wusste, wer diesen Platz besetzen wird.

Popkontext 14.08.2012 | 15:18

Absolut kein Zufall. Natürlich spielen da auch andere Faktoren eine Rolle. Z.B. hat ein Bekannter von mir schon vor Jahren eine hochinteressante Magisterarbeit darüber geschrieben, wie sich in den „progressiven“ 60er Jahren den USA eine konservative / rechte Grassrootsbewegung entwickelt hat, die sich auch systematisch an den Methoden der Linken geschult hat und und gezielt Diskurspunkte übernommen hat, mit oft irrationalen Behauptungen, die sich aber als „Wahrheit“ verfestigten. Das waren die Wurzeln der Tea Party. Aber dass das auf so fruchtbaren Boden fällt und breite Akzeptanz findet, hat auf jeden Fall etwas mit der Rezession zu tun – Menschen mit Zukunftsangt neigen eher dazu, sich auf konservative Werte zu besinnen oder gar nach einem starken Mann zu suchen. Auch die fortschreitende Entsolidarisierung der Gesellschaft aufgrund der schlechten Aussichten ist nicht nur spürbar, sondern auch belegbar.

Popkontext 14.08.2012 | 16:36

Einen wichtigen Aspekt, der jetzt nicht ganz tetx passt, aber für das Zeitverständnis sehr wichtig ist noch einmal von @Musica, bei dem anderen Text zum Thema als Kommentar gepostet:

"zum stichwort zeitgeschichte vermisse ich im beitrag die (mindestens) anmerkung, dass in süd-ost-europa der krieg bereits in vollem gange war, weiter östlich dito. kriegsflüchtlinge sind, vor allem, wenn sie massenhaft ankommen, arm. mehr als das nackte leben konnten sie nicht retten.mir begegneten in der zeit in der ABH Berlin heulende mitarbeiterinnen. die hätten den flüchtlingen gern den aufenthaltsstatus gegeben, der nach damaligem AuslG möglich war: eine aufenthaltsbefugnis als (bürger)kriegsflüchtling. durften sie aber nicht. sondern hatten anweisung, die leute ins asylverfahren zu drängen bzw. mit einer duldung abzuspeisen.woher diese anweisung kam? die folgte einem beschluß aller bundesländer, die sich darüber geeinigt hatten, dass sie die kosten des status "(bürger)kriegsflüchtling" nicht tragen könnten/wöllten."

Popkontext 14.08.2012 | 16:54

naja, ich halte weder die verzögerungen im vorfeld, noch das versagen der polizei noch die lügen und vertuschungen im nachfeld für schlampig, sondern für ganz gezielt. und kupfer musste nach meiner einschätzung nur gehen, weil es zu gut dokumentiert war, was er gemacht hat. ich habe noch einen artikel von 2010 gefunden, wo er ein pöstchen beim land meck pom hat. ist also weich gefallen.

thinktankgirl 14.08.2012 | 17:11

In den 80ern zeichneten sich in der westlichen Welt, noch fast unmerklich, nach einer Periode des Wohlstands, die ersten Zeichen der beginnenden Rezession ab.

Die erste Rezession hatten wir 1974, somit ist dein Argument nicht schlüssig, daß Rezessionen die Menschen auf konservative Werte besinnen liessen oder rechte Bewegungen hochspülten. Im Gegenteil in der BRD entstand die alternative Bewegung, sowie eine verstärkte Aktion der RAF u.ä.

Schlechte Zeiten führen nicht automatisch zu einer Entsolidarisierung, wie du postulierst. Belege für deine Theorie wären angebracht.

Popkontext 14.08.2012 | 17:24

Ja, die ersten Anzeichen der längerfristigen Rezession gab es bereits in den frühen 70ern. Aber es brauchte eine Weile, ehe das gesellschaftlich durchsickerte und auch klar wurde, dass es eine längerfristige Bergab-Bewegung ist, nicht nur ein ekurze Periode.

Ja, und es führt nicht automatisch zu einer Entsolidarisierung. Diese wird absichtlich geschürt, in dem man bestimmte gesellschaftsschichten als Sündenböcke sucht, um sie auszugrenzen und von den wahren Problemen abzulenken, oder aktuell gerade die These, es reicht eben nicht für alle, da können wir nicht für alle sorgen, also fallen Ausländer, Hartz-IV-Empfänger und andere eben raus und werden stigmatisiert, s. u. a. die Untersuchungen von Wilhelm Heimeyer über die Deutschen Zustände

Popkontext 14.08.2012 | 19:42

Naja, eben nicht nur gewähren lassen, sondern ganz bewußt sogar instrumentalisiert, um die eigenen politischen Ziele durchzusetzen. Es erzählt mir niemand, dass die nicht wußten, wer in der Leestelle einspringen wird, die sie lassen. Die kamen genau richtig, um einen Anlass zu schaffen, den "Asylkompromiss" durchzudrücken. Um das zu verschleiern der billige Versuch überigens nich tnur von Kupfer, sondern auch Seiters später, das den Linken in die Schuhe zu schieben, obwohl das eine glatte Lüge war.

miauxx 14.08.2012 | 19:55

Danke für Deinen Text, Deine Mühe!

Viel habe ich im Einzelnen über die Ereignisse damals bisher nicht gewußt. Aber so viel behördliches Versagen ist tatsächlich kaum vorstellbar. Hier muss wenigstens zum Teil Vorsatz mit im Spiel gewesen sein. Und wenn man auf das Erinnerungsgebaren dieser Tage schaut, so scheint Rostock-Lichtenhagen weniger eine nationale Tragödie zu markieren. Aber um die Mauergedenkstätten Berlins und das Stasimuseum versammelte sich die Prominenz und schmiedet weitere Pläne, diese zu Gedächtnis-Erlebnisparks auszubauen ...

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Ehemaliger Nutzer 14.08.2012 | 22:37

QPOPKONTEXT

..."Normale Beziehungen, Freundschaften und Liebschaften, zu Ostdeutschen durften sie nicht aufbauen, nicht am Alltagsleben teilnehmen."

Was Sie hier aufschreiben stimmt so nicht! Ich selber hatte mit ausländischen Arbeitern zu tun. Und in Cottbus gab es mehr als genug davon. Nicht nur Vietnamesen bzw Mosambikaner, sondern auch Algerier, Polen usw.

Ich weiß ja nicht woher Sie Ihre Quellen haben, nur gab es in Cottbus sehr wohl auch private Kontakte und sogar Paare, die sich fanden! Deutsche und Polen/Vietnamesen/Afrikaner hatten sogar geheiratet.

Wo ichIhnen voll und ganz zu stimme ist, dass die Politik sich überhaupt nicht für die Zustände im Osten interessierte. Der Osten wurde nur benutzt um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Genau wie die Südländer durch die Exportüberschüsse Deutschlands benutzt werden. Denn schon Anfang der 80iger Jahre war der Kapitalismus am Ende und brauchte neue Märkte. Das Kapital wollte billige Arbeitskäfte um seinen Profit zu steigern!

Ihr Beitrag ist ja gut und auch lobenswert. Mich wundert aber trotzdem Ihre abfällige Sprache....der MOB! Das ist Diskriminierung von sozial Schawchen. Schon interessant wie die Sprache sich in den letzten Jahren verändert hat und eue Wörter geschöpft werden.

Das Sie da auch mit zugehören, obwohl Sie hier doch so angeblich die Mißstände seitens der Politik anprangen, lässt tief blicken und zeigt mir Ihren wahren Charakter!

Vielleicht denken sie doch noch einmal über sich nach...denn Sie sind im Diskriminieren eben auch nicht besser als die Rechten, die die Ausländer abwerten. Schon erstaunlich wie Journalisten, die sich für links halten, sich der Sprache der herrschenden Klasse bedienen! Irgendwas passt da aber nicht zusammen!!

Popkontext 14.08.2012 | 22:58

Das mit den Vertragsarbeitern habe ich vor allem aus meiner eigenen Erfahrung und Berichten von Freunden. Bei uns gab es Vietnamesen und Mosambikaner, die hat man NIE gesehen. Die waren mehr oder weniger einkaserniert. Nicht eingesperrt, aber man hat keinesfalls den Kontakt zur lokalen Bevölkerung ermutigt. Im Gegenteil wollte ein Freund von mir mal seine mosambikanischen Arbeitskollegen besuchen und durfte zunächst das Haus nicht betreten – erst al er tierisch Rabbatz gemacht hat ist er wohl doch reingelassen worden. Vielleicht wurde das unterschiedlich gehandhabt. Die einzigen Ausländer, die ich mal irgendwo getroffen habe waren Studenten. Und eben Leute auf so formalen Freundschaftstreffen.

Das Problem mit der Übernahme Ostdeutschlands war u.a. neben dem von Ihnen beschriebenen Dingen, dass da auch einfach massenhaft leute rüber kamen, die sich schnell einfach eine goldene Nase verdienen wollten, ohne Rücksicht auf andere oder nachhaltige Entwicklungen. Viele der Leute, die rübergeschickt wurden waren auch nicht die fähigsten, und viele hatten auch Vorurteile gegen die Ossi-Trottel.

