Popkontext
21.02.2013 | 15:23 24

Mark Twain und die deutsche Sprache

Sprache Mark Twain besuchte einst das schöne Heidelberg und versuchte, unsere Muttersprache zu erlernen - vergeblich. Heraus kam ein schönes Essay, das heute noch lesenswert ist.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Popkontext

Mark Twain und die deutsche Sprache

Bild: Wikipedia, Library of Congress

“Wer nie Deutsch gelernt hat, macht sich keinen Begriff, wie verwirrend diese Sprache ist.” schrieb Mark Twain in seinem extrem lustigen, aber auch erhellenden Aufsatz aus dem Jahr 1880, Die schreckliche deutsche Sprache (The Awful German Language), “Es gibt mehr Ausnahmen zu den Regeln als Beispiele dafür.” Der große US-amerikanische Schriftsteller hatte Ende des 19. Jahrhunderts während einer Reise nach Heidelberg versucht, unsere Muttersprache zu lernen.

Er verzweifelte an den im Englischen unbekannten Fällen, der unlogischen Zuordnung der Geschlechter für unbelebte Dinge, für die seine Muttersprache nur das – logische – “it” (“es”) kennt, an der oft auch ausgeschöpften Möglichkeit im Deutschen, Substantive endlos aneinander zu reihen, um ein neues daraus zu bilden – und vor allem an der Länge der Sätze, wo sich ein Teil des Verbs, auch anders als im Englischen, am Ende des Satzes anfindet.

Zumindest Letzteres hat sich in den letzten über 100 Jahren geändert: Für die zweite Hälfte des Verbs muss sich der Lernende zwar immer noch bis zum Ende des Satzes gedulden – aber es gilt, anders als zu Twains Zeiten, nicht mehr als Zeichen von großer Bildung, elendig lange und gesteltzte Schlangensätze zu formulieren. Heute sieht man es als guter Stil an, kurz und prägnant auf den Punkt zu kommen – auch so eine Eigenschaft der Deutschen, die in anderen Kulturen oft mit Befremden wahrgenommen wird.

Mark Twain setzte sich trotz allem für die deutsch-amerikanische Freundschaft ein, denn das Erlernen einer Sprache, ob erfolgreich oder nicht, fördert auch immer das Verständnis für die jeweilige andere Kultur.

Hier der Aufsatz in der deutschen Übersetzung und im englischen Original:

Mark Twain – Die schreckliche deutsche Sprache (PDF)
Mark Twain – The Awful German Language (English Original)

Update: Hier eine Jubiläums-Broschüre der US-Botschaft mit mehr Texten von Twain auf Deutsch, Denglisch und mit Bezug aufs Deutsche. Sehr lesenswert auch das biografische Essay zu Twains Beziehung zur deutschen Sprache. (Danke an @Superwomen für den Link)

Zuerst veröffentlicht auf Wortbetrieb.de

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (24)

Maitre Caron 21.02.2013 | 21:44

Ich freue mich, wenn ich etwas über Mark Twain lesen kann.

Meistens !

Mark Twain reiste 1878/79 etwa 1 1/2 Jahre durch Europa, ein Großteil dieser Zeit in Deutschland, alleine 3 Monate in Heidelberg. Wie gut er schon auf dieser Deutschlandreise die Sprache gelernt hat, weiß ich nicht, aber er hat es nicht "versucht", er hat Deutsch gelernt.
Der Begriff "vergeblich" ist definitiv falsch !

Um diesen Aufsatz zu schreiben, braucht es schon gründliche Sprachkenntnisse. Nach meiner Kenntnis ist die englische Version nicht das Original, sondern die deutsche. Für seine eigene Übertragung hat er in der englischen Version den deutschen Satzbau verwendet, es ist eigentlich eine (fast?) wörtliche Übertragung.

Es kann natürlich sein, daß Deutsche Verlage seine englische Version wieder ins Deutsche übersetzen lassen.

Von 1891-1899 machte er eine "Welttournee" mit humoristischen Vorträgen, am Anfang ein paar Monate in Berlin, von September 1897 bis Mai 1899 in Wien. In Wien hat er als Ehrengast auf einem Germanistenkongress die "Schrecken der deutschen Sprache" als Vortrag gehalten. Zu Beginn des Vortrags hat er sich für seine schlechte deutsche Sprache entschuldigt und daß er deshalb den Vortrag ablesen muß. Das war ironisch, denn tatsächlich hat er den Vortrag frei gehalten.
Für Berlin ist belegt, daß die Familie sich untereinander auf Deutsch unterhalten mußte.
In Berlin hat er den Struwwelpeter in die englische Sprache übertragen.

