Bartholomäus von Laffert, Konstantin Nowotny
Ausgabe 0716 | 22.02.2016 | 06:00 36

Pegidas Märchen

Medien Auch wer „Lügenpresse“ schreit, braucht Infos. Was sind das für Portale, die ständig Öl ins Feuer gießen?

Was ist nur aus der guten alten Lügenpresse geworden? „Man kann es kaum glauben, aber es gibt sie noch, die objektive Berichterstattung.“ So lautet ein Facebook-Beitrag der Bewegung. Verlinkt wird auf einen Online-Artikel der Newsseite Metropolico, es geht um eine Pegida-Demonstration vom Oktober 2015. Darin spricht ein anonymer Autor von 25.000 bis 30.000 Demonstrationsteilnehmern. Später stellt das Kollektiv Durchgezählt von der TU Dresden mit wissenschaftlichen Methoden nur 7.500 bis 8.000 Demonstranten fest. Da ist die Erfolgsmeldung aber längst schon draußen – und geglaubt wird der akademischen Initiative, die bei Pegida nur noch „Vollverzählt“ genannt wird, so oder so nicht. Objektiv ist bei Pegida nur, was ins Weltbild passt. Und das tun Onlineportale wie Metropolico, die mit Schlagzeilen wie„Ein Vorgeschmack auf den Bürgerkrieg“ und „Kinderkarneval wegen Terrorangst abgesagt“ auffälig oft die Facebook-Timelines von Pegida und AfD füllen. Was sind das für „Medien“, die für Pegida nicht so lügen wie der Rest?

www.metropolico.org

2012 wurde die Seite als Blu-News (bürgerlich, liberal, konservativ) von Christian Jung gegründet und 2015 in Metropolico umbenannt. Jung war bayrischer Landesvorsitzender der rechtspopulistischen Kleinpartei Die Freiheit. Wegen häufiger Interviews von Politikern wie Beatrix von Storch, Frauke Petry und Alexander Gau-land gilt das Portal als „inoffizielle Parteizeitung der AfD“ (publikative.org). Nachrichten bestehen vor allem aus Schreckensmeldungen über Muslime und AfD-Parteinews, die Kommentare strotzen vor Häme, Polemik, vulgären Beleidigungen und Rechtschreibfehlern. Zugriffe verzeichnet das Portal vor allem von Facebook, PI-News und der Seite des rechtspopulistischen Kopp-Verlags.

200.000 Menschen folgen Pegida auf Facebook, mehr als CDU und SPD zusammen. Die Reichweite der Facebook-Seite liegt damit nur etwas unter der vieler großer Medienhäuser. Neben den Aufrufen zu Demonstrationen gibt es hier auch Nachrichten im Stundentakt: bis zu zehn Meldungen pro Tag, meist ein Mix aus seriösen, aber konservativen bis sensationistischen Medien (Welt, Focus) und „alternativen“ Quellen. Zu Letztgenannten gehören vor allem die Epoch Times Deutschland sowie Metropolico und der islamfeindliche Blog Politically Incorrect. Oft sind die Grenzen zwischen Rechtspopulismus und Verschwörungstheorien fließend, wie auch beim Querfront-Magazin Compact. Es sind Seiten, die mit Hetze gegen Flüchtlinge oder mit verschwurbelten Theorien tausende Klicks und damit Werbeeinnahmen generieren.

Wahrheit schaffen

Dass sich Menschen im Internet schnell zum Publizisten ernennen und ohne seriöse Informationsgrundlage oder Ausbildung schreiben, was sie denken, ist keine Neuheit. Der Unterschied zu PI-News, Epoch Times oder Metropolico besteht darin, dass diese als seriöse Berichterstatter, als vermeintlich objektives Bollwerk gegen die verschworene Systempresse auftreten wollen. Das Tendenziöse und Hetzerische versteckt sich oft zwischen den Zeilen. Es ist der Versuch, sich aus einem selbst geschaffenen Dilemma zu befreien: Einerseits werden gängige deutsche Medien von den Gruppierungen verneint und als „Lügenpresse“ diffamiert, da sich in deren Berichterstattung – abgesehen von ein paar Ausnahmen – nicht die Radikalität der eigenen Linie widerspiegelt. Andererseits gibt es bei der Verneinung der gesamten Presse auch keine glaubwürdige Informationsquelle, mit der man das eigene, „richtige“ Weltbild irgendwie stützen könnte. Ziel ist, den Anschein einer glaubhaften Wahrheit zu erwecken, die vereinbar ist mit der Radikalität. Deshalb wird konventionelles mit rechtem Gedankengut bunt gemischt. „Da kommt der Wunsch nach Seriosität durch: ‚Schaut, hier steht das auch, guck, wir haben recht, wir sind keine Spinner!‘ – so versucht man auch die Unentschlossenen zu überzeugen“, erklärt Professor Stephan Humer, der als Netz-Soziologe seit 2012 auf diesem Gebiet forscht. Die rechtsextremen Seiten greifen die passenden Nachrichten aus der Mainstream-Presse auf und spinnen die Geschichten weiter.

Der Spieß wird umgedreht, indem diese Seiten die volle Wahrheit für sich beanspruchen. Der Vorwurf an die klassischen Medien lautet nicht, falsch zu berichten, sondern wichtige Details auszulassen. Diese Details präsentieren allein die alternativen Medien. Ereignisse wie die Kölner Silvesternacht sind dafür dankbare Katalysatoren.

www.epochtimes.de

Die Epoch Times startete 1999 als US-amerikanische Zeitung für Exil-chinesen, die einen Gegenpol zur Medienzensur der KP bilden wollten. Sie entsprang Falun Gong, einer Bewegung auf Basis der spirituellen Konzentrations- und Meditationstechnik Qi Gong. Falun Gong wird in China stark verfolgt. Manche Beobachter stufen die Bewegung als harmlos, andere als sektenartig bis rassistisch ein. Der deutsche Ableger existiert seit 2005. Neben eigenen Artikeln, zumeist zur Flüchtlingspolitik, publiziert die Epoch auch zahlreiche Übersetzungen von dubiosen Onlineportalen, die Pseudowissenschaften, Esoterik oder Verschwörungstheorien nahestehen. Über 20 Prozent des Datenvolumens der Epoch kommen von Facebook.

Auch die verschwörungstheoretischen Seiten handeln nach diesen Prinzipien: Wahrheit schaffen. Eine eigene Weltsicht auf Grundlage teils obskurer Verschwörungstheorien zusammensetzen. Allerdings sind ihre Ziele längst nicht so durchschaubar wie die der rechten Hetzer. Zentral sind oft Antiimperialismus und das grundsätzliche Hinterfragen von Eliten, mal gesellt sich Antisemitismus, mal Antiamerikanismus dazu. Einig sind sich sowohl die Verschwörer als auch die Rechtspopulisten aber alle in derselben Sache: der Islamophobie. Rechte Ideologien suchten schon immer die einfachen Lösungen in einer hochkomplexen Welt, Verschwörungstheoretiker machen das Gleiche – manchmal mit, manchmal ohne politische Färbung. Gefährlich wird es, wenn sich beide Weltsichten einen gemeinsamen Feind suchen, sich gegenseitig befruchten und sich anschließend als seriöse Nachrichtenquelle verkaufen.

Nach welchen Rastern funktioniert das „journalistische“ Handwerk auf solchen Internetseiten? „Meist enthält eine Meldung einen Funken Wahrheitsgehalt. Davon geht ein Effekt aus. Falschmeldungen gibt es nicht, widerrufen wird nichts. Und irgendwann verselbstständigt sich die Berichterstattung dann so Stille-Post-mäßig, und plötzlich haben wir Flüchtlinge, die Kinder essen“, sagt Humer. „Meldungen werden kettenmäßig aneinandergereiht, scheinbar logische Schlüsse werden gezogen.“ Ein Beispiel hierfür ist die von Pegida am meisten zitierte Website überhaupt, die Epoch Times Deutschland. Der Nachrichtenmix dort spielt vor allem mit Endzeitszenarien: Isolierte Meldungen über Ausländerkriminalität werden gepaart mit Zahlen und Fakten über Flüchtlingsströme. Zum Beispiel die Meldung von einem Iraker, der einen Jungen vergewaltigt, und daneben steht: „Noch 8 bis 10 Millionen Syrer und Iraker unterwegs.“ Die Fakten stimmen häufig, falsche Schlüsse werden nicht gezogen. Das soll der Leser am besten selbst erledigen, damit das seriöse Image nicht beschädigt wird. Weiterhin sieht ein Ökonom die „Einheit Deutschlands“ in Gefahr, und der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew spricht vom „Kalten Krieg“. Die Welt steht kurz vor dem Zusammenbruch, schuld daran sind die Geflüchteten und die Politik Angela Merkels. Positive Berichte lauten zum Beispiel „Fünf lustige Fehltritte der chinesischen Armee“. Darüber hinaus arbeitet Epoch auch viel mit ungeprüften Nachrichten, fehlenden Korrekturen von Falschmeldungen und verdrehten Überschriften. Die Desinformationsspirale wird dann besonders sichtbar, wenn die „alternativen“ Medien anfangen, sich untereinander als Quelle zu nennen. Wie gut dieses Kalkül aufgeht, offenbaren die Kommentarspalten bei Pegida. Aus dem virtuellen Hassfeuer werden auch schnell handfeste Brandsätze auf Flüchtlingsunterkünfte.

