Fluchtbörse Facebook

Subökonomie Auf Facebook tauschen Flüchtlinge Erfahrungen aus, Schlepper werben für ihre Angebote. Die Seiten des Netzwerks zeigen unzählige Dramen – und einen ganz eigenen Markt
Bartholomäus von Laffert | Ausgabe 36/2015 5

„Helft uns, wir gehen unter. Wir haben Frauen und Kinder an Bord. Das halbe Boot ist vollgelaufen, der Motor ist kaputt. Ruft die Küstenwache!“ Es ist kurz nach elf Uhr abends, als Mohammed Akilh diesen Notruf via Facebook absetzt. Darunter GPS-Koordinaten und ein roter Punkt in einer Google-Maps-Karte, eine Markierung irgendwo im Blau zwischen türkischer Mittelmeerküste und der griechischen Insel Lesbos – dem Zielort des Gummiboots, in dem Mohammed Akilh und die anderen Flüchtlinge sitzen. Unter dem Post sammeln sich Kommentare, Aufmunterungen, Gebete: „Gott möge mit euch sein. Ich habe mit den griechischen Wachen gesprochen, sie werden gleich da sein. Haltet durch!“

„Garage der Heimatlosen“ heißt die Facebook-Gruppe, in der Mohammed Akilh postet. Eine weiße Taube hat der Administrator als Symbol ausgesucht. Über 90.000 Mitglieder hat die Gruppe. 90.000 Heimatlose, die meisten aus Syrien. Jeden Tag kommen Hunderte hinzu. Gegen Mitternacht ploppen häufig digitale Hilfeschreie auf. Posts in Panik, Fotos von Gekenterten, immer neue Standorte. Wenn es so weit gekommen ist, ist vorher meist viel falsch gelaufen. Was, das kann einem Facebook erklären, wenn man einen Übersetzer wie Ayhan hat. Er ist 25 Jahre alt, vor fünf Monaten ist er selbst aus Syrien nach Berlin geflohen.

Facebook-Gruppen wie die Garage der Heimatlosen gibt es viele im Netz. Sie heißen: „In 20 Tagen nach Europa“, „Asyl in Deutschland in 10 Tagen“ oder „Rettet unsere syrischen Brüder“. Ihre Funktion ist immer dieselbe: Vernetzung und Selbsthilfe der Fliehenden. Die Flucht und das Leid werden dort sichtbar. Sie lassen sich nicht länger verbannen ins Nirgendwo der Türkei, nach Nordafrika oder Südosteuropa.

Als Ende August bei Wien ein Kühllastwagen mit 71 Leichen am Rand der Autobahn gefunden wurde, war das für die europäische Öffentlichkeit ein Schock. Zu sehr hatte man sich schon an die immer neuen Meldungen über Ertrunkene im Mittelmeer gewöhnt, als dass man sich von diesen Nachrichten noch groß verstören ließe. Die Toten an der Autobahn wirkten näher, dichter dran. Und sie warfen ein Schlaglicht auf das Netzwerk der Schleuser und die Infrastruktur der Flucht. Für beides spielt Facebook eine zentrale Rolle.

Seegang, Wetter, Werbung

Die Inhalte der Gruppen, die von hunderttausenden Flüchtlingen genutzt werden, lassen sich auf fünf Themen komprimieren: Menschen, die ertrinken; Menschen, die vermisst werden, „Sinnfreie Posts“, wie Ayhan sie nennt; Posts mit Gebeten und Aufmunterungen. Und Ankömmlinge, die von ihrer neuen Heimat schwärmen. Dann gibt es die organisatorischen Posts: Einträge über den Seegang, das Wetter sowie Fragen nach gefälschten Papieren, Hostels, Reiserouten. Und nicht zuletzt Werbeanzeigen. Nicht die in der Randspalte, sondern gepostet in den Facebook-Verlauf. Denn nicht alle in diesen Gruppen sind auch Flüchtlinge.