Dafür sind schon ausgesprochen gute Deutschkenntnisse Voraussetzung (vergeblich?)

Amanda Donata 21.02.2013 | 21:45

Liebe Prokontext,

.. logisch und nicht logisch in der Sprache .. hm .. und zumal in der Englischen. Mark Twain war ein Humorist und ein Haudegen - wie man so grob im Deutschen sagt. Er ging nicht selten über das Maß seiner Fähigkeiten und Kenntnisse hinaus. Einmal schipperte er in der Schweiz über'm Vierwaldstättersee und glaubte mit so ein bißchen Wasser ohne Mühe bei Altdorf zu landen. Daß seine pfadfinderische Leichtfertigkeit auf (s)ein Haar seinen Tod gekostet hätte, steht bei den braven Schweizern im Gedächtnisbuch eingegraben. Eine Freundin aus England versicherte mir einmal vor einigen Jahren: "Shakespeare habe sich an die Syntax der Deutschen als sprachliche Ordnung ausgerichtet" - und darüber hinaus am Deutschen gern orientiert. Vergessen Sie nicht, daß die (engl.) King James Bibel (Version) bei ihrem Zustandekommen doch auf Luthers philologische Arbeit ein nicht geringes Augenmerk warf. Heinrich Heine war sich all dessen bewußt - er schätzte z.B. das Werk Jacob Grimmst der "Deutschen Grammatik" als eines der bedeutendsten Arbeiten ein. Welcher deutsche Germanist kann diese Grammatik überhaupt noch lesen und verstehen? ..;-)

Ich mag Tom Sawyer

AD

Amanda Donata 21.02.2013 | 22:01

Verzeihung, es sollte freilich heißen: ".. er schätzte z.B. das Werk Jacob Grimms der "Deutschen Grammatik" als eine der bedeutendsten germanistischen Arbeiten ein."

P.S. Ich bin froh dieses Vierbändige Werk vollstädnig in meiner Bibliothek zu haben - als Erst- und Zweit- Ausgabe. Und ich muß gestehen, was für eine unglaublich philologische Tiefe in diesem Werk steckt. Twain konnte keinen Schimmer davon gehabt haben und Hölderlin hat er nie gelesen .;-)

Grüße

AD

Popkontext 21.02.2013 | 22:50

Danke für ihre Hinweise! Das sollte jetzt allerdings kein ausfühliches Essay zu Twains Aufsatz sein, sondern nur ein kleiner Teaser, der auf ihn hinweist - deshalb die Zuspitzunfen. Natürlich hatte Twain solide Deutschkenntnisse, sonst hätte er so einen Aufsatz nicht schreiben können. Soweit ich weiß hat er die Sprache aber nie perfekt beherrscht und sich weiter mit ihr beschäftigt - auch wenn eine Rede wie diese sicher auch dem Scherz und der Selbstironie geschuldet absichtlich verquer und durcheinander geschrieben war.

Es gibt aus der Zeit leider keine Tonaufnahen um beurteilen zu können, wie perfekt er tatsächlich war - ich gehe aber nicht davon aus, dass er so ein Sprachgenie war, dass er jetzt nach so kurzer Zeit ein Deutsch sprach, das nur annähernd mit seiner Beherrschung des Englischen vergleichbar war. Für die Übertragung eines Buchs wie den Stuwelpeter in die Muttersprache bedarf es eines grundsätzlichen Textverständnisses, gewisser Kontextkenntnisse und im Idealfall der Möglichkeit, mal jemanden fragen zu können, wenn man sich über etwas unklar ist.

Popkontext 21.02.2013 | 22:59

Ich glaube, das ist alles nicht ganz so ernst gemeint - weder meinerseits. Der Teaser ist eine Zuspitzung - und auch der Text von Twain natürlich! Trotzdem weist er eben wunderbar auf die Sachen in der Sprache hin, die uns Muttersprachlern nicht auffallen, solange wir uns nicht konkret mit Sprache beschäftigen. Ich habe ihn das erste Mal von einem Amerikaner bekommen, der gerade Deutsch lernte - wir haben beim Lesen beide vor Lachen auf dem Boden gelegen, weil er so nah an unseren eigenen Erfahrungen war (ich habe damals Englisch und Französisch studiert - und bin dann am Französisch ähnlich "gescheitert" wie Twain am Deutschen - ich konnte die Sprache zwar irgendwie, aber nie so richtig mit den ganzen Vergangenheitsformen und le und la für Unbelebtes...)

