Die Regierwütigen

Was läuft Barbara Schweizerhof ist froh über „Veep“: irre Politclowns, denen immer alles entgleitet. Spoiler-Anteil: 22%

Politsatiren sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Vor sieben Jahren, als die Serie Veep (Deutschland: Sky Atlantic HD) in den USA erstmals auf Sendung ging, galt deren Grundidee noch als Witz: dass im Weißen Haus der USA ein Haufen Leute walten und schalten, die eigentlich zu blöd, zu eitel oder schlicht inkompetent sind – lächerlich, oder? Noch mehr wurde gelacht, wenn ein Washington-Insider durchblicken ließ, dass in Veep die wahre Situation nur leicht überzeichnet sei. Was waren das noch für Zeiten, als man überhaupt noch übertreiben musste, um Satire zu produzieren! Heute hat dieses bewährte Verfahren ausgedient. Die Wirklichkeit ist schlimmer, banaler und mit Distanz betrachtet vielleicht sogar witziger als es sich die besten Comedy-Autoren je ausdenken könnten.

Im „Writer‘s Room“ von Veep, in der eine fiktive Vizepräsidentin sich so lange blamiert und immer wieder die Dinge in den Sand setzt, bis sie schließlich Präsidentin wird, hat man das rechtzeitig begriffen: die Serie ist über die Jahre immer besser geworden, gerade weil sie statt sich ums Witzigsein zu scheren auf den Faktor der Bösartigkeit gesetzt hat. Veep ist Comedy ohne gute Absichten. Soll heißen: Hier meint es niemand mit niemandem gut, weder mit den Zuschauern noch mit den Figuren. Es gibt kein Identifikationsangebot, keine positiven, sympathischen Helden und noch nicht mal faszinierende Antihelden á la House of Cards. Grundsätzlich geht immer alles schief, weshalb auch die Verschwörungen und Verbrechen nie so weit gehen wie in den „großen“, ernsten Politthrillern. Was die metaphorische Monstrosität der Politik spielenden Clowns in Veep natürlich keineswegs einschränkt.

Ende März startet nun die siebte und letzte Staffel. Es ist die erste, die als direkte Reaktion auf die Trump-Ära gelesen werden kann, denn Staffel 6 wurde zwar im Frühjahr 2017 gesendet, war aber noch vor Trumps Wahl im Herbst 2016 fertig geschrieben. Danach pausierte die Produktion, weil Hauptdarstellerin Julia Louis-Dreyfus eine Krebserkrankung behandeln lassen musste.

Die neuen Folgen beginnen in Iowa, dem Staat, in dem Präsidentschaftskandidaten in den USA traditionell als erstes ihre Chancen testen. Hier tummelt sich nun die in Staffel 5 aus dem Amt gewählte Selina Meyer (Louis-Dreyfus), um erneut ihr Glück bei den Wählern zu versuchen. Ihr Kampagnen-Slogan lautet „New. Selina. Now“. Aber natürlich ist erstmal alles beim Alten geblieben: Die Dinge gehen schief – statt in Cedar Rapids, wo eine Tribüne voller Anhänger wartet, landet ihr Flugzeug in einem menschenleeren Cedar Falls. Ein Bürgermeisterhund, dem sie Schokolade zusteckt, fällt prompt ins Koma. Und sobald sie durchblicken lässt, dass sie ihr angebliches „Protegé“, eine Afro-Amerikanerin, zu ihrer Vizepräsidentenkandidatin machen würde, überholt die sie in den Umfragen.

Zumindest zu Beginn kann Selina auch noch über ihr altbewährtes Team verfügen, eine perfekte Mischung von karrieregeilen Speichelleckern, nützlichen Idioten und hochintelligenten Totalversagern. Da gibt es die kluge, immer überspannte Amy (Anna Chlumsky), den ihr in allem unterlegenen und doch stets erfolgreicheren Hallodri Dan (Reid Scott), den trockenen Strategieberater Kent (Gary Cole), der viel weiß, aber nicht, wie man effektiv mit Wissen umgeht, und den persönlichen Assistent Gary (Tony Hale), der seiner Arbeitgeberin in allem zu nahe tritt. Ergänzt um weitere Figuren wie den allzu duldsamen Chief-of-Staff Ben (Kevin Dunne) schwirren sie um Selina herum, als ein lebendiges Mobile, eine Art wegelagernde Wohn- und Arbeitsgemeinschaft, in der keiner wirklich seinen Job tut, aber jeder seinen Senf in prägnanter Pointenform beiträgt. „Kann ich wirklich ein anderes Land für etwas beschuldigen, was es gar nicht getan hat?“, fragt etwa Selina, und Ben beruhigt sie: „Das ist ein Eckpfeiler der amerikanischen Außenpolitik seit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg!“

Die besten Zeilen gehören in Staffel 7 erneut dem unbeschreiblichen Richard Splett (Sam Richardson), dessen einziges Talent seine stets unangebracht gute Laune ist. „Ich glaube, wir müssen dem Attentäter danken“, bemerkt Selina trocken, als eine Massenschießerei die Aufmerksamkeit von einer ihrer peinlichen Auftrittspannen ablenkt. „Ich kümmere mich darum!“, meldet sich Richard eilfertig mit Blick auf die Nachrichten auf seinem Smartphone, „Oh, der Attentäter ist tot. Dann schicke ich seiner Frau vielleicht Blumen, – oh, sie war sein erstes Opfer, so ein Mist.“

06:00 14.04.2019
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Abobreaker Artikel 3NOP ObenUnten Abobreaker Artikel 3NOP ObenUnten

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