„Für alle, die nach Europa reisen wollen“, beginnt ein Eintrag von einem Mann, der sich im sozialen Netzwerk Res Yas nennt. „Die Preise per Flugzeug: Griechenland – Europa (Deutschland, Österreich, Norwegen, Polen, Belgien) > 3.500 Euro. Griechenland – Schweden/Holland 4.000 Euro. Per Auto: Griechenland – Österreich 3.500 Euro; Passport Only: 600; IDs: 200.“ Darunter stehen zwei Telefonnummern, an die man sich bei Interesse wenden soll. Eine mit griechischer Vorwahl für Anrufe, eine türkische Nummer für Whatsapp oder Viber. Es sind keine Angebote für einen Kurzurlaub, es sind Preise für eine Flucht. Die stehen da so selbstverständlich, als gäbe es keine Grenzen, keine Europäische Union und schon gar keine Flughafenkontrollen.

Res Yas verdient sein Geld mit dem europäischen Traum syrischer Kriegsflüchtlinge. Zwei Routen gibt es, die syrische Flüchtlinge in der Regel nehmen, die nach Deutschland kommen, nachdem sie sich in die Türkei retten konnten. Den Afrikaweg – mit dem Flugzeug in den Sudan, dann weiter nach Libyen, von da aus nach Italien. Oder die Westbalkan-Route – mit dem Boot nach Griechenland, von da aus nach Mazedonien, Serbien, Ungarn, Österreich, Deutschland. Angebote wie das von Res Yas gibt es genug. Manche Facebook-Seiten lesen sich wie Kataloge von Reisebüros. Türkei–Griechenland, Griechenland–Deutschland, Mazedonien–Ungarn, Türkei–Italien, Libyen–Italien. Mal reisen Kinder kostenlos, mal gibt es Gruppenrabatte. Flugzeug oder Minivan, Boot oder Jetski. Je nach Route, je nach Kontostand.

Abou Nasser beispielsweise bietet für die Überfahrt von Bodrum auf die griechische Insel Kos vier verschiedene Bootstypen an: „6-Meter-Gummiboot > 850 Euro, 9-Meter-Gummiboot > 1.200 Euro; Motorisiertes Schnellboot > 1.600 Euro; Touring-Yacht – besonders gut geeignet für Familien mit Kindern – 2.200 Euro pro Person“.

Schlepper, die schon länger im Geschäft sind, haben oft einen eigenen Facebook-Auftritt. Das Unternehmen des Palästinensers Adm Ali gilt bei den syrischen Flüchtlingen als eines der unkompliziertesten und vertrauenswürdigsten. Die Kommentare auf seiner Seite lesen sich wie Top-Bewertungen auf einem Tourismusportal. „34 Tage war ich auf der Flucht. Die zwei Stunden auf dem Boot waren die besten der ganzen Reise.“ – „Danke für alles, was du für uns getan hast.“ Als Hintergrundbild hat die Facebook-Seite ein camouflagefarbenes Schlauchboot aus einem Outdoorkatalog, als Profilbild einen grinsenden Dampfer mit Babygesicht. Berufsbezeichnung: Schmuggler. Es sieht zynisch aus und so, als würde Adm Ali sich um internationale Gesetze einen Dreck scheren.

In der Anonymität des Internets fühlen sich die Schlepper unantastbar. Es ist ein Terrain, das es risikofreier und günstiger nie gegeben hat. So nahbar sie scheinen, so unerreichbar sind sie für europäische Behörden. Die Verschiebung des Kundenkontakts ins Netz ist auch eine Sicherheitsmaßnahme für die Schlepper. Zwar hat die europäische Polizeibehörde Europol Anfang Juli die „EU Internet Referral Unit“ gegründet, die dafür zuständig ist, öffentlich zugängliche Internetseiten zu überwachen und nach kriminellen Inhalten wie Terrorismus und Menschenschmuggel zu durchforsten. Diese agiert bislang aber rein analytisch. Im besten Fall werden die Inhalte von den entsprechenden Seiten gelöscht. Verhaften lässt sich anhand von Facebook, Whatsapp und Viber niemand. Chat-Verläufe haben keine Staatsgrenzen und sind für die einzelnen Ermittler auf nationaler Ebene kaum nachzuverfolgen. Es sind zu viele Länder involviert, die Schlepper sind der Gesetzgebung immer einen Schritt weit voraus.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die führenden Bosse gar nicht außerhalb der digitalen Welt bewegen. Den Kontakt zu den Flüchtlingen und das Abkassieren machen bei größeren Organisationen meistens Strohmänner, die für die Schlepperchefs arbeiten. Sie bringen die Kunden zu den Abfahrtsorten, wo sie die Flüchtlinge entweder mit einem GPS in ein Boot setzen, oder auf dem Landweg an sogenannte Driver weitergeben. Diese arbeiten entweder als selbstständige Auftragsfahrer oder sind angestellte Dienstleister. Festgesetzt werden immer nur die kleinen Fische.