Nun ja, das war in der Tat ein Mob – auch wenn sie Opfer der Entwicklung waren, waren sie ja da Täter. Auch wenn sie benutzt wurden, waren sie Täter, haben sich falsch verhalten und sich schuldig gemacht.

Popkontext 14.08.2012 | 23:24

Ja, die ganzen Details waren mir auch nicht klar, bzw. hatte ich sie vergessen. Ich habe nur gemerkt, dass an dem Text, auf den ich oben verlinkt habe irgendwas nicht stimmt. Daraufhin habe ich mir nochmal ein paar Dokus angeschaut und Texte durchgelesen. Und SO einen Hals bekommen – nochmal darüber, was damals passiert ist, und auch, was der Text alles unterschlägt. Da musste ich nochmal was schreiben, was dem Anlass aus meiner Sicht gerecht wird. Ja, erinnern wollen sich die Anwohner und Politiker ganz offensichtlich nicht, die Rechtsradikalen werden es als Sieg feiern. Immerhin kommt Gauck zu einem anscheinend sonst ziemlichen low-key Treffen. Da muss ich mal gucken, wenn's mich packt, fahre ich hin, um mir das mal anzuschauen.

Popkontext 14.08.2012 | 23:58

" Im Privaten waren Kontakte mit DDR-Bürgern nicht erwünscht. Auch wurden sie durch die abgeschottete Wohnsituation mit Pförtnern und strengen Besuchsregelungen deutlich erschwert. Wurde eine Vietnamesin trotz Verbots schwanger, musste sie das Kind abtreiben oder in ihr Heimatland zurückkehren. Hilfe bei der Integration in das fremde Land, die Sprache und Kultur, die Sitten und Bräuche gab es offiziell nicht. Obligatorische Brigadeabende und anderen betriebliche Vergnügungen waren kein wirklicher Ersatz dafür." Als Arbeitskraft willkommen -Vietnamesische Vertragsarbeiter in der DDR

mcmac 15.08.2012 | 01:37

Vielen Dank für diesen ebenfalls tollen Beitrag zu dem selben Thema, zu welchem auch Karsten Laske hier geschrieben hat. Oder anders gesagt: Ich finde keinen der beiden Beiträge ärgerlich; ich finde die jeweiligen Arten der Erzählung zu ein und demselben Ereignis zwar unterschiedlich, kann beiden aber sehr viel abgewinnen; ich sehe keinen inhaltlichen Dissenz in essentiellen Dingen - weder dort eine Verharmlosung noch hier etwa eine eifernde Erbsenzählerei. Im Gegenteil: Ich bin froh, dass es diese beiden Beiträge gibt (und die Diskussion darüber), denn Faschismus, Nazismus und Rassismus, Elemente dessen, sind -entgegen allen Beteuerungen amtierender Regierungspoltik- offensichtlich immer noch eine reale Option für politisches Handeln in diesem Land mit seiner sehr speziellen Historie.

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Ehemaliger Nutzer 15.08.2012 | 11:10

dammisch aber auch! weder die vietnamesinnen noch die asylsuchenden, welche zur ZAST Rostock geschickt wurden, hatten sich diesen ort ausgesucht! die einen wurden genauso abgewickelt wie ihre deutschen (und anderen) kolleginnen, und bei den anderen hatte der zuweisungs-computer Rostock ausgespuckt. - und was außer in Rostock sonst noch in der welt los war, das konnten die rostockerinnen jeden tag in der zeitung lesen!

dame.von.welt 15.08.2012 | 11:26

Die vietnamesischen Vertragsarbeiter waren ab '89 i.d.R. in Rechtsunsicherheit bis zum Abschluß des Rücknahmeabkommens mit Vietnam '95, bzw. bis zur Regelung ihres Bleiberechts '97.

Nach der Wende bekamen Betriebe die Sondererlaubnis, die meist 5-jährigen Zeit-Verträge zu kündigen. 1992 war es so, daß rausgeworfene Vietnamesen zwar theoretisch ein Aufenthaltsrecht, damit auch das Anrecht auf Sozialleistungen nach ihrer Kündigung bis zum Ende ihrer Vertragszeit hatten, mit Verlust des Vertrags aber z.B. keine Bezuschussung zur Miete mehr bekamen, was Miet-Teuerungen um das bis zu 10fache zur Folge hatte. Es gab außerdem die Praxis, daß gekündigte Vertragsarbeiter nur dann bleiben konnten, wenn sie Einkommen und Wohnung nachwiesen, weswegen viele ihnen zustehende Sozialleistungen gar nicht erst in Anspruch nahmen, da sie ihre Abschiebung befürchteten. Da die Arbeitslosigkeit in Rostock u.a. durch die Schließung der Werft bei 17% lag, war das Finden einer angestellten Arbeit sehr schwierig, zumal das Arbeitsamt (nicht nur) die Vietnamesen erst dann auf freie Stellen vermittelte, wenn sich kein Deutscher dafür finden ließ - Vietnamesen konnten sich allerdings selbstständig machen. Rund Dreiviertel der ehemaligen Vertragsarbeiter gingen bis Mitte der 90er 'freiwillig' zurück, es kamen aber vietnamesische Flüchtlinge in ähnlicher Situation aus anderen ex-sozialistischen Staaten über grüne Grenzen nach Deutschland.

Der Hintergrund der Vietnamesen in der DDR unterscheidet sich grundlegend von dem der vietnamesischen Boat People im Westen. In Westdeutschland kamen Südvietnamesen auf der Flucht vor den Kommunisten an und wurden bestens integriert, da sich Politik, Kirchen, Zivilbevölkerung Hand in Hand darum sehr bemühten. In der DDR waren ausschließlich linientreue Nordvietnamesen im strikt durchgesetzten Rotationsprinzip, abgeschottet von der Zivilbevölkerung, ohne Familiennachzug und ab den 80ern trotz Hochschulstudium in niedrig qualifizierten Berufen beschäftigt. Ursprünglich galt die Völkerfreundschaft eher vietnamesischen Akademikern, ab Anfang der 80er herrschte Arbeitskräftemangel in der Produktion der DDR, weswegen hochqualifizierte Vietnamesen vor allem dort eingesetzt wurden.

Vietnam war in den 80/90ern schwer im Umbruch, u.a. durch die Öffnung zur Marktwirtschaft und litt außerdem noch sehr viel unmittelbarer an den Folgen des Vietnamkriegs - Arbeit in Deutschland versorgte ganze Familien in Vietnam, u.a. durch die Möglichkeit, zollfrei 12 Pakete im Jahr schicken und größere Teile des Verdienst nach Vietnam überweisen zu können.

Langer Rede, gar kein Sinn: ich weiß nicht, wieviele der 115 Vietnamesen aus dem Sonnenblumenhaus mehr oder minder zur Ausreise genötigt wurden, gehe aber davon aus, daß es die Mehrheit war. Im Wiki-Artikel steht nachzulesen: 'Die CDU-geführte Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern beharrte sechs Wochen nach den Vorfällen darauf, den Aufenthalt der Vietnamesen im Land fristgerecht zu beenden. Es gebe keine rechtlichen, politischen oder humanitären Gründe für ein Bleiberecht, zudem fände dies keine Akzeptanz in der Bevölkerung.'

Interessant zu lesen fand ich dazu den Anfang dieser Diplomarbeit (-Seite 36), gefunden bei Diên Hông, der Verein gründete sich unmittelbar nach dem Pogrom in Rostock-Lichtenhagen.

Popkontext 15.08.2012 | 16:56

Ich sehe einen absoluten Dissens in inhaltlichen Dingen, und vor allem in der generellen Aussage. Das hier ist quasi eine Gegendarstellung. Ich sehe die Hauptursache der Ereignisse in einer bewussten politischen Instrumentalisierung der Situation, Laske im Sozialneid der Deklassierten. ich sehe latenten Ausländerhass in klaren und unzweifelhaften Ausländerhass umschlagen, Laske sieht das dezidiert als Nebenschauplatz (deshalb muss er auch ignorieren, dass es die Vietnamesen waren, die von Tod bedroht waren und deren heim abbrannte, und sich die Sache nicht nur vermeintlich auch gegen die Vietnamesen richtete). Auch stellt Laske es so dar, als ob die Sinti und Roma ihrem natürlichen Drang entsprechend vor der ZAst kampierten, wo es ganz klar ist, dass sie keine Unterkunft bekamen und keine andere Chance hatten. DAS ist Rassismus. Und Entpolitisierung, das ganze nur als vorsätzlich zu bezeichnende Versagen von Politik und Polizei, die überhaupt zu dieser Eskalation führten komplett zu ignorieren, ebenso wie die systematisch agierenden Rechtsradikalen. Und eben die Instrumentalisierung in der Asyldebatte und wie die CDU auch bewusst Freiräume für die Rechtsradikalen gelassen hat, weil es ihren politischen Interessen entsprach.

Sehr schade, dass Laske seinen Text auch nicht selber verteidigt oder eventuelle Missverständnisse auch aufklärt. Sein einziger Kommentar deutet auch eher darauf hin, dass ihm die politische Dimension gar nicht klar war. Was es auch nicht besser macht.

