Bartholomae

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RE: Mit Foucault durch Neukölln | 25.03.2011 | 13:21

Natürlich können auch Gewaltopfer Gewalt gegen andere Personengruppen ausüben, das zeigt schon die traurige Geschichte der KZs mit ihren Hackordnungen (an deren unterem Ende die Schwulen standen). Dass es jedoch möglich ist, mit ethnischen Minderheiten solidarisch zu sein, hat seinerzeit die Bewegung Act up in den USA gezeigt und in diesen Tagen die französische Schwulenbewegung, die sich öffentlich mit den randalierenden Arabern in den Vorstädten solidarisiert. Diese Situation in Frankreich hat Maxime Cervulle sehr eindrucksvoll in seinem Aufsatz "Die Kings des Geschlechts und der Vorstadt" beschrieben, veröffentlicht in dem Sammelband "Unbeschreiblich männlich" (Hamburg 2007). Cervulle arbeitet auch überzeugend heraus, dass die provozierenden Verhaltensweisen vieler Migranten das Ergebnis ihrer Sozialisation in Europa und nicht etwa ihrer Herkunftskultur sind - wovon sich jeder bei einer Reise in die Türkei mühelos überzeugen kann. Es ist zumindest gedankenlos, solche Differenzierungen nicht vorzunehmen, egal, ob man in Neukölln schon einmal zusammengeschlagen wurde oder nicht. Solidarität ist keine Einbahnstraße, und anders als die französischen Schwulen käme in Deutschland wohl keine Schwulenorganisation auf die Idee, für die Rechte von Migranten einzutreten.