Neben mehr Sicherheit bedeuten Facebook und Nachrichtenapps für die Schlepper aber auch logistische Einsparungen. In Ländern mit Internetanschluss brauchen sie nicht einmal mehr die Rekruter, die in Dörfern Klinken putzen, um potenzielle Kunden anzuwerben. Alles, was ein Schlepper des 21. Jahrhunderts benötigt, sind ein Bankkonto bei Western Union und ein paar vertrauenswürdige Kontakte auf dem Schwarzmarkt. Den Rest kann er per Smartphone regeln.

Dass Flüchtlinge via Facebook Kontakt mit ihren Schleppern aufnehmen, ist relativ neu. Ayhan schätzt, dass es das seit etwa fünf Jahren gibt. Seit in Syrien Krieg ist. „Jeder Syrer hatte Internet, jeder hatte Facebook, da war es nur eine logische Konsequenz, dass wir so auch unsere Flucht organisieren.“

Wie ein Anruf im Reisebüro

Facebook dient dem Austausch von Nummern. Schnell werden Interessenten dann auf Nachrichtendienste wie Whatsapp umgeleitet. Selbst für einen deutschen Journalisten ist ein türkischer Schlepper so schnell erreichbar wie ein Mitarbeiter im TUI-Reisebüro. Im Zuge der Recherche haben wir mit fünf Schleppern am Telefon gesprochen, mit weiteren 15 Kontakt über Facebook, Whatsapp und Viber aufgenommen. Die Gespräche laufen immer nach dem gleichen Raster ab.

Hallo, wie geht’s es dir, Bruder? – Hallo, Bruder, gut und selbst? – Danke. Ein Freund hat mir deine Nummer gegeben, er hat gesagt, du kannst mich von Izmir nach Mytilene bringen. – Willkommen, mein Freund. – Was kostet das? – 1.300 Euro. – Wir sind 15 Leute, gibt es dann bessere Preise? – Der Preis ist fest, wie bei einer Schachtel Zigaretten. Das ist eh schon günstig. – Wie groß ist das Boot? – Neun Meter lang, neues Boot, 41 Leute. – Was ist, wenn wir nicht ankommen? – Keine Sorge, Bruder, allein gestern habe ich sechs Boote losgeschickt, alle sind angekommen. – Wo kann ich dich treffen? – Melde dich, wenn du auf dem Basmane-Platz in Izmir bist, mein Mann wird dich dort abholen.

Was nach der Kontaktaufnahme dann auf dem Basmane-Platz oder einem anderen Treffpunkt passiert, schildert Ayhan so: „Um zu bezahlen und die Abfahrtsorte und Zeiten zu bekommen, triffst du den Kontaktmann. Es gibt drei Arten, zu bezahlen. Entweder bar auf die Hand, per Western Union an ein Konto in Afghanistan, Pakistan oder irgendwo anders. Oder auf dem Office.“ Das ist die vertrauenswürdigste Variante. Diese auf Vertrauen basierenden Garantie-Offices sind vor allem im arabischen Raum eine gängige Zahlungsmethode. Dort wird das Geld zurückgelegt, auf das der Schlepper im Idealfall erst zugreift, wenn die Flucht geglückt ist. Sollte die Flucht nicht gelingen, hat der Flüchtende ein Passwort erhalten, mit dem er das Geld zurückerstattet bekommt. Dieses System gibt vielen Geflüchteten ein Minimum an Vertrauen in die Menschen, die von ihrem Leid profitieren, und die unberechenbar sind. Es ist ein wenig Vertrauen, auch wenn Schlepper und Office-Betreiber nicht selten unter einer Decke stecken. Daher bieten einige Schlepper inzwischen sogar Anzahlungsvarianten an: Man zahlt einen Teil vor der Abfahrt, einen zweiten, wenn man angekommen ist. Manchen geben dem Flüchtling für einen festen Preis auch drei Versuche, um an sein Ziel zu kommen.