UnwiseNomad 21.02.2013 | 23:33

Ich finde es spannend, dass Twain auf Deutsch geschrieben und dann selbst ins Englische übertragen haben soll. Hast Du Quellen dazu?

Ich habe mir den englischen Text vorhin durchgelesen und mich bei einigen Stellen sofort gefragt, wie der Übersetzer wohl damit fertiggeworden ist, z.B.:

I heard a Californian student in Heidelberg say, in one of his calmest moods, that he would rather decline two drinks than one German adjective.

Im deutschen Text heißt es:

Ich habe einen Studenten aus Kalifornien in Heidelberg in einem seiner ruhigsten Augenblicke sagen hören, lieber beuge er hundertmal beide Knie als auch nur einmal ein einziges Adjektiv, und es handelte sich nicht etwa um einen Turner.

Während die Idee, das Wortspiel mit 'decline' durch das 'beugen' ins Deutsche zu übertragen, höchstes Lob verdient, ist die Übersetzung ansonsten eher schlecht. Was soll die Sache mit dem Turner?

Twain hätte das a) im Original nie geschrieben, b) nicht bei der Übersetzung weggelassen und, bei allem Respekt vor seinen Deutschkenntnissen, wäre ihm c) 'beugen'/'decline' nicht eingefallen, weil diese Richtung doch hundertmal verrückter aussieht als 'deklinieren'/'beugen'.

Nein, das Englische ist das Original, die deutsche Übersetzung mäßig gelungen, besonders weil so gar nichts von Twains Ironie es in die andere Sprache hinüberschafft. Dazu noch ein Beispiel:

I consider this capitalizing of nouns a good idea, because by reason of it you are almost always able to tell a noun the minute you see it.

Wir bekommen nur ein knarztrockenes:

Ich halte diese Großschreibung der Substantive darum für eine gute Idee, weil man ihr zufolge ein Substantiv fast immer erkennen kann, sobald man es sieht.

Mein Vorschlag:

Ich halte das Großschreiben von Hauptwörtern für eine gute Idee. Dadurch kann man sie fast immer sofort erkennen, wenn man ihnen begegnet.

Popkontext 21.02.2013 | 23:45

Ich habe gerade nochmal kurz recherchiert und keine Hinweise darauf gefunden, dass der Aufsatz irgendwo veröffentlicht worden war, bevor er als Anhang zu A Tramp Abroad veröffentlicht wurde. Dafür aber, dass er offenbar auch später noch auf Deutsch korrespondiert hat und sich schriftlich wohl leidich verständlich ausdrücken konnte - während er nach eigener Angabe eher nicht so verständlich sprach.

Superwoman 21.02.2013 | 23:48

interessant, wäre wirklich gut, wenn man den jeweiligen Autor herausfinden könnte - das mit dem Turner überzeugt mich fast. in der Quelle fand ich:

Textgrundlage: Mark Twain: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Ausgewählt und zusammengestellt von Norbert Kohl. Band 4: Bummel durch Europa. Deutsch von Gustav Adolf Himmel. Frankfurt am Main (Insel) 1985. S. 527–545. — Die Übersetzung wurde vonMichael Schneider revidiert und ergänzt.

ohne Angabe, ob die auf Deutsch gehaltene Rede tatsächlich ursprünglich von Twain so geschrieben wurde..

Superwoman 22.02.2013 | 00:14

http://usa.usembassy.de/classroom/Mark%20Twain/Mark%20Twain%20Awful%20Broschuere.pdf

hier findet man einige Briefe von Mark Twain in Deutsch und nette Hintergund-Anekdoten. die Rede selbst in einer Mischung aus Deutsch und Englisch, die sehr lustig ist, und noch immer nicht die 100% Belege dafür, ob er den gesamten Text (allein?) übersetzt / geschrieben hat. Das Englische Original ist von 1880. die Rede und Übersetzung, Veröffentlichung der deutschen Version von 1897!

Popkontext 22.02.2013 | 00:26

Oje, das nächste mal wappne ich mich besser für die Diskussion - das war eigenlich nur als kleiner, lockerer Teaser gedacht, den ich ursprünglich als nette Anekdote für meine neue Website geschrieben hatte und das ist jetzt so rumggangenen.

Selbst wenn er das auch auf Deutsch geschrieben haben sillte, was ic eher nicht denke, hat es 100% nochmal jemand redigiert und Fehler korrigiert und mit ihm durchgesprochen, das ist doch ein ganz normaler Vorgang. Das kennt man doch, wenn man selbst in einer Fremdsprache schreibt - im Gegensatz zu Französisch kann ich ziemlich gut Englisch und kann da auch Andeutungen, Anspielungen und Mehrdeutigkeiten meistens erkennen. Aber selbst da würde ich so vorgehen, wenn es um etwas Ernsthafteres geht.