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Popkontext 15.08.2012 | 16:59

Ja, diese Arbeit habe ich gestern abend auch noch gefunden und darin gelesen! Fand ich sehr aufschlussreich, vieles wußte ich nicht so genau. auch dass die Vietnamesinnen abtreiben mussten, wenn sie schwanger waren, kursierte bei uns als Gerücht, hatte ich aber schon wieder vergessen. Ich muss trotzdem noch mal rausfinden, was mit den Vietnamesen aus Lichtenhagen konkret passiert ist.

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Ehemaliger Nutzer 15.08.2012 | 19:55

@Popkontext,

Sie haben weder Heitmeyer wirklich gelesen bzw ihn verstanden!

Heitmeyer bekräftigt auch die Aussage der Psychologen, Soziologen eh (ist ja selber einer) das Menschen immer erst austicken und hassen, wenn sie sich benachteiligt fühlen!!

Dazu gibt es auch hier eine Übersetzung aus dem Guardian. Warum Menschen so werden wie sie sind!

Wir werden alle als Engel geboren und von der Umwelt zu Fröschen gemacht.

UND NEIN...ICH KANN IHRE DISKRIMINIERUNG DER SOZIAL SCHWACHEN..DIE SIE ALS "MOB" BEZEICHNEN EBEN NICHT ENTSCHULDIGEN!! Für mich sind sie auch nicht besser.

Und zu den Aussagen in ihrem Link zur polit. Bildung nur soviel:

Ich hätte gedacht, dass Sie als Journalistin mehr intelligenz besitzen. Jeder Staat schreibt seine eigene Geschichte. Und mit Sicherheit wurde in den Aussagen manipuliert. sie haben nämlich nicht verstanden, dass es in der BRD IMMER GEGEN LINKS GEHT: Und dazu gehört nunmal die DDR mit ihrem angeblichen Sozialismus, den sie nie wirklich hatte!!

Ich zweifle ehrlich gesagt, dass Sie eine Journalistin sind. Da Sie erst nach meinem Hinweis auf Heitmeyer aus dem Artikel von M.Leinkauf hier zitieren! Sie haben sich noch nie wirklich mit Heitmeyers Studie beschäftigt!!

Schon lustig wie hier im Internet immer gelogen wird. Denn sonst hätten Sie mehr Ahnung von Soziologe und hätten ganz anders hier Ihren Artikel formuliert. Was Sie machen, ist auch nur Hass schüren! Haben sie ev. einen Auftrag hier? Mit links sein hat das wenig zu tun.

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Ehemaliger Nutzer 15.08.2012 | 20:07

Und Ausländerhass gibt es auch in anderen Ländern! Den gab es auch in der DDR. Dies aber nur, weil z.Bsp. die Polen wesentlich mehr Geld verdienten als die Deutschen!! Obwohl so einige weniger gearbeitet hatten. Ja, es gab auch genug Ausländer, die sich nicht an Regeln und Grenzen gehalten haben.

Die Politik hat es versäumt, rechtzeitig über die Ausländerpolitik zu debattieren, ein neues Gesetz zu installieren! So wie z.Bsp. in Kanada. Nur nagt ja ständig das schlechte Gewissen an den Deutschen. Erst liefern wir Waffen, damit sich alle den Kopf einschlagen. Bürgerkriege statt finden können. Und dann nehmen wir die verlendeten, armen Ausländer hier auf. Das Christentum ist die größte verheuchelte Religion überhaupt!!!

Wir haben auch genug eigene Probleme mit Arbeitslosen in Deutschland. Da kann man nicht soviele ausländische Mitbürger hier her lassen. Dadurch entstehen ja erst die Probleme. Das werfe ich der Politik vor und das sie sich nicht wirklich für die Probleme der Menschen in diesem Lande interessiert! Ansonsten liegt es immer an EINZELENEN MENSCHEN. Und eines steht auch fest...es wird zuviel von unten nach oben gelogen. Nur wegen der eigenen Karierre oder dem angepasst sein. Die Deutschen sind nunmal ein Volk von Untertanen. Deswegen konnte ja auch Hitler so eine Barbarei vollziehen. Weil die Masse der Deutschen eben gerne weg schaut!! Und die meißten Deutschen sind immer noch weit rechts verortet bzw jetzt wieder durch die Krise. Und dabei geht es um Teilhabe auf allen Ebenen, Anerkennung in der Gesellschaft. Warum solidarisiert sich denn keiner mit den sozial Schwachen und geht auf die Straße?

Hatten sie denn gegen Harzt 4 demonstriert?

Popkontext 15.08.2012 | 20:30

Ich würde Sie zunächst bitten, sich in Ihrem Ton zurückzunehmen, und persönliche Angriffe zu unterlassen. Danke. Dann mal zu den Fakten: Ich habe nie die sozial Deklassierten per se als „Mob“ bezeichnet, sondern diejenigen, die den rechtsradikalen Gewalttätern – viele von ihnen, allerdings weniger die Drahtzieher, selbst Deklassierte – Beifall gespendet haben. Ich sehe anders als Sie offenbar nicht Deklassierung als Freifahrtschein dafür, seinen Frust an den noch Schwächeren abzureagieren. Die Leute, die ich als „Mob“ bezeichne haben sich mitschuldig gemacht. Punkt.

Was konkret habe ich an Heitmeyer falsch verstanden? Erklären Sie mir das doch! Und auch wenn Sie das glauben, sind Sie nicht die einzige, die von dem Herren schon mal gehört hat, auch wenn ich in der Tat jetzt gerade nochmal drauf kam, weil Sie das in der Diskussion erwähnt haben. Was ist daran schlimm?

Dass die Vertragsarbeiter in eigenen Heimen untergebracht waren, und von der Bevölkerung weitestgehend fern gehalten wurden, ist ein Fakt, der ÜBERALL bestätigt wird. Ich habe mich da gestern Abend sogar noch einmal mit beschäftigt, weil es mich interessiert hat. Sogar im Neuen Deutschland, das nun kaum verdächtig ist, die DDR-Vergangenheit irgendwie negativer darzustellen als sie war, stand in einem Porträt eines ehemaligen DDR-Vertragsarbeiters, das diese damals zumeist abgeschottet von der Bevölkerung untergebracht waren. Sie sind die einzige, die bisher etwas Gegenteiliges berichtet. Dafür plappern Sie allerdings munter die Rhetorik von "Das Boot ist voll" nach, genau wie es der CDU und den Rechten paast.

Dass Sie mich der Lüge bezichtigen, finde ich eine bodenlose Unverschämtheit. Können Sie bitte konkret werden, was Sie meinen? Und vielleicht auch noch meinen Auftraggeber nennen? Und danach wieder zum Thema des Artikels zurückkehren? Wenn Sie nicht zu den Fakten zurückkehren, werde ich auf ihre Ausführungen nicht weiter eingehen, sondern Ihre Ausfälle als persönliche Angriffe melden.

mcmac 16.08.2012 | 02:54

Ich weiß gar mir nicht mehr genau, wie ich etwas sagen soll, ohne dass das multiple Missverständnis noch größer wird... Vielleicht so, Ingo Schulze (aus oben verlinkter Rede): „[…] Es geht, im Alltagsleben wie beim Romanschreiben, immer auch darum, die eigenen Voraussetzungen mitzuliefern. [...]“ -Ich käme, so gesehen, beim Lesen von Karsten Laskes Text nie und nimmer auf den Trichter, dass dieser etwa eine Apologie dergestalt sei, dass engstirnigen DDR-Spießern ein Recht auf Ausländerhass zugestanden würde, nur weil sie Birnes Versprechungen erlegen und somit die eigentlichen (instrumentalisierten) Opfer seien. -Dass diese Menschen instrumentalisiert wurden von einer äußerst zynischen und gefährlichen (weil: Mord kühl kalkulierenden) Politik, steht außer Frage. Aber warum brach das Unheil ausgerechnet in Rostock los? Oder in Hoyerswerda? Warum nicht in Kassel? Oder in Stuttgart? Oder München? Mir scheint, dass das tatsächlich auch etwas mit Armut zu tun haben könnte. Vielleicht nicht mit immer statistisch Festlegbarer (wer legt die Kriterien fest?) und sicherlich auch nicht mit ausschließlich Materieller, aber doch mit Existentieller. Vielleicht auch mit Geistiger. Darin liegen so viele spezielle, subjektive Komponenten, die solch' eher Unbestimmbares wie „Zukunftsaussichten“ beeinflussen... Und die Kohl&D-Mark-Wähler aus Gauck-Stadt Rostock fühlten sich wohl angesichts dessen sehr-sehr im Recht, mal „richtig aufzuräumen“ - Arm gegen noch Ärmer: Teile und herrsche.

Was man Karsten Laske möglicherweise (und etwas theoretisch - esgibt ja wohl auch noch eine Redaktion) anlasten könnte ist vielleicht, dass er „die eigenen Voraussetzungen“ nicht dezidiert mitgeliefert hat in diesem Beitrag. Nun, ich habe sie mitdenken können, da ich viele seiner Beiträge verfolge. Vielleicht liegt hierin ein Teil der Missverständlichkeiten? Aber sicherlich: Am besten wäre es, wenn er sich noch einmal selbst dazu äußern würde.