Das Schlepperwesen funktioniert wie die normale Geschäftswelt, in der es seriöse und weniger seriöse bis kriminelle Unternehmer gibt. Auf dem Schlepper-Markt gibt es „seriöse Kriminelle“, die sich als normale Dienstleister verstehen, die eine Nachfrage bedienen. Und es gibt die „kriminellen Kriminellen“, die nur darauf bedacht sind, möglichst schnell möglichst viel Geld zu machen. Zur Not zum Preis von 71 Toten in einem Kühllaster. Sein Geld mit Menschenleben kann so ziemlich jeder machen, dessen Gewissen es verkraftet, die Flüchtenden auszunehmen.

In mehr als 50 Whatsapp-Nachrichten hat uns ein Syrer mit dem Namen Abu Ali, der Leute aus Athen an ihre Traumreiseziele in Mitteleuropa bringt, bereitwillig erzählt, wie auch wir in seinem Unternehmen zu Geld kommen könnten.

„Schlag auf, wie viel du willst“

Der Chat lief so ab: „Ich bin noch auf Lesbos, ich habe kein Geld mehr. Was kann ich machen wenn ich in diesem Business arbeiten will? – Ich habe nur einen Arbeiter. Ich mag es nicht, wenn viele für mich arbeiten. Willst du für mich arbeiten, will ich dich vorher sehen. – Muss ich keine Angst haben, gefasst zu werden? – Es ist kein Business, in dem man Angst haben muss. Am Anfang gehst du in die Camps und sagst, du hast einen Mann in Athen, der sie mit Flugzeug oder Auto hinbringt, wo sie hinwollen. Dann gibst du ihnen die Preise. Wenn sie fragen, wie der Weg ist, sagst du, dass wir ihnen Papiere besorgen und sie nur ins Flugzeug steigen brauchen. Wenn es nicht klappen sollte, versuchen wir es wieder und wieder. Sie haben eine Garantie. – Was springt für mich heraus? – Wir haben eine Abmachung, du bringst die Leute in den Flughafen, ich bringe sie ins Flugzeug. Ich habe dir die Preise gegeben, du darfst aufschlagen, so viel du willst. Am besten 200 bis 500 Euro. Das darfst du behalten. Es liegt an dir und deiner Cleverness, wie viel Geld du machst. – Wie viele Leute hast du schon rübergebracht? – 39. Jeden Tag bekomme ich 10 Anrufe.“

Die Facebook-Gruppen haben aber nicht nur für Schlepper den Vorteil, dass sie ihre Kontakte viel schneller und effizienter streuen können, sondern geben auch den Flüchtlingen etwas von ihrer verlorenen Handlungsmacht zurück. Als Kollektiv zwingen sie Schlepper dazu, Garantien zu geben und ihr Geschäft transparenter zu betreiben. Wie Reiseanbieter werden Schlepper in den Gruppen bewertet und gelobt. Oder es wird vor ihnen gewarnt. Drei Posts der vergangenen Woche:

Halil Mualla teilt ein Foto von einem dicken Mann mit Sonnenbrille vor einer Yacht: „Das ist Ahmad al-Zarba. Er ist in Izmir. Er hat unser Geld gestohlen, davon kauft er sich Alkohol, Nutten und Drogen, den Rest verspielt er im Casino. Wir schlafen auf der Straße, sind pleite und wissen nicht, wohin. Eine junge Syrerin hat er gefickt und ihr versprochen, dass sie die Erste ist, die er nach Europa bringt. Hier ist seine Telefonnummer, sagt mir, wenn ihr ihn findet, Brüder. Ich werde kommen und mich an dem Mann rächen, der mir alles genommen hat.“

