Neues Album Komba der portugiesischen Kuduru-Band Buraka Som Sistema

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Die portugiesisch-angolanische Elektrocombo Buraka Som Sistema sorgte vor drei Jahren mit ihrem Debüt Black Diamond für einiges Aufsehen: Mitten im damals frischen Afrikaboom servierte sie ihre Version des angolanischen Kuduro, schnelle Elekromusik, deren Beats traditionelle Wurzeln hat und sich im noch vom schweren Bürgerkrieg gebeutelten Angola der 80er entwickelte und um 2005 auch seinen Weg nach Portugal sowohl in den Mainstram als auch die Clubszene fand.

Jetzt liegt ihr zweites Album Komba vor. Dafür haben sich die vier Herren, João Barbosa (J-Wow), Rui Pité (DJ Riot), Andro Carvalho (Conductor) und Kalaf Ângelo, die z.T aus Angola bzw. den Vororten Lissabons stammen, für elf Monate in Klausur begeben, nachdem sie 2 1/2 Jahr mit Black Diamond getourt waren und sich das “Sound System” auch als hervorragende Liveband erwiesen hat.

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Cover

Komba zeigt, dass die Band mehr ist als eine oberflächlich und eine Eintagsfliege, die auf einen hippen Trend aufspringt. Die vier Freund, mittlerweile alle um die 30, machen bereits seit 15 Jahren gemeinsam Musik und so konnten sie das musikalische Spektrum souverän erweitern. Mitgeholfen haben ihnen verschiedene Gastsänger/innen, bei denen der hierzulande bekannteste Afrikan Boy ist. Kalaf Ângelo von Buraka Som Sistema betont, dass man sich absichtlich nicht einfach Superstars dazukaufen wollte, sondern mit Leuten aus der Szene, die man persönlich kennt, zusammen arbeiten wollte. Da aber Buraka Som Sistema selber sehr gefragt sind, sind ihre Gäste auch nicht irgendwelche dahergelaufenen Musiker/innen, auch wenn sie nicht ganz so berühmt sind wie M.I.A. oder Diplo, mit denen sie auf dem ersten Album arbeiteten (und die auch Mates sind).

Entsprechend vielfältig fällt das Album aus: Zum Kuduro kommen alle möglichen tanzbaren modernen urbanen Sounds aus den Amerikas, Afrika und Europa. Harte, schnelle Tanzbeats wechseln sich mit weicheren langsameren ab, Hymnen zum Mitsingen mit komplexeren Strukturen. Zwischendurch gibt es sogar kurze Soundscapes und Sprecheinlagen. In letzteren eklärt Ângelo, was hinter dem Namen des Albums steckt: Komba ist ein Ritual in seiner Heimat, bei dem sieben Tage nach dem Tod eines Menschen ein großes Fest zu seinen Ehren gefeiert wird, bei dem es seine Lieblingsspeisen gibt, zu seiner Lieblingsmusik getanzt wird und seine Lieblingsgeschichten erzählt werden. Da man es ein bisschen schade fände, das nicht selbst miterleben zu können, habe man hier die eigene Komba ein wenig vorgezogen, erzählt er im Interview. Das Thema bestimmt das gesamte Album in Text und Musik. Da man noch mit Platten und CDs große geworden sei und nicht mit einzelnen Mp3s, habe man Komba bewusst als Konzeptalbum angelegt, so Ângelo.

Als Vorgeschmack auf das äußerst hörenswerte Album, das auf dem portugiesischen Label Enchufada erscheint, gab es bereits im Juni eine erste Single namens Hangover (Bababa) mit Gastsänger Stereotyp. Regie bei dem in Angola gedrehten Video führten João Pedro Moreira & Carlos Afonso. Sie begleiteten die Band in Rangel, einem Ort in der Metropolregion Luanda, als diese ihre Lieblings Kuduro-Produzenten wie DJ Znobia besuchte. Im Februar soll die Band auch live auf deutschen Bühnen zu sehen sein.

Originalartikel bei Popkontext

14:15 28.10.2011
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Popkontext

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