(Ich bitte um Entschuldigung, dass ich an dieser Diskussion augenblicklich nicht weiter Teil nehmen kann, bin aber äußerst froh, dass es sie so gibt und hoffe, dass sie weiter geführt wird. Vielen Dank an Sie, an die Teilnehmer und an Karsten Laske! Auf Wiedersehen!)

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Ehemaliger Nutzer 16.08.2012 | 08:51

das "Unheil" brach nicht in Rostock los. das "unheil" fand überall statt. vor Rostock, wie man aus dieser auskunft des BKA für das 1.halbjahr 1992 sehen kann.

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/12/032/1203283.pdf

gefunden habe ich die hier http://venceremos.sytes.net/artdd/reviews/review_17/ein-blick-zurueck-chronik-1992.html

wenn man jeweils vor ort in die archive geht, dann findet man solche chroniken allerorten.

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Ehemaliger Nutzer 16.08.2012 | 09:51

ich bin mal in mein persönliches archiv gekrabbelt und habe da dieses gefunden

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13502128.html

(eine sturzflut über westeuropa)

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13502120.html

(die soziale explosion droht)

http://www.zeit.de/1990/45/schlangestehen-um-fuenf-uhr-frueh

weil der entsprechende artikel aus spiegel 45/1990 online nicht zu finden ist.

auch sehr nett zu lesen http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13500312.html

(alle hassen die zigeuner)

wer nach diesem und ähnlichem bombardement aus allen medien immer noch nicht davon überzeugt war, dass die alle nur nen mercedes mit stern wollen - der wurde damals schon als unverbesserlicher gutmensch niedergemacht.

Popkontext 16.08.2012 | 11:26

Sehr interessant auch nochmal der Artikel zu den "Zigeunern" - ich habe mich nämlich auch schon gefragt, wieso die Mehrzahl der Leute, die da vor der ZAst campiert haben Sinti und Roma waren, ob es ein besonders hohes Kontingent war, die die zugeteilt bekamen oder ob die anderen Unterschlupf bei Landsleuten fanden. Das erklärt einiges. Und soweit ich weiß sind Sinti und Roma auch bis heute die ungelittendste unter allen Ausländergruppen.

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Ehemaliger Nutzer 16.08.2012 | 12:14

das täuscht. alle anderen standen genauso davor. und wer je das vergnügen hatte, in einer ZAST die toilette benutzen zu müssen, der wird schnell verstehen, warum manche einer lieber in die büsche ging. daran hat sich bis heute übrigens nichts geändert - die klos in der Motardstraße sind heute genauso verstunken wie vor zehn jahren!

aber: alle anderen gaben kein so schönes motiv ab!

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Ehemaliger Nutzer 16.08.2012 | 13:53

dafür müßte man in Zirndorf ins archiv .... dort sind die zuweisungen aufbewahrt. und dort könnte man auch herausfinden, ob und wie vielleicht der unbestechliche zuwweisungscomputer bestochen wurde. zum einen gab es schon ein paar dinge, die zu beachten waren wie: familie sollte zusammenbleiben, russen nicht in die neuen bundesländer. wieweit man gezielt bestimmte nationalitäten, ethnien durch zuweisung hier oder da konzentrieren konnte - weiß ich nicht, aber: warum nicht? wenn man einzelne rausfischen konnte, dann konnte man auch gruppen bilden.

ich kann es jetzt aus dem kopf heraus nicht sagen, wann genau, aber .... irgendwann war Berlin dicht. bedeutet: es wurden jeden arbeitstag 300 (wenn ich es richtig erinnere) neu-antragsteller in die ZAST am friedrich-krause-ufer reingelassen. dem nicht unerheblichen rest wurde gesagt, sie sollten nach hause gehen. nu ja. was machste, wenn dein zuhause etwas weiter weg von Berlin steht - falls es noch steht? ... viele campierten am kanal. damit sie am nächsten morgen versuchen könnten, ganz vorne in der schlange vor dem tor zu stehen. - andere könnten (vielleicht nach einem dezenten hinweis durch den einen oder anderen polizeidolmetscher?) beschlossen haben, sich zu einer anderen ZAST durchzuschlagen.... ich weiß es nicht. ich weiß nur, dass ich in der zeit mit zuweisungsgeschichten rund um die uhr zu tun hatte. und mit leuten, die jeden 2.tag ans friedrich-krause-ufer mußten, weil die ganze prozedur erst weiterging, nachdem das BKA die prints abgeglichen hatte ... konnte bis zu 6 wochen dauern.... (ach ja, damals war die begründung: zur verhinderung von mehrfachantragstellung innerhalb des bundesgebiets). wenn du dann dazunimmst, dass alle die, welche aus süd-ost-europa kamen, mit gewalt ins asylverfahren gestopft werden sollten - dann kann man sich vorstellen, was für ein behördlich/politisch gewolltes durcheinander da produziert wurde.

Popkontext 16.08.2012 | 22:23

Ach so, ich hatte auch McMacs Antwort ein bisschen übersehen. Das es sich auf den Schulze und nicht auf Laske beziehgt habe ich dann auch gesehen. Und die Rezension ist halt klassisch Broder.

Übrigens finde ich den anderen Text von Laske auch wenig überzeugend, wenn auch nicht ganz so ärgerlich wie den aktuellen. Vor allem nichtssagend, mit oberflächlichen, starren Klischees über Leute gespickt, die ihn offenbar gar nicht interessiert haben, und für die er auch nicht die geringste Empathie hatte. Ist ja auch ok, wenn er nur zum Drehen da ist - nur warum dann einen Text dazu schreiben?

Popkontext 16.08.2012 | 23:44

„Dass diese Menschen instrumentalisiert wurden von einer äußerst zynischen und gefährlichen (weil: Mord kühl kalkulierenden) Politik, steht außer Frage.“ aber eben nicht mal andeutungsweise im Text. Als ob es eben keine Rolle gespielt hat. Und von dem, was Laske selbst dazu schreibt war es für ihn auch nur Nebensache.

Es gibt und gab Armut auch in Westdeutschland. Ebenso wie rechtsradikale Übergriffe und Morde an Migranten. Mölln? Solingen? In dem einen von Musica verlinkten Spiegel-Bericht wird z.B. aus einer westdeutschen Kleinstadt berichtet, wo Schlepper wohl bergeweise Roma angekarrt und vor einem Aufnahmelager abgesetzt haben. Denen wurden allerdings wenigstens Zelte zur Verfügung gestellt und auch Sanitäranlagen, nehme ich an. Sie haben also nicht im Geringsten so gestört wie in Lichtenhagen. Trotzdem hat sich eine Bürgerwehr gebildet, weil es extremen Unmut in der Bevölkerung gab, und die Polizei fuhr besonders nachts verstärkt Streife, um Übergriffe zu vermeiden. So hätte das auch in Rostock laufen können, wenn die Verantwortlichen ihren Job gemacht hätten / hätten machen wollen. Aber die haben die Leute unter unsäglichen Umständen eben solange ungeschützt einander überlassen, bis es – mit diversen konkreten Vorwarngen krachte. Um das nochmal in Erinnerung zu rufen, habe ich ja eben diesen langen Text geschrieben.

Und das nicht nur die Deklassierung der deutschen Bevölkerung (von der der Vietnamesen redet ja gar keiner), und die schlechten Zukunftsaussichten eine Rolle gespielt haben, sondern auch der ideologische Zusammenbruch der DDR, und damit auch der allgemeinen Lebenswelt und der bisherigen „Wahrheiten“ im Leben dieser Leute, ebenso wie die mangelnde Erfahrung von DDR-Bürgern mit Migranten spielt sicher auch eine Rolle. Ich habe ja da ein bisschen versucht, einen Rundumschlag zu machen, alle wichtigen Aspekte zu benennen. Aber ich finde die Deklassierung als einzigen Punkt, unter Ausklammerung der anderen mindestens ebenso zentralen Punkte, die eben Rostock ausgemacht habe, falsch – und eben auch gefährlich.

Ich kannte Karsten Laske bisher überhaupt nicht, und man muss so einen Artikel auch lesen können, ohne den Autor zu kennen. Und zudem überzeugt mich sein Artikel zum 10. Jahrestag von Rostock, den Magda verlinkt hat eben auch nicht – er ist nichtssagend, aber wenn man ihn genau liest auch voller stereotyper Klischees über Leute, die ihn offenbar auch nicht die Bohne interessiert haben und die er nur im Vorbelaufen wahrgenommen hat, zudem hat er auch nicht mal gewusst, dass neben dem Vietnamesenwohnheim die ZAst war. Insgesamt verstärkt er damit unterschwellig den Eindruck, dass die Roma eigentlich auch selber Schuld waren, wenn sie da zu Hauf klettenmäßig und asozial vor dem Vietnamesenheim rumhängen. Und dass die Vietnamesen letztendlich die Hauptopfer des Pogroms waren, hat er ja sogar im aktuellen Beitrag ignoriert. Soviel Uninformiertheit und Empathielosigkeit allein finde ich schon krass, besonders wenn man sich zu Jahrestagen immer wieder bemüßigt fühlt, was zu schreiben, aber eigentlich gar keinen Bezug zu dem Thema hat, außer dass man da mal eine Woche vor dem Ereignis gedreht hat und sich auch offenbar über nichts informiert hat sondern das aus einer radikal individuellen Perspektive schreibt.

mcmac 17.08.2012 | 00:45

@Popkontext (ich kann noch einmal antworten, da ich vor meiner Abwesenheit jetzt zufällig doch noch einmal online gehen konnte..)