Ein weiterer Post in der Gruppe warnt vor genau solcher Abzocke. Fadi Sham postet: „Sachen, die ihr für die Überfahrt nach Griechenland beachten müsst: 1. Geht nur mit Schleppern, mit denen schon Bekannte gefahren sind, das Geld bei einer dritten vertrauenswürdigen Partei zwischenlagern. 2. Am Point überprüfen, ob der Motor neu ist, genug Benzin im Motor ist und Extra-Kanister vorhanden sind. 3. Niemals mehr als 40 Menschen in einem neun Meter langen Boot. Wenn mehr Leute drin sind, verlasst das Schiff.“ Es sind Tipps, die Menschen das Leben retten können. Und es ist gleichzeitig ein Aufruf zur Selbstbestimmung, ein Aufbäumen gegen das Ausgeliefertsein.

Selbstjustiz der Flüchtlinge

Einen Tag später postet Ali Saaidi ein Foto von drei jungen Männern. Mit Kabelbindern gefesselt sitzen sie am Boden: „Unsere irakischen Brüder haben die drei türkischen Schlepper verhaftet und der Polizei übergeben. Sie wollten 60 Menschen in ein 6-Meter-Schlauchboot stecken.“ Das hatte den Flüchtlingen nicht gepasst, und mit der Gegenwehr hatten die jungen Schlepper wohl nicht gerechnet. Man kann es Zivilcourage nennen – oder Selbstjustiz. Eine, die mittels des Kollektivs da greift, wo die Spielregeln der staatlichen Gesetze längst außer Kraft gesetzt wurden. Wo die Leute die Spielregeln bestimmen, die Boote und Waffen haben.

Das auserkorene Ziel der meisten Syrer, das kann man auch auf Facebook nachlesen, ist Deutschland. Spätestens seit die deutsche Bundesregierung vergangene Woche angekündigt hat, Flüchtlinge, die ihre Fingerabdrücke in Ungarn in das Eurodac-System eingespeist haben, nicht mehr nach dem Dublin-Verfahren abzuschieben. Die Folge im Netz: ein Candystorm syrischer Flüchtlinge für Angela Merkel. „Wir werden unseren Kindern davon erzählen, dass diese Frau Syrien gerettet hat.“ Darüber eine Fotocollage, wie sie nur Baschar al-Assad in seinen besten Tagen bekommen hatte. Merkels Kopf inmitten einer Deutschlandfahne, darunter der Schriftzug: „Wir lieben dich!“

Hamze Nhele, ein junger Syrer, postet aus Berlin: „Guten Morgen, ich bin jetzt in Deutschland, wenn jemand Fragen hat, antworte ich gerne.“ Darunter mehr als 200 Kommentare. Ist es wahr, dass Deutschland abschiebt? – Nein. Wie viel Geld muss ich einplanen, um von der Türkei nach Deutschland zu kommen? – 2.500 bis 3.100 Euro. – Welche Stadt oder welches Bundesland ist am besten? – Ist egal, sie stecken dich dahin, wo sie wollen.

Es geht lange so weiter. Nur eine Frage stellt in dem Thread niemand: Wie viel Geld bekomme ich in Deutschland?

Ayhan, der Übersetzer, sitzt vor dem Laptop und schüttelt den Kopf, während er durch die Seiten klickt. „Einmal noch für diesen Text, danach werde ich diese Seiten aus meinem Leben verbannen“, sagt er. Es ist nur zu verständlich. Einige Tage Recherche auf den Facebook-Seiten gehen nicht spurlos an einem vorüber. Immer wieder Leid, Tod, Verzweiflung. Posts von Ertrinkenden, von Vermissten. Posts von Schmugglern, Bilder von Baby-Leichen, die an die libysche Küste gespült wurden. „Früher habe ich mich gefragt: Warum macht Europa es uns so schwer, hierherzukommen? Dann wurde mir klar: Wenn es so einfach wäre, würde jeder kommen“, sagt Ayhan. „Heute weiß ich: Es kommt trotzdem jeder. So oder so.“

06:00 14.10.2015

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