Ja, das von der US-Botschaft hatte ich vorhin auch kurz nochmal gesucht, weil ich mich erinnern konnte, dass da ein bisschen mehr dazu stand - danke für den Link.

Und auch danke für den Textvergleich - das ist natürlich sehr interessant.

UnwiseNomad 22.02.2013 | 00:54

Na, das war doch nicht als Kritik an Dir gedacht.

Dein kleiner Anstoß ist eine gute Gelegenheit sich daran zu erinnern, was bei (schlechten bis mäßigen) Übersetzungen verloren geht. Arno Schmidt kann ja schon länger nicht mehr auf den Tisch hauen, wenn man uns um Schätze der Weltliteratur betrügt.

Nur englische Texte kann ich wirklich "selbst" lesen. In allen anderen Sprachen bin ich auf Gedeih und Verderb dem Übersetzer ausgeliefert.

Ich habe irgendwann beim Fernsehen realisiert, dass viele Übersetzungen keinen Sinn machen - wegen allzu wörtlicher Wiedergabe, Unkenntnis von Slang und der allfälligen falschen Freunde. Das habe ich dann im Kopf zurückübersetzt, um zu verstehen, was in einem Film wirklich vor sich geht. Inzwischen - siehe vor-voriger Satz - hat sich vieles etabliert und fällt nicht mehr groß auf.

Popkontext 22.02.2013 | 01:54

Ja, hatte ich auch richtig verstanden, war wie gesagt auch nur als Anstoß gedacht und ich hatte nicht nochmal groß recherchiert, was mich selbst ein wenig ärgert jetzt, denn dass Twain knapp zehn Jahte später nochmal länger in Österreich war und seine Deutschkenntnisse wohl auch in den USA auch aktiv gepflegt hat, soweit er die Zeit hatte wußte ich tatsächlich nicht.

Ja mit Englisch geht es mir auch so, das versuche ich auch aktiv zu pflegen und alle Texte (also auch Filme etc.) im Original zu lesen bzw. zu sehen / hören. Ich hatte einmal die Erfahrung gemacht, wie schnell das wieder weg ist, nachdem ich nach einem Jahr in London zwei Jahre kaum mit Engisch zu tun hatte ich das Gefühl, ich kann gar nichts mehr. Darum ist der Aufsatz in dieser Broschüre der US-Botschaft sehr lesenswert, weil da nochmal beschrieben wird, dass Twain seit seiner Jugend eigentlich interesse an der deutschen Sprache hatte, die durch die Neueinwanderer ja sehr viel präsenter war als heute.

Maitre Caron 22.02.2013 | 02:52

Danke für das schöne pdf.
Es enthält ein paar interessante Details zu seinen früheren Kontakten zur deutschen Sprache und ich werde es meiner kleinen Sammlung hinzufügen.

Ich kann meine Angaben im Moment nicht belegen, ich bin umgezogen und mein Mark Twain ist noch vollständig verpackt. Aber da ich ungefähr weiß wo, müßte ich die Bücher morgen finden können und am Wochenende die Informationen liefern.

Bei seinem Deutsch muß man berücksichtigen:
er hat Deutsch des 19. Jh. gelernt. Wenn man sich deutsche Texte aus dieser Zeit ansieht, kaum etwas könnte heute noch so veröffentlicht werden.
In Gegenzug ist sein Englisch modern, wird er doch als Begründer (Mitbegründer) des amerikanischen Realismus bezeichnet.

Bei gedruckten Veröffentlichungen muß man immer die Bearbeitung durch Verlagslektoren mit einkalkulieren.
In einer älteren Ausgabe des "Bummel durch Europa" (ich glaube 60er Jahre dtv?) beschreibt er recht ausführlich die Flößerei auf dem Neckar und daß er viel Zeit auf einer Heidelberger Neckarbrücke zugebracht hat, sein größter Herzenswunsch war, einmal ein Floß an der Brücke zerschellen zu sehen. Im nächsten oder übernächsten Kapitel nimmt er an einer Floßfahrt teil, die er als eine Vergnügungsfahrt schildert. Als er selber steuern darf, lenkt er das Floß zufällig (es klingt nach Absicht) gegen einen Brückenpfeiler oder das Ufer (?). Er schafft es, während des Unfalls trocken ans Ufer zu springen und daß damit sein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen sei.
In einer neueren Ausgabe ist der Brückenabsatz mit der Schilderung seines Wunsches, einen Floßunfall zu beobachten, gestrichen. In der nachfolgenden Beschreibung der Floßfahrt steht unverändert die Formulierung mit dem langgehegten Wunsch, die man aber nicht richtig verstehen kann, weil sie Bezug nimmt auf den gestrichenen Absatz.