Ich verstehe Ihre Kritik, kann sie aber nicht so recht teilen bezüglich des Beitrags von Karsten Laske. Vor allem aber verstehe und begrüße ich Ihr Anliegen und unterstütze es ausdrücklich: Aufzuzeigen, dass Ausländerfeindlichkeit als politisches Mittel (Anstiften zur Xenophobie, um gesellschaftliche Probleme im Sinne des eigenen Machterhalts zu „kanalisieren“... Arm gegen Ärmer – Teile und herrsche, s.o.) zur Staatsräson gehörte und gehört. Dieses politische Mittel sollte in einem Land wie Deutschland mit seiner Geschichte eigentlich ein absolutes Tabu sein. Dass Parteien, die sich wagen, sich selbst als demokratisch zu bezeichnen, diese Mittel trotzdem ganz selbstverständlich benutzen, ist in meinen Augen eine unbeschreibliche Sauerei und zeigt, wie geschichtsvergessen Teile der politischen Klasse agieren (Wahrscheinlich aber ist es in Wirklichkeit noch viel schlimmer: Sie rechnen mit unserer Geschichtsvergessenheit.) Apropos Geschichte: Die besteht ja bekanntlich aus einzelnen, ganz individuellen Geschichten. Karsten Laske erzählt seine Geschichte dazu und Sie die Ihre. Beide sind unterschiedlich, ohne sich jedoch auszuschließen. Ich finde, dass Ihr Beitrag und der Kartsen Laskes sich hervorragend ergänzen.

@Magda: H&M Broders Veriss-Versuch Ingo Schulzes' Rede steht ja zunächst einmal da, wo H&M Broder sein Publikum hat: In der „Welt“. Dieses Publikum ist jenes, welches sich selbst gerne als „konservativ“ bezeichnet. Mir ist bei den sich so selbst Bezeichnenden immer wieder etwas Charakteristisches aufgefallen: Konservative sind Leute, die regelmäßig Zusammenhänge da herstellen, wo es keine gibt. Und selbstverständlich Zusammenhänge leugnen, wo diese jedoch evident bestehen. So in etwa ist Broders Elaborat aufgebaut, gewürzt natürlich wie immer bei ihm mit etwas, was er für Humor und eloquente Bissigkeit halten mag, was aber lediglich Zynismus und hochmütige Herablassung ist. Eben ziemlich konservativ.

Popkontext 17.08.2012 | 01:06

@McMac in der Diskussion drehen wir uns im Kreis, aber es war trotzdem interessant.

Ihre Meinung zur Welt und Broder teil eich aber voll - Sie haben das sehr gut auf den Punkt gebracht. Und wo wir gerade bei konservativ und rechts sind: Die Welt hat sich ja gerade nochmal im Fall Drygalla sehr gegen die NDP und die Rechte positioniert, was von vielen Leser/innen allerdings nicht goutiert wurde. Ähnliche Dinge habe ich auch schon von der FAZ gehört, da ging es nur um Guttenberg, aber da war den Leser/innen die FAZ-Kritik an ihm auch nicht genehm, da sie zu "links" war. man drohte da auch gelegentlich an, zur Jungen Freiheit zu wechseln.

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Ehemaliger Nutzer 17.08.2012 | 10:01

@Popkontext,

@ opkontext und@dame.von.welt

Sie echauffieren sich hier so über die Politiker und wissen wahrscheinlich nicht warum Politiker überhaupt in dieser Hierarchie aus dem Mittelalter existieren?!!

Wo waren sie denn als Hartz 4 eingeführt wurde??!! Hatten Sie sich solidarisiert und Demonstrationen gegen diese Unmenschlichkeit organisiert?! NEIN!! Sie haben auch nur stillschweigend, wie alle anderen aus der sogennanten bürgerlichen Mittelschicht zugeschaut und sich als Untertanen deklassiert!!

Auch wenn das Ereigniss von Rostock, diese ganzen Morde an ausländischen pervers und zu verurteilen sind, ist es doch die sogenannte Mitte, die sich nicht mit ihren Landsleuten solidarisiert und sich gegen die Politik stellt!! Sie, die bürgerlichen, provozieren ja geradezu das sich solche Vorgehen wieder holen!

Alle, die hier gegen die sozial Schwachen hetzen und ihn als MOB bezeichnen, sollten sich mal an die eigene Nase fassen. Denn auch diese Menschen sind weit rechts eingestellt und diskriminieren.

Ich empfehle Ihnen sich mit Psychologie, Sozialwissenschaften zu befassen. Schon Maslow hatte 1943 erkannt wie Menschen sich in einer Hierarchie verhalten!

http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie

Ich empfehle Ihnen auch dringend das Buch von U.Herrmann über den Selbstbetrug der Mittelschicht zulesen.

http://www.nachdenkseiten.de/?p=5626

Sie wissen anscheinend auch nicht, dass Menschen käuflich sind und mittels Geld sogar den Rechtsextremismus durchsetzen. Das alles natürlich ganz gezielt vom Kapital inszeniert!! Selbst in dem Artikel auf wikipedia gut beschrieben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ausschreitungen_von_Rostock-Lichtenhagen

Die meißte Schuld tragen aber für mich die Medien!!! Die IMMER nur wegen der Auflagen (Geld) Sensationslüstern sind und reisserische Überschriften und Artikel verfassen!!! steht auch sehr gut bei Wikipedia beschrieben!!

Wissen Sie eigentlich wie Kapitalismus funktioniert?! ICH GLAUBE NICHT!

Beschämend finde ich, dass sich die Deutshcen NICHT einmal mit ihren eigenen Landsleuten solidarisieren und gegen Hartz 4 auf die Straße gehen. Das die CDU; die BRD schon immer sehr weit rechts verortet ist, sollte auch jeder wissen. Und was haben die Westdeutschen dagegen getan?? NICHTS!!! Man kann ihnen nicht einmal einen Vorwurf deswegen machen. Weil die Masse auch nur ideologisch verblendet wurde. Alles gezielte Strategie, die Frau Herrmann sehr gut in ihrem Buch analysiert hat.

Ich weiß schon, warum ich nie in eine LInke Partei eintreten würde. Ich bin Humanist. Linke teilen sich auch nur die Macht mit den Rechten und sichern ihre Pfründe. Humanismus sieht anders aus!!

Und hören sie doch auf hier nur noch mehr Hass zu schüren!! Gehen Sie auf die Straße, solidarisieren Sie sich mit den Ausländischen Mitbürgern, mit den sozial schwachen Deutschen und demonstrieren für mehr Gerechtigkeit!, anstatt hier nur dumm zu labern!!

Vorallem aber muß ein anderes System her!! Das aber will doch keiner. Ich muß immer wieder über die Dummheit der Deutschen lachen. Linke sind auch nur rechts eingestellt und teilen sich die Macht mit den anderen Parteien!!

Politik ist Theater und Selbstdarstellung. Und Sie und @dame.von.welt (was für ein lächerlicher Name das doch ist) reihen sich da mit ein! Von wegen links...lächerlich ist das alles nur noch.

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Ehemaliger Nutzer 17.08.2012 | 10:10

Und @Popkontext...lesen sie doch endlich mal Krysmanski anstatt hier andauern irgendwelche Artikel zu interpretieren und hier darzustellen!!

Intelligenz sieht wahrlich anders aus. Wie hat ein User in dem Artikel über Frau Görnitz so gut bemerkt...

/++theme++freitag.theme/images/avatar_tile.pngPeter Nowak14.08.2012 11:37

Anja Görnitz ist ein Beispiel dafür, dass jemand verblödet sein kann, mit noch so viel Ausbildung.....

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Ehemaliger Nutzer 17.08.2012 | 10:11

Im übrigen können Sie sich noch in Zukunft weiter hier echauffieren. Da die Gesellschaft schon so weit verblödet und verroht ist, werden die Ausschreitungen zunehmen!! Und Zustände wie in London auch hier in Großstädten auf der "Tagesordnung" stehen. Willkommen im Mittelalter der Neuzeit!!

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Ehemaliger Nutzer 17.08.2012 | 10:19

"Dass Parteien, die sich wagen, sich selbst als demokratisch zu bezeichnen, diese Mittel trotzdem ganz selbstverständlich benutzen, ist in meinen Augen eine unbeschreibliche Sauerei und zeigt, wie geschichtsvergessen Teile der politischen Klasse agieren"

Hier wird überhaupt nicht geschichtsvergessen agiert, sondern gezielt bewusst!! Oder wissen Sie auch nicht wie Kapitalismus wirklich funktioniert?!

