Pech für Leda

DAS PRINZIP DER VERWANDLUNG Über Yoko Tawadas "Kopfkissenbuch von 22 Frauen", "Opium für Ovid"
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Was ist ein Kopfkissenbuch? Schläft es aufgeschlagen neben meinem Kopf? Macht es mich schlau über Nacht? Blättere ich schläfrig auf der Suche nach Sensationen, die mich schockartig hellwach werden lassen? Oder lese ich darin sanfte Einschlafgeschichten, die mich zur guten Nacht küssen? Ich weiß nicht, welche farbenprächtigen Erzählungen oder feingeschliffenen Bosheiten die japanische Erfinderin dieser literarischen Gattung, die Hofdame Sei Shonagon vor tausend Jahren der kaiserlichen Gesellschaft auf die seidenen Kopfkissen gelegt hat. Die 1960 in Tokyo geborene und seit 1982 in Hamburg lebende Schriftstellerin Yoko Tawada jedenfalls hat hellwach eines der im Mittelalter populärsten Werke der Antike, die Metamorphosen des vom Hof verbannten Dich