Algorithmen helfen

Dass wirkliche Objektivität und Wahrheit dabei auf der Strecke bleiben, ist den Nutzern egal. Sie finden ja Antworten auf ihre Fragen und Bedürfnisse. Artikel, in denen gesagt wird, was nicht gesagt werden darf. Ein schlüssiges Weltbild. Es ist nicht verwunderlich, dass tendenziell langsame Recherche, genaue Prüfung von Quellen oder akademische Methoden gegen eine schnelle, im Zweifelsfall frei erfundene Lösungsmöglichkeit im rasanten Internet ziemlich unattraktiv wirken. Zusätzlich gibt es Algorithmen in den sozialen Netzwerken, die es sehr schwer machen, sich von einem bestimmten Weltbild und einer selektiven Nachrichtenlage wieder zu lösen. Schuld daran ist das Phänomen der Filter Bubble oder Informationsblase: „Das Bedürfnis nach Orientierung treibt die Menschen auf diese Seiten, die Filter Bubble sorgt dafür, dass sie auch wiederkommen“, sagt Stephan Humer. Das Prinzip der Informationsblase funktioniert so: Algorithmen wie die von Facebook oder Youtube bieten dem Konsumenten ständig neue Inhalte basierend auf seinen „Interessen“ an. Diese Interessen werden durch zuvor aufgerufene Inhalte ermittelt. Wenn ein Facebook-User seine einseitigen und verschwörerischen Infos zur Flüchtlingskrise vor allem von der Seite von Pegida erhält, bietet ihm der Algorithmus weitere Informationen auf Basis dieser „Quellen“ an. Quellen mit Headlines wie „Bundesweite Bereicherung durch Rapefugees“ (PI-News).

www.pi-news.net

Seit 2004 gibt es den Blog, der sich hinter seiner „politischen Inkorrektheit“ vor allem als islamfeindlich erweist. Hinter den Pseudonymen der Autoren verstecken sich Gida-Aktivisten wie Bargida-Vorschreier Michael Stürzenberger, der wie Gründer Stefan Herre in der rechtspopulistischen Partei Die Freiheit aktiv ist. Einige Autoren schreiben mittlerweile für das moderatere Metropolico, zum Beispiel Christian Jung. Auffällig ist auch der hasserfüllte, unmoderierte Kommentarbereich. Nach den Breivik-Morden stand dort etwa: „Multikulturalismus ist Völkermord wie der Holocaust, nur subtiler.“ Der Verfassungsschutz beobachtet PI nicht, hat die Seite aber trotzdem „auf dem Schirm.“

85.000 Menschen besuchen täglich die Internetseite von PI-News, tausende weitere tummeln sich auf ähnlichen Portalen. Tausende Menschen, die in einer schleichend konstruierten Parallelwelt leben, aus der sie nur schwer zurückzuholen sind. Wenn es den etablierten Medien nicht gelingt, das verloren gegangene Vertrauen zurückzuholen, droht sich die Utopie von Pegida und Konsorten zu bewahrheiten. Für rechte Bewegungen waren sie schon immer attraktiv: reine Propagandamedien, die mit Selektion und Fantasie ein Weltbild konstruieren, anstatt zu versuchen, die Wahrheit zu finden.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 07/16.

Kommentare (36)

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Ehemaliger Nutzer 22.02.2016 | 08:54

Sie haben recht: vor den aufgeführten Seiten sollte gewarnt werden. Allerdings sollte grundsätzlich jede Information geprüft werden, denn in jedem Informationsmedium steht (mehr oder weniger) Wahrheit neben Lüge und gefärbte Information neben halbwegs objektiver Information. Das Phänomen, dass bestimmte ideologische Einstellungen von bestimmten, entsprechend orientierten Kanälen bedient werden ist nun gewiss nicht neu. Und daher liegt für mich der Informationsgewinn dieses Artikels auch einzig in den Hintergrundinformationen zu den genannten Internetportalen. (Und das ist leider nicht viel).

Was den Artikle aber für mich anrüchig macht ist die Verwendung des Kampf- und Verwirrungsbegriffes "Verschwörungstheorie". Dieser Begriff ist in sich falsch (denn damit wird nicht eine wissenschaftliche Theoriebildung gemeint, sondern eine Spinnerei - warum also nicht Klartext reden?) und wird immer nur im Sinne einer Meinungs- und Diskursmanipulation gebraucht:

Verschwörungstheorie -> Indiskutabel

Liebe Freitagsredaktion: machen Sie den aufklärerischen Vorreiter unter den Medienhäusern und hören Sie auf diesen nur agitatorisch verwendeten Begriff zu verwenden.

Richard Zietz 22.02.2016 | 09:53

Kurz gesagt hat der Artikel zwei Mankos: a) ist er nicht objektiv, sondern – im Sinn der offen favorisierten Mainstreammedien – parteiisch. b) ist die Blickwarte auf die sogenannten Alternativmedien eine völlig unhistorische. Der erste Punkt ist erkennbar durch das Schwingen bestimmter Keulen – hier vor allem des Vorwurfs »Verschwörungstheoretiker«. Dass dieser Begriff nicht mehr ist als ein Kampfbegriff (und insofern durchaus vergleichbar mit dem »Lügenpresse« der Pegida-Anhänger(innen), ergibt sich aus der undifferenzierten, bewußt im Unklaren gelassenen Verwendung. Wer oder was ist ein Verschwörungstheoretiker? Jemand, der Zweifel hegt an der Tatsache, dass H. L. Ozwald allein auf Kennedy geschossen hat und bei dieser Gelegenheit auf unterschiedliche, bis heute nicht geklärte Fakten hinweist wie Zeugenaussagen, ballistische Ergebnisse und so weiter? Jemand, der der Überzeugung ist, dass das Finanzamt es nicht gut mit ihm meint und ihn eventuell über den Tisch zieht? Oder ist das einfach jemand, der kleine Kinder frißt?

Um dem zweiten Punkt gerecht zu werden, müßte man fairerweise sagen, dass die vorgeblich immer objektiven, neutralen Leitmedien schon früher nicht objektiv und neutral waren. In dem Fall stieße man auf das Phänomen einer früheren Generation von Alternativmedien – angefangen von den Publikationen der »68er« über diverse Periodika der damaligen Jugendsubkultur bis hin zur Stadt- und Bürgerberichterstattungszeitung der 70er – ein enger Wegbegleiter übrigens der Anti-AKW-Bewegung, aus der später die Grünen hervorgingen. Lynch-Aufrufe damaliger Mainstream-Medien (BILD) oder Beifall für den Versuch, einem orientalischen Despoten die Straße freizuprügeln, gelten – nebenbei bemerkt – mittlerweile selbst in der offiziellen Mainstream-Historie nicht als »objektiv«, sondern vielmehr als Überreaktionen der seinerzeitigen Ära. Falls mich mein politisches Infogedächtnis nicht im Stich lässt, hat sich sogar BILD zwischenzeitlich entschuldigt.

Fazit: Opposition + Deckelung in Leitmedien = ergibt automatisch Alternativmedien. Manche dieser Alternativmedien werden später selber zu Leitmedien – beispielsweise die taz, bei deren Veranstaltungen mitunter auch Herausgeber und Redakteure dieser werten Zeitung auftreten. Hätte man die Chose aus diesem etwas weiteren Blickwinkel heraus aufgezäumt, ergäbe der Beitrag einen Sinn. In der vorliegenden Form jedoch ist er einfach unaufklärerisch, PR-machend im Sinn der Leitmedien, die sich (zu Recht) in einer Krise befinden und wird auch den Betrachtungsgegenständen (die man für ihre Ausrichtung durchaus kritisieren kann) allenfalls so gerecht wie ein Bericht des Verfassungsschutzes.

Moorleiche 22.02.2016 | 10:26

Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen.

Der Begriff Verschwörungstheorie – oder eine tatsächliche oder vermutete Nähe zu einer solchen – wird nicht selten benutzt und via Assoziationen jemanden zu diskreditieren. Inzwischen haben einige den Spieß einfach umgedreht und erklären ihrerseits die „Systempresse“, „Lügenpresse“ usw. zu den wahren Verschwörungstheoretikern.

Vielleicht sollte man, statt sich das wechselseitig in die Schuhe zu schieben mal grundsätzlich klären, was eine Verschwörungstheorie oder Verschwörungstheoretiker eigentlich auszeichnet, woran man diese und jene erkennt.

Kriterien wie diese - Auch die verschwörungstheoretischen Seiten handeln nach diesen Prinzipien: Wahrheit schaffen. Eine eigene Weltsicht auf Grundlage teils obskurer Verschwörungstheorien zusammensetzen. Allerdings sind ihre Ziele längst nicht so durchschaubar wie die der rechten Hetzer. Zentral sind oft Antiimperialismus und das grundsätzliche Hinterfragen von Eliten, mal gesellt sich Antisemitismus, mal Antiamerikanismus dazu. Einig sind sich sowohl die Verschwörer als auch die Rechtspopulisten aber alle in derselben Sache: der Islamophobie.“ - erscheinen mir nicht hilfreich.

Eine Verschwörungstheorie erkennt man daran, dass sie „ [e]ine eigene Weltsicht auf Grundlage teils obskurer Verschwörungstheorien“ zusammensetzt? Das ist etwas zirkulär. Nein, man darf keine inhaltlichen Kriterien angeben, denn diese sind beliebig austauschbar, sondern muss formale Kriterien darstellen.

Es ist ja nicht so, dass jemandem a priori die Deutungshoheit zukommt, aber sie sich wechselseitig abzusprechen, ist das, was aktuell getan wird. Am Ende findet dann jeder wieder seine ohnehin schon favorisierten Deuter besser und die Vereinfacher haben den Vorteil der scheinbar augenfälligeren Plausibilität.

Nach welchen Rastern funktioniert das „journalistische“ Handwerk auf solchen Internetseiten? „Meist enthält eine Meldung einen Funken Wahrheitsgehalt. Davon geht ein Effekt aus.“

Das ist schon treffender. Es wird auch auf Emotionen gesetzt, genauer, auch die Verknüpfung solcher. Pars pro toto werden Einzelfälle generalisiert. Machen leider beide Seite. Alle Flüchtlinge sind dann Terroristen und/oder Vergewaltiger, alle Ostdeutschen oder Deutschen sind Nazis – die anderen sind naive Gutmenschen – und jämmerlich ist es, dass im Freitag Artikel in Serie veröffentlicht wurden, in denen es hieß, dass der westliche Mann entweder ein Sexist oder Rassist, wenn nicht beides sei. Empfindlich und feinfühlig in eigener Sache, grobschlächtig und mit dem Feingefühl einer Planierraupe ausgestattet, wenn's um den Feind geht, auch das ist der Stoff, aus dem Verschwörungstheorien sind. Distanzierungen und Korrekturen? Bislang Fehlanzeige. Damit macht man sich unglaubwürdig oder bedient eben einfach sein Klientel. Aber was gibt einem dann noch das Recht, genau das anderen vorzuwerfen?