Ich empfehle Ihnen wie @Popkontext mal dies zu lesen

http://www.uni-muenster.de/PeaCon/ELITENundGMK-16-6-09.pdf

Freuen Sie sich auf die Zukunft. Da getern Müntefering erst im ZDF von einer neuen Agenda 2020 gesprochen hatte!! Die Medien schreiben die SPD wieder hoch. Hatz4 war richtig und gut. Ha ha...und von der Mittelschicht ist noch viel mehr auszupressen!! Ja, endlich wachen auch mal die verblödeten Westdeutschen aus ihrem Tiefschlaf aus. Sorry, aber ich kann nur noch zynisch in dieser verrrohten, verblödeten, entsolidarisierten BRD!!

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Ehemaliger Nutzer 17.08.2012 | 10:22

Wir haben ja noch genug ausländische Mitbewohner, die ökonomisch völlig sinnlos den Staat belasten, genauso wie die Hatz4ler, die keine Arbeit mehr wegen bewusst, fehlender Arbeitsplätze seitens des Kapitals, mehr finden. Die können sich doch alle gegenseitig den Schädel einschlagen. Sie und auch die Rentner werden nicht mehr in einer globalisierten Welt gebraucht!! Es lebe der Kapitalismus!

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Ehemaliger Nutzer 17.08.2012 | 11:22

@Popkontext,

"Insgesamt verstärkt er damit unterschwellig den Eindruck, dass die Roma eigentlich auch selber Schuld waren, wenn sie da zu Hauf klettenmäßig und asozial vor dem Vietnamesenheim rumhängen."

Interessante Ausdrucksweise die Sie da haben!! Sie müssen sich nun wirklich nicht mehr verstellen. Sie gehören für mich eindeutig zu den Rechten. Ums genauer zu sagen...zu den NEUEN RECHTEN, die gerne den Mainstream, die linke aufgreifen um dann in ihren Texten doch zu instrumenatilisieren!!

dame.von.welt 17.08.2012 | 12:12

Zu Ihrer cross-geposteten Tirade habe ich Ihnen in der anderen Diskussion bereits geantwortet, hier nur eben die Erklärung meines Nicks, Ihre Beiträge bieten ein geradezu klassisches Beispiel, warum ich ihn mal wählte. Nämlich abgesehen vom Umstand, in ziemlich vielen armen Ländern gearbeitet und sie bereist zu haben, einer großen Portion Selbstironie (Ihnen offensichtlich komplett fremd) war die Nickwahl der sich mir im www öfter aufdrängenden Frage geschuldet, wie sich wohl eine Dame von Welt zu etwas noch verhalten könne - bei Ihren Beiträgen zu Ihrem selbstgerechten Haß, Ihrer maßlosen Arroganz, Ihrer Lust am Etikettieren Ihrer Mit-Diskutanten und Ihrer Neigung, so weit links zu überholen, daß dabei Deutsch-Nationalismus 'rauskommt.

In einem haben Sie aber völlig recht: 'Humanismus sieht anders aus!!' Sollte da etwa ein zartes Pflänzchen von Selbstkritik im Keimen begriffen sein?

thinktankgirl 17.08.2012 | 12:59

Soviel Uninformiertheit und Empathielosigkeit allein finde ich schon krass, besonders wenn man sich zu Jahrestagen immer wieder bemüßigt fühlt, was zu schreiben, aber eigentlich gar keinen Bezug zu dem Thema hat, außer dass man da mal eine Woche vor dem Ereignis gedreht hat und sich auch offenbar über nichts informiert hat sondern das aus einer radikal individuellen Perspektive schreibt.

Echauffierung zur eigenen Profilierung ...

Popkontext 17.08.2012 | 14:59

Ja. interessant auch nochmal der Verweis darauf, dass Gauck damals während des Pogroms nichts gemacht hat. Ignaz Bubis z.B. war danach da, hat sich das angeguckt und die Tränen in seinen Augen habe ich ihm abgenommen. Aiuch die "Feierlichkeiten" finde ich sehr merkwürdig - neben diesem hier genannten Bündnis aus Antifa und anderen linken Kräften gibt es dieses mehr oder weniger offizielle, das aber klar religiöse geprägt ist, mit Gauck und dem Liedermacher Gerhard Schöne. Was die Stadt Rostock selber noch macht konnte ich auf der Webseite nicht rausfinden - vielleicht habe ich auch was übersehen. Und die Nazis werden sicher ihren Sieg feiern - anders kann man die damaligen Ereignisse nicht nennen. Und diejenigen, die damals mitgejohlt haben bzw. durch ihr Nichtstun die Eskalation befördert haben wollen bis auf wenige Ausnahmen nicht davon wissen.

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Ehemaliger Nutzer 18.08.2012 | 11:00

Danke für diesen hervorragenden Artikel! Das ist das beste, was ich seit langem im Freitag gelesen habe!

Einen solchen Artikel hätte ich mir von der Redaktion des Freitag gewünscht - aber da wird lieber über den letzten "Tatort" geschrieben, obwohl es sich hier um einen realen Tatort handelte!

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2012 | 18:00

Kohl und seinen Spießgesellen intertessierte es doch einen Dreck was dort ablief wichtig war, dass man die Werte der DDR einheimsen konnte.

Man hätte hier durchaus deeskalierend eingreifen können. Hier hat der angebliche Rechtstaat komplett versagt und die Auswirkungen erleben wir doch heute noch. Wie kann es sein, dass drei Nazis unbehelligt 10 Jahre durch diesen Staat BRD reisen und unschuldige Menschen ermorden.

Wir regen uns über Putin auf und haben selbst einen riesigen Dreckhaufen vor der eigenen Tür. Aber so ist eben der Deutsche!

Popkontext 19.08.2012 | 18:58

Naja, Kohl hat es schon sehr wohl interessiert, weil er damit ja seine Politik in Bonn durchsetzen konnte / wollte. Und es dann auf den gemeinen Ossi-Mob schieben konnte und auch noch davon ablenken konnte, dass es mit den blühenden Landschaften nichts so wurde und er sie angelogen hat. Wenn ich mich nicht täusche war es Kohl, der behauptet hat, hinter dem Ereignis stecke die Stasi, die das angezettelt habe, um die Lage zu destabiliesieren.

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2012 | 20:24

Ich bin eigentlich sehr schockiert, dass man die Ausführungen von "KARIN L." pauschal verurteilt. Eines sollte man hier verstehen. Wir Ostdeutschen lesen auch zwischen den Zeilen und wenn man sich die Ausführungen von "KARIN L." sorgfältig durchliest, hat sie in allen Punkten Recht.

Wir werden sehen, wo sich in einiger Zeit die noch Mittelschicht befindet. Sie wird, da bin ich mir ganz sicher, sich bald im Sumpf des Prekariat befinden. Und dann werden hoffentlich die Karten neu gemischt und ein Systemwechsel eintreten.

Ich habe offene Augen und einen glasklaren Verstand und ich bemerke immer mehr, dass diejenigen die "noch" Arbeit haben, ganz abfällig und perfide auf die Hartz IV- Empfänger herabsehen und sie beschimpfen.

Diese Art wird von oben bewußt geschürt (Clemens und Konsorten). Wie sagte Frau Lengsfeld unlängst? Die Reichen in diesem Land halten sich ein Heer von Armen (Arbeitslosen). Es geht zu wie im Kindergarten.

Es wird Zeit, dass sich diese Armen diese Behandlung nicht mehr bieten lassen und einen Systemwechsel einleiten. Übrigens, Herr Egon Bahr (SPD) verlangst auch einen Systemwechsel.

Popkontext 19.08.2012 | 20:49

@Matto Wenn du irgendwas über mich wüsstest, wäre dir klar, dass die Behauptungen von KarinL, die mich genauso wenig kennt wie du, was ich gesagt hätte, denken würde, wie meine soziale Situation sei, wofür ich mich alles nicht engagieren würde und so alles nicht wüsste,ohne jegliche Grundlage sind, abgesehen von mangelnder inhaltlicher Konsistenz und absolut unverschämten ad personam Angriffen. Darauf habe ich keine Lust einzugehen.

Kannst du mir bitte sagen, wo sie recht hat? Und: Abgesehen davon, dass auch westdeutsche zwischen den Zeilen lesen, bin ich Ostdeutsche. Ich habe an keiner Stelle irgendwas Negatives über Hartz-IV-Empfänger generell gesagt oder irgendwas durchblicken lassen, das den Schluss zulässt, dass ich Hartzt-IV richtig finde und mich nicht dagegen engagiert habe. Woher weiße du, was ich arbeite und das ich „noch“ Arbeit habe etc. pp.? Da würde ich vor dem zu viel an zwischen den Zeilen interpretieren erstmal eine Grundlage haben wollen, ehe ich irgendein Urteil fälle oder auch nur völlig haltlose Behauptungen aufstelle.

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2012 | 22:04

Gut, der Kommentar ist von Ihnen aufgezählt und so hat sich KARIN L. auf den Text gestützt und ihn eben zitiert. Warum man 60 Linke festgenommen hat, ist nicht Ihre Schuld, man ersieht aber daran, dass dieser Neue Staat immer noch auf dem rechten Auge blind war und heute noch ist. Der angebliche "Mob" und man hat es ja im Fernsehen gesehen, bestand aus vielen erwachsene Menschen, für mich erschütternd. Sie wurden aber von der Obrigkeit bewußt oder unbewußt aufgehetzt. Das ist nun mal die Wahrheit. Keiner ist dafür zur Rechensschaft gezogen worden!!!!