Bis morgen

Popkontext 22.02.2013 | 03:51

Na, nix für ungut - altmodisches Deutsch und Nichtmuttersprachliches kann man schon deutlich unterscheiden. Ich habe leider nichts auf Deutsch von ihm gefunden auf Anhieb, was aus späterer Zeit stammt und nicht offensichtlich redigiert / übersetzt ist, also völlig frei von nichtmuttersprachlichen Fehlern, die auch jemand macht, der eine Sprache recht gut beherrscht. Der Brief an den Botschafter, der in der PDF zu lesen ist, ist von 1878 und eher schlechter als mein Französisch, als ich mich intensiver mit der Sprache befaßt habe oder wie es wieder wär, wenn man mich drei Monate unter Französischsprachigen aussetzen würde, wo ich mit Deutsch oder Englisch keinen Blumentopf gewinnen könnte...vielleicht hat er ja doch noch etwas mehr gelernt, aber ganz sicher nicht perfekt - wie auch in dem biografischen Text steht -, sondern immer eine Liebhaberei, was ja auch sehr sympathisch ist.

Aber ich freue mich trotzdem über all things Twain, weil ich mich seit gut 20 Jahren nicht mehr intensiver mit ihm befasst habe - auch wenn er immer mal wieder auftauchte - und ich heute abend gerade mal wieder auf den Geschmack gekommen bin.

Maitre Caron 24.02.2013 | 14:47

Ich muß um Entschuldigung bitten !

Meine Behauptung, die deutsche Version des Essays „Die schreckliche deutsche Sprache“ sei das Original, ist falsch.

Mein Irrtum beruht auf dem Umstand, daß dieser Essay nach einem Europaaufenthalt 1878-79 als Anhang zu dem 1880 veröffentlichten „A Tramp Abroad“ (Bummel durch Europa) denselben Titel trägt, wie die Ansprache, die er im Oktober 1897 in Wien gehalten hat. Zwischen beiden liegen fast 20 Jahre.
Auch in der Broschüre der US Botschaft von 2010 (weiter ober verlinkt) steht als Hinweis zur englischen Version des Vortrags „Mark Twain’s Literal Translation of the Concordia Speech “, also daß (in diesem Fall) der deutschsprachige Vortrag das Original ist.

Es hätte auch keinen Grund für eine deutsche Originalversion gegeben, die erste Version richtete sich an den amerikanischen Leser. Das Buch erschien wohl 1892 erstmals auf Deutsch.

Besonders peinlich ist mir, daß meine vorlaute „Kritik“ gleich an erster Stelle nach dem Beitrag von Popkontext steht.

Als kleine Ergänzung zu MTs Deutschkenntnissen:
Zu der auch im Anhang zum „Bummel duch Europa“ enthaltenen Ansprache zum 4. Juli 1878 vor dem „Anglo-American Club of Students“ gibt es von ihm selbst (aus einem Brief an W.D. Howells) den folgenden Kommentar:

„Ich hatte diese kleine 7-Minuten-Rede drei Tage zuvor in abscheulichem Deutsch geschrieben und mir viel Mühe gegeben, sie auswendig zu lernen. Die Schwierigkeit bestand nicht darin, die Worte zu lernen, sondern die Pausen, die vordergründigen Peinlichkeiten, die Zweifel, die gelegentlichen Ausflüge in den englischen Sprachschatz … kurz und gut, all die Tricks, die den Vortrag improvisiert und verwirrt erscheinen lassen, zu behalten. Ich hatte erwartet, beim Vortrag Spaß zu empfinden, aber die Absurdität der Worte brachte mich selber zum Lachen, bevor die Hälfte der Zeit um war. Ich setzte mich dann selbstverständlich hin, denn ich konnte beim besten Willen nicht mehr vorgeben, wahrhaftige Schwierigkeiten mit der Sprache zu haben, nachdem ich so gelacht hatte.“(MT)

Zitiert aus:
Mark Twain – Ein Amerikaner in Heidelberg – Sein Bummel durch Deutschland 1878 – Hrsg von Werner Pieper – 1. Auflage N. Grubhofer Verlag, Heidelberg 1985 (aktuell 4. Auflage 2010 Verlag Der Grüne Zweig ISBN 3925817026 ) Diese Ausgabe enthält ca 100 Randbemerkungen aus MTs Notizbüchern, Briefen, div Biografien etc, gründlich mit Quellenangaben versehen.