Falschmeldungen gibt es nicht, widerrufen wird nichts.“

Gelle?

Dass wirkliche Objektivität und Wahrheit dabei auf der Strecke bleiben, ist den Nutzern egal. Sie finden ja Antworten auf ihre Fragen und Bedürfnisse. Artikel, in denen gesagt wird, was nicht gesagt werden darf. Ein schlüssiges Weltbild.“

Eben, es ist schlüssig. Aber was ist falsch daran, wenn ein Weltbild schlüssig ist? Erst mal nix, das ist das Problem. Es ist eine mögliche Deutung, vielleicht auf niedrigem Niveau, aber woran genau erkenne ich das? Das müsste gezeigt werden und wird nicht gezeigt.

Dann die Sache mit der Wahrheit. Ich Mörderthema, ich weiß. Aber zur selben gehört es darüber zu informieren, dass es mindestens ein halbes Dutzend Wahrheitstheorien gibt und man sich eben nicht so einfach drauf einigen kann, was Wahrheit ist. Kucksdu: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit#Schematischer_.C3.9Cberblick

Und darunter sind drei dicke, große, die alle ernst zu nehmen sind, nämlich die Korrespondenztheorie, die Konsenstheorie und die Kohärenztheorie der Wahrheit. Es würde mir zu denken geben, dass sich Philosophen bis heute daran die Zähne ausbeißen, aber – sorry – jeder Spacko wie selbstverständlich zu wissen glaubt, was Wahrheit ist. Wahrheit ebenb, wenn etwas stimmt, also richtig und nicht falsch ist. Weiß man doch, oder? Ein schöner Reigen an Floskeln die inhaltlich leer und bedeutungslos sind.

Was macht Verschwörungstheorien eigentlich so attraktiv, auch das könnte man erläutern. Das etwas einfach ist, besagt ja erst mal nichts.

So, jetzt hört auf zu weinen und macht mal ernst mit der Darstellung klarer Kriterien und zeigt auf, was es bedeutet, wenn dies ggf. nicht zur Verfügung stehen.

Richard Zietz 22.02.2016 | 12:16

»Nach welchen Rastern funktioniert das ›journalistische‹ Handwerk auf solchen Internetseiten? ›Meist enthält eine Meldung einen Funken Wahrheitsgehalt. Davon geht ein Effekt aus.‹«

Ich teile Ihre Einschätzungen zu dem Punkt so weit. Darüber hinaus würde ich zugunsten der konventionellen Leitmedien sogar einen Schritt weiter gehen und die These aufstellen: Ohne den Informationsservice von FAZ, heute, tagesschau, Spiegel/SPON, Zeit und so weiter und so fort würden alternative Medien hohldrehen beziehungsweise auf dem Niveau von Vereinsblättchen agieren. Allerdings ist das kein Positionierungsproblem oder eines der schlechten Absicht, sondern vielmehr eine Folge der gängigen Marktaufteilung – konkret: wer bei den wesentlichen Nachrichten am Drücker sitzt beziehungsweise der »Gatekeeper« ist. In Deutschland sind das vor allem die großen Agenturen – insbesondere dpa und Reuters (wobei bei den Etablierten immer noch ein mehr oder weniger großer Anteil Eigenrecherche hinzukommt).

Verfahrenstechnisch bedeutet dies, dass News wie zum Beispiel diese dpa-Meldung zwei Filter Bubbles durchlaufen: die der Agentur und die von Zeitung X, Nachrichtenmagazin Y oder TV-Nachrichten Z. Der Trugschluss nunmehr ist der, dass X, Y und Z (ebenso wie die Agentur) ihren Nachrichtenmix als »objektiv« verkaufen – obwohl die jeweiligen Medien teils selbst klar artikulieren, dass sie bestimmten weltanschaulichen und/oder politischen Richtungen nahestehen. Anders gesagt: Würden SPON, ARD, FAZ etcetera pepe offen dazu stehen, dass Sie ihrer Leserschaft eine bestimmte Weltsicht mitverkaufen wollen, wäre die Situation möglicherweise eine viel entspanntere.

Selbstverständlich wird darüber hinaus niemand, der noch alle beisammen hat, das handwerklich professionelle Niveau der Medien-Professionals in Frage stellen. Allerdings: Wie man in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart wieder und wieder sieht: Hohe Standards sind letztlich keine Garantie dafür, quasi wider Willen für eine bestimmte Sichtweise vereinnahmt zu werden. Wie der Artikel so schön aufführt: Notfalls werden unpässliche News halt hintangestellt, unterschlagen, nach Gusto in einen bestimmten Kontext gestellt oder notfalls via kommentierender Wertung dem Publikum vermittelt.

Neu ist das alles nicht. Peinlich nur, wenn wieder einmal der eigene »Objektivitäts«-Heiligenschein herausgeputzt wird.

Heinz Lambarth 22.02.2016 | 19:20

So, so "gängige deutsche Medien" sind also ein garant für "objektivität" - was immer das sein soll...!?

Vielleicht wäre hier etwas mehr demut angebracht. Vor ca. eineinhalb jahren hat der runfunkbeirat des mdr den gleichnahmigen sender in puncto ukraine/russland-bericht erstattung parteilichkeit zugunsten des westens und der ukraine vorgeworfen - und die vorwürfe wurden bestätigt. Woher kommt es also, dass "gängige deutsche Medien" offenbar bereitwillig die unwahrheit berichten?

Nein, wahrscheinlich wird das nicht von "oben" angeordnet, es sind vielmehr die journalisten/innen selbst, die eine "schere im kopf" haben. Und zwar aus zweierlei gründen: a) weil sie selbst zu schlecht ausgebildet sind, um die regierungsoffizielle propaganda durchschauen und kritisieren zu können; und b) weil sie karriere machen wollen und müssen - da ist es eher schädlich, sich mit dem CvD anzulegen.

Fazit: die bezeichnung als "lügenpresse" haben sich die "gängigen deutschen Medien" selbst eingehandelt - und jetzt ist es verdammt schwer, dieses image wieder los zu werden.

M. Groß 22.02.2016 | 21:34

Es ist Ihnen mit diesem Artikel nicht gelungen den Vorwurf der Lügenpresse zu entkräften. Stattdessen unterstellen Sie Metropolico eine falsche Darstellung. Fakt ist, dass Sie sich auf die 1jährige Pegida-Geburtstagsfeier im Oktober beziehen. Fakt ist auch, dass "durchgezählt" umstritten ist. Absoluter Fakt ist, dass die Gruppe selbst bekannt gab, an diesem Tag nur grobe Schätzungen durchgeführt haben zu können, da Pegida nicht "spazierte". Somit war die sonst übliche Videoauswertung nicht möglich. Verschwiegen haben Sie auch, dass "durchgezählt" die Zahl der Gegendemonstranten für diesen Tag genauso hoch angibt und das ist für Beobachter lächerlich. Wer die ZDF-Bilder des Menschenmeeres gesehen hat, in der Liveübertragung dass akustische Echo der Sprechchöre, die fußballstadionartige Zeitverzögerung des Widerhalls hörte und die Ausfüllung des Theaterplatzes mit z.B,. der Ausfüllung des Theaterplatzes bei Deichkind, wo angeblich 4-5000 Leute waren, vergleicht, weiß, dass hier 30000-40000 Menschen am Start waren. Übrigens: die DDR hätte sich über "durchgezählt" gefreut. Die hätten damals gesagt, "dass sind nur 39500 in Leipzig - das ist nur 0,25% der Bevölkerung - ihr seid nicht das Volk", aber so perfide war nicht einmal die DDR.

Robinson Kruse 23.02.2016 | 03:55

Was macht Verschwörungstheorien eigentlich so attraktiv, auch das könnte man erläutern.


Das ist sicher ein Thema, dass zu wenig beleuchtet wird, denn es geht meiner Ansicht nach nicht nur um Meinungsbildung oder Medienkompetenz.

Verschwörungstheoretiker erleben sich als Opfer der Verhältnisse. Die Selbststilisierung als Opfer bietet den Vorteil, dass Menschen das Gefühl haben, in der Kommunikation mit anderen immer Recht zu behalten, welche Argumente auch von der Gegenseite auch gebracht werden. Ebenso bietet es die Möglichkeit, Zusammenhänge herzustellen, die es nicht gibt, Regeln der Logik außer Kraft zu setzen und auf gesellschaftliche Empfindlichkeiten, nach dem Motto "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert", keine Rücksicht zu nehmen.
Das macht es auch so schwierig mit Mitgliedern der Pegida etc. zu diskutieren. Da sich die Menschen als machtvoll erleben, wenn sie aktiv werden, bleibt ihnen ihre Selbststilisierung als Opfer, die eigentlich Quelle ihrer Kraft ist, falls es sich nicht um aktive Demagogen handelt, selbst oft unbewußt. Diese Opferhaltung ist anfällig dafür, durch Manipulation der aktiven Demagogen in eine Täterrolle verwandelt zu werden. ( Scham über die eigene Hilflosigkeit wird durch Stolz auf ein Sein ersetzt, z. B. Deutscher zu sein, oder Vertreter des Christlichen Abendlandes. Die Gruppenzugehörigkeit vermittelt Stärke ). Aus dem Grunde war die bewährte "Nazikeule" lange Zeit Mittel der Wahl, wenn es darum ging, faschistische Tendenzen in Schach zu halten, wird aber heute, mit zunehmender Verunsicherung über den Zustand der Welt in Teilen der Bevölkerung, verstärkt mit mit dem Vorwurf der "Lügenpresse", der den Medien gilt, einer populären Form der Selbststilisierung als Opfer, abgewehrt. Ziel ist, eine romantische Vorstellung von der Welt in der Realität zu implementieren, das Recht darauf, dass alles so bleibt, wie es ist.

Moorleiche 23.02.2016 | 08:17

Hallo Robinson Kruse.

Verschwörungstheoretiker erleben sich als Opfer der Verhältnisse. Die Selbststilisierung als Opfer bietet den Vorteil, dass Menschen das Gefühl haben, in der Kommunikation mit anderen immer Recht zu behalten, welche Argumente auch von der Gegenseite auch gebracht werden.“

Ja, als Opfer und oft auch, als die eigentlich verkannten „Guten“. Der Mainstream denkt zwar, ich sei ein Böser, aber später wird man mir mal dankbar sein. Das heimliche Gefühl der Überlegenheit, trotz oder gerade wegen des Widerspruchs, ist ein häufig zu findendes Element.

Ebenso bietet es die Möglichkeit, Zusammenhänge herzustellen, die es nicht gibt, Regeln der Logik außer Kraft zu setzen und auf gesellschaftliche Empfindlichkeiten, nach dem Motto "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert", keine Rücksicht zu nehmen.“

Es ist oft eine eigene Logik, die von Robert Robins und Jerrold Post in „Die Psychologie des Terrors“ als „Palöologik“ bezeichnet wird und im Grunde das Verallgemeinern bestimmter Eigenschaften eines Elements einer Klasse, auf alle Mitglieder der Klasse meint. Trägt ein Täter einen Bart, sind danach alle Bartträger gefährlich.

Ich glaube, lediglich Opfer zu sein, ist gar nicht so populär. Das hat sicher mal gegolten – und gilt für bestimmten Typen noch heute – aber seit „Du Opfer“ ein verächtlich machendes Schimpfwort ist, ist das gerade in jenen Kreisen eher ein rhetorischer Kniff, über den man noch einiges sagen könnte, aber kein wünschenswertes Grundgefühl im Selbsterleben. Du hast ja selbst die Ersetzung durch Stolz erwähnt, die ja im Grunde schon eine Kompensation ist.

Hier eine schöne Darstellung der Hintergründe von Verschwörungstheorien.

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Ehemaliger Nutzer 23.02.2016 | 08:34

"Woher kommt es also, dass "gängige deutsche Medien" offenbar bereitwillig die unwahrheit berichten?"

Nein, die Wahrheit ist leider viel dramatischer und wird natürlich als "Verschwörungstheorie" in die dunkel Ecke gestellt: das Kapital sorgt über die gängigen Mechanismen des Protegierens, der Selektion, Netzwerke und Seilschaften dafür, dass die ausschlaggebenden Stellen auf bald allen Ebenen von "geeigneten" Personen besetzt sind. Das System sorgt nicht nur dafür, dass das rechte Personal ausgelesen wird, sondern identifiziert auch laufend die relevanten, zu besetzenden Positionen neu. So kommen nicht nur "feindliche" Einflussgrößen auf die Abschussliste (wie zB die "Nachdenkseiten", sie "Querfrontstudie" von OBS oder siehe hier: http://www.nachdenkseiten.de/?p=28652)

sondern es werden natürlich parallel Versuche unternommen, solche Einflußgrößen zu übernehmen (Beispiele sind die Einflußnahme etwa auf Wikipedia (zB die dortige Verunglimpfung etwa eines Dr. Daniele Ganser) oder etwa die Instrumentalisierung von NGOs).

Diese Zusammenhänge werden unsichtbar gemacht (siehe etwa "Warum schweigen die Lämmer?" von Prof. Dr. Mausfeld) unter anderem durch Diffamierung ("Verschwörungstheorie!") oder auch durch Vernebelung, etwa in dem man die Beobachtung solcher Phänomene völlig zerredet. Diese Methode ist heutzutage sehr effektiv und nützlich, da jederzeit gesagt werden kann: "Da wird doch nichts verleugnet, wir reden doch darüber." aber im Endeffekt bleibt vom Skandal nur noch eine Wortwolke übrig.

Nochmal: wer etwa den Begriff "Verschwörungstheorie" gebraucht ohne auf dessen Manipulationsfunktion hinzuweisen, arbeitet an der Manipulation mit!

apatit 23.02.2016 | 09:06

"Lynch-Aufrufe damaliger Mainstream-Medien (BILD) oder Beifall für den Versuch, einem orientalischen Despoten die Straße freizuprügeln, gelten – nebenbei bemerkt – mittlerweile selbst in der offiziellen Mainstream-Historie nicht als »objektiv«, sondern vielmehr als Überreaktionen der seinerzeitigen Ära. Falls mich mein politisches Infogedächtnis nicht im Stich lässt, hat sich sogar BILD zwischenzeitlich entschuldigt."

WER hat die B.Zeitung ... na-ja? ... von CIA finanziert! Noch Fragen?

Grundgütiger 23.02.2016 | 09:30

Ist so ähnlich wie bei den Astrologen, die Sterne lügen auch nicht.

Spaß beiseite. Die Ergebnisse von Pegiden werden nicht gelogen sein. Mord und Totschlag. Das haben wir nämlich bald.

Mit welcher Verschwörungstheorie, ist mir eigentlich egal.

Die unzufriedenen Kleinbürger haben die Nazis gross gemacht.

Und bei denen kommt´s dann auf eine Lüge mehr oder weniger nicht mehr an.

hrp halle 23.02.2016 | 09:49

„Leitmedien“ wechseln oder vielleicht doch selbst denken?

Herr Zietz geht von einem falschen Verständnis von "Objektivität" aus. Autoren in Presse und Publizistik können allein schon deshalb nicht "objektiv" sein, weil sie als recherchierende und schreibende Menschen ja immer Subjekte, also subjektiv sind: Sie stellen ihre Fragen, sie suchen ihre Quellen, sie fassen ihre Erkenntnisse zusammen. Sie sind ja sozialisierte, denkende Individuen. Und sie wissen das auch. Was sie machen sollten und machen, wenn sie seriös sind: Sie sollten ihre Quellen prüfen, sie sollten nicht allein einer Quelle vertrauen, sie sollten sich ihrer eigenen Subjektivität bewusst sein und kritisch hinterfragen. Sie sollten dem Leser die Chance geben, zu unterscheiden, was die sauber recherchierte Nachricht ist, sie sollte vor allem wahr sein, und was ihre eigene Position ist, ihre Meinung, die sie auch äußern dürfen. Von mir aus auch parteiisch, wenn es trotzdem argumentiert ist.

Es gibt bei den beschimpften „Leitmedien“ genügend Journalisten und Autoren, die das leisten. Die Autoren dieses Beitrages gehören dazu, sie haben recherchiert und berichten Tatsachen. Sie halten mit ihrer Meinung nicht hinter den Berg, sie sind parteiisch – für guten Journalismus. Wir können Ihre Quellen prüfen, ich habe das für mich schon vor längerer Zeit getan, und uns dann unsere eigene Meinung bilden. Meine liegt nicht weit entfernt von der des Beitrages.

Lieber Herr Zietz: „Mainstream-Medien“ gibt es nicht per se, ebenso wenig wie „Leitmedien“. Sie werden dazu auch nicht nur durch böse Verschwörer gemacht, oder das bekannte Kartell von Wirtschaft, Politik und Medienmogulen, das es zweifellos gibt. Sondern auch durch Sie/und, wenn wir uns leiten lassen und uns abgewöhnen, uns selbst unsere MEINUNG zu bilden. Irgendwelche „alternativen“ Medien allein schon aufgrund des Labels „Opposition“ in den Rang von „objektiv“ zu heben, bedeutet doch nur, die „Leitmedien“, die man nicht mehr lieb hat, durch diese neue zu ersetzen, denen man dann genau so meinungslos hinterher läuft.

hrp halle 23.02.2016 | 09:49

„Leitmedien“ wechseln oder vielleicht doch selbst denken?

Herr Zietz geht von einem falschen Verständnis von "Objektivität" aus. Autoren in Presse und Publizistik können allein schon deshalb nicht "objektiv" sein, weil sie als recherchierende und schreibende Menschen ja immer Subjekte, also subjektiv sind: Sie stellen ihre Fragen, sie suchen ihre Quellen, sie fassen ihre Erkenntnisse zusammen. Sie sind ja sozialisierte, denkende Individuen. Und sie wissen das auch. Was sie machen sollten und machen, wenn sie seriös sind: Sie sollten ihre Quellen prüfen, sie sollten nicht allein einer Quelle vertrauen, sie sollten sich ihrer eigenen Subjektivität bewusst sein und kritisch hinterfragen. Sie sollten dem Leser die Chance geben, zu unterscheiden, was die sauber recherchierte Nachricht ist, sie sollte vor allem wahr sein, und was ihre eigene Position ist, ihre Meinung, die sie auch äußern dürfen. Von mir aus auch parteiisch, wenn es trotzdem argumentiert ist.

Es gibt bei den beschimpften „Leitmedien“ genügend Journalisten und Autoren, die das leisten. Die Autoren dieses Beitrages gehören dazu, sie haben recherchiert und berichten Tatsachen. Sie halten mit ihrer Meinung nicht hinter den Berg, sie sind parteiisch – für guten Journalismus. Wir können Ihre Quellen prüfen, ich habe das für mich schon vor längerer Zeit getan, und uns dann unsere eigene Meinung bilden. Meine liegt nicht weit entfernt von der des Beitrages.

Lieber Herr Zietz: „Mainstream-Medien“ gibt es nicht per se, ebenso wenig wie „Leitmedien“. Sie werden dazu auch nicht nur durch böse Verschwörer gemacht, oder das bekannte Kartell von Wirtschaft, Politik und Medienmogulen, das es zweifellos gibt. Sondern auch durch Sie/und, wenn wir uns leiten lassen und uns abgewöhnen, uns selbst unsere MEINUNG zu bilden. Irgendwelche „alternativen“ Medien allein schon aufgrund des Labels „Opposition“ in den Rang von „objektiv“ zu heben, bedeutet doch nur, die „Leitmedien“, die man nicht mehr lieb hat, durch diese neue zu ersetzen, denen man dann genau so meinungslos hinterher läuft.

Konstantin Nowotny 23.02.2016 | 10:44

Liebe Kommentatoren, vielen Dank für die vielen inspirierenden Anmerkungen. Das Thema wird uns sicher so schnell nicht verlassen und es ist immer gut, aus konstruktiver Kritik neue Betrachtungsweisen schöpfen zu können.

Ich möchte dennoch einen Schwerpunkt deutlich machen, der bei vielen vielleicht übersehen wurde: In keinster Weise haben wir als Autoren im Artikel behauptet, dass die "Leitmedien", die "Etablierten" oder wie auch immer sie die größeren bis großen Medienhäuser nennen möchten, frei von Fehlern sind. Ich denke, jeder Journalist weiß um die Unmöglichkeit von Objkektivität oder gar Wahrheit. Dennoch geht es uns vor allem um den letzten Satz, um den unternommenen Versuch. Denn diesen können wir bei den genannten Beispielen der Alternativmedien nicht erkennen, wohl aber hin und wieder bei den "Großen", die zumindest ab und zu eine Falschmeldung korrigieren oder kritisch kommentieren – und zwar von allen möglichen Seiten. Sicher sind da auch Kommentare dabei, die uns aufstoßen, aber wir sind froh, dass es sie gibt.

Ganz sicher wollten wir nicht eine von-oben-herab-Perspektive einnehmen und uns mit unserem vermeintlichen Besser-Sein selbstbeweihräuchern. Das allein schon deshalb nicht, weil auch über dieser Seite schließlich "Das Meinungsmedium" steht.

Das gleiche gilt im Übrigen für "Durchgezählt": Sicher sind auch deren Methoden anfällig für Fehler. Aber es wird wenigstens der Versuch unternommen, ein nachvollziehbares und wissenschaftlichesVerfahren zur Schätzung zu nutzen. Diesen Versuch können wir – auch hier – bei den "Schätzungen" von Pegida beispielsweise nicht erkennen. Die Zahlen dort sind Bauchgefühlzahlen und daher nicht allzu weit weg von "frei erfunden".

Und mit Bauchgefühl Berichterstattung zu betreiben, dass ist unserer Meinung nach brandgefährlich und führt letztendlich zu so verachtenswerten Auswüchsen des Rassismus, wie sie nun leider insbesondere in Sachsen drohen, zur Tagesordnung zu werden.

Moorleiche 23.02.2016 | 11:49

Hallo KurzeFrage.

Nein, die Wahrheit ist leider viel dramatischer und wird natürlich als "Verschwörungstheorie" in die dunkel Ecke gestellt: das Kapital sorgt über die gängigen Mechanismen des Protegierens, der Selektion, Netzwerke und Seilschaften dafür, dass die ausschlaggebenden Stellen auf bald allen Ebenen von "geeigneten" Personen besetzt sind.“

So wahnsinnig verschwörtungstheoretisch finde ich das jetzt gar nicht. Setzt für Kapital Quote ein und Du bist bei der Kritik von Herles. In meinen Augen ist das nur ein Teil des Ganzen, den ich nicht verabsolutieren würde, aber ein korrekter.

Nochmal: wer etwa den Begriff "Verschwörungstheorie" gebraucht ohne auf dessen Manipulationsfunktion hinzuweisen, arbeitet an der Manipulation mit!“

Ja, aber: Es ist richtig, dass die Bezeichnung Verschwörungstheoretiker inzwischen benutzt wird um andere zu diskreditieren. Der Umkehrschluss, dass es deshalb keine Verschwörungstheorien gäbe, ist jedoch nicht richtig. Es gibt sie, man muss sie nur erkennen.

Moorleiche 23.02.2016 | 12:28

Hallo Konstantin Nowotny.

Ganz sicher wollten wir nicht eine von-oben-herab-Perspektive einnehmen und uns mit unserem vermeintlichen Besser-Sein selbstbeweihräuchern. Das allein schon deshalb nicht, weil auch über dieser Seite schließlich "Das Meinungsmedium" steht.“

Ich finde es an sich schon immer schön, wenn die Autoren mitschreiben, da auch dies eine Seite des Freitag ausmacht und ich diesen Ansatz unterstützenswert finde.

Die logisch-rhetorische Figur die man bei Verschwörungstheorien immer findet, ist die petitio principii. Die These oder Prämisse wird in (in sprachlich abgewandelter Form) in der Begründung oder Konklusion der Prämisse/These einfach wiederholt. Wiki ist da ganz okay: https://de.wikipedia.org/wiki/Petitio_principii

Das entspricht sehr weitgehend den geschlossenen und paranoiden Weltbildern der in der Beschreibung der Psychologie. Paranoia ist nicht Wahnsinn, nicht (nur) paranoide Schizophrenie, sondern eine generell misstrauische Einstellung, die auch nichtpsychotische und sogar gesunde Formen kennt. Man weiß schon vorher, was am Ende rauskommt:

"Der Wissenschaftler stellt eine Theorie auf und versucht zu erforschen, was für und was gegen sie spricht, wertet die Ergebnisse am Ende aus und sieht seine Theorie dann verifiziert oder falsifiziert.

Der Verschwörungstheoretiker weiß bereits am Anfang, was am Ende als Ergebnis heraus kommt, er sortiert sich die Fakten so zurecht, dass sie am Ende ins bereits fertige Bild passen."

(Quelle: http://www.psyheu.de/7201/verschwoerungstheorien/view-all/ )

Der Inhalt ist dabei gleichgültig aber dadurch und über die moralische Entwicklung, wie sie vor allem, aber keinesfalls nur Lawrence Kohlberg dargestellt hat ( https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlbergs_Theorie_der_Moralentwicklung#Die_Stufen_des_Moralbewusstseins ), kann man auch den an sich ja merkwürdigen Umstand erklären, warum die Extreme sich berühren, warum es Querfront-Phänomene immer gab und geben wird und wie es sein kann, dass jemand problemlos vom Nazi zum Linkssextremen wird und umgekehrt. Hier müsste linksliberale Autoren allerdings ab und an mal über ihren Schatten springen, weil Hierachien explizit zu formulieren und anzuerkennen nicht immer ihre Stärke ist, aber da vor allem auch Habermas mit Kohlberg in engem Austausch stand, dürfte das kein prinzipielles Problem sein, sondern eher einem Bauchgefühl entspringen und „mit Bauchgefühl Berichterstattung zu betreiben, dass ist unserer Meinung nach brandgefährlich und führt letztendlich zu so verachtenswerten Auswüchsen“. ;-)

Robinson Kruse 23.02.2016 | 14:33

Hallo Moorleiche,

"Ich glaube, lediglich Opfer zu sein, ist gar nicht so populär. Das hat sicher mal gegolten – und gilt für bestimmten Typen noch heute – aber seit „Du Opfer“ ein verächtlich machendes Schimpfwort ist, ist das gerade in jenen Kreisen eher ein rhetorischer Kniff, über den man noch einiges sagen könnte, aber kein wünschenswertes Grundgefühl im Selbsterleben. Du hast ja selbst die Ersetzung durch Stolz erwähnt, die ja im Grunde schon eine Kompensation ist."

Ich habe es schon versucht in anderen Posts anzubringen, dasss ich meine, jemand stilisiere sich als Opfer. Als schwach dargestellt zu werden, will natürlich niemand hören, wenn man die psychologische Glanzleistung erbracht hat, die Scham darüber zu verleugnen und mit Stolz zu kompensieren. Populär war das nie und wird es nie sein. Es macht mir keinen Spaß, Menschen zu ärgern, indem ich ihnen die Früchte der Untiefen ihres Selbst auftische. Auf der anderen Seite bin ich aber zu oft damit konfrontiert, wenn zivilisatorische Prinzipien nach dem Motto
"der Zweck heiligt die Mittel" außer Kraft gesetzt werden.
Es ist doch wirklich erstaunlich, wenn Menschen, die den Untergang des Abendlandes zu verhindern suchen, andere, die dem Gebot der Nächstenliebe folgen (die Idee, die das Christliche Abendland mitgeprägt hat), als "Gutmenschen" verachten. Dieser "Gutmensch" mit seinem Anspruch an "Willkommenskultur" wird als eine Art erhobener Zeigefinger, der Beschämung hervorrufen soll, wahrgenommen. Sicherlich wird das auch richtig wahrgenommen. Ich halte das für manipulativ. Ein persönliches Ideal kann nicht einfach zum Prinzip umformuliert werden, dass für andere mit-gilt, selbst wenn es sich auf Werte beruft, die allen im Lande bewußt sein müßten.
Andererseits hat niemand die Macht in anderen ein Gefühl auszulösen.....Was mich auf den Gedanken bringt, dass das Gebot der Nächstenliebe in den Köpfen der "gefühlten Schlecht-menschen" päsent sein muss, sonst hätte es nicht die beschämende Wirkung, die es offensichtlich hat.

Der rhetorische Kniff, andere mit dem Schimpfwort "Du Opfer" zu belegen, ist eine Arbeitsanweisung des Bewußtseins ans Gehirn, sich prophylaktisch vor Herabsetzung zu schützen. Im anderen wird das Schwache im eigenen Selbst erkannt, das bekämpft werden Muss. "Du Opfer" = Selbsterhöhung durch Erniedrigung des anderen.

Auf der anderen Seite ein Wort wie "Verschwörungstheoretiker" zu gebrauchen ist stigmatisierend und wirkt auf Menschen, die dazu neigen, sich ihre eigene Schwäche nicht einzugestehen, wie ein Schalter, der das geistige Licht in bestimmten Räumen ausschaltet. Dafür brennen die Lichter in anderen Räumen, in denen daran gearbeitet wird, das eigene Weltbild aufrechtzuerhalten um so heller. Das führt im Außen zu selbstreferenten Erklärungs-modellen, wie im Artikel beschrieben.
Leider bleibt uns nichts anderes übrig als das, was wir als Fakten anzuerkennen bereit sind, zu interpretieren. Es ist meiner Ansicht nach ein Fehler zu denken allein in Fakten die allein in der Außenwelt zu suchen sind, finde man Wahrheit. Denn darum geht es letztendlich allen.
Ich habe keine Ahnung, ob es eine Wirkung auf Menschen hat, sie davon zu überzeugen, dass der Zweck nicht die Mittel heiligt und z.B. aufzuzeigen, worin sich Inkonsequenzen in Denken zeigen. Ich weiß nur, dass wer sich allein mit Fakten einer Diskussion stellt, ohne adäquat auf sämtliche Täuschungsmanöver reagieren zu können, schon verloren hat.
Die Nr. 1 bildet für mich immer noch die Selbststilisierung zum Opfer.

.... Danke für den Link. Das werde ich mir mal durchlesen...

Moorleiche 23.02.2016 | 18:14

Hallo Robinson Kruse.

Ich habe es schon versucht in anderen Posts anzubringen, dasss ich meine, jemand stilisiere sich als Opfer.“

Ich stimme Dir sofort zu, dass es das gibt, da rennst Du bei mir offene Türen ein.

Auf der anderen Seite bin ich aber zu oft damit konfrontiert, wenn zivilisatorische Prinzipien nach dem Motto
"der Zweck heiligt die Mittel" außer Kraft gesetzt werden.“

Ja, dann werden Beziehungen und das was sie reich und wertvoll macht, auf Nutzen reduziert. Man hat dann einen Menschen als bloßes Mittel zum Zweck gemacht und Kant sagte, das sei nicht gut.

Es ist doch wirklich erstaunlich, wenn Menschen, die den Untergang des Abendlandes zu verhindern suchen, andere, die dem Gebot der Nächstenliebe folgen (die Idee, die das Christliche Abendland mitgeprägt hat), als "Gutmenschen" verachten.“

Ja, derzeit sehen wir ein gesellschaftliche Wettlauf um die schönsten Selbstwidersprüche. Immerhin, ist Pegida hier mal weit vorne.

Andererseits hat niemand die Macht in anderen ein Gefühl auszulösen.....Was mich auf den Gedanken bringt, dass das Gebot der Nächstenliebe in den Köpfen der "gefühlten Schlecht-menschen" päsent sein muss, sonst hätte es nicht die beschämende Wirkung, die es offensichtlich hat.“

Man kann schon nachvollziehen, was denen auf den Sack geht. Wenn man sozial am Rande steht, nach der Wende die Sonne nicht aufging und man das nicht ganz unberechtigte Gefühl hat von Westlern nicht immer gut angesehen und behandelt worden zu sein und dann erleben muss, dass das irgendwo von weit her irgendwelche dunkelhäutigeren Leute kommen, die scheinbar rührend umsorgt werden … puhhh, da muss man kein Einstein der Empathie sein um da mitfühlend zu sein, oder? Die Berufshetzer sind ne andere Kategorie.

„Der rhetorische Kniff, andere mit dem Schimpfwort "Du Opfer" zu belegen, ist eine Arbeitsanweisung des Bewußtseins ans Gehirn, sich prophylaktisch vor Herabsetzung zu schützen. Im anderen wird das Schwache im eigenen Selbst erkannt, das bekämpft werden Muss. "Du Opfer" = Selbsterhöhung durch Erniedrigung des anderen.“

Jein, auch … irgendwie. Was oft unterschätzt wird, ist die Gedankenlosigkeit und gefühlte Grandiosität, die mit dieser Kompensation einhergeht. Das eigene Opfersein ist tatsächlich weg und man hat das Gefühl die anderen seien wirklich nur ein Stück Dreck. Und an dieser Grandiosität prallen Argumente, Zahlen und Statistiken ungehört ab. Nicht zwingend aus Dummheit, es ist das Gefühl drüber zu stehen.

Auf der anderen Seite ein Wort wie "Verschwörungstheoretiker" zu gebrauchen ist stigmatisierend und wirkt auf Menschen, die dazu neigen, sich ihre eigene Schwäche nicht einzugestehen, wie ein Schalter, der das geistige Licht in bestimmten Räumen ausschaltet.“

Völlig korrekt. Die Kritiker werden buchstäblich nicht ernst genommen und erscheinen als Ahnungslose oder gerissene Feinde. Beides keine Dialogpartner.

Leider bleibt uns nichts anderes übrig als das, was wir als Fakten anzuerkennen bereit sind, zu interpretieren. Es ist meiner Ansicht nach ein Fehler zu denken allein in Fakten die allein in der Außenwelt zu suchen sind, finde man Wahrheit. Denn darum geht es letztendlich allen.“

Da bist Du, glaube ich, auf der richtigen Fährte.

Ich habe keine Ahnung, ob es eine Wirkung auf Menschen hat, sie davon zu überzeugen, dass der Zweck nicht die Mittel heiligt und z.B. aufzuzeigen, worin sich Inkonsequenzen in Denken zeigen.“

Nur auf die, die schon ziemlich weit sind, nicht auf Verschwörungstheoretiker. Das macht die Nummer kompliziert. Man muss ihre Sprache kennen und sie in ihrer Sprache ansprechen.

Ich weiß nur, dass wer sich allein mit Fakten einer Diskussion stellt, ohne adäquat auf sämtliche Täuschungsmanöver reagieren zu können, schon verloren hat.“

Ja.

Die Nr. 1 bildet für mich immer noch die Selbststilisierung zum Opfer.“

Ich glaube, der erste der da gemacht hat, war Ratzinger, als der den Pluralismus attackierte. Das Problem ist, dass er nicht ganz unrecht hatte und einfach den rhetorischen Kniff jener, die sich für Opfer (und diejengen, die sie dafür halten und teilweise in ihrem Opferstatus belassen wollen) einsetzen, gegen diese gewendet hat. Wenn ihr Pluralisten seid, wieso verachtet ihr uns und grenzt unsere Art zu leben aus. Gut gemacht und wirksam, nur hasst man die Kirche immer noch und Hemmungslosere haben den Trick perfektioniert. Das hinter dem Wort keine echte Einstellung steht, stört niemand, das hat uns die politisch Linke leider erfolgreich abtrainiert und ich bin ihnen bitter böse deswegen.

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Ehemaliger Nutzer 24.02.2016 | 08:19

"Der Umkehrschluss, dass es deshalb keine Verschwörungstheorien gäbe, ist jedoch nicht richtig."

Okay. Du bist also fest entschlossen an der Diskurs-Manipulation mittels etablierung des Schwachsinnsbegriffs "Verschwörungtheorie" mitzuarbeiten.

Genau so funktioniert das: Vermeintliche Linke diskreditieren Linke, vermeintliche Aufklärer diskreditieren oder verschwurbeln die Suche nach Wahrheit, vermeintliche Gute machen die Arbeit der Ausbeuter.

Oft ist nicht zu entscheiden ob es sich bei solchem antiaufklärerischen Tun um Dummheit oder Kalkül handelt.

Moorleiche 24.02.2016 | 09:04

Hallo Robinson Kruse.

Okay. Du bist also fest entschlossen an der Diskurs-Manipulation mittels etablierung des Schwachsinnsbegriffs "Verschwörungtheorie" mitzuarbeiten.“

Ich frage mich gerade, ob die Reduzierung des anderen auf eine Ja/Nein-Schablone wirklich dem entspricht, was Diskurs meint. Eher nicht, ne? Diskurs heißt, den anderen so vollumfänglich wie es geht, zu verstehen und in dieser Reduzierung fühle ich mich vollkommen unverstanden.

Mein Standpunkt ist: 1) Ja, es gibt Verschwörungstheorien. 2) Ja, es gibt die Diskreditierung anderer, dadurch dass man sie zu „Verschwörungstheoretikern“ macht, stilitisiert. 3) Genau weil es kein entweder/oder gibt ist es notwendig erkennen zu können, was denn eine Verschwörungstheorie ist, ausmacht, woran man sie und den typischen Verschwörungstheoretiker erkennt.

Hat man das zusammen, kann man prüfen, ob die Behauptung, dass Herrmann, Maria, Ayshe oder Marek Verschwörungstheoretiker seien eher stimmt oder eher nicht stimmt. Kannst Du dem zustimmen oder siehst Du das anders?

Genau so funktioniert das: Vermeintliche Linke diskreditieren Linke, vermeintliche Aufklärer diskreditieren oder verschwurbeln die Suche nach Wahrheit, vermeintliche Gute machen die Arbeit der Ausbeuter.“

Schön und gut, aber woran unterscheidest Du wer „vermeintlich“ und wer „tatsächlich“ ist.

Oft ist nicht zu entscheiden ob es sich bei solchem antiaufklärerischen Tun um Dummheit oder Kalkül handelt.“

Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob man mit aufklärerischem Tun auf der sicheren Seite ist. Viele, vielleicht zu viele, beanspruchen das für sich und wen man die Ergüsse dann liest, kräuseln sich einem die Fußnägel.

Moorleiche 24.02.2016 | 09:14

Hallo KurzeFrage.

Weder möchte ich bei Herles sein, noch hat meine Kritik auch nur ein bißchen Nähe zu der von Herles. Für "Kapital" "Quote" zu setzen ist so ein Blödsinn. Das sind völlig unterschiedliche Kategorien. Wie kann man denn auf so einen Schwachsinn kommen?“

Dann habe ich eventuell nicht verstanden, was Du hier mit Kapital meintest.

Ich sah den Zusammenhang in dem was die Quote erzielen soll. Popularität, Werbeeinnahmen, Marktanteile. M.E. geht es auch bei dem diffusen Adressaten „Kapital“ darum, aber das scheinst Du anders zu sehen?

zelotti 24.02.2016 | 14:37

Manchmal reicht es auch seriöse Mainstreammedien zu lesen, um zu sehen, dass grade etwas schief läuft in diesem Staate:

Auf die Frage, was ein Verzicht auf öffentliche Pogida-Auftritte mit dem Strafmaß zu tun habe, sagte Müller, sein Verteidiger, der Neonaziszene-Anwalt Wolfram Nahrath, habe ihm nach den Gesprächen mit der Staatsanwaltschaft nahegelegt, sich als Pogida-Anmelder zurückzuziehen. Im Gegenzug, so hätte die Staatsanwaltschaft im Laufe des Prozesses signalisiert, wäre eine Bewährungsstrafe möglich. Darauf sei Müller aber zunächst nicht eingegangen.

Provokationsmeden wie Pi-News kann man eigentlich ignorieren, viel schlimmer ist ja, dass die seriösen Medien sich so aufführen als hätten Chomsky und die Lügenpresse-Rufer Recht mit ihnen, und immerzu in eine Sprache des Hasses verfallen, die sie nicht mal reflektieren und politische Minderheiten als "Hetzer" verunglimpfen.

Robinson Kruse 24.02.2016 | 17:37

Hallo Moorleiche,

Die Manipulationsfunktion des Begriffs "Verschwörungstheoretiker" hat für mich noch eine andere Seite...

" „Nochmal: wer etwa den Begriff "Verschwörungstheorie" gebraucht ohne auf dessen Manipulationsfunktion hinzuweisen, arbeitet an der Manipulation mit!“

Ja, aber: Es ist richtig, dass die Bezeichnung Verschwörungstheoretiker inzwischen benutzt wird um andere zu diskreditieren. Der Umkehrschluss, dass es deshalb keine Verschwörungstheorien gäbe, ist jedoch nicht richtig. Es gibt sie, man muss sie nur erkennen. "

Der Begriff Verschwörungstheoretiker wurde meiner Meinung nach von Anfang an dazu geprägt, andere zu diskreditieren!

Eine Zuschreibung an eine Person steckt sie immer auch in eine Schublade, die aber nur einen Teil der ganzen Persönlichkeit wiedergibt. Es spielt keine Rolle, ob man als "Verschwörungstheoretiker" als "sanftmütiger Mensch" , "Dumpfbacke" oder "nett" bezeichnet wird, hat man nicht immer das Gefühl, in eine Ecke gesteckt zu werden, dass etwas öffentlich wird, was nicht unbedingt öffentlich werden soll?

Wenn ich einem anderen einen Namen wie z.B. "Verschwörungs-theoretiker" oder "Fußballnarr" gebe, mache ich das immer in dem Bewußtsein, der andere muß sich vorstellen, was ich von ihm denke. Als "Sender" bestimme ich schließlich, was ich ausdrücken möchte, welche Bedeutung das gesagte haben soll. Ich kann mir überlegen: will ich den anderen z. B. ärgern oder ihm freundlich begegnen.
Kann ein Begriff in einer Kommunikation neutral gemeint sein?


Unabhängig davon, welche Bedeutung ich meinen Worten geben möchte, liegt die Deutungsmacht dessen, was ich übermitteln möchte, immer in der Hand dessen, der eine Nachricht empfängt. Der überlegt sich, was gemeint sein könnte und kann nach eigenem Gusto reagieren. Verärgert oder ... ja auch gelassen und das selbst, wenn nicht nur vermutet, sondern durch den Sender bestätigt wurde, dass etwas böse gemeint ist. Der Sender hat nicht die Macht, eine bestimmte Reaktion auszulösen, weder in Form von sprachlichen Zuschreibungen wie "Verschwörungstheoretiker" oder Verunglimpfungen wie bei Mohammedkarikaturen. Es ist die irrige Annahme, es bestehe eine allgemeine VEreinbarung es müsse nett miteinander umgegangen werden. Wenn aber dieses selbstaufgestellte und als allgemeingültig verstandene Gebot gebrochen wird, dann habe man das Recht sich zu wehren. Dieses Recht existiert aber nur in der Welt eines "Zirkelschlußargumentationspraktikers"!

Moorleiche 25.02.2016 | 09:30

Hallo Robinson Kruse.

Eine Zuschreibung an eine Person steckt sie immer auch in eine Schublade, die aber nur einen Teil der ganzen Persönlichkeit wiedergibt. Es spielt keine Rolle, ob man als "Verschwörungstheoretiker" als "sanftmütiger Mensch" , "Dumpfbacke" oder "nett" bezeichnet wird, hat man nicht immer das Gefühl, in eine Ecke gesteckt zu werden, dass etwas öffentlich wird, was nicht unbedingt öffentlich werden soll?“

Klar, jede Zuschreibung ist auch eine Einschränkung, aber ist das notwendig ein Problem? Wir können ja nach weiteren Zuschreibungen verlangen, wenn wir eine bestimmte für zu eng oder unpassend halten.

Kann ein Begriff in einer Kommunikation neutral gemeint sein?“

Schwer. Aber wie Du ja richtig sagst, man kann nicht vollständig bestimmen, wie der andere das, was man sagt, versteht. Das ist ein facettenreiches Thema.

Unabhängig davon, welche Bedeutung ich meinen Worten geben möchte, liegt die Deutungsmacht dessen, was ich übermitteln möchte, immer in der Hand dessen, der eine Nachricht empfängt.“

Ja, zum Teil.

Verärgert oder ... ja auch gelassen und das selbst, wenn nicht nur vermutet, sondern durch den Sender bestätigt wurde, dass etwas böse gemeint ist.“

Ja, und wie jemand reagiert, sagt ja auch was über den Betreffenden aus. Der eine bleibt ruhig, der andere geht steil.

Der Sender hat nicht die Macht, eine bestimmte Reaktion auszulösen, weder in Form von sprachlichen Zuschreibungen wie "Verschwörungstheoretiker" oder Verunglimpfungen wie bei Mohammedkarikaturen.“

Doch, hat er eben auch. Sonst würden Diskreditierungen ja gar nicht verfangen. Kahnemann, hat in dem oben erwähnten Buch unter anderen auf Anker-Reize oder Priming hingewiesen und klar gezeigt, dass man sehr oft doch die Richtung der Denkweise des anderen bestimmen kann. Nimmt man dann noch den Bereich der sozialen Wahrnehmung hinzu wird das Bild noch breiter.

Es ist die irrige Annahme, es bestehe eine allgemeine VEreinbarung es müsse nett miteinander umgegangen werden. Wenn aber dieses selbstaufgestellte und als allgemeingültig verstandene Gebot gebrochen wird, dann habe man das Recht sich zu wehren. Dieses Recht existiert aber nur in der Welt eines "Zirkelschlußargumentationspraktikers"!“

Nee, das ist schon real. Kommt halt wie immer auf den Kontext an, aber wer eine chronisch unfreundliche Nervensäge ist, dessen sozialer Kontostand sinkt, außer vielleicht er ist schon in einer herausragenden Position in der er sich das erlauben kann. Es ist ja kein Nachteil, wenn man über soziale Kompentenzen verfügt.

Ich habe aber noch nicht ganz verstanden, warum Dich das im Zusammenhang mit dem Thema Verschwörungstheorie so interessiert, wo siehst Du da den Zusammenhang?

Robinson Kruse 25.02.2016 | 12:24

Hallo Moorleiche,

" „Der Sender hat nicht die Macht, eine bestimmte Reaktion auszulösen, weder in Form von sprachlichen Zuschreibungen wie "Verschwörungstheoretiker" oder Verunglimpfungen wie bei Mohammedkarikaturen.“

"Doch, hat er eben auch. Sonst würden Diskreditierungen ja gar nicht verfangen. Kahnemann, hat in dem oben erwähnten Buch unter anderen auf Anker-Reize oder Priming hingewiesen und klar gezeigt, dass man sehr oft doch die Richtung der Denkweise des anderen bestimmen kann. Nimmt man dann noch den Bereich der sozialen Wahrnehmung hinzu wird das Bild noch breiter." "

Ja, natürlich "funktioniert" es, die Denkweise des anderen zu bestimmen. Ich weiß, was du meinst.
Aber "funktioniert" Kommunikation? Wenn ich in Frage stelle, das Kommunikation "funktioniert", stelle ich in Frage, ob jedes Mittel, den anderen zum Einlenken in Richtung meiner Meinung zu bewegen, gestattet ist. Ich halte es nicht für legitim.
Es gibt einen komischen Spruch in dem viel Weisheit steckt, der den Wesenszug des Menschen, das Optimum des Möglichen für sich herauszuholen, wiedergibt.
Warum leckt sich der Hund am Arsch? ----- Weil er drankommt!
Es geht darum, recht zu behalten. Grenzen nicht anzuerkennen. Den eigenen Machtbereich auszuweiten....
(Ich will das jetzt nicht als gut oder schlecht bewerten)

Am Anfang eines Gesprächs wird zum Beispiel mit der "Nazikeule" Druck damit aufgebaut, jemand aus der Gemeinschhaft auszuschließen, weil er eine abweichende Meinung hat.
Auf der Gegenseite wird es dann als legitim betrachtet, sich auf die alleinige Tatsache der Illegitimität einer solchen Strafmaßnahmen zu berufen. Illegitim, weil absichtsvoll Schaden zufügend. Aßerhalb der Gemeinschaft zu stehen ist eine schwere Strafe. Nazikeule heißt schäm dich! Am Ende wird es dazu benutzt, um zum Gegenschlag auszuholen, der jedes Mittel rechtfertigt.
Ist es das, was man unter funktioniender Kommunikation versteht, wenn alle Schalter gedrückt werden?

Die Frage, wer angefangen hat mit der Manipulation stellt sich für mich nicht. Mir ist die Frage wichtiger, welche Seite es als ein "Recht" betrachtet, zurückzuschlagen.

Die "Nazikeule" wird nicht angewendet, weil es als "Recht" betrachtet wird, sich wehren zu dürfen, sondern weil es funktioniert, andere damit zu beschämen. Andernfals wären alle Nazis bereits ausgerottet.
Die "Lügenpressekeule" dagegen wird benutzt, weil es nun als "Recht" betrachtet wird, sich wehren zu dürfen, weil mit Anwendung der Nazikeule ein Unrecht unterstellt wird.
Das halte ich für gefährlich, weil es meiner Meinung nach nicht stimmt.
Im zwischenmenschlichen Bereich gibt es keine Rechte. Man ist der Willkür der Reaktion des Gegenübers ausgeliefert.
Deshalb bleibe ich bei dem was ich geschrieben habe.
Vielleicht ist es jetzt besser zu verstehen, was ich damit meinte:

Es ist die irrige Annahme, es bestehe eine allgemeine VEreinbarung es müsse nett miteinander umgegangen werden. Wenn aber dieses selbstaufgestellte und als allgemeingültig verstandene Gebot gebrochen wird, dann habe man das Recht sich zu wehren. Dieses Recht existiert aber nur in der Welt eines "Zirkelschlußargumentationspraktikers"!“


Moorleiche 25.02.2016 | 12:44

Hallo Robinson Kruse.

Aber "funktioniert" Kommunikation? Wenn ich in Frage stelle, das Kommunikation "funktioniert", stelle ich in Frage, ob jedes Mittel, den anderen zum Einlenken in Richtung meiner Meinung zu bewegen, gestattet ist. Ich halte es nicht für legitim.“

Das sind zwei (oder drei) unterschiedliche Fragen. 1) Funktioniert Kommunikaton? Offenbar ja. 2) Funktioniert Manipulation? Offenbar ja. 3) Ist es legitim zu manipulieren? Kommt drauf an, würde ich sagen.

Es geht darum, recht zu behalten. Grenzen nicht anzuerkennen. Den eigenen Machtbereich auszuweiten....
(Ich will das jetzt nicht als gut oder schlecht bewerten)“

Immer und bei allen? Bei wem mehr, bei wem weniger? Versuch das mal zu untersuchen.

Ist es das, was man unter funktioniender Kommunikation versteht, wenn alle Schalter gedrückt werden?“

Nein, das ist der Versuch der Manipulation.

Die "Nazikeule" wird nicht angewendet, weil es als "Recht" betrachtet wird, sich wehren zu dürfen, sondern weil es funktioniert, andere damit zu beschämen. Andernfals wären alle Nazis bereits ausgerottet.“

Wart' mal. Im Im Moment ändert sich das gerade. Der Trend geht in die Richtung, dass die Nazikeule zum Stock und in einigen Kreise zum Zahnstocher wird. Ein Grund ist sicher ihr leichtfertige und inflationärer Gebrauch. Es schockt viele nicht mehr „Nazi“ genannt zu werden, auch weil es zu viele Idioten gibt, die damit zu freigiebig waren. Kaputt, die Waffe, stumpf das Schwert.

Die "Lügenpressekeule" dagegen wird benutzt, weil es nun als "Recht" betrachtet wird, sich wehren zu dürfen, weil mit Anwendung der Nazikeule ein Unrecht unterstellt wird.
Das halte ich für gefährlich, weil es meiner Meinung nach nicht stimmt.“

Unrecht oder nicht. Jedenfalls hat man eine Keule, die annähernd gleich stark ist. Nicht ganz, aber sie wird kräftiger, dicker, druchschlagender.

Im zwischenmenschlichen Bereich gibt es keine Rechte. Man ist der Willkür der Reaktion des Gegenübers ausgeliefert.
Deshalb bleibe ich bei dem was ich geschrieben habe.“

Wenn Du Kommunikation a priori als Machtspiel siehst, mag das stimmen. Aber ist sie das? Untersuch' das mal.

Hat jetzt einer von uns "gewonnen"? Den anderen gedisst? Willst Du mich fertig machen? Wir kommen doch gut klar, ich sehe hier kein Armdrücken, Du?

Henry Cekano 25.02.2016 | 13:02

Wenn man die im Artikel aufgeführten Internet-Portale mit den sogenannten traditionellen Medien vergleicht, dann fallen zunächst mal einige Analogien auf. Beide versenden ihre Nachrichten über weitreichende Kommunikationsmittel. Die einen vorwiegend übers Internet, die anderen über Fernsehkanäle und Zeitungen aber zunehmend auch über das Internet. Dass sich Informationsanbieter gegenseitig als Quellen nutzen, ist auch keine Besonderheit der einen oder anderen Seite. Das Vorsortieren und Abfassen der Nachrichten nach Wirkungsgesichtspunkten erfolgt ebenfalls auf beiden Seiten. Hier entsteht allerdings der entscheidende Unterschied. Die einen betreiben unverhohlen oder arglistig Desinformation, in dem sie beispielsweise vorhandene aber nicht zum verfolgten Ziel passende Informationsteile unterschlagen und die verbleibenden Informationen so formulieren, dass sie das Publikum in eine bestimmte Interpretationsrichtung treiben. - Die anderen - versuchen - nach bestem Wissen und Gewissen (das sei hier einfach mal unterstellt) und/oder nach der vermeintlichen Interessenlage des Publikums Informationen nach dem Prinzip größtmöglicher Objektivität und Vollständigkeit zu liefern. - Das gelingt aber fast nie.

Die Geschehens- und Sachverhaltsvielfalt ist so groß und im Einzelfall oft auch noch hoch komplex, dass sie von einzelnen Journalisten oder Redaktionen schon grundsätzlich gar nicht vollständig erfasst und verarbeitet werden kann. Außerdem sind alle eingesammelten und verarbeiteten Informationen immer von der Sichtweise der beteiligten Personen und den nicht immer optimalen Erfassungsmöglichkeiten vor Ort geprägt. Zudem lässt die in der Medienwelt offensichtlich herrschende Wettbewerbs- und Aktualitätshysterie nur selten Zeit für umfassende Recherchen. Am Ende steht statt umfassender und objektiver Information nur Informationsstückwerk. - Leider, aber legitimerweise, weil nicht geleistet werden kann, was unter den beschriebenen Gegebenheiten nicht leistbar ist.

Das Publikum steht vor der nicht einfachen Aufgabe, den Unterschied zwischen Manipulation und der Beeinflussung durch nicht absichtlich herbeigeführte Informationsmängel zu erkennen. Wegen der oft unterentwickelten Fähigkeit zur Differenzierung, gelingt das leider zu oft nicht. Hier sind die öffentlichen Bildungsinstitutionen sehr im Verzug und deshalb besonders in der Pflicht. Denn nur wenn sich die Medien einem bezüglich des Umgangs mit medialen Informationsinhalten kompetenten Publikum gegenüber sehen, werden sie sich darauf einstellen. Vielleicht in einem ersten Schritt damit, dass in den zahlreichen Kommentaren, die ja als Hilfe zur Meinungsbildung in der Gesellschaft gedacht sind (eine sowieso hoch fragwürdige Sinngebung), statt der Präsentation von persönlichen Meinungen, mitgeteilt werden würde, was man zum jeweils anstehenden Thema alles nicht weiß.










Robinson Kruse 25.02.2016 | 17:42

"Wenn Du Kommunikation a priori als Machtspiel siehst, mag das stimmen"

Habe gerade den Eindruck wir reden total aneinander vorbei. Das sehe ich persönlich nicht so.
Ich sehe aber, dass die Möglichkeit exstiert, sie zum Machtspiel werden zu lassen und das aus gutem Grund.

"Willkür der Reaktion des Gegenübers" kann ich auch umformulieren und sagen, man braucht immer auch ein Entgegenkommen des anderen....

....später mehr.

LinksPazi 04.03.2016 | 10:02

Nicht diejenigen, die den Medien nicht mehr glauben, leben in einer Parallelwelt, sondern jene, die wie J. Ellul schon feststellte, besonders für Propaganda und Selbstbetrug gefährdeten, Gebildeten. Und ohne eine drastische Medienreform, wird es keine demokratische Entwicklung geben. Wir müssen dringend eine Diskussion darüber beginnen, wie wir Medien wieder zum Werkzeug der Demokratie, der Information, statt zum Werkzeug der Verbreitung der Meinung einer gleich denkenden Elite zu machen. Zumindest Ansätze für die Diskussion gibt es:

http://www.jomenschenfreund.blogspot.de/2015/02/medien-zu-regulieren-wichtiger-als.html

Ede Odaso 04.03.2016 | 11:25

" Dass dieser Begriff nicht mehr ist als ein Kampfbegriff"
Der Begriff der Verschwörungstheorie wird sicher auch als Kampfbegriff benutzt, gleichzeitig wird auch ein echtes Problem angesprochen. Selbstverständlich gibt es Verschwörungen, und die müssen auch benannt werden. aber es gibt nicht die umfassenden Verschwörungen, die von vielen Verschwörungstheoretikern imaginiert werden, und wie sie das Konzept der "Lügenpresse" impliziert. Kurz gesagt liegt das Problem darin, dass eine umfassende Verschwörung voraussetzt, dass eine einzelne Gruppe so ziemlich alles unter Kontrolle hat, und das gibts eben nicht...
Genauer lässt sich das hier nachlesen.

http://www.heise.de/tp/artikel/45/45366/1.html

Dion 21.03.2016 | 12:26

Hinter der Pegida und der AfD ist ein System sichtbar, das auch in den letzten Jahren der Weimarer Republik Erfolg hatte. Der Begriff „Lügenpresse“ wurde von der NSDAP benutzt, gern mit dem Zusatz, es handele sich dabei um vom „Weltjudentum“ gesteuerte Presse. Dies entspricht dem Begriff „Systempresse“, der in den rechten Medien und ihrer Kundschaft heute benutzt wird.

Man sollte die rechten Medien nicht unterschätzen, so nach dem Motto, die Wahrheit würde sich am Ende schon durchsetzen. Fragt sich nur, welche Wahrheit. Hitler schrieb in seinem „Mein Kampf“: „Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß. Aus diesen Tatsachen heraus hat sich jede wirkungsvolle Propaganda auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig so lange zu verwenden, bis auch bestimmt der Letzte unter einem solchen Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag.“

Dass diese Propaganda Erfolg hatte, braucht man wohl nicht zu betonen. Oder doch?