Es ist eigentlich nicht ganz wahr, dass Ausländer abgeschottet lebten.

Ich habe in Staßfurt im Fernsehrgerätewerk gearbeitet. In Stassfurt wurden Hunderte Kinder aus Mosambik in einem Neubaugebiet untergebracht. Selbstverständlich waren diese Kinder vor neugierigen Blicken geschützt. Sie konnten sich aber frei in Staßfurt bewegen. Viele fuhren mit den Bussen sogar nach Magdeburg zum Einkaufen. Ich war begeistet, wenn diese Kinder gesehen habe. Ich habe alles mit eigenen Augen gesehen. Ich kann Ihnen sogar bestätigen, dass Mitarbeiter auf die Bananen mißgünstig waren, die die Kinder für ihre Nahrung bekommen haben. Darüber war ich eigentlich berechtigt empört.

Die Deutschen sind in einer gewissen Weise alle schizo, ich kann mir nicht helfen.

Popkontext 19.08.2012 | 22:26

@Matto Können Sie lesen? KarinL hat mich oben konstant persönlich angegriffen und mir irgendwelche Sachen unterstellt? Da wundern Sie sich, wenn ich da nicht drauf eingehe, es schockiert Sie gar. Alles, was Sie im ersten Absatz schreiben, steht so im Text.

Ich habe auch nirgendwo geschrieben, dass alle Ausländer abgeschottet gelebt haben, sondern es ging um VERTRAGSARBEITER, die einen Großteil der Ausländer in der DDR ausgemacht haben, neben Studenten, Wissenschaftlern, politischen Flüchtlingen etc., die sich mehr oder weniger frei bewegen konnten. Die Vetragsarbeiter durften auch raus, aber sie wurden in betriebseigenen Wohnheimen untergebracht, die üblicherweise einen Pförtner und Ausweiskontolle für Besucher hatten. Der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung jenseits formaler Treffen wurde ungern gesehen, und auch für die Vertragsarbeiter nur bedingt erstrebenswert, weil sie wussten, sie müssen nach zwei Jahren (bzw. einer Verlängerung) definitiv zurück, so dass man auch nicht in emotionale Beziehungen investiert. Das entspricht nicht nur meiner eigenen Erfahrung, sondern ist in JEDEM Bericht zum Thema zu lesen, ich habe nichts Gegenteiliges gefunden, außer dass irgendwo doch ein paar ungarische vertragsarbeiter deutsche Frauen kennengelernt und geheiratet haben. Das waren Einzelfälle, und das war ganz sicher nicht unkompliziert und entspannt.

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Ehemaliger Nutzer 19.08.2012 | 22:44

Sie sollten sich nicht ereifern es ist eigentlich nicht ungewöhnlich, wenn Vertragsarbeiter gesondert unterbracht werden, dass gab es in der BRD besimmt mehr. Das hat bestimmt auch eine Menge Vorteile, man kann dies auch politisch auslegen. In der DDR war es bestimmt so, es kann aber auch dafür andere Gründe (Versorgung, Kontrolle, Krankheiten) geben. Sie wissen ja, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ich war z.B. mit vietnamesischen Stundenten in einem Wohnheim der Humboldt-Universität (Medizin) untergebracht. Wir hatten nur eine Kochstelle und die wurde friedlich und zeitlich geteilt.

Popkontext 20.08.2012 | 03:40

Ich hoffe mal sehr, das meinen Sie nicht ernst. Die Vertragsarbeiter waren die "Gastarbeiter" der DDR - wenn Sie der Meinung sind, dass man mit den türkischen Gastarbeitern im Westen hätte auch so umgehen sollen dann verstehe ich, warum Sie sich mit KarinL verbrüdern. Bei dem Thema tuen sich offenbar die richtigen Abgründe auf und Leute zeigen ihr wahres Gesicht. Hier mal ein kleiner Geschmack, wie das so war - und ja, da echauffiere ich mich, gelinde gesagt,m und stehe dazu.

dame.von.welt 20.08.2012 | 10:17

Wann und wo genau hat es abgeschottete Unterbringung von 'Gastarbeitern' 'in der BRD bestimmt mehr' gegeben? Das würde mich nun doch sehr interessieren. Wann und wo hatten im Westen schwangere 'Gastarbeiterinnen' abzutreiben, um in der BRD bleiben zu können? Wann und wo waren Besuche bei 'Gastarbeitern' nicht erlaubt?

Ich möchte gar nichts am oft schäbigen Umgang im Westen mit den 'Gastarbeitern' schön reden, dafür gibt's keinen Grund. Aber die Reduzierung von Menschen auf temporäre Arbeitskraft und auf ihren ökonomischen Nutzen scheint mir bei den Vertragsarbeitern im Osten weit konsequenter durchgesetzt worden zu sein.

Das ursprünglich angestrebte Rotationsprinzip wurde im Westen ruckzuck von der Wirtschaft gekippt (da der die Anlernung neuer Arbeiter alle 2 Jahre zu teuer war), in Folge dessen kamen die Familien nach. Obwohl bei vielen lange an der Illusion festgehalten wurde, man würde eines Tages in die Heimat (vor allem in die Türkei) zurückkehren, fand damit Einwanderung und Veränderung der westdeutschen Gesellschaft statt.

Vergleichbares hat es meines Wissens in der DDR nicht gegeben.

Popkontext 20.08.2012 | 12:45

Da ich gerstern abend zu fassungslos war, wie man sich die Situation der Vertragsarbeiter in der DDR so schön reden kann, habe ich glatt das Wohnheimbeispiel nicht verstanden. Nochmal: Es ging nicht um Studentenwohnheime, wo bei uns z.B. in Leipzig die Ausländer auch in getrennten Stockwerken untergebracht waren, aber an sich ein freierer Austausch zumindest theoretisch möglich war, aber zu große private Nähe im übrigen auch nicht so wahnsinnig gern gesehen wurde.

Die Vertragsarbeiter kamen je nach Nationalität in eigene Wohnheime, wo sie unter sich bleiben sollten, getrennt von Deutschen. Die Sprache wurde ihnen oft nur in einem Schnellkurs beigebracht, so dass auch richtige Gespräche kaum möglich waren. Sie wurden auch von heimischen Kadern überwacht. Wer sich nicht an die strengen Regeln hielt, wurde wieder nach Hause geschickt, was für die betreffende Person - vor allem bei den Vietnamesen und Afrikanern - und auch ihre Familien, die sie meist über ihre Tätigkeit miternährten, eine Katastrophe war.

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Ehemaliger Nutzer 20.08.2012 | 14:39

Sie scheinen irgenwie nicht alle Tassen mehr im Schrank zu haben. Was ist denn da so schlimm, wenn Gastarbeiter in der DDR in Wohnheimen untergebracht wurden. Woher wissen Sie denn genau, dass diese Menschen nicht zusammen wohnen wollten????

Sie scheinen auch nicht zu wissen, dass Wohnraum in der DDR äußerst knapp war, natürlich, da konnte die DDR jeden Gastarbeiter eine Wohnung zuweisen. Jetzt wird es aber gewaltig komisch. Sehe Sie sich einmal die unterschiedliche Beköstigung dieser Leute an, dass wäre überhaupt nicht möglich gewesen. Bauen Sie hier nicht unnötig einen Popanz auf?????

Popkontext 20.08.2012 | 14:52

A) Achten Sie mal bitte auf ihren Ton. B) Habe ich selber über 20 Jahre inder DDR-gelebt und weiß, wie das mit Wohnraum aussah, C) rechtfertigt das noch lange keine Kasernenhaltung von Menschen als billige Arbeitskräfte. Ihre Haltung sagt einiges über Ihr Menschenbild aus - un dgenau auch, wie es in der DDR nach der Wende zu einer offensichtlicheren Ausländerfeindlichkeit kommen konnte. Zu dem "Popanz" lesen Sie doch bitte mal die verlinkte Arbeit über die vietnamesischen Vertragsarbeiter/innen.

Popkontext 20.08.2012 | 17:51

Übrigens ist es auch keine neue retrospektive bundesrepublikanische Erkenntnis, dass die vertragsarbeiter/innen wie Dreck behandelt wurde. Ich kann mich gut erinnern, dass meine Mutter eines tages nach Hause kam und sich tierisch aufgeregt hat, wie rassistisch ihre Kolleg/innen sich den jungen mosambikanischen Arbeitern gegenüber verhalten haben, die wohl da gerade frisch in ihrem Betrieb angekommen waren, dass sie die als "Schneeflöckchen" bezeichnet haben und rassistische Klischees à la "Gerade vom Schiff und gleich erstmal die Putzfrau auf der Treppe gef..." von sich gegeben habe. Ebenso, dass darüber gesprochen wurde, dass ein Fuhre mit mehrerern hundert vietnamesischen Frauen eingekarrt wurde, weil niemand in der fischverarbeitenden Industrie arbeiten wollte. Da wußten auch alle, dass die in eigenen Wohnheimen untergebracht waren und niemand in der Stadt sie zu Gesicht bekommen würde. Das wurde auch unter DDR-Verhältnissen als nicht in Ordnung betrachtet, jedenfalls nicht von Leuten, die Afrikaner und Asiaten als gleichwertige Menschen betrachten.

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Ehemaliger Nutzer 20.08.2012 | 17:53

Ich möchte hier letztmalig auf Ihren Unsinn antworten. Ich habe diesbezüglich mit einigen meiner Arbeitskollegen telefoniert und die waren alle der Meinung, dass dies eigentlich eine gute Lösung war und vor allem, diese Gastarbeiter haben sich auch wohl gefühlt.

Schlimm und eigentlich widerlich ist es, Leute hier ihre Meinung zu negieren.

Wir sind alles Menschen nahe an die 70 und vor allem, wir haben uns nichts vor zu werfen. In meiner Person z.B. erkennen sie einen, der sogar eine Stasiakte besitzt, dass nur mal zu Ihrer Orientierung.

Es liegt eigentlich völlig neben der Sache, vielleicht hier eine Ausbeutung von Menschen seitens der DDR zu erkennen. Wer die Menschen in einer unwürdigen Art ausbeutet, dass erkennen Sie in diesem Staat BRD. Die DDR war bestimmt nicht zimperlich mit dem Umgang ihrer Bürger und zeigte hier eine falsche Moral. Der Staat BRD, für mich ebenfalls ein Unrechtstaat, zeigt überhaupt keine Moral. Keiner will von uns die DDR zurück, aber viele Dinge hinsichtlich der menschlichen Würde, die ja in diesem Staat so hoch gelobt wird, wurden besser eingehalten. Und eines sollten Sie auch wissen. Wer in diesem Staat z.B. Russland der Korruption bezichtigt, der sollte erst einmal den Dreckhaufen vor der eigenen BRD-Tür entfernen. Der Wirtschaftspakt der OECD hat Mitte der 90ziger Jahre, die BRD als das korrupteste Land der Erde eingestuft. Schauen Sie sich bei YouTube "Dolata bei Belzig" an, dann werden Sie über die BRD noch mehr diesbezüglich hören.

Popkontext 20.08.2012 | 18:57

Wieso lenken Sie eigentlich immer vom Thema ab? Es geht hier weder darum, ob Sie eine Stasi-Akte haben oder Medizin studiert haben, und nicht warum, ob die BRD ein Unrechtsstaat ist. Es geht auch nicht um Meinung und das ist auch kein Unsinn, sondern es sind Fakten.

Wenn sich die Vertragsarbeiter hier "wohlgefühlt" haben, dann weil es in ihren Heimatländern noch beschissener war, und sie aus bitterster Armut kamen. Das rechtfertigt aber nicht, Menschen so zu behandeln. Hätte man Deutsche so behandelt, wäre das Geschrei groß, aber für "Schneeflöckchen" und "Fidschis" ist das schon in Ordnung...Und es ist genau deshalb immer noch so, dass ein Großteil der Bevölkerung im Osten denkt, Ausländer haben da nichts zu suchen, weil sie eben keinen normalen, alltäglichen Umgang mit ihnen gewohnt waren. Das war der Ausgangspunkt.

Die Unsichtbaren Deutschen 21.08.2012 | 00:23

Das Andenken an die Progrome vor zwanzig Jahren ist wichtig. Fragen wir aber weiter - was ist der Unterschied zwischen Kanada und der BRD ? In beiden Ländern gibt es eine ähnlich grosses Wählerpotential für Rechtspopulisten & Rechtsextreme, trotzdem ist es in Kanada ein gesellschaftlicher Konsens Rassismus zu ächten. Sogar konservative Parteien in Kanada tragen diesen Konsens mit.

Das machte Kanada zu einem Liebling der Medien wegen seines Multikulturalismus - ein kanadischer Exportschlager. In Wahrheit gab Kanada nie mehr für Multikulturalismus aus als der Gegenwert eines Kampfhubschraubers. Der Kostenaufwand für den Multikulturalismus brachte Kanada einen sehr viel grösseren Image Gewinn.

Der wesentliche Unterschied zwischen Kanada und der BRD ist: Kanada ist eine Staatsnation und Deutschland ist eine Kulturnation. Die Staatsnation definiert Bürgerschaft als Klubmitgliedschaft. Die deutsche Kulturnation will von den Neuen eine schmerzhafte Initiation und Selbsttransformation als Loyalitätsbeweis sehen, um sie als Bürger zweier Klasse zu integrieren.

Wohlgemerkt, Kanada betreibt eine an der Verwertbarkeit von Menschen ausgerichtete Migrationspolitik mit einem hohen Anteil an temporärer Migration, was immer unterschlagen wird.

Wir erzählen uns in den deutschen Medien eine falsche Migrationsgeschichte. Wir sind nicht die Samariter, die die Armen auf der Welt zu sich aufnehmen.

Bei Migration geht es immer um Wirtschaftsfragen. Es lässt sich positiv als Tripel-Win erzählen. Da die globalen Lohnunterschiede sehr viel grösser sind als die Konsumgüterpreise oder die Zinsunterschiede, sorgt Arbeitskräfte-Mobilität fürmehr globale Gerechtigkeit als Freihandel oder Finanzmarkt-Deregulierung.

+ Einwanderungsregion: nach aussen verschobene Produktionsmöglichkeitenkurve, Beitragszahler für die Altersvorsorge, BNP-Wachstum

+ Auswanderungsregion: Rücküberweisungen => höherer Konsum => Mehrwertsteueraufkommen, Immobilienfinanzierung, Bildungsfinanzierung

+ Migrant: Statusgewinn für seine Familie bei Selbstaufopferung, Zukunftschancen, Immobilienbesitz

Das Thema Migration & Entwicklung wird von der Weltbank, der UNO und den globalen Finanzinstitutionen inzwischen so breit getreten, dass Migration zum neuen Entwicklungshilfe-Mantra geworden ist.

Der Migrant ist heutzutage die eierlegende Wollmilchsau:

+ Rücküberweisungen sollen Kapitallücken der Mikrofinanzindustrie auffüllen

+ Diaspora-Bonds sollen Nationalstaaten ohne Rating mit langfristigen Kapital versorgen

+ Rücküberweisungen sollen Sozialausgaben ersetzen

+ Deckungslücken in der Altersvorsorge der Einwanderungsregionen sollen durch Migranten gefüllt werden

+ Migranten sollen Altenpflege übernehmen

+ Migranten sollen preiswerte Lebensmittel mit ihrer Arbeit auf den landwirtschaftlichen Betrieben in Spanien, Griechenland und Italien liefern

+ Migranten sollen als Konjunkturpuffer dienen

+ Migranten sollen im Katastrophenfall als externe Versicherung fungieren, weil ihre Rücküberweisungen korruptionsfrei die Zielgruppen erreichen kann

Wir müssen einfach aufhören, den alten Migrations Narrativen weiterhin zu glauben, und weiterhin den Sackgassen Diskurs von Soziologen und Pädagogen zu viel Raum zu geben.

Anfangen sollten wir uns an Geographen, Ethnologen und Wirtschaftswissenschaftler bei Migrationsfragen zu orientieren.

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Ehemaliger Nutzer 21.08.2012 | 10:59

völlig daneben - und gleichzeitig die fortsetzung des alten tückischen narrativs vom wirtschaftsflüchtling. heute auch gern migrant genannt.

die menschen, die vor 20 jahren vor der ZAST standen, waren auf der flucht. dass sie auch vor wirtschaftlichen interessen auf der flucht waren, die ihnen an leib und leben wollten, das ist fast schon banal. das entscheidende ist: sie standen nicht für migranten, die sich aus eigenem entschluß auf den weg gemacht hatten, sondern sie standen für vertriebene, bedrohte, die um ihr leben und das ihrer kinder gerannt waren.

dass dies immer noch und wieder ausgeblendet wird, finde ich erschreckend böswillig dumm!

Popkontext 28.08.2012 | 03:08

Hier nochmal ein sehr interessantes Interview aus der deutsch-vietnamesischen Community vom Berliner Politologen Kien Nghi Ha. ich hörte jetzt, dass noch 35 der damals betroffenen Vertragsarbeiter/innen in Rostock leben. Gauck soll, wie ich einem Gespräch entnahm, nicht mal auf die Idee gekommen sein, die Vietnamesen zur Mahnfeier zum 20. Jahrestag der Pogrome einzuladen. Die Anregung kam dann erst kurzfristig von einer Deutsch-Vietnamesin. Die Vietnames/innen selbst hätten vielfach auch kein Interesse, sich zu erinnern. Ganze drei kamen dann auch nur (aus welchen Gründen auch immer - manche wollten sicher auch keine Vorzeigevietnamesen für Gauck sein). Einer von ihnen war der Dolmetscher, der in The Truth Lies in Rostock (und auch anderen Dokus) prominent zu sehen ist. Der Name allerdings tauchte nirgendwo auf - das war nur ein "betroffener Vietnamese". Weiß jemand